Rambauzek, Matthäus, Maler, lebte gegen Ende des 16. Jahr- hunderts in Chrudim. Daselbst sieht man in der Stadtkirche ein Gemälde, welches Christus vorstellt, wie er die Kleinen zu sich
zieht.
zug im Leben dieses Künstlers, dass er nie zum Copiren gezwun- gen werden konnte; seine lebendige Einbildungskraft trieb ihn aber gleich an, auf die blosse Schilderung eines Gemäldes hin, ein ähnliches Bild zu componiren. Auch beim Zeichnen nach den be- sten Gypsabgüssen hielt er sich nicht lange auf, eben so wenig gestattete ihm seine Lebendigkeit ein strenges Studium nach der Natur; allein dafür blieb seine Zeichnung stets etwas maniert.
In seinem elften Jahre fing er auch in Oel zu malen an. Der Ab-
schied und der Tod des Germanicus, und ein anderes Bild, Hero und Leander vorstellend, sind die ersten Proben seiner Kunst in Oel zu malen. Doch fuhr er auch fort, Zeichnungen zu entwer- fen, und seine malerischen Ansichten des Harzgebirges, deren er 1780 in wenigen Tagen mehr als ein Dutzend in Bister zeichnete, waren es, die ihm durch den hannoveranischen Gesandten in Lon- don die Gunst des Königs von England erwarben. Der Monarch
gab ihm eine Stelle in der Akademie zu London , und da nun lag Ramberg neun Jahre seiner Ausbildung ob. Er fertigte während dieser Zeit eine Menge Zeichnungen, die von dem besten Kupfer- stechern damaliger Zeit, von Bartolozzi, Murphy, und andern ge- stochen wurden. Ramberg malte in London auch mehrere Bilder
in Oel, einige religiöse Darstellungen für die Capelle zu St. James,
von welchen Murphy Christus am Oelberg und die Auferstehung in Mezzotinto gestochen hat; Scenen aus Shakespeare's dramati-
schen Werken für die bekannte Shakespeare-Gallery des Alderman
Boydell, andere für den Poetensaal, und ein grosses Bild für Car- letonhouse, Alexander's Uebergang über den Granicus vorstellend.
L. Neumann schrieb darüber eine eigene Abhandlung: Ramberg's Gemälde vom Zuge Alexander's durch den Granicus. Dresden 1797 In England zeichnete er auch mehrere Bildnisse hoher Personen. Jene der Königin und der Prinzessinnen wurden von verschiede- nen Meistern gestochen. Im Jahre 1788 reiste er mit Unterstützung des Königs nach den Niederlanden und nach Italien. Bei dieser Gelegenheit besuchte er in den Niederlanden alle Städte, wo Mei- sterwerke der Malerei zu treffen waren, so wie in Deutsch- land. In Leipzig malte er das Bildniss des Dichters Gleim, wel- ches Schulz in Kupfer gestochen hat; auch zu Prag und in Wien hielt er sich einige Zeit auf, endlich aber konnte ihn nichts mehr von seiner Reise nach Italien abhalten. In Venedig traf er den später als General-Direktor der französischen Museen berühmten Denon, dessen Bildniss er malte, während Denon das Portrait Ramberg's stach. Hierauf begab er sich nach Bologna und Parma, und nachdem er auch in Rom und Neapel längere Zeit verweilt hatte, kehrte er endlich nach Hannover zurück, wo ihm jetzt der
König. Das Diplom eines Höfmalers eingehändigte. Als solcher malte er 1790 ein 24 Fuss breites Bild, welches ein bei der Wiederge- nesung des Königs gefeiertes Fest vorstellt. Ramberg malte in Deutschland auch noch mehrere andere Bilder, am grössten ist aber die Zahl seiner Zeichnungen des verschiedensten Inhalts. Er übte mehr als zwanzig Jahre fast souveräne Herrschaft über die Schaar von Taschenbüchern, und begleitete von Schiller bis zu Clauren einen guten Theil unserer Dichter und Novellisten mit seinen Darstellungen, musste aber oft hinter dem Fluge reiner und edler Geister zurückbleiben, während er der Frivolität gewisser Schriftsteller vollkommen Genüge leistete. Auch in der Karikatur hatte sich Ramberg Ruf erworben, ja es war sein Ruhm im Allge- meinen gross, und er würde ihm in der letzteren Zeit seines Le- bens sicher viel weniger geschmälert worden seyn, wenn er, von der jüngeren Generation überflügelt, seiner Thätigkeit ein freiwil- liges Ende gesetzt hätte. Der Originalität und dem grossen Reich- thume seiner Gedanken musste man aber immer das Wort reden; man erkennt in seinen Darstellungen den scharfen Beobachter des Lebens, den witzigen und launigen Kopf, und es ist nur Schade, dass ein solches Talent so häufig in Oberflächlichkeit, ja selbst in Nachlässigkeit verfiel. Allein sein elegantes Publikum nahm dieses nicht so genau. Seine rundlichten, koketten und schalkhaft bli- ckenden Mädchen hatten viele Verehrer, seine pathetischen, schau- spielerhaften Helden schienen die ganze sentimentale Welt erobern zu wollen, und selbst Katzen und Hunde mussten als kommendi- rende Episoden dienen; keines flüchtigen Reizes entbehren seine Blätter auch wirklich nie, wohl aber der einfachen edlen Natur. Übrigens haben schon viele über Ramberg den Stab gebrochen, ohne ihn je erreichen zu können. Er bleibt immerhin für seine blühende Zeit einer der ausgezeichnetsten Künstler. Im Jahre 1840 starb er.
