Raimbach, Abraham

Raimbach, Abraham, Kupferstecher , wurde um 1775 in London - geboren, und an der Akademie daselbst zum Künstler herangebil- det. Er befliess sich mit grosser Genanigkeit der Zeichenkunst , machte sich auch mit den Grundsätzen der Malerei vertraut, zog aber zuletzt die Kupferstecherkunst vor, und erlangte hierin bei der gründlichsten. Vorbereitung ausgezeichneten Ruf. Wir ver-

  1. The Distraining for Rent, Die Pfändung, D. Wilkie pinx. Publ. by D. Wilkie and Raimbach, imp. qu., fol. Capi- talblatt, im ersten Druck mit unausgefüllter Schrift, Bei Weigel ein Exemplar auf chines. Papier 36 Thl.
  2. The Rent Day, Pächter bezahlen dem Grundherrn Zins, nach D. Wilkie 1815, ebenfalls ein meisterhaftes Blatt; im er- sten Drucke mit lettre grise, die Schrift mit der Nadel ge- rissen. Preis 16 Thl. 12 gr. 1 R
  3. Village Politicians, politisierende Landleute in der Schenke, nach D. Wilkie, 1814. D. Wilkie et A. Raimbach excud. qu. roy. fol. Im frühen Drucke ist die Schrift mit der Nadel ge- rissen; Preis 10 Thl. 12 gr.
  4. The cut Finger, die Grossmutter verbindet dem Knaben den Finger, nach Wilkie, gr. qu. fol.
  5. The Parish Beadle, from the Orig. picture of D. Wilkie in the collection of R. W. Ridley Cofforne, Esq. 1834, qu. roy. fol. Bei Weigel 14 Thl.
  6. The Grand Boy, ein junger Mensch zu Pferde vor einer Al- ten, nach D. Wilkie, Gegenstück zu The cut finger. Preis 8 Thl.
  7. The Blind Man's Buff, Blinde-Kulis, nach D. Wilkie, das Gegenstück zum Rent Day. Preis 16 Thl. 12 gr. Subscriptions - Abdrücke 20 Thl.
  8. Die spanische Mutter, nach D. Wilkie, 1836, by Hodgson and Graves, gr. fol. Im ersten Drucke vor der Schrift 4 Prf. 4 Sch. Ein gewöhnlicher Druck 21 Sch.
  9. Count Ugolino, Ugolino und seine Kinder, erleiden den Hungertod, nach J. Reynolds, fol. Preis 4 Thl.
  10. Venus, nach demselben, fol. Preis 5 Thl. 8 gr.
  11. A Holy Familie, nach A. Carracci, fol. Preis 4 Thl. Raimond, s. Raymond. S. Mondani, Marcantonio, Kupferstecher von Bologna, ein unter dem Namen Marc-Anton allgemein bekannter Künstler, dessen Lebensgrenzen aber dennoch nicht genau bestimmt sind, obgleich seit Vasari es viele versucht haben, seine Lebensgeschichte zu er- forschen. Sein Geburtsjahr wird verschieden angegeben, da Vasari davon schweigt, und kein anderer Zeitgenosse es nennt. Cav. Fuga lässt ihn 1482 geboren werden, Ticozzi, Malpe u. A. setzen seine Geburt 1487 oder 1488, Zani nimmt um 1500—1510 seine
    Blüthezeit an, und so sind denn die Angaben gewöhnlich schwan- kend. Heinecke wollte den Knoten sicher gelöst haben; allein er hatte sein Document falsch gelesen. Er las nämlich auf einem Blatte von 1506, welches Apollo und Hiacynth vorstellt, „Aetatis 10" und bestimmt so 1488 als Jahr der Geburt; allein die dabei steh- den Zeichen: AP. 0. bestimmen das Datum nur noch genauer, in- dem der 6. April als Tag der Vollendung genannt wird. Heine- cke war also in doppeltem Irrthume, denn es heisst nicht Aeta- tis) und auch nicht 10 sondern 6. Bartsch, welcher unter den Schriftstellern über Marc-Anton und seine Schule (P. gr. XIV 1. ff.) das grösste Gewicht hat, und an welchen sich dann Zani in der

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Die ersten Jahre verlebte Raimondi zu Bologna in der Werk- stätte des Goldschmieds und Malers Francesco Raibolini, genannt Francia, und er selbst erhielt den Beinamen Marcantonio di Fran- cia. Dieser lehrte ihn die Goldschmiedekunst, Marcantonio blieb aber nicht bei den gewöhnlichen Arbeiten stehen, ihn fesselte das rein artistische, und so arbeitete er anfangs mit Vorliebe in Niello, kleine Künstlerjuwelen mit schön gravierten bildlichen Darstellungen, Allein weder Bartsch, noch einer seiner Vorgänger nennt Niellen von der Hand dieses Künstlers als solche; man sah die Blättchen dieser Art nur für Kupferstiche an. Duchesne, Essais sur les mnelles, p. 82, machte darauf aufmerksam, und in unserm, unten folgen- den Verzeichnisse machen die Niellen den Anfang. Das Nielliren führte den Künstler sicher auch schon frühe zum eigentlichen Ku- pferstich, da er einmal in der Zeichnung für einen Goldschmied ungewöhnliche Fertigkeit besass. Nicht ganz nicloartig sind das Urtheil des Paris und Magdalena von Engeln getragne. Proben seines früheren Stiches sind zahlreiche Blätter nach eigenen Zeich- nungen, nach solchen der beiden Francia, nach Mantegna etc., so- nannte Blätter seiner ersten Manier, die vor 1500 entstanden seyn dürften, wo er Bologna verliess, um in Venedig sein weiteres Glück zu versuchen. Die Ursache, warum er Francia verlassen, ist nicht bekannt. Vasari mag aber Recht haben, wenn er sagt, den Marc- Antonio habe auch einmal die Neiselust ergriffen. Dieset könnte gegen die Mitte des Jahres 1500 geschehen seyn; denn wahrschein- lich hat er das Blatt mit Mars, Venus und Amor, nach Mantegna noch in Bologna gestochen, und dieses ist den 16. December 1508 bezeichnet. In Venedig soll Raimondi, nach Vasari's Behauptung, zuerst Werke v. A. Durer gesehen haben, nämlich die Holzschnitt- Passion in 30 Blättern, welche dem Künstler so wohl gefiel, dass er sie genau im Kupferstich zu copiren beschlossen, haben soll. Jetzt erzählt Vasari auch das bekannte Geschichtchen, dass Dürer beim Anblick einer solchen Copie, die noch überdiess dessen Zei- chen getragen, sehr auigebracht gewesen, und nach Venedig ge- reist sei, um bei der Signoria des Nachdruckes wegen Klage zu stellen, welcher in so ferne Erfolg gegeben wurde, dass man dem Copisten verbot, Dürer's Monogramm auf die Platte zu setzen. Dass Vasari hier wenig Glauben verdiene, haben wir im Leben Dürer's (Neues allgemeines Künstler-Lexicon, daun A. Dürer und seine Kunst S. 20) gezeigt. Dürer war 1500 in Venedig, zu einer Zeit, als Marc-Anton sicher noch in Bologna lebte, und nichts weniger als die Passion copirt haben konnte, indem diese erst 1500 — 1512 erschien. Wenn Raimondi damals schon ein Formschnittwerk von Dürer copirt hatte, so musste es das Leben der Maria gewesen seyn,

Die Dauer seines Aufenthaltes in Venedig ist nicht genau be- kannt, sicher hat er aber in dieser Stadt nicht alle seine Blätter nach Dürer gestochen, was Einige glaubten, weil man meinte, die vielen Arbeiten nach Rafael, Baldinelli, Giulio Romano u. s. w. hätte ihn nicht mehr an Dürer denken lassen. Marc-Anton hat in Venedig vielleicht nur seine Copie des Lebens der Maria vollendet, und wenigstens der allergrösste Theil der übrigen Copien nach Dü- rer ist in Rom entstanden, wo der Künstler sicher schon 1510 an- kam. Diese Jahrzahl trägt nämlich das unter dem Namen der Klet- terer — les Grimpeurs — bekannte Blatt, welches Raimondi nach einer Zeichnung Rafael's, die dieser auf seiner Reise in Florenz nach Michel Angelo's Cartou verfertigte, wahrscheinlich schon in Rom gestochen hatte, möglicher Weise als Probeblatt für Rafael selbst, da dieser an den Copien nach Dürer, deren Zahl Rai- mondi anfangs in Rom immer vermehrte, sehr großes Wohlgefal- len fand und darauf weitere Plane für sich baute. Dieses beweiset eine Stelle in der Ausgabe der Lebensbeschreibung des Vasari von 1550, auf welche Ottley wieder aufmerksam machte, da sie in der spätern Ausgabe fehlt. Man liest da: Perche avendo veduto Raf- faello lo andamento nelle stampe d'Alberto Durero, volonteroso anch'egli di mostrare quello che in tal arte poteva, fece studiare Marc-Antonio Bolognese in questa pratica infinitamente: il quale riusci tanto eccellente, che fece stampare le prime cose sue, la carta degli innocenti, il Cenacolo, il Nettuno, etc. Sicher ist, dass Marc Antonio in Rom mit Rafael in einem engen Verhältnisse stand, und letzterer es sich angelegen seyn liess, den Kupferstecher auf eine noch höhere Stufe der Kunst zu heben. Er legte ihm die ei- genen Zeichnungen zum Studium, und dann viele derselben auch zum Stiche vor. In seinen ersten Arbeiten hing ihm zwar immer noch die Kunstweise Dürer's an, es gelang ihm aber bald, die Schönheit und Zartheit der Formen der Werke Rafael's zu erfassen, und wenn daher das erste nach einer Zeichnung Sanzio's gestochene Blatt, jene höchst seltene Lucretia, noch nicht befriedigend ausfiel, so ist die zweite Platte, auf welche er das Urtheil des Paris stach, schon desto

