Razzetti, J., Maler zu Venedig , blühte in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er malte Bildnisse.
zu seyn, da er sich öfter gezwungen sah, ihm nicht unbedeutende
der Zeichnung zu jhm weniger einräumen, während er ihn anderwärts mit ziemlicher Verachtung behandelte, ihn Mattaccio und Bucaturo nennt. Vasari
achtet indessen gleichwohl allein den Sodoma gering, sondern auch
einige andere tüchtige Künstler seiner Zeit, was sich aus seiner
Vorliebe für Michelangelo und seine Schule erklärt. Vasari setzt
nach Buonarotti das Höchste der Malerei in Kraft und Kühnheit
Lieblichkeit der Form und des Ausdrucks galten
obgleich Vorzüge, welche jener nicht weichen durften. In Sodoma's
früheren Werken offenbaren sich die Eigenheiten der alten mai- ländischen Schule und des Giovenone, der in Razzi's ersten Jahren zu Vercelli blühte. Jetzt nimmt man auch fast allgemein an, dass der Künstler , oder gegen 1480 zu Vercelli geboren worden sei. Andere glaubten, er stamme aus Vergelle, einem Dorfe des Gebietes von Siena , diese scheinen aber zu ihrer Behauptung, nur durch den Umstand gekommen zu seyn, dass Sodoma später in Siena das Bürgerrecht genoss. Ortensio Laddi, in seinem Dialogo nennt ihn einen Mailänder und langjährigen Bewohner von Siena; die Mehrzahl der früheren Schriftsteller deutet aber auf Vercelli, so dass Razzi auch geradehin Gio. Antonio da Vercelli genannt wird. In einer von Zani genannten Urkunde heisst er Johannes Antonius Razzi de Verze pictor, und in einer Schrift von 1530 Magnificus Eques Dominus Joannes Antonius de Razzis de Verzö pictor alias il Sodoma. Auch Vasari macht ihn zu einem Ver- celler und bemerkt noch dabei, der Künstler sei von einigen Ge- schäftsträgern des edlen Hauses Spannocchi nach Siena gebracht worden. Vasari fügt aber in seinen übrigen Angaben weniger der öffentlichen Meinung, als Giovio, der er unter dem Namen P. Jovius näher bekannte Gelehrte, welcher (bei P. del) Valle, Supp. alla vita di Gio. Ant. Razzi, S. Vasari ed. Sempr. 207
bei der Anzeige des Todes Rafael's hinzusetzt: Plurimæ pagi paene
fariam certantes artem exceperunt, et in his Sodomas Verzellensis, anzi bemerkt bei dieser Stelle in der Geschichte der Malerei, dass derjenige, welcher das Zeugniss eines grossen Gelehrten ver- teilt, doch eines grossen Malers annehmen solle. Als nämlich Annibale Caracci durch Siena reiste, sagte er: Razzi scheine ein grosser Meister, von grossem Geschmucke, und der er (wie er in Siena sah) sehe man wenig. Indessen
musste auch Vasari bei allem Vorurtheil öfter die Tüchtigkeit des Künstlers anerkennen, nur schrieb er dem Zufall, dem Glück, dem Talent es zu, was er Gutes geleistet. Im Leben Mecherino's gesteht er ihm Gründlichkeit der Zeichnung zu, anderwärts lobt er sein feuriges Colorit, und auch den Ausdruck und die Mannig- faltigkeit der Köpfe scheint er hie und da bewundert zu haben. Er nennt Razzi's frühere Werke auch oft schön, zuweilen sehr schön und bewundernswürdig, nur die aus seiner letzten Zeit fand er immer tadelnswerth. Streng genommen will aber Vasari dem Künstler keine Tüchtigkeit zugestehen. Sein grösseres Verdienst erkannten aber die neueren Schriftsteller, unter welchen Lanzi, B. v. Rumohr, Speth u. a. oben an stehen. ... er Sodoma war für die Kunst in Siena eine wohlthätige Erschei- nung, indem er gleichsam ein neues Lebenselement in dieselbe
Zu seinen vielen Schülern zählt man Michel Angelo Anselmi da Siena, Bartolomeo Neroni, Maestro Riccio, Rustico, lo Scalabrino.