Die Blätter alle aufzuzählen, welche theils von andern nach seinen Zeichnungen, theils von ihm selbst gestochen wurden, würde zu weit führen. Von den nach seinen Zeichnungen gestochenen Blättern stehen wohl jene zur Göschen'schen Prachtausgabe der Werke von Wieland oben an, 30 an der Zahl, von Bause, Ber- ger, Schmutzer u. A. Weigel werthet diese Sammlung noch auf 25 Th. Auch die von Böhm u. A. zu Ifland's Werken (Lpz. 8.) gestochenen Blätter sind schätzbar, so wie die Scenen aus Schil- ler's Räubern, aus Maria Stuart, Fiesco, Don. Carlos, etc., aus Goethe's Faust u. s. w., aus Lafontaine's Schriften etc. Eine reiche Ausbeute Ramberg'scher Compositionen bieten auch die Jahrgänge des Becker'schen Taschenbuches zum geselligen Vergnügen, und andere Werke dieser Art. In Löhr's Märchenbuch sind 17 schön componirte romantische Scenen, von H. Schmidt, Stölzel, Fren- zel, Esslinger u. A. gestochen.
Dann gibt es auch mehrere grosse Blätter nach seinen Zeich- nungen oder Gemälden, von den besten Künstlern damaliger Zeit, von Bartolozzi, Ward, W. Nutter, Tomkins, P. Gaugin und Ju- les, Ogborn, Scott, P. A. Martini (Londoner Kunstausstellung), Ryder, (Malvoglio, Olivia, Akt. III, S. 4., aus Shakespeare's Drei- Königeabend), und Sharp etc.
R. Weigel besitzt den Kunstnachlass Ramberg's, 471 Zeich- nungen: meisterhaft ausgeführte anatomische Studien, Bildnisse ausgezeichneter Männer, Landschaften, Scenen des gemeinen Le- bens etc., auf die mannigfachste Weise ausgeführt, zum Theil sehr grosse Blätter. Kunstkatalog Nr. 57. 70.
Folgende Blätter sind von Ramberg selbst radirt, und die fru- heren meistens selten.
Die Köpfe des Alexander, Spitritates und Chitos, aus dem Bilde des Ueberganges über den Granicus gezogen, gy. fol,
Ein Mann am Tische vor dem Buche sitzend, oder der in- morirende Schauspieler, fol.
Ein Teutone mit der Keule, in eine Haut gehüllt, 4;
Scene aus Siegtried von Lindenherg, Akt III. S. 2, qu. fol.
Der Marktschreier, oder der Volkserzähler auf dem Marcus- platze, kl. qu. 4. Es gibt schwarze und colorirte Abdrücke.
Tscherkessische Waare, ein Verkauf von Sklavinnen, gr. qu. fol. Die Platte ist radirt, später mit Roulette schattirt, und auch braun ausgetuscht,
Die Versteigerung der Liebesgötter, im Umriss gestochen, und von Ramberg selbst in Aquarell ausgemalt, gr. qu. fol,
8—9) Zwei Vorstellungen aus den Contes de Lafontaine, Um- risse, qu. fol,
10— 11) Zwei andere in Ovalen, qu. fol.
12—13) Zwei andere Darstellungen aus Lafontaine, leicht schat- tirte Umrisse, qu. roy. fol.
Soldaten und Mädchen im Lager, Umriss, qu. fol,
Soldaten und Mädchen in der Schenke, Umriss, qu. fol.
Die jungen Matrosen, Contour, kl. qu. fol.
Die kleinen Epikuräer, Contour, kl. qu. fol.
Ein Knabe hascht einen Schmetterling, Contour, kl. fol.
Ein Knabe neckt einen jungen Hund, Contour, kl. fol. Diese vier Blätter sind zum Coloriren bestimmt.
20— 21) Amusements à Rome et à Frascati, zwei Blätter, die bei Artaria erschienen und 44 fl. kosteten. H. 14 Z.
22—23) Die Weinlese am Vesuv, qu. fol. ;
Die Treue und die Unbeständigkeit, zwei Blätter mit Kig- gerspielen, Umriss zum Coloriren, gr. fol.
Der Junge, welcher einen Hund trägt, 8.
Ein Junge und ein Mädchen sich küssend, 8.
Der Tanz, 4.
Die Banditen, 4.
29—30) Zwei Ansichten von Hannover, schwarz und illuminirt, qu. fol.
Fünf radirte Blätter zu dem Taschenbuche: St. Schütze aben- theuerliche Wanderungen von Weimar nach Carlsbad, Leip- zig 1800. Zweite wohlfeile Auflage das, 1810. Diese Blätter waren zum Coloriren bestimmt.
Till Eulenspiegel, in 55 radirten Blättern, Hannover 1827, u. fol. Die Zeichnung ist meist in blossen Umrissen, das ganze ist aber zu karikirt. 6 Thl. 16 Gr.
Reinecke Fuchs, in 30 radirten Blättern. Hannover 1826, qu. fol. Mit fleissiger, doch hie und da etwas einförmiger Schat- tirung ausgeführt. In der Auffassung scheint Ramberg hier glücklicher gewesen zu seyn. Die Verrichtungen der Thiere sind mit Geist und Witz dargestellt.
Genius, Imagination, Phantasie. Ein Cyclus von 20 allego- rischen Bildern nach den Zeichnungen und Radirungen der verwitw. Frau Landgräfin von Hessen-Homburg, geb. Prin- zessin von Grossbritannien, in kleinerem, Maassstabe litho-
Rambert-Dumarest, s. Dumarest.
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