Durch die Bemühungen Marc-Antonlo's ist uns vor allen ein reicher Schatz von Rafael'schen Compositionen erhalten, die ausser- dem größtentheils verloren gegangen wären, da die meisten nur in Zeichnungen bestehen: begeisternde Ausflüsse des Gottcrlunken, welcher das ganze Wesen Rafael's durchgluht hatte. Und gerade die Kunstweise eines Marc-Anton ist es, welche uns die geistvollen Entwürfe desselben in ihrer vollsten Schönheit und Bestimmtheit der Umrisse durch die einfachsten Mittel vor Augen stellt. Kein Kupferstecher hat den Geist und den Charakter der Werke Rafael's so bestimmt und wahr wiedergegeben, die Umrisse und Formen desselben so streng bezeichnet, wie Raimondi. Die Form war ihm je- doch nicht die Hauptsache; er drückte sie nur durch eine anspruchs- lose, freie Schattirung aus. Seine Linien sind nach den Formen gebogen, aber äusserst einfach die Lagen und Verbindungen der- selben. Diese Mittel waren ihm aber zur Erreichung seines Zwe- ckes hinreichend, welcher einzig auf Zeichnung und Ausdruck folg. Glanz der Farbe, concentrirtes Licht scheint dieser Künst- ler nie beabsichtiget zu haben, während spätere Künstler das er- stere gleichgültig hinnahmen, durch letzteres das Auge zu täu- schen, und den Beschauer in Bewunderung zu setzen strebten. Die Art seines einfach zeichnenden Schraffirens ist ihm eigenthüm- lich, verschieden von jener A. Dürer's, welcher durch ein glätte- res Schraffiren von feineren rechtwinklich gekreuzten Linien ganze Schattenmassen, und dadurch den Umfang der Körper ausdrückte; wer indessen behaupten wollte, dass Marc-Anton hierin das einzig gültige Vorbild für Stecher sei, würde sich auch auf Einwendun-

Genefasst machen müssen. Nur im Umrisse sind seine Blätter un- scharf und die fast durchgängige außerordentliche Schärfe derselben war vielleicht die Ursache, dass man geglaubt hat, Ra- fael habe nicht allein die Umrisse auf dem Papier corrigirt, son- dern selbe sogar eigenhändig mittels der Nadel auf das Kupfer gezeichnet. Zu dieser Annahme möchte man dann auch noch durch den Umstand gekommen seyn, weil sich doch auch manchmal Blätter finden, die im Umrisse nicht in gleichem Grade verstanden, und zierlich sind, wie ein strenger Kritiker finden könnte. Doch selbst in diesen Blättern ist Marc-Anton noch gross, hat man einzig die Composition im Sinne, ohne auf die Mittel der Darstellung Rück- sicht zu nehmen. Die Schönheit und Anmuth der Form und des Ausdruckes, auf das verständigste nach Alter und Geschmache virt, die außerordentliche Klarheit, die über das Ganze verbreitet ist, wird stets bezaubern, die Mängel vergessen machen, welche das durch die modernere Kupferstecherkunst verwöhnte Auge in diesen Blättern bemerkt. Im Vergleiche mit den neuern Blättern sind diese Arbeiten eintönig, ungleich und hart im Schnitte, das Licht ist zerstreut, die Halbtinten fehlen, es ist entweder alles gleich dunkel oder es sind die dunkelsten Schatten an die Umrisse gebracht; keine Beachtung der Reflexe, der Luftperspektive, keine Verschiedenheit der Halbtinten, weder Leichtigkeit noch Weich- heit. Die eigenthümliche Schönheit und den vollen Werth der Kunstschöpfungen, welche uns die Blätter der Rafaelisch-Marc- Antonischen Schule demnach offenbaren, lässt sich indessen nur nach den ältesten guten Abdrücken vor der Retouche und vor den Adressen beurtheilen.

Das erste Blatt, welches er in Rom stach, stellt die Lucretia dar, wie bereits oben bemerkt. Hierauf stach er seine Dido und dann unter dem unmittelbaren Einflusse Rafael's das Urtheil des Paris, den Kindermord, den Bau der Arche, Neptun, die Entfüh- rung der Helena, die Marter der heiligen Felicitas u. s. w. Diese Blätter sind nicht unmittelbar nach den Gemälden, sondern nach Zeichnungen, die Rafael bei der Ausführung in Farbe nicht selten veränderte und verbesserte. Die Marc-Anton'schen Blätter erhielten uns also häufig die ersten Entwürfe des grossen Meisters, die, neben dem tiefsten Wissen, das Feuer und die Schnelligkeit seines Schaffens verkünden, in Marc-Anton'schem Stiche aber in ihrer Reinheit der Umrisse die verbessernde Hand Rafael's verrathen. Diese Aushülfe, deren sich Marc-Anton zu erfreuen hatte, hat die Meinung erzeugt, dass dieser förmlich im Solde des Meisters ge- standen und dass namentlich diejenigen Platten, für welche ihn Rafael bezahlt hatte, den Namen oder das Monogramm des Ste- chers nicht tragen. Dem sei, wie ihm wolle; Raimondi hat sicher auch auf eigene Rechnung gearbeitet.

So lange Rafael lebte, hatte für Marcantonio Alles den glücklich- sten Fortgang, nach dem 1520 erfolgten Tod desselben veränderte sich aber seine Lage und die bescheidene Ruhe, welche er genossen, wurde getrübt. Der sinnlich glühende Giulio Romano rief ihn aus seinem streng religiösen Kreise und beredete ihn zuletzt zum Sti- che von zwanzig leichtfertigen Darstellungen, die Giulio gezeichnet und Pietro Aretino besungen hatte. Diese Blätter mussten den Un- willen des Papstes im höchsten Grade erregen, und damit die Verbrei- tung derselben gehindert würde, liess er die Platten durch Henkers Hand zerstören. Giulio Pippi entkam glücklich nach Mantua, der unglückliche Raimondi musste aber im Gefängniss büßen, bis er endlich auf dringendes Fürbitten des Cardinals Ipolito de' Medici

Nachdem Raimondi seine Freiheit erlangt hatte, stach er aus Dankbarkeit die Marter des heiligen Lorenz nach B. Bandinelli, ein Meisterstück, welches ihm die Gunst des Papstes wieder gewann, aber den Hass Bandinelli's erregte. Letzterer klagte nämlich im Publikum und auch bei Clemens VII., dass sich Marc-Anton beim Stiche willkührliche Aenderungen der Zeichnung erlaubt habe. Im Bewusstseyn nichts Tadelnswerthes gethan zu haben, eilte Raimondi selbst nach dem Vatikan und legte dem Papste den Kupferstich

nebst der Zeichnung vor, um darüber zu entscheiden. Das Ur- theil fiel dahin aus, dass Marc-Anton nicht allein keine Fehler gemacht, sondern dass er deren im Gegentheile mit vieler Umsicht verbessert und überhaupt die Originalzeichnung im Ganzen über- troffen hätte. Der Papst, ebenso wie Raimondi von der Grazie Ra- fael's, von der Schönheit und Bedeutung der Werke aus der ihn umgebenden blühenden Schule eingenommen, musste an dem Sti- che Marc-Anton's immerhin grösseres Wohlgefallen finden, da Letzterer den etwas rohen und manierirten Styl Bandinelli's rafae- lisirt hatte. Dieses ist aber zugleich auch ein Beweis, dass Rai- mundi selbstständiger Künstler war. Im Jahre 1527 traf den Künstler neues Unglück. Die Spanier eroberten damals Rom mit Sturm, verübten Grausamkeiten und Plün- derungen. Marc-Anton verlor seine ganze Habe, und fast als ein Bettler kam er in Bologna an, wo jetzt seine Spur verschwin- det. Vasari sagt, er sei bald nach seiner Abreise von Rom daselbst gestorben, und dieser Schriftsteller ist jedenfalls der Wahrheit näher gekommen, als Cav. Fuga und Zani, wovon ihn der erstere 1530, der letztere schon 1518 sterben lässt, aus dem sonderbaren Grunde, dass Marc-Anton die letzteren Werke Rafael's nicht mehr gestochen hat. Malpe setzt sein Todesjahr 1530, G. Longhi, in seinem Werke über die Kupferstecherei, lässt ihn 1540 sterben, Malaspina dehnt seine Lebenszeit bis 1550 aus, u. s. w. Malvasia erzählt, der Künstler sei von einem römischen Edelmann ermordet worden, weil er der Uebereinkunft zuwider den Kindermord zum zweiten Male gestochen hatte. Diese Angabe ist jedoch nicht bewiesen. Auch die Behauptung dieses Schriftstellers, dass Marc-Antonio nach Ra- fael's Skizzen gut, ja zur Bewunderung des Meisters gemalt habe, bleibt dahingestellt.

Marc-Anton's Werke.

