Reifenstein oder Reifstein, Johann Friedrich

Reifenstein oder Reifstein, Johann Friedrich, der bekannte kaiserlich russische und sachsen-gothische Hofrath etc., geboren zu Ragnit in preussisch-Lithauen 1719, wird von einigen Schrift- stellern, wie von Meusel und namentlich in Schlichtegroll's Ne- krolog von 1793 I. S. 17, auch als Künstler gelobt, der sehr artig in Miniatur, Oel, Pastell, Aquarell und in Wachsfarben gemalt, die Enkaustik vervollkommnet, modellirt und in Kupfer radirt, und die Kunst wieder erfunden habe, Glaspasten von Cameen mit vielfarbigen Lagen zu machen und dem Glase eine Härte zu geben, dass es sich wie der Diamant behandeln und schleifen lässt. Allein mit seinen Kunstversuchen war es nie weit her, in so vielen Fächern hatte er sich nicht versucht, richtig ist es aber, dass er oft das anderen Künstlern gebührende Lob davon getragen hat. So sind die enkaustischen Bilder, welche er an den Kaiser von Russland schickte, von A. Nesselthaler, Cades und Delara, von ersteren auch die Transparentmalereien, mit welchen er bei der Grossher- zogin von Weimar prahlte. Dagegen war Reifenstein ein eifriger Kunstfreund, nach dem Tode seines Freundes Winckelmann der beredteste und angesehenste Cicerone Rom's. Im alterthümlicher Hinsicht betete er dem Winckelmann nach, und Mengs galt ihm als höchstes Muster in der Malerei. Wer die Antiken nicht nach- ahmte, und nicht zur Fahne des philosophischen Malers geschworen hatte, der war nie Reifenstein's und Azara's Freund. Diese Männer hatten damals an Künstler Gnaden zu vertheilen, und selbst Hackert verdankte dem im Uebrigen guten und stets zur Hülfe bereiten Reifenstein Vieles. Er hatte desswegen auch zahlreiche Freunde, hohe Gönner, aber auch leidenschaftliche Gegner und Verächter. Sein Kunstgeschwätz, besonders wenn er von den Vorzügen der Enkaustik docirte, soll Vielen Langeweile verursacht haben. Er be- sass weder grosse Gelehrsamkeit, noch tüchtige Kenntnisse in der Kunst. Es finden sich einige radirte Blätter von seiner Hand.

Bauten von Bedeutung scheint Hans Reifenstuhl in München nicht geführt zu haben, seinen Namen verkündet aber noch zur Stunde die künstliche Soolenleitung von Reichenhall nach Traun- stein. Die Ausführung dieses Werkes übertrug ihm Maximilian 1616, aber erst 1617 nahm der Bau seinen Anfang. Im folgenden Jahre war man bis Traunstein vorgeschritten, 1619 wurde daselbst auch der Salinenbau vollendet. Die Soolenleitung ist über acht geometrische Stunden lang, und sieben mit Druckwerken versehene Röhrhäuser fördern durch 90000 Teiche die Soole nach dem Orte ihrer Bestimmung. Flurl sagt, der Meister sei bald nach Voll- endung des Baues, den 8. Februar 1620, gestorben, allein diese Angabe passt nur auf den fürstlichen Brunnen- und Zimmer- meister Simon Reifenstuhl, den Sohn des berühmten Reifenstuhl, der über dem angeblichen Hans Simon vergessen wurde. Von seiner Existenz spricht aber der Grabstein in der erwähnten Kapelle zu Gmund, auf welchem man liest: Anno 1620 den 8. Februar

Nagler's Künstler-Lex. Bd. XII. 25

Dieser Simon Reiffenstuhl ist vielleicht darunter zu verstehen, wenn Lipowsky sagt, dass J. S. Reifenstuhl die vortreffliche Wasser- leitung für die kön. Residenzstadt München besorgt habe. Diese Angabe ist aber zu allgemein; denn die wirklich meisterhafte Wasserleitung Münchens ist nicht auf einmal, und zu Reifenstuhl's Zeit entstanden. Einen Theil dürfte Reifenstuhl bewerkstelligt haben, und namentlich jene der damals neu erbauten Residenz. Reifenstuhl der Vater starb 1624, nachdem er 32 Jahre im Dienste des Herzogs gestanden hatte. Dieses letztere besagt die Inschrift der hölzernen Gedenktafel mit den Bildnissen der Familie, welche 1644 aufgestellt wurde. Im Sitzungssaale der kön. Salinen- und Bergwerks-Administration zu München ist das Bildniss dieses Künstlers, der damals ein Alter von 45 Jahren hatte. M. Flurl liess es für seine Geschichte der Saline Reichenhall lithographiren.

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