Ramoser, Peter

Ramoser, Peter, Ciseleur und Goldarbeiter , geb. zu Botzen 1722, gest. daselbst 1801. Dieser berühmte Mann lernte in seiner Vater- stadt bei einem Maler drei Jahre lang das Zeichnen, und dann

bei einem Goldschmiede dessen Kunst mit solchem Erfolge, dass ihm bald nach dem Ende seiner Lehrzeit die Verfertigung von sechs silbernen Altarleuchtern von getriebener Arbeit für die Pfarrkirche von Botzen anvertraut wurde. Hierauf ging er nach Augsburg , und von dort nach Paris, wo er fünf Jahre die Akademie der Künste frequentirte, bei den besten Meistern seiner Kunst arbeitete, und sich vollends ausbildete. Im Jahre 1750 begab er sich von Paris nach Rom, um die Werke der alten Meister zu studiren, und blieb dann bis auf wenige Jahre vor seinem Tode immer in Italien. Ein einziges Mal kam er in den ersten Jahren in seine Vaterstadt

Ramoser war immer außerordentlich arbeitsam, und so hat er eine sehr grosse Menge Kunstwerke geliefert; nur Schade, dass sie alle von Silber sind, über dessen Geldwerth so leicht der Kunst- werth vergessen wird. In Rom arbeitete er vorzüglich in der Werk- stätte des berühmten Luigi (S. diesen Artikel), unter andern auch an der trajanischen Säule, die sich im Kunstkabinett zu Mün- chen befindet. Er verfertigte mit B. Hecher die Basreliefs an der- selben, von denen ihm der grössere Theil der bessern angehöret. Die Künstler arbeiteten nach den Kupferstichen des Santo Bartoli, und nicht, wie Archenholz sagt (in seinem Italien , worin er die- ses Kunstwerk beschreibt) nach den Gypsabdrücken im Pallast der französischen Akademie. Die Arbeit ward im Jahre 1774 vol- lendet, wie sich aus der am Ende des Basreliefs eingegrabenen In- schrift: B. Hecher 1774, urtheilen lässt. Wahrscheinlich ist auch Ramoser's Name irgendwo an der Säule zu lesen.

Vermuthlich hat Ramoser auch an dem Tafelaufsatz für einen französischen Prinzen gearbeitet, dessen Archenholz erwähnt; der Goldschmied Luigi ließ solchen 1770 nach dem Muster des Circus des Caracalla verfertigen. Einen andern Tafelaufsatz mit vie- len mythologischen Figuren hat Ramoser für den König von Nea- pel gemacht. Auch für Pius VI. musste er verschiedene Stüucke lie- fern; besonders wird ein Crucifix gerühmt, das sich in der papst- lichen Kammer befinden soll, auf dessen Kreuze die ganze Lebens- geschichte Jesu mit außerordentlicher Feinheit erhoben, dargestellt ist. Saulengänge und andere Perspektiven waren in getriebenen Arbeiten seine vorzügliche Stärke.

In den letzten Jahren liess er sich beinahe nur noch einzig zu Arbeiten von religiösen Gegenständen verwenden. Er hatte sich diese Zeit wieder nach Foligno zurückgezogen; darum ist von sel-

Ramoser hat zwar durch alle diese Arbeiten vieles Geld verdient, aber er achtete dasselbe nicht, verschenkte vieles, war leicht zu betrügen, und wurde fast überall, wo er hinkam, bestohlen. Sein

väterliches Erbtheil zu Botzen überliess er seinen dürftigern Ver- wandten, und da er sich sehr wenig erspart hatte, in den letzten Jahren wegen seines hohen Alters nicht viel mehr arbeiten konnte, so lebte er zu Foligno in sehr dürftigen Umständen, bis sein Neffe, der Maler Ramoser von Botzen, dem er schon früher seine Güter abgetreten hatte, ihn mit sich nach Botzen führte. Er hatte ihn in den kläglichsten Umständen getroffen, doch wollte er in den letzten Jahren auf einem Hügel ausser der Stadt Foligno Stationen und eine Kirche des heiligen Grabes bauen. Er machte die Zeich- nungen selbst dazu, und forderte alle seine Bekannten in Briefen zur Mitwirkung auf. Dieses Projekt, das er auszuführen nicht vermochte, wurde bei ihm eine fixe Idee, die ihn bis zum Grabe begleitete. Auch die Grundsätze und Ideen seines ehemaligen Or- dens legte er nicht wieder ab. Es war ihm unerträglich, den hl. Geist als eine Taube gemalt zu sehen. Er behauptete, Gott sei wohl Mensch, aber nicht ein Vogel geworden, und es sei der höch- ste Grad von Heidenthum, einen Vogel zur Anbetung aufzustellen. Im ersten Bande des Sammlers von Tyrol sind Nachrichten über diesen merkwürdigen Mann.

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