Unter den Schriftstellern, welche über das Leben und die Werke des Marc-Anton geschrieben haben, steht Bartsch (Peintre-graveur XIV. A Vienne, 1813) noch immer oben an. Vor ihm hatte Heine- cke die grösste Autorität, trotz seiner vielen Irrthümer, Wieder- holungen und Mangelhaftigkeit. Ottley (An Inquiry etc.) hat fast nur einen Auszug aus Bartsch gegeben, und ein einziges Blatt hinzugesetzt, welches das Gegenstück zu Nro. 120 zu seyn scheint. Zani (Enciclopedia metodica, Parma 1820 ff.) gibt hier und da eine andere Ansicht, die aber den von Bartsch bezeichneten Gang nicht

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sten, Erfindungen Rafael's besitzt, die theilweise aus dem Cabinete

de Marolles stammen. Die k. k. Bibliothek zu Wien bewahrt eben-

falls einen grossen Schatz von Blättern dieses Meisters, und dar- unter solche von erster Schönheit und der grössten Seltenheit. Auch in der Sammlung des Prinzen Carl von Oesterreich, und in der Gallerie des Fürsten von Lichtenstein sind ausgezeichnete Blätter, Das sonst an chalkographischen Schätzen reiche Dresdner Cabinet zählt bis jetzt noch nicht viele ausgezeichnete Werke von Marc- Antoni, doch vermehren sich dieselben mit jeder Auction. Auch in den Cabineten zu München und Berlin sind ausgezeichnete Werke von Raimondi, wenn auch anderwärts die Zahl grösser ist. Das k. Museum zu Amsterdam zählte 1833 bereits 180 Stücke die- ses seltenen Meisters, und darunter mehrere, von erster Schönheit. Sehr zahlreich ist auch das Werk des Marc-Anton im k. britti- schen Museum, Duchesne fand es aber in grosser Unordnung. Grosses Interesse gewähren dagegen die Blätter im Cabinete des Pa- Jastes von Stowe. Schliesslich erwähnen wir noch einiger ausge- zeichneter Privatsammlungen, die in Hinsicht auf Reichthum und Vortrefflichkeit Marc-Anton'scher Werke unter den übrigen her- vorleuchteten, deren Schätze aber jetzt in verschiedenen Besitz sich befinden. Im Cabinet Gaudio, beschrieben von Marsand, (Fiore dell' arte d'intaglio, Padova, 1823) zählen wir mit den Copien nach Dürer circa 300 Blätter. Der Graf Cicognara brachte 170 Stü- cke zusammen; darunter sind alle Hauptwerke des Meisters, und von einer Frische und Erhaltung, welche diese Sammlung einzig- machte. Zanetti (le premiere siecle de la chalcographie, p. 205 ff. beschreibt sie. In dem Cabinete Malaspina zu Mailand zählte man 80 Blätter, in jenem des Marchese Manfredini, jetzt im Seminar zu Padua, deren 60, die Birkenstock'sche Sammlung ist minder reich, und in der Sammlung des Grafen Sternberg-Manderscheid, welche Frenzel 1836 für die Auction beschrieb, ist die Zahl der schönsten und seltensten Marc-Anton'scher Blätter ebenfalls sehr bedeutend.

In der Bezeichnung seiner Werke blieb sich Marc-Antonio nicht

gleich; einige sind ohne alle Bezeichnung. Darunter gehören ei-

nige seiner vorzüglichsten in Rom ausgeführten Blätter, während er doch in Bologna und in Venedig sich als Urheber bezeich- nete. Zani glaubt, Raimondi habe später nur aus Bescheidenheit die Bezeichnung unterlassen, und um der öffentlichen Meinung desto grössere Freiheit zu gestatten. Uns scheint, dass der Künst- ler, dessen Ruf schon bei seiner Ankunft in Rom nicht mehr ge- ringe war, es zuletzt für überflüssig gehalten habe, diese Blät- ter als Werke seiner Hand zu bezeichnen, da seine und seiner Schule Leistungen ohnehin zur Genüge bekannt waren. Oder hatte er jene Platten, deren er sicher die meisten im Auftrage Rafael's stach, aus Achtung für den Meister ohne Bezeichnung übergeben? Auf den ältesten Blättern des Künstlers bemerkt man gewöhnlich die Initialen seines Namens in grosser Form, diese verkleinerte er aber in der Folge, und verband sie auf verschiedene Weise. Von denjenigen, welche er in Rom stach, sind ungefähr 100 mit M, MA, und noch öfter mit AMF (verbunden) bezeichnet. Darunter sind mehrere Meisterstücke, wie das Urtheil des Paris, der Kindermord mit dem Bäumchen, David, der Parnass, St. Cäcilia, das Baccha- nal, St. Felicitas, die Pest etc. Circa 30 haben das leere Täfelchen, wie mehrere heil. Familien, das Abendmahl, die Galathea, Hercu- les und Antheus, die fünf Heiligen, Alexander u. s. w. Unge- fähr 170 Blätter sind anonym, und darunter einige Hauptblätter, wie Adam und Eva, der Tanz der Liebesgötter, das Quos Ego,

A, Regona, und später F, Rosaspina, haben das Bildniss die- ses Künstlers gestochen, nach einem Gemälde Rafael's.

A, Niellirte Arbeiten auf schwarzem Grunde. (Die eingeschlossenen Nummern sind jene des Peintre-graveur.)

  1. (120) Die drei Heiligen, Lucia, Catharina und Barbara ste- hend, auf schwarzem Grunde, durch irreguläre diagonale Linien gebildet. Diese Figuren sind auf einer 2 Z. 10 L., hohen und 4 Z. 3 L. breiten Platte gestochen, und durch weiße Balken getrennt, so dass die Blätter zerschnitten wer- den können, wo dann die Abdrücke mit einzelnen Heiligen sehr klein sind. Ohne Zeichen. Im k. Cabinete zu Paris ist ein Abdruck mit den drei Heiligen.

  2. Die drei Marien, ebenfalls auf schwarzem Grunde, ein sehr kleines, unbezeichnetes, äusserst seltenes Blatt, welches Bartsch nicht kannte, aber Heinecke, Ottley und Duchesne erwäh- nen. Ohne Zeichen.

  3. (180) Die Magdalena mit langen Haaren, von sechs Engeln auf einer Wolke getragen, ohne Zeichen, wenn kein Niello, doch sicher ein nielloartig behandelter Stich. H. 32Z. 5L., Br. 2 Z. 2 L.

  4. Der Triumph des Neptun. Letzterer auf einem Wagen mit zwei Seepferden, welche Tritone führen. An einer Palme hängt ein Täfelchen, mit einem sehr leicht gezeichneten Monogramme, welches Duchesne auf unsern Kunstler deu- tet. H. 22Z. 4L., Br. 3 Z. 0 L. Von diesem Niello ist auf der k. Bibliothek zu Paris ein Abdruck; ein zweiter wurde 1824 aus dem Cabinet Sykes zu London für 10 Guineen verkauft.

  5. Zwei Amore bei einem Grabe, nach Duchesne Raimondi's Werk, was Ottley bezweifelt. H. 1 1/2 Z. 1 L., Br. 1 Z. 1 L. Der Abdruck aus dem Cabinet Sykes wurde 1824 mit 9 Gui- neen bezahlt.

  6. Amymone von einem Triton entführt, nach der Zeichnung eines deutschen Meisters gefertigt, wie Duchesne glaubt. Durchmesser 1 Z. 5 L. Auf der Bibliothek zu Paris ist ein Abdruck.

Von nielloartiger Behandlung ist, ausser der Magdalena von sechs Engeln auf Wolken getragen, auch ein höchst seltenes Blatt der Geburt Christi, von Bartsch Nr. 16 be- schrieben. Ein anderes Niello mit dem Triumph der Gala- thea ist nach Marc-Anton's Stich von einem unbekannten Künstler gefertigt.

B. Copien nach A. Dürer.

(Die eingeschlossenen Nummern sind jene in Bartsch's Peintre- graveur und in Heller's Leben Dürer's.)

Die Passion, copirt nach Dürer's kleineren Holzschnit- ten, nicht nach der in Kupfer gestochenen Leidensgeschichte, wovon es ebenfalls Copien gibt, die, wie die folgenden, mit dem leeren Täfelchen versehen sind, aber dem Marcanton nicht angehören. Die Behauptung, dass Raimondi Dürer's Monogramm auf die Blätter gesetzt habe, ist unrichtig. Das Zeichen Dürer's tragen fälschlicher Weise nur die Blätter einer Copie, die unter dem Namen der Waesbergen'schen

  1. (B. 16 H. 1143.) Der leidende Heiland, nach dem Original umwendet,

wie im Originale, das Titelblatt, aber ohne Schrift, wozu wahrscheinlich die grosse leere Tafel bestimmt war, welche oben an drei Stäben hängt. H. 4 Z. 8 L., Br. 3 Z. 8 L.

Eseln ein dritter Abdruck dieser sehr seltenen Folge von der Seite des Originals, 12 Bl 18) (B. 17. H. 1131.) Adam und Eva im Paradiese, H.4 Z.8 L., r. 19) (B. 18. H. 1171.) Die Vertreibung aus dem Paradiese, von der Originalseite, aber ohne Jahrzahl H. 4 Z. 7 L, Br.

  1. (B. 19. H. 1181.) Die Verkündigung, originalseitig. H. 4 Z, 7 L.; Br.3 Z. 8 L.

  2. (B. 20. H. 1191.) Die Geburt Christi, von der Seite des Originals, H. 4 Z 7 L., Br. 3 Z. 7 L. Im Täfelchen der späteren Abdrücke ist ein dem F. ähnliches Monogramm.

  3. (B. 1202.) Der Einzug in Jerusalem, von der Originalseite.

2 9 Lo, Bl 0 3 Zo

  1. (H. 3212.) Die Vertreibung des Verkäufers aus dem Tempel,

von der Originalseite. H., Br. 3 Z. 24 L

  1. (H. 1220.) Der Heiland nimmt Abschied von Mutter, original und Copie. H. 4 Z.8 L., Br.3 Z.7 L

  2. (H. 1229.) Das Abendmahl, von der Originalseite. H. 4 Z.