Die frühesten Arbeiten Sodoma's sind die Wandgemälde im Kloster S. Uliveto maggiore auf dem Wege von Siena nach Rom. Hier sieht man im grossen Hofe 36 Darstellungen aus dem Leben St. Benedict's, von welchen neun dem L. Signorelli, die anderen dem Cav. Sodoma angehören. Einige erklären diese Bilder für die besten unseres Künstlers. Er zeigte darin nach B. v. Rumohr, Ital. Forsch. III. 387., einen Umfang der Beobachtung, eine Schärfé des Sinnes, für die Bedeutung des Charakters, und der Bewegung menschlicher Formen, welche in seinen späteren Gemälden einer schon allgemeinern Vorstellung von sinnlicher Anmuth Raum gegeben hat. Vasari fand dagegen an diesen Werken zu tadeln, und be- sonders macht er dem Künstler wegen der dortigen Grottesken und Launen Vorwürfe. Parini suchte ihn gegen Vasari's Vorwürfe zu vertheidigen, Lettera sul archicenobio di Monte Oliveto p. 40. Später begab sich Razzi nach Rom, wo daselbst Papst Julius II. den Vatikan mit Malereien verzieren liess; allein seine Bilder wur- den bis auf einige Arabesken und Zwischenfelder an den Decken vernichtet, um für Raphael Platz zu gewinnen. Erhalten sind Frescobilder in der Farnesina, wo er in einem Zimmer des Ober- geschosses die Hochzeit des Alexander mit der Roxane und den Alexander im Zelte des Darius malte. Diese Bilder zeigen zwar noch nicht einen Künstler, der seine Mittel in voller Gewalt hat, man sieht aber darin schon die reizendsten, anmuthvollsten Wei- bergestalten. Diese reizenden Bilder werden aber wenig besucht, da man sie über den Rafael'schen in den unteren Salen gewohn- lich übersieht,
Von grösserer Bedeutung sind Sodoma's spätere Arbeiten in Siena. Sein Meisterwerk von 1520 ist hier in der Kirche S. Do- menico, in der Kapelle der hl. Katharina von Siena. Auf der linken Seite der Kapelle malte er die Heilige, wie ihr, begleitet
In der florentinischen Gallerie ist einiges Vorzügliches von ihm, namentlich der heil. Sebastian in der Gallerie der Offizien eine Figur von den edelsten Verhältnissen, und von unbeschreiblichem Ausdrucke des Schmerzes. In der Färbung ist dieses Bild sehr streng, was vielleicht daher kommt, dass der Künstler kein leben- des Modell vor sich hatte, da er seinen Heiligen von einem alten Fuorco copirt haben soll. In der k. Sammlung zu Neapel ist eben- falls ein Bild von Razzi, wie Siena wenige aufzuweisen hat. Es ist dies eine Auferstehung Christi, 1534 gemalt.
Im Auslande sind die Werke dieses Künstlers äusserst selten.
In der k. Pinakothek zu München ist das Kniestück einer Madonna mit dem Kinde auf dem Schoss unter einem rothen Baldachin, zur Seite St. Joseph, und in der k. Gallerie zu Berlin ein grosses Gemälde, welches die Klage über den Leichnam des Erlösers vor- stellt. Dieses Bild ist, leider nicht mehr in seiner ursprünglichen Lauterkeit; nur die Köpfe geben in ihrer reinen, edlen Bildung, welche mehrfach an Lonnard erinnert, im Ausdrucke eines tiefen Schmerzes, welcher durch die Schönheit der Formen aufs Wundervollste verklärt wird, die großartige Eigenthümlichkeit des Meisters wieder. Ein zweites daselbst dem Sodoma zugeschriebenes Bild, Christus von zwei Kriegsknechten verspottet, halbe Figuren; entspricht nicht ganz seiner Art. Vgl. Kugler, Besch. d. Gallerie 295.
Einige Werke dieses Meisters sind auch durch Kupferstiche bekannt. Es gibt eine neuere Sammlung von Stichen nach Maler- werken in Siena, worin drei Blätter den Sodoma repräsentiren.
Es ist dies die Raccolta delle più celebri pitture esistenti nella Galleria di Siena. Firenze 1825. Einzelne erwähnen wir:
Die ohnmächtige Catharina von Siena in den Armen ihrer Ordensschwestern, das schon oben erwähnte berühmte Bild, gest. von J. Bonajuti, und kleinere von Lasinio in den Pittu- re di Siena. Die heil. Familie in einer Landschaft, Altarbild der Rath- hauskapelle zu Siena, von Lasinio und Cocchi, in Lapet's Etruria pittrice. Die Anbetung der Könige, das schöne Bild in S. Ago- stino zu Siena, von Lasinio jun. für die Pitture di Siena. Die Kreuzabnehmung, reiches und schönes Bild in S. Francesco zu Siena, von P. Lasinio für dasselbe Werk.
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