Raphael, Johann

Raphael, Johann, Maler von Finbeck, ein trefflicher alter Künst- ler, der aber erst um 1810 wieder bekannt wurde. In jenem Jahre erschien in der Zeitung für die elegante Welt (Nr. 1830) die An- zeige über ein Gemälde dieses Meisters, welches bis dahin als ano- nym galt; weil die Inschrift vielleicht Jahrhunderte nicht beachtet wurde. Das Mittelbild stellt Christus am Kreuze zwischen den Schächer dar, letztere in jener alten Weise aufgefasst, wie der Engel die Seele des Reuigen entführt, und dem andern der Teu- fel dieselbe mit der Zange aus dem Hirnschädel reisst. Im Vor- grunde rechts würfeln Kriegsknechte um die Kleider Christi, hinter ihnen weiset der Hauptmann in goldener Rüstung zu Pferd nach dem Gekreuzigten hin, und links stehen vom Schmerze gebeugt, Maria, Johannes, Salome und Magdalena. Auf den inneren Flä- chen der Seitenbilder sieht man die Verkündigung, die Anbetung der Könige, die Anbetung der Hirten und die Darstellung im Tem- pel, auf den äußeren die Gestalten heiliger Personen. Links oben stehen in abgekürzten Zügen die Worte: Nunc dimittis do- mine servum tuum in pace 1509, und auf dem unteren Theile des vergoldeten Rahmens lesen wir: Anno domini millesimo quingentesimo octavo opus per me Joannem Raphon in Finbeck est complexum et fabricatum. Der Bericht- geber in der oben genannten Zeitung für die elegante Welt be- hauptet, dass dieses Gemälde dem berühmten Cölner Dombilde, wenn nicht vorzuziehen, doch wenigstens gleichstehe; Kugler, Gesch. d. K. II. 127. glaubt aber, dass es in den allgemeinen Beziehungen

Ausser diesem Werke wird von Raphon noch ein Altarbild von 1490) angeführt, welches 1631 aus der Kirche des Klosters Walkenried nach Prag gebracht wurde, wo es aber verschollen ist. Dieses Bild hatte die Aufschrift: Praeclarissimum hoc opus perfec- tum est procurante Johanne Piper, Priore officiosissimo, Lectore insuper promptissimo et Johanne Raphon, quasi Apelle altero pin- gente anno Domini MCXCXIX. Andere Werke dieses Meisters sind auf der Bibliothek in Göttingen und in der Sammlung des Hrn. Hausmann in Hannover,

Die Lebensgeschichte dieses Raphon ist ziemlich unbekannt, doch fanden weitere Untersuchungen den Künstler unter den De- chanten des St. Andreasstifts zu Einbeck. Johann Letzener sagt in seiner seltenen Dasselschen und Einbeck'schen Chronik, 1506 fol. Th. 1. 64 S. 63, dass, nach dem 1507 erfolgten Tode des Dechants Johann Cremenas, Johann Raphon wieder erwählt, und dieser, ein überaus kunstreicher guter Maler gewesen sei, wie seine Stücke, so noch an etlichen Orten vorhanden, solches bezeugen. Dieser Rapian ist sicher Eine Person mit unserm Künstler, der sich nach Zeitseite in Rapinius latinisirte.

Auch die Chroniken von Walkenried gedenken des Künstlers. Heinrich Eckstorm (Chronicon Walckenaedense 1597 p- 185 f. er- wähnt eines sehr kostbaren Altarblattes,, welches gleichfalls Chri- stus zwischen den beiden Schächern am Kreuze hangend, vor- gestellt hatte, wahrscheinlich das Bild, welches nach Prag gebracht wurde. Der kleineren auf den Seitenflugeln zerstreuten Darstel- lungen waren noch mehr, als auf dem Dombilde zu Halberstadt, Das Chronikon meldet ferner: das Gemälde zu Walkenried sei im Paulinerkloster zu Göttingen verfertigt, und nach Verwüstung des- selben dort hingebracht worden. Dann heisst es weiter, der Kunst- ler habe in dortiger Gegend viele vortreffliche Werke hinterlassen, und zur Belohnung seines Kunstfleisses hatte man ihn 1507 zum Dechanten des Alexandersstiftes zu Einbeck erwählt. Im Jahre 1528 lässt Eckstorm den Künstler sterben. Luktold (Walkenried'sche Chronik, Jena, 1705, II. 1283) erwähnt ebenfalls dieses Bildes, sagt aber nur, dass der Prior Johannes Piper die Altartafel im hohen Chor der grossen Kirche habe aufstellen lassen, welche aber die Mönche in den Kriegsjahren nach Prag gebracht hatten,

Brulliot gibt ein Monogramm, welches einige diesem Rapinius zuschreiben, aber mit Unrecht, da selbes aus den Buchstaben L, B. R. S. besteht, und auf einem Gemälde steht, welches viel älter ist, als jene von Rapinius. Es ist dieses ein Altargemälde mit Flu- geln, welches aus der St. Blasiuskirche zu Braunschweig in das Museum dieser Stadt gebracht wurde,

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