8 L, L. 26) (H. 1244.) Die Grusung, ebenso. H. 4 Z. 8 L., Be. 3 7 L 27) (H. 1254.) Christus am Oelberg, von der Originalseite. H. Br.. 3 Z. 8 L.. 28) (H 1268.) Die Geißelung, ebenso, H. 4 Z. 7 L,

  1. (H 1292.) Christus vor dem hohen Priester (originalseitige Copie. H, 4 Z. 7 L., Br.5 Z. 7 L. *08

  2. (H. 1305.) Kaiphas zerreisst sein Haupt von der Original-

seite, H. 4 Z 7 L., Br. 3 Z. 6 L

— 31) (B. 1314.) Christus im Hause, Kaiphas verspottet, eben-

Bl. 3 2.7 32) (B. 1325.) Christus vor Pilatus, wie das Original, H. 4 Z

  1. 5

Z 33) (H. 1348.) Christus vor Herodes, desgl. . 4 Z. 7 L., Br.

3 Z. 8 34) (H. 1361.) Die Geißelung, originalseitig H. 6 Z 7 L., Br. 7 35) (H. 1378.) Die Dornenkronung, ebenso. H, 4. Z. 8 L., Br.

  1. (H. 1386.) Die Austeilung Christi von der Originalseite 4 8 L., Br. 6 Z. 2 Z.

  2. (H. 1450) Der Heiland an das Kreuz geheftet, von der Ori- ginalseite, H. 4 Z. 8 L., Br. 3 Z. 7 L.

  3. (H. 1466.) Christus am Kreuze, originalseitig, H. 4 Z. 7 L.,

  4. (H. 1479) Christus in der Vorhölle, ebenso. H. 4 Z. 8 L.,

  5. (H. 1480) Die Kreuzabnehmung, von der Seite des Origi- nals. 4 Z. 8 L., Br. 3 Z. 8 L., mit 1 L. Rand.

  6. (H. 1505.) Der Leichnam Christi am Fusse des Kreuzes, ebenso. H. 4 Z. 7 L., Br. 3 Z. 7 L.

  7. (H. 1517.) Die Grablegung, von der Originalseite. H. 4 Z. 8 L., Br. 3 Z. 8 L.

  8. (H. 1528.) Die Auferstehung, ebenso. 4 Z. 7 L., Br.

9 L.

  1. (H. 1540) Christus erscheint seiner Mutter, originalseitig. H. 8 L., Br. 3 Z. 7 L.

  2. (H. 1559.) Christus als Gärtner, von der Seite des Origi- nals. H. 4 Z. 7 L., Br. 3 Z. 7 L.

  3. (H. 1570.) Christus bei den Jüngern in Emaus, originalsei- tige Copie. 4 Z. 7 L., Br. 3 Z. 7 L.

  4. (H. 1580) Der unglaubliche Thomas, ebenso. H. 4 Z. 7 L.,

  5. (H. 1521) Die Himmelfahrt, von der Seite des Originals, 8 L., Br. 3 Z. 7 L.

  6. (H. 1602) Die Erscheinung des heil. Geistes, ebenfalls. H. 8 Z. 6 L.

  7. (H. 1610) Das jüngste Gericht, originalseitig, H. 4 Z. 7 L.,

Das Leben der Maria.

Dies ist das schon Eingangs erwähnte Werk, diejenige Co- pie, wesswegen Dürer mit Raimondi in Streit gerathen seyn musste, was man aber gewöhnlich von der Passion meint. Die Copie des Lebens der Maria besteht in 17 Blättern, die im ersten höchst seltenen Drucke nicht numerirt sind. Die neuen Abdrücke sind unbedeutend, da die Platten öfters retouchirt wurden. Die alten Abdrücke wollten Einige sogar höher schä- tzen als das Original. Wo es nicht im folgenden Verzeich- nisse ausdrücklich bemerkt wird, ist die Copie von der Seite des Originals. Die Blätter sind gewöhnlich um 1 Zoll niedriger.

Das Titelblatt mit der säugenden Maria von Dürer, 1511 hinzugefügt, fehlt in der Copie. 44) (H. 1696.) Joachim wird von dem hohen Priester vom Opfer zurückgewiesen. H. 10 Z. 7 L., Br. 7 Z. 10 L. 45) (H. 1700.) Der Engel erscheint dem Joachim, rechts zwei Hirten, in der Ferne die Herde. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z.

  1. Joachim und Anna in Umarmung unter dem goldenen Thore, H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.

  2. (H. 1712.) Die Geburt der Maria, altdeutsche Stube. H. 10 Z. 8 L., Br. 7 Z. 10 L.

    1. (H. 1745) Die Verlobung der heil. Jungfrau. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.
    1. (H. 1747) Die Verkündigung des Engels. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.
    1. (H. 1731) Maria und Elisabeth in Umarmung vor Josephs Wohnung. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.
    1. (H. 1730) Die Geburt Christi. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.
    1. (H. 1747) Die Beschneidung. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.
    1. (H. 1751) Die Anbetung der Könige. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.
    1. (H. 1766) Die Darstellung im Tempel, oder die Reinigung Mariä. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.
    1. (H. 1765) Die Flucht nach Ägypten. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.
    1. (H. 1772) Die Ruhe auf der Flucht in Ägypten. H. 10 Z. 10 L.
    1. (H. 1722) Christus als Knabe im Tempel unter den Schriftlehrern. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.
    1. (H. 1784) Christus nimmt Abschied von Mutter. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.

Es gibt eine seltene, alte Copie mit einem aus zwei Linien bestehenden Monogramm; links unten, fast in der Mitte.

Nota: Den Tod der Maria und die letzten Worte derselben hat Marc-Anton nicht copirt.

    1. (H. 1708) Die Verehrung der Maria. Diese Schlussplatte trägt einzig das Monogramm Marc-Antons; das leere Wappenschilde, welches der Engel hält, ist ein Zeichen, das in den einen der vier Dreiecke die Buchstaben ND (zusammenhängend), in dem andern das Monogramm FS zeigt. H. 10 Z. 10 L., Br. 7 Z. 10 L.
    1. (H. 121) Adam und Eva zu den Seiten des Baumes stehend, Adam rechts, indem die Darstellung von der Gegenseite erscheint. Auf der Tafel steht: A. D. F. FECIT 1504. In der Luft oben zur Linken sieht man nur zwei Vögel. H. 9 Z. 2 L., Br. 7 Z. 1 L. Bartsch kannte dieses Blatt nicht, und schreibt es dem Martin Rota zu.
    1. (B. 3.) Die Anbetung der Heiligen, nach dem Holzschnitt, ohne Zeichen. H. 10 Z. 6 L., Br. 7 Z. 9 L.
    1. (B. 99. H. 1595) Die heil. Jungfrau mit den Engeln. Sie säugt auf der Rasenbank das Kind, und hinter ihr ist rechts St. Joseph neben zwei Engeln. Links sieht man zwei andere Engel, von welchen einer singt. Gott Vater und Geist erscheinen in der Luft. Nach dem Holzschnitte, rechts unten das Täfelchen mit Dürers Monogramm. H. 7 Z. 10 L., Br. 5 Z. 3 L.
    1. (B. 44. H. 1561) Die heil. Familie mit dem Schmetterling. Maria sitzt mit dem Kinde auf der Rasenbank; während Joseph rechts im Sitzen schläft. Oben sieht man Gott Vater und den Geist in einer Glorie; im Grunde ist Landschaft mit einem Flusse. Links unten ist der Schmetterling und in der Mitte das Zeichen Dürers. Nach dem Kupferstiche, von der Gegenseite copirt. H. 8 Z. 5 L., Br. 6 Z. 10 L.
  1. (B. 45. H. 636.) Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse auf der Rasenbank am Ufer des Flusses sitzend, die unter dem Namen: die heil. Jungfrau mit dem Affen bekannte Narstel- lung Dürer's, von der Gegenseite copirt, mit Weglassung des Affen, H. 6 Z. 8 L., Br. 4 Z. 6 L.

Es gibt Abdrücke ohne und mit der Adresse: Annibal formis Mantua.

  1. (B. 100. H. 1807.) Die heil. Familie im Zimmer. Maria hält das Kind auf dem Kissen stehend, links reicht der eine der beiden Engel demselben zwei Vögel, und rechts steht Jo- seph mit entblosstem Haupte. Ober dem Bogen erblickt man in den beiden Winkeln Adam und Eva, Nach dem Holz- schnitte. H. 8 Z., Br. 5 Z. 7 L.

  2. (B. 645.) Christus am Kreuze zwischen Maria und Johan- nes, letzterer rechts mit einem grossen Buche. Nach einem Gemälde, welches man dem Dürer beilegt. Das Blatt schreibt man gewöhnlich dem Marc-Anton zu, welcher es in sei- ner früheren Zeit gestochen haben musste. Ohne Zeichen. H. 9 Z. 7 L., Br. 60 Z. 2 L.

  3. (B. 646.) Die Grablegung. Links heben 2 Jünger den Leich- nam vom Boden auf, um ihn in das Grab zu tragen, wel- ches man rechts im Grunde sieht. Johannes steht in Schmerz daneben; Magdalena mit der Büchse ist zu den Füssen des Heilandes, und im Grunde links Maria mit zwei Frauen. Nach einer Zeichnung Dürer's, entweder von Marc-Anton, oder von Aug. von Venedig gestochen. Wenn das Blatt von dem ersteren herrührt, so muss man es als jugendlichen Versuch betrachten, wie Bartsch bemerkt. Ohne Zeichen. H. 12 Z. 9 L., Br. 7 Z. 9 L.

  4. (B. 13.) Der Leichnam Christi von den heiligen Frauen be- weint. Die heilige Jungfrau, in Mitte des Blattes, benetzt seine linke Hand mit Thränen. Neben Johannes, auf dessen Schooss der Leichnam ruht, sind zwei Frauen, eine dritte ist rechts und eine andere steht hinter der Maria. Im Grunde Golgatha und Jerusalem. Gegenseitige Copie nach dem Holzschnitte, links unten das Täfelchen mit Dürer's Mono- gramm. H. 15 Z., Br. 10 Z. 6 L.

