Rainaldi, Carlo

Rainaldi, Carlo, Architekt , wurde 1611 zu Rom geboren, und von seinem Vater Girolamo unterrichtet, zur Ehre der Familie heran- gezogen. Innocenz X. hatte grosses Vertrauen auf ihn, und ver- traute ihm desswegen statt seines Vaters den Bau von St. Agnese an, den er aber nur bis zur Cornische führte, worauf Borromini die Leitung übernahm. Dann untersuchte er mit andern Sachver- ständigen den von Bernini erbauten Glockenthurm der St. Peters- kirche, da Niemand ihn für zu schwach erklärten. Rainaldi fand dieses unbegründet, aber dennoch wurde der Thurm abgetragen. Er musste desswegen den Plan zu einem neuen Glockenthurm machen, auch mehrere Zeichnungen für einen St. Petersplatz ent- werfen, allein es kam keine zur Ausführung, da Innocenz X. mit Tode abging. Hierauf restaurirte er die Kirche der heil. Apostel, deren Porticus später C. Fontana neu bauen musste, weil die Fun- damente zu schwach waren. Als Muster des verdorbenen Geschma- ckes seiner Zeit gelten die Facaden von S. Gesu al Corso und S. Andrea della Valle, so wie die säulenreiche Kirche von St. Maria in Campitelli, welche indessen nicht selten gelobt wurde. Grossen Beifall erwarben ihm zwei kleine Kirchen auf der Piazza del Po- polo, la Madonna de' Miracoli und la Madonna de Campo ge- nannt, beide von Bernini oder Fontana vollendet. Die Facade von St. Maria Maggiore gegen den Obelisken zu ist ebenfalls sein Werk, aber die schöne Stiege das Beste am Ganzen. Er ferti- gte auch den Plan zum Dome von Ronciglione und zur Kirche in Monteporzio, welche der Schönheit der Form wegen geprie- sen wurde. Der ehemalige Pallast der französischen Akademie in Rom war ebenfalls sein Werk, und der Künstler selbst dem k. Hofe in Paris nicht unbekannt. Ludwig XIV. liess ihm bei der Ueberreichung einer Zeichnung zum Pallaste des Louvre sein mit Juwelen geziertes Bildniss zustellen. Ferner erwähnen wir seiner Pläne zum Theater al Gesu und zu den Grabmälern des Cardinals Borrelli alla Minerva, und des Pabstes Clemens IX. Auch für den Herzog von Savoyen, und für andere Höfe machte er Zeichnun- gen. Dieser Fürst verlieh ihm zwei Orden. Cav. Rainaldi war reich an Erfindung, er hatte aber keinen geläuterten Geschmack. Seine Facaden sind mit Zierden überladen, fern von wahrer, einfacher

Schönheit. Im Jahre 1651 starb er.

Falda stach nach seiner Zeichnung einen Triumphbogen, wel- cher dem Pabste Clemens X. zu Ehren errichtet wurde. Auch in der Historia Templi Vaticani sind von Frezza und Specchi einige sei- ner Entwürfe gestochen. Von ihm selbst radirt sind:

  1. Das Opfer Salomon's, grosse bildlich geistliche Darstellung

bei einer Trauerfeierlichkeit in der Kirche al Gesu zu Rom, den 26. Februar 1650, s. gr. roy. fol.

  1. Das Theater al Gesu. 1650. H. 27 Z., Br. 17 Z. Sehr selten.

  2. Piazza del Populo sotto Alessandro VII. fol.

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