  5. (B. 123., H. 1836.) Christus erscheint während der Messe dem hl. Gregor. Letzterer ist von einem Diacon und einem Subdiacon begleitet. Copie nach dem Holzschnitte von 1511 ohne Zeichen. H. 10 Z. 9 L., Br. 7 Z. 6 L.

Die spätern Abdrücke haben Salamanca's Adresse,

  1. (B. 104 H. 1826.) St. Christoph mit dem Jesuskinde auf der Achsel nach rechts hin den Fluss durchschreitend. Rechts vorn steht der Eremit mit der Laterne. In der Mitte unten ist das Täfelchen mit Dürer's Zeichen. Nach dem Holzschnitte. H. 7 Z. 10 L., Br. 5 Z. 2 L.

  2. (B. 110. H. 1830.) St. Franz empfängt die Wundmale. Er kniet rechts mit erhobenen Händen und der Gefährte sitzt links im Grunde auf dem Boden. Am Baume hängt das Tä- felchen mit Dürer's Zeichen. Nach dem Holzschnitte. H. 7 Z. 8 L., Br. 5 Z. 2 L.

  3. (B. 112. H. 1871.) St. Johannes Ev. und St. Hieronymus in einer Landschaft, an einen Baum gelehnt, jeder mit einem Buche. Nach dem Holzschnitte, in der Mitte unten das Ta- felchen mit dem Zeichen Dürer's 1506 A. I. (I. Aprilis) H. 8 Z., Br. 5 Z. 0 L.

Raimondi, Marcantonio. Diese Copie, im Sinne des Originals, ist sehr zart und mit grosser Sicherheit gestochen, in der Schraffirung sehr voll, was mit den Werken seiner ersten Manier durchaus nicht übereinstimmt. Man sollte glauben, dass dieses Blatt spä- teren Ursprungs sei, und es ist auch, selbst auf ganz schar- fen Abdrücke die Jahrzahl undeutlich, dass man eher 1510 lesen möchte. 77) S. 76. H. 858.) Der Traum, der Müssiggang (Bartsch) oder der auf der Ofenbank schlafende Mann, welchem der geflü- gelte Dämon mit dem Blasebalg den Traum einbläst, dessen Inhalt das nackte Weib und der Amor auf Stelzen bezeich- net. Von der Gegenseite, der Kachelofen rechts, Mit Dürer's Zeichen. H. 7 Z., Br. 4 Z. 5 L. 78) (S. 04. H. 886.) Der Herr und die Dame in einer Landschaft spazierend, am Baumstamme der Tod mit der Sanduhr auf dem Kopfe. Von der Gegenseite, der Tod rechts, unten das Zeichen Dürer's, welches sich am obern Querstriche des A, unterscheidet. Dieser ist nur eine starke Linie, während in Dürer's Blatt der obere Theil des Monogramms aus zwei, durch kleine senkrechte Linien verbundene Linien besteht. H. 7 Z. 5 L., Br. 4 Z. 7 L. Sehr selten. (5. 03. H. 892.) Die Liebserklärung, von einigen irrig Juda und Thamar genannt. Ein bärtiger Alter sitzt auf einer Ra- senbank und umfasst ein junges Weib, welches den offenen Beutel hält, um den Liebeslohn darin zu verwahren. Nach Bartsch ist dies Copie nach einem Stiche Dürer's, was Heller, der die Platte besitzt, verneint. Das Zeichen, so wie der Reiter, der in dieser gegenseitigen Copie nach rechts hin, wo das Schloss ist, sichtbar seyn sollte, fehlen, wie Heller bemerkt, allein das Monogramm fehlt vielleicht nur in dem ersten Abdrucke. In der Sammlung des Grafen Sternberg-Mander- scheid war wirklich ein Abdruck mit Dürer's Monogramm und sicher ein Werk Marc-Anton's, H. 5 Z. 8 L., Br. 5 Z. 1 L. 79) (S. 86 H. 058.) Die drei Bauern in Unterredung beisammen stehend. Der in dieser gegenseitigen Copie rechts stehende Bauer hat ein altes Schwert, der zur linken einen Korb mit Eiern. Ohne Zeichen, aus Marc-Anton's früherer Zeit. H. 3 Z. 10 L. Br. 2 Z. 10 L. 80) (S. 82. H. 006.) Die Dame zu Pferd, in dieser gegenseitigen Copie nach links reitend, ihr zur Seite ein Kriegsmann mit der Hellebarde. Dürers Zeichen in der Mitte unten. Wenn dieses Blatt wirklich von Marc-Anton ist, so gehört es zu dessen ersten Blättern. H. 3 Z. 11 L., Br. 2 Z. 10 L. 81. Blätter nach italienischen Meistern. (Die eingeschlossenen Numern sind jene des Peintre- graveur.) Altes Testament. 81) (1) Adam und Eva an dem von der Schlange umwickelten Baume, von welchem Eva zwei Aepfel genommen, die Adam bereits in den Händen hält. Im Grunde eine schöne Land- schaft mit Gebäuden. Höchst selten. H. 8 Z. 10 L., Br. 6 Z. 6 L. Durand 500 fr. Schneider 8 Thl. 6 gr. Copien. A. Alt, hinter dem linken Fusse Adams ein Täfelchen mit der Schrift Michelangel. Das Zeichen NF. soll Ni-

6 Z. 7 L. . 'L ')

B. Alt, von einem unbekannten Monogrammisten, dessen Zeichen RP. oder AP. hinter dem Adam an einem kleinen Steine, sichtbar wird. Die Ecken sind etwas vergelb— tet. Nach Zani unauffindbar. Er sah jedoch in der Samm-

lung von M. Ortioli zu Parma, einen Abdruck. H. 6 Z.

4 L., Br. 4 Z. .

C. Von Joseph Strutt, in dessen Biographical-Dictionary,

  1. (2) Adam und Eva aus dem Paradiese vertrieben, nach rechts ziehend vor dem Lichtstrahl der Gottheit. Nach dem Fresco- bilde Michel Angelo's in der Sixtina. Einige nennen Rafael als Zeichner, das Blatt ist aber wohl nur unter dessen Lei-

tung gestochen, zur Zeit, als das Blatt mit den Kletterern erschien. Ohne Zeichen. H. 7 Z: 2 Br. 5 Z. 5 L. Sehr guten. ; Die anonyme, gleich grosse, aber mittelmässige Copie ist von der Gegenseite; die Vertriebenen fliehen nach links,

' 81) (3) Gott Vater, in der Luft von drei Engeln getragen, be- lehrt den Noah die Arche zu bauen, weniger richtig auch die Segnung Abraham's (Be Benedictio d'Abraham ) genannt, nach Rafael, aber ohne Zeichen. H. 11 Z. 5 L., Br. 9 Z. 3 L.

Die ersten, höchst seltenen Abdrücke dieses meisterhaften Blattes sind durchaus sehr fein im Stiche, später wurde die Platte sorgfältig retouchirt, und die Taillen verstärkt. Im ersten Drucke ist der Ohrfinger der rechten Hand des ewi- gen Vaters mit ganz einfachen deutlichen Linien bedeckt, und der Kopf der Taube nur durch perpendiculare Linien beschattet, im zweiten Drucke sind die Linien des Fingers zur Hälfte ganz unregelmässig, und jene des Taubenkopfes kaum zu erkennen. ;

A. Die sehr täuschende, vielleicht von Marco di Ravenna ge- fertigte Copie, erkennt man an der Pflanze unten am Rande in Mitte des Blattes. Im Original hat sie sechs, 'in der Copie sieben spitzige Blätter. H. 11 Z. 6 L., Br. 6 Z. 3 L, Die zweiten, retouchirten Abdrücke dieser trefflichen Co- pie sind bezeichnet: R. V. Inven. B. Eine zweite anonyme Copie ist von der Gegenseite; die Frau des Noah kommt links aus der Thüre des Hauses, H. 11 Z. 5 L., Br. 9 Z. 1 L. mit 5 L. Rand: Die zweiten Abdrucke sind ganz retouchirt, C. Eine andere gegenseitige Copie ist mit R. V. bezeichnet, In der Grösse des Originals, ;

  1. (9) Joseph und Potiphar's Weib, welches sich links vom Bett erhebt, um den Jüngling zurückzuhalten. Nach einer Zeichnung Rafael's zum Bilde in den vatikanischen Logen, welches aber einige Veränderungen zeigt. Mit dem Tafel- chen. Sehr schön, aber eben so selten; aus Marc- Anton's letzter Zeit. H, 7 Z. 9 L., Br. 9 Z.

Die zweiten Abdrücke haben die Adresse von N. van Aelst,

die dritten jene der päbstlichen Chalkographie.

A. Anonyme, gute Copie, von der Gegenseite und ohne Taf- telchen. H. 7 Z. 8 L., Br. 8 Z. 8 L. Beim zweiten Dru-

Fall ist. B. Gegenseitige Copie von Don Vito 1578. C. Von J. Vazegio. (1578).

D. Von Bern. Lens, in schwarzer Manier.

  1. (10) Der Sieg der Israeliten über die Philister. David trennt dem auf der Erde hingestreckten Goliath das Haupt vom Rumpfe. Rechts verfolgt das israelitische Heer die Philister. Nach Rafael's Zeichnung zum Bilde im Vatikan, und eines der meisterhaftesten, aber seltenen Blätter des Künstlers, Rechts unten das Täfelchen mit dem Zeichen, welches aber Zani (III. 2. 282.) nicht als jenes des Marc-Anton erken- nen will. Er will das Blatt dem Agostino Veneziano vindici- ren. H. 9 Z. 9 L., Br. 14 Z. 7 L. Im ersten, äusserst seltenen Drucke fehlt das Monogramm auf dem Tafelchen. Ein solcher Abdruck ist im k. Cabinet zu Paris, ein zweiter in der Sammlung des Prinzen Paar zu Wien. Bei Weigel vor aller Adresse 22 Thl. Die späteren Abdrücke haben Salamanca's Adresse, dann ging die Platte in die Hände der Kunsthändler van Aelst, Lconi und Losi über. Letzterer nutzte sie ganz ab. E. de Laulne hat dieses Blatt copirt. Da Carpi hat es in Helldunkel in Holz geschnitten.

  2. (11) David im Begriff das Haupt des Riesen vom Boden auf- zuheben, im Grunde zwei Zelte. Vor demjenigen zur Rech- ten erhebt sich ein Baumstamm. Nach Rafael, links unten das Zeichen, H. 4 Z. 14 L., Br. 2 Z. 11 L. Schön und sel- ten. Bei Frauenholz 5 fl. 10 kr.

Es gibt eine schlechte Copie. H. 4 Z., Br. 2 Z. 11 L.

  1. (12) David stehend mit dem Hirtensacke, das Haupt Goliath's zu seinen Füssen. In seiner frühern Zeit gestochen, vor sei- ner Ankunft in Rom, gegen 1500, wie Ottley glaubt. Das Zeichen ist in der Mitte unten. Einige glauben, Montagna oder Francia habe die Zeichnung gefertigt, andere Marc- Anton selbst. Die guten Abdrücke sind ausserst selten. H. 6 Z. 4 L., Br. 4 Z.

  2. (13) Die Königin von Saba mit ihrem Gefolge vor Salomon, der sie auf dem Throne empfängt. Dieses Blatt ist nach Ra- fael gestochen, aber nicht am besten. Links oben ist es un- vollendet. Vasari legt den Stich dem M. da Ravenna bei. Er sagt, dass sich Abdrücke mit dem Zeichen MR (M. di Ravenna), und solche mit dem Zeichen AV (Agost. Vene- ziano) finden; allein die Richtigkeit dieser Angabe scheint nicht bestätigt zu seyn, das Blatt gehört aber wahrschein- lich nur einem Schüler Marc-Anton's an, nicht ihm selbst, H. 15 Z., Br. 21 Z.

Neues Testament. 87) (16) Die Geburt Christi, das Jesuskind mit dem Kopfe auf einem Kissen auf dem Boden liegend, vor welchem Maria kniend betet. Joseph sitzt rechts, links sind drei Hirten und im Grunde ist Landschaft. Dieses äusserst seltene Blatt ist noch nielloartig behandelt, etwas steif und hart im Vortrage, wahrscheinlich nach Francia. Das Zeichen des Stechers sieht man am Kissen. H. 13 Z. 11 L., Br. 10 Z.

  1. (18) Der Kindermord, eine der herrlichsten Compositionen von Rafael, worin die Schönheit der Darstellung mit dem

A

‚für sich, noch für einen andern die Darstellung im Stiche'

zu wiederholen. Allein Raimondi soll sich durch den Bei- fall, welchen dieses Blatt erhielt, und durch die Hoffnung

anum Gewinn haben verleiten lassen, den Kindermord nach-

zustechen, was den Besitzer der ersten Platte zur tödtlichen Rache reizte. Vasari weiss indessen nichts von dieser Anek- dote, obgleich er den Stich kennt, und auch Malvasia sagt, er könne die Wahrheit nicht verbürgen. Deswegen nimmt man die Sache jetzt allgemein als Fabel. Dass aber zweier- lei Platten mit dieser Darstellung existierten, ist gewiss. Man 'unterscheidet die Abdrücke an einem Tannenbäumchen, wel- ches im Grunde rechts, nahe den Plattenrande aus einer Gruppe von Bäumen emporragt. Daher heisst es nun der Kindermord mit dem Bäumchen, welches im Französischen unter Chicot oder Forgette, im Italienischen unter dem Ausdrucke: Felce, Felcetta oder Albero bezeichnet wird. Eine andere Frage ist die, ob beide Stiche mit und ohne Bäumchen, von Marc-Anton herrühren, und welchem Künst- ler die Wiederholung angehöre, wenn Raimondi nur eine Platte gestochen hat. Malvasia, dessen Felsina pittrice 1678 ‘zu Bologna gedruckt wurde, ist der erste, welcher dem Rai- mondi beide Platten zuschreibt, und dessen Commentator theilt dieselbe Meinung, fügt aber bei, dass die Wie- derholung noch sorgfältiger und zierlicher behandelt sei.

. Diess ist nach seiner Ansicht la Strage di Felcetta, Heinecke tritt der ältern Meinung bei, und Huber schreibt ihr nach. Ottley hält ebenfalls beide Blätter für Arbeit Marc-Antons,

von welchem aber die Darstellung ohne Fichtenbäumchen erst mehrere Jahre später erscheinen dürfte. Armano Malaspina, Longhi, Ferrario, Zanetti, Rühlens u. A. erklären sich ebenfalls dahin, dass Marc-Antonio den Kindermord zweimal gestochen habe, es gehen aber nur wenige auf die Bestimmung der Priorität ein. Bartsch steht an der Spitze derjenigen, welche behaupten, dass nur der Massacre au Chicot von Marc-Anton herrühre, und das Blatt ohne Bäumchen eine Wiederholung des Agostino Veneziano sei. Graf Cicognara (im Giornale delle belle arti, Venedig, 1833 S. 501) theilt dieselbe Meinung und sucht sie durch Gründe zu rechtfertigen, die besonders auf der Vergleichung des Styls und des Verdienstes beider Blätter beruhen. Einzeln steht Zani da, welcher, Bartsch, Frenzel, Zanetti u. A. ent- gegen, die Darstellung ohne Bäumchen für Originalstich des Marc-Anton und jene mit demselben für Wiederholung des

Marco di Ravenna erklärt, Zani stützt seine Meinung nur

auf zwei unhaltbare Gründe, nämlich dass man auf dem Blatte ohne Felcetta das gewöhnlichere aus MA.F bestehende -Zeichen finde, und dass die Mehrzahl der Copien ohne -Bäumchen sei. )

Fassen wir nun die verschiedenen Meinungen zusammen, so ergibt sich vor allen, dass die alten Schriftsteller von einer zweiten Darstellung des Kindermordes gar nichts wis- sen, und dass die Mehrheit der neueren beide Platten als Werk derselben Hand betrachten. Nur wenige, aber sehr giltige Ansichten nehmen das Blatt mit dem Bäumchen ein- zig für Marc-Anton's Werk. Es herrscht aber jetzt auch die

A

D „4 I, M4

an

Raimondi, Maggianino.

  • ziemlich allgemeine Meinung, dass die Darstellung mit dem .. Bäumchen noch ziemlich unmittelbar unter den Augen Ra-
  • faels gestochen wurde, so wie auch Vasari vom Stiche des , Kindermordes behauptet. ‚Die k. k. Bibliothek zu Wien

„in] 9! besitzt einen Probedruck, welchen Rafael selbst mit grosser entelieH Geduld mit der Feder retouchirt hat. Alle Umrisse sind cor-

rigirt, erweitert oder verengert, je nachdem es ihm nöthig ' schien, sie wegzugeh uad zierlicher zu machen. Mit beson-

derer Genauigkeit sind die Uebergänge vom Schatten in's :., Licht angegeben. Er hat sich hier der Punkte bedient, um ,. die Schatten mehr verlaufen zu machen, und zugleich dem

Gegenstand mehr Rundung zu geben. Dann stimmt auch die Manier des Stiches, das eigenthümliche Feuer ganz mit andern noch zur Lebzeit Rafael's entstandenen römischen Arbeiten Raimondi's überein, die Harmonie des Ganzen aber und die Regelmässigkeit der Schraffüre, die freiere, breitere Behandlung, welche im Blatte ohne Bäumchen sich kund gibt, bemerken wir nur in den Werken seiner spätern Zeit. Wir stimmen mit denjenigen, welche glauben, dass Marc- Anton beide Blätter gestochen habe, vollkommen überein,

_ indem die Verschiedenheit der Arbeit und die Veränderung

in der Composition, am allerwenigsten aber die Bezeichnung, . keineswegs verschiedene Hände beurkunden. Warum sollte Marc-Anton später sich nicht wieder an den Stich eines Bildes gemacht haben, welcher ihm Ruhm und Vortheil ge- macht hatte? Beide Blätter sind nur eines Marc-Anton wür- dig, Augustin von Venedig erreichte in seinen bekannten, ihm ganz zugeschriebenen Blättern, diese Vortrefflichkeit nicht. Die Blätter sind in gleicher Grösse 10 Z. 4L. hoch und 15 Z. 10L. breit, aber nicht Copie das eine von dem andern, da sich bedeutende Veränderungen zeigen. Dennoch glaubt Zanetti, dass beide Blätter nach Einer Zeichnung gesto- chen seyen, welche damals im Besitze des Cardinals von Este sich befand. Diese Zeichnung kam später nach Holland, wo sie vor einigen Jahren Dr. Huygens erwarb, und dann selbe an das k. Cabinet in Dresden. abliess. Im Kunstblatte von 1832 Nro. 23. wird darüber benachrichtigt. M. Steinle hat sie in Kupfer gestochen. Zanetti erwähnt aber ausser der Zeichnung des Cardinals Este noch zweier anderer, die ebenfalls dem Rafael zugeschrieben werden. Die eine, in rother Kreide, schon von Zani citirt, befindet sich zu Neapel in der Sammlung des D. Ciccio de Lucca, die andere war schon zu Zeiten des A. von Bartsch in der Sammlung des Prinzen Ch. de Ligne.

Die unterscheidenden Merkmale der beiden Stiche sind folgende: '

„.. :n/.. Auf dem Blatte mit dem Tannenbäumchen liest man:

B. Das Blatt ohne Bäumchen ist bezeichnet: RAPHA —

VRBJ — IJNVEN — MAF (zusammenhängend). Bei A. ist das Haar der beiden Henker am Rande durch ein voll- kommen, sichtbares' Band gebunden, bei B. ist es nicht :mehr zu sehen; dann ist im ersteren Falle das Ohr des Henkers mit dem Dolche von den Haaren nur halb, im zweiten ganz, bedeckt. Die Frau zur rechten, deren Kind mit dem Dolche bedroht ist, hat bei A. ein mit einer schönen Stickerei eingefasstes Kleid an, bei B, ist aber 'diese Franse ärmlich. . Dann sind im älteren Stiche die

Augen der Frau, welche in Mitte des Blattes ängstlich

läuft, nach rechts gerichtet, und das Haar mit einem

Band umgebunden; im späteren Blatte stehen ihre Augen

nach links und das Band ist weg. Ihre Haare der knieen-

den Frau, welche im Vorgrunde ein Soldat fasst, sind im

Stiche mit dem Bäumchen schon gelockt, im andern Blatte

eine confuse Masse. Über der Brücke, zwischen den

Häusern erblickt man mehr Gipfel von Bäumen, welche

später weggeblieben, und das größte dieser Häuser, links

in der Nähe des Piedestals, hat bei A. neun, bei B. nur

acht Fenster. Dann finden in beiden Blättern auch noch

andere Unterschiede statt, wie im Ausdrucke der Köpfe,

in der Strenge der Umrisse, in der Genauigkeit der Ex-

tremitäten, in der Schönheit der Lagen, wodurch sich das

Blatt mit dem Bäumchen vor dem andern auszeichnet.

Dagegen besitzt der Stich ohne Bäumchen wieder andere

Vorzüge, welche nur ein Künstler von grosser Reife er-

langt. Es wurde aber zu jeder Zeit der Massacre au

Chicot viel höher bezahlt, als das Blatt ohne Bäumchen,

Descamps II, p. 341. sagt, dass Nicolas Berghem eine

Copie mit 60 Gulden bezahlt haben, und daraus erhel-

let zugleich, dass dieses Blatt im siebenzehnten Jahr-

hunderte in Holland bereits im hohen Preise stand. Im

Jahre 1757 galt zu Paris in der Pothier'schen Auktion der

Abdruck mit dem Bäumchen 575 Fr., ein Exemplar ohne

dasselbe aber nur 18 Fr. Im Jahre 1778 wurde ein Abdruck

mit dem Chicot mit 50 Fr. bezahlt, in der Versteigerung

Valois mit 105 Fr., in der Auction Prevost mit 400 Fr.,

Basan 72 Fr., Sylvestre 700 Fr., Durand 2400 Fr., Ploos

von Amstel 39 fl. 10 kr., Frauenholz 18 fl., Winkler

12 Rthlr., Stengel 45 fl. 3 kr. In Italien kaufte der Maler

G. Bossi aus der Landrianischen Auktion eine Copie für

600 Fr. und der Kupferstecher Longhi schätzte einen gu-

ten Abdruck des Blattes ohne Bäumchen auf 000 Fr.

Der Abdruck mit dem Bäumchen im k. Cabinette zu Mün-

chen kostete 60 Louisd'or. Die Verschiedenheit der Preise

hängt von der Verschiedenheit der Abdrücke ab, welche

Zanetti auf folgende Weise bestimmt:

A. Der Kindermord mit dem Bäumchen:

I. Ohne Namen Rafael's und ohne Zeichen Marc-Anton's, Ein Abdruck dieser Art kam aus dem Cabinet Puccini in jenes von Pric zu Turin. Das Exemplar des Prin- zen Albert von Sachsen-Teschen ging durch die Samm- lungen von Mariette, Lelu, Borduge und Durand. Das dritte Exemplar aus der Sammlung Sylvestre, be- hielt Durand, Heinecke sagt, dass sich auf der k. k. Bibliothek zu Wien ebenfalls ein erster Abdruck be- finde, allein Bartsch suchte vergebens darnach, so wie Zani nach dem einfachen Umriss, welchen Heinecke in

Dresden wissen wollte.

  1. Mit der obengenannten Schrift. III. Von der etwas retouchirten Platte, mit Adresse. IV. Sehr abgenützt, fast nur mehr die Umrisse, die Schat- ten und Halbtinten sind verschwunden; ohne Adresse, Die Originalplatte, in ganz abgenütztem Zustande be- soss Longhi in Bologna, und jetzt ist sie im Cabinet Malaspina zu Mailand. B. Der Kindermord ohne Bäumchen.

  2. Mit Salamanca's Adresse,

  3. Mit der Adresse: In Roma presso Matteo de Rossi in piazza Navona.

  4. Mit der alleinigen Adresse: Gio. Batta de Rossi in Piazza Navona.,

  5. Mit der Adresse: In Roma presso Carlo Losi 1773. Die Platte kaufte 1806 Carlo del Maino zu Bologna und später der Kunsthändler Gius. Vallardi in Mailand,

Copien vom Kindermorde mit dem Bäumchen,

A. Von einem Ungenannten im Sinne des Originals mit der Schrift am Piedestal: ROME AD. S. M. AM. (verbunden). Die Ferse des rechten Fusses des Kindes, welches das im Vorgrunde rechts knieende Weib trägt, ist weiss. Zanetti sagt, diese Copie sei unauffindbar. H. 102 Z., 3 L., Br. 15 Z. 10 Z.

B. Von Agostino Veneziano in kleinerem Formate: RAPHAEL VRBI IN. V. H. 32 Z. 8 L. Br. 5 Z. 7 L.

C. Von Peter Leli 1792, mit zwei Bäumchen.

D. In Helldunkel von H. da Carpi, eines der Hauptblätter dieser Art,

Copien vom Kindermorde ohne Bäumchen.

A. Von Gio. B. de Cavalleriis, im Sinne des Originals und mit derselben Inschrift. H. 10 Z. 4 L. Br. 15 Z. 0 L. Am Kranze steht der Name des Stechers, welcher nur auf sehr wenigen Abdrücken fehlen wird. Bartsch sah einen solchen in der Sammlung des Grafen von Fries, welchen später Graf Cicognara erhielt. Im Institute zu Bologna ist ein zweiter Abdruck. Die Abdrücke ohne Namen des Co- pisten und ohne Adresse, die, wenn auch nicht sehr vor- zuglich, doch den Unerfahrnen täuschen könnten, erkennt man am Camine des Hauses rechts, wo der Henker mit dem Dolche steht, und über der Hand desselben. Im Stiche des Marc-Anton ist er spitzig, in der Copie viereckig. Die ge- wöhnlichen Abdrücke haben den Namen des Copisten und die Adresse von Anton Lafrery. Manfredini besass einen Abdruck mit der Jahrzahl 1561.

B. Von Michele Lucchese, dessen Zeichen ML links zu se- hen ist. Am Piedestal steht hier keine Inschrift. Die er- sten Abdrücke haben gar keine Schrift, die zweiten haben Rafael's Namen und Privilegium und das Zeichen des Co- pisten, die dritten die Adresse von A. Lafrery und die re- touchirten Abdrücke überdiess noch die Adresse von H. van Schoel. H. 10 Z. Br. 10 Z. 2 L.

C. Eine gegenseitige anonyme Copie.

D. Von Jakob Binck, dessen Monogramm manchmal ausra- dirt ist.

E. Von E. de Laulne, und eine solche von Villamena,

F. Von Aurelio Colombo, eine neue Copie, die selbst jener von Cavalleriis und M. Lucchese vorzuziehen ist. H. 10 Z. 5 L. Br. 15 Z. 10 L.

Colombo stach sie unter Leitung des Giuseppe Longhi, und setzte sein Monogramm über den Namen Rafael's am Piedestal. Im Machwerk wich Colombo öfter vom Origi- nale ab, so wie man denn das Ganze eher eine Repetition des Gegenstandes, als eine getreue Copie nennen kann. Dennoch haben Gewinnsüchtige öfter mit dieser Copie ge-

  1. (22) Die Taufe Christi. Der Heiland im Jordan stehend, und Johannes mit der Schale am Ufer auf eine Linie hinge- lassen, ein Jüngling trägt den Mantel. Im Grunde sind Bäume auf dem Hügel, rechts vorn erhebt sich ein anderer Baum. Die symbolische Taube schwebt in der Luft. Ohne Zeichen, im Marc-Anton's erster Manier und wahrscheinlich nach Francia. H. 11 Z. Br. 8 Z. 2 L.

I. Der Kopf des Heilandes ohne Aureole; äusserst selten, II. Mit der Aureole, aber das Ganze durch Ueberarbeitung verunstaltet,

  1. (23) Christus im Hause Simon's des Pharisäers, rechts sitzend, wie ihm Magdalena die Füsse salbt. Links ist der Haushof- meister und der Page mit einer Schüssel. Rechts unten das Täfelchen. Die Composition legt man gewöhnlich dem Ra- fael bei, allein es dürfte dieses Blatt zu der Folge aus der Geschichte der Magdalena gehören, welche Marc-Anton nach Giulio Romano gestochen hat. Ein zweites Blatt wäre jenes, welches Bartsch Nr. 45. beschreibt: Notre Dame a l'escalier. H. 8 Z. 6 L., Br. 12 Z. 10 L.

Die früheren Abdrücke haben die Adresse A. Lafrery's nicht, sind aber theilweise schon schwach, da die Platte be- reits abgenutzt war, als sie Lafrery erhielt. Er brachte einen schwärzten Boden an, und setzte seine Adresse auf die Platte. Diese Abdrücke sind schlecht.

Copien.

A. Von einem Ungenannten im Sinne des Originals, und mit dem Täfelchen. Diese Copie ist nur 12 Z. 4 L. breit. Die Wolken, die man durch das Fenster sieht, sind anders behandelt, Bartsch Table fig. I,

B. Von einem Ungenannten, der aber die Buchstaben I, F. und 15530 auf das Täfelchen setzte. Von der Originalseite und in gleicher Grösse. Der Copist sollte nach Heinecke Jacobus Florentinus seyn; das Blatt wird aber noch öfter dem jüngeren Francia beigelegt.

Gegenseitige anonyme Copie im Geschmacke des C. Cort, ohne Täfelchen und Zeichen. H. 8 Z. 6 L., Br. 13 Z. 1 L.

D. Von Wilh. Silvius Buse (Cor. Bos). Mit dem Täfelchen und mit vier lateinischen Versen: Peccatrix lacrymis sup- plex etc. Rechts unten der Name des Copisten. H. 8 Z. 2 L., Br. 12 Z. 6 L.

E. Von Dom. Zenoni, der sich mit D Z im Täfelchen bezeich- nete, und im Rande italienische Verse anbrachte. Später kam die Platte in die Hände des Luca Bertelli.

F. Von And. Andreani im Helldunkel.

  1. (26). Das Abendmahl des Herrn, mit den Füssen (la cena aux pieds, pezzo dei piedi) genannt, weil das Tischtuch nicht ganz bis auf dem Tische reicht, so dass noch die Füsse der Versammelten sichtbar werden. Christus sitzt in Mitte der Tafel, und zu den Seiten rechts und links je sechs Jünger, Johannes sieht man zur Linken des Herrn und Petrus sitzt ihm zur Rechten, mit dem Messer in der Hand. Rechts am Sessel ist das Täfelchen. Diess ist eines der meisterhaftesten Blät-

Nagler's Künstler - Lex. Bd. XII, 15 19

Die Preise waren immer bedeutend. Im Jahre 1773 wurden in der Auktion Brochant 216 Fr. bezahlt, auf einer noch frü- hern Versteigerung, 1757, sogar 301 Fr. In der Silvestre'- schen Auction wurde 1811 für das Cabinet in Paris ein wun- dervoller Abdruck um 650 Fr. gekauft. Logette 600 Fr., Winkler 42 Thl., Frauenholz 17 fl.,

Die Abdrücke mit Salamanca's Adresse sind die zweiten.

Bartsch erwähnt nur zwei Copien, es gibt aber deren mehrere.

A. Im Sinne des Originals, von einem Schüler des Marc-Anton. Hinter dem Apostel mit gekreuzten Armen steht RA (Ra- fael). H. 15 Z 1/2 L., Br. 16 Z. 4 L. Die zweiten Abdrü- cke haben die Adresse vor Salamanca, die dritten jene von

N. van Aelst,

B. Von der Gegenseite, von Nic. Beatrizet, mit dem Namen des Stechers. Im zweiten Druck mit Lafrey's, im dritten mit Orlandi's Adresse.,

C. Von G. B. de Cavalleriis, im Sinne des Originals. Im er- sten Drucke mit dem Namen des Stechers und der Adresse von Lafrey, im zweiten ist auch jene des Pet. de Nohili- bus beigesetzt.

Von Marius Kartarus (MK) mit Veränderungen, 1575.

Anonym, mit der Adresse von Rascioti und der Schrift: in bolog. 1572. Im Grunde hat man die Aussicht auf ein Schloss, während man im Original durch die drei Fenster

auf Landschaft sieht.

E. Von Peter Drevet in Grosem, mit Veränderungen.

F. Von J. Nolin, mit dessen Adresse.

G.

Von Fr. Mazot, mit dessen Adresse., Im Holzschnitte, anonym.,

902 (29) Christus am Kreuze, am Fusse desselben Todtenkopf und Knochen. Wenn dieses Blatt von Marc-Anton wirklich ist, so gehört es in dessen früheste Zeit. H. 3 Z. 1 L.,

Br. 2 Z.

  1. (30) Die Grablegung Christi, halbe Figuren in einer Run- dung, hinter dem in Mitte stehenden Apostel das Kreuz.

Anscheinlich nach Francia, und ein schönes Blatt. H. 3 Z.,

Br. 3 Z. 4 L.

Es gibt eine gegenseitige Copie — links eine der Marien und ein Greis —, vielleicht von A, von Venedig. H. 2 Z. 9 L., Br. 3 Z. 2 L.,

  1. (32) Die Kreuzabnehmung. Der Heiland ist noch mit der Rechten an das Kreuz angeheftet. Am Fusse desselben ist Maria von den Frauen unterstützt. Nach Rafael, rechts unten das Täfelchen. H. 15 Z. 2 L. Br. 10 Z. 6 L.

Durand 800 Fr. Silvestre 270 Fr. Frauenholz 12 fl., Winkler 12 Thl. Stengel 9 fl. 10 kr.,

Copien.

A. Von einem Anonymen sehr genau, Zug für Zug, so dass man getäuscht werden kann, wenn der Rand mit den zwei Versen abgeschnitten ist: Mortuus ex cruce traditur ete., — Im zweiten Drucke: Romae Anto. Lafrery, Raphael urb. in. Im dritten mit N. von Aelst's Adresse. In dieser Copie

B. Sehr trügerische anonyme Copie, in welcher das Täfel- chen und die Steine wie im Originale gezeichnet sind. Man erkennt sie am Berge im Grunde, der sich am linken Plattenrande erhebt. In dieser Copie sieht man darauf nur zwei Häuser, im Originale mehrere. So gross wie letzteres.

C. Sehr genaue Copie in der Grösse des Originals, nach Ma- riette's Meinung von A. von Venedig, nach Bartsch noch eher von Marco di Ravenna. Man unterscheidet sie am linken Arme des Erlösers, der nur umrissen ist. Täfel- chen und Zeichen fehlt. Abdrücke dieser Art kennt man nur zwei, Einer ist im Cabinet zu Wien, der andere in jenem zu Paris.

Die zweiten Abdrücke sind retouchirt, und jetzt auch der linke Arm beschattet. Die spätern Abdrücke haben die Adressen von Aelst, Lafrery, Rossi und C. Losi.

D. Von Diana Ghisi Mantuana.

E. Von Sebastiano a Regibus.

F. Ganz klein, äusserst selten. H. 2 Z. 4 L., Br. 1 Z. 6 L.

G. Von Hugo da Carpi in Helldunkel.

(33) Die drei heiligen Frauen besuchen das Grab des Erlö- sers. Sie sind in lange Mäntel gehüllt, und nach links schreitend dargestellt. Die Zeichnung wird dem Michel Angelo beigelegt, der Stich dem Marc-Anton oder dem Augustin von Venedig, wie Bartsch lieber will. In eini- gen Catalogen gilt dieses Blatt als Werk des G. Bonasone wahrscheinlich weil Heinecke es diesem Meister vindici- ren will. H. 10 Z. 9 L., Br. 6 Z. 7 L.

(31). Maria beweint den Leichnam Christi, der am Felsen auf einer kleinen Mauer ausgestreckt ist. Im Grunde Land- schaft mit Bergen, Bäumen und Gebäuden. Dies ist die, unter dem Namen der heiligen Jungfrau mit dem nackten Arme bekannte Darstellung, weil nämlich der rechte Arm nicht bekleidet ist. Im Grunde bergige Landschaft. Das Blatt ist nach Rafael, ohne Zeichen, eines der schönsten des Meisters, aber selten zu finden. H. 11 Z. 5 L., Br. 8 Z. 2 L.

Durand 300 Fr. Silvestre 75 Fr. Winkler 14 Thl. In der Wiederholung dieses Gegenstandes, von Marco di Ravenna oder von Agostino Veneziano, hat die heil. Jung- frau den Arm nicht bloss, und dann sind auch noch andere Veränderungen bemerkbar. Vasari spricht nur von der No- stra Donna con le braccia aperte und legt sie einem der beiden genannten Künstlern bei. Dieses Blatt hat rechts vorn das Täfelchen. H. 11 Z., Br. 8 Z. Durand 230 Fr. Dieser zweite Stich ist auch copirt. Bartsch erwähnt nur die ersten drei der folgenden Copien, die andern Zanetti:

A. Von einem Unbekannten, im gleichen Sinne aber ohne Tafel. Auch fehlen die zwei kleinen Figuren im Grunde links zwischen dem Felsen und dem rechten Schenkel der Madonna. H. 10 Z. 3 L., Br. 7 Z. 7 L.

B. Gute anonyme Copie von der Originalseite, ohne Täfel- chen Marc-Antons. Auf einer Tafel steht: O vos omnes,

G. Sehr schöne anonyme Copie mit der Inschrift: O vos om- nes etc. wie in der Copie B. In dieser letztern Nachah- mung ist das Ohr des Heilandes mit Haaren bedeckt, in der Copie G. erscheint es offen.

H. Anonym von der Gegenseite, ohne Täfelchen und In- schrift. I. Anonym, die Figuren wie im Original, der Grund ist aber zusammengezogen. K. Anonym, die heilige Jungfrau erscheint sehr jung. L. Anonym, die heilige Jungfrau mit dem blossen Arme, die Figur einer alten Frau hinzugesetzt. M. Von der Gegenseite, anonym, aber sehr schlecht, um 6 Z. höher als das Original. N. Von Julius Bonasone, mit Veränderungen, wahrscheinlich nach einer andern Zeichnung.

  1. (36) Jesus Christus im Grabe von der heiligen Jungfrau und dem Johannes unterstützt, dabei Joseph von Arimathea und Nicodemus, lauter halbe Figuren, nach Rafael. Hei- necke behauptet, dass dieses Blatt unten nach rechts (zu- sammengezogen) F. bezeichnet sei, was Bartsch bezwei- felt, so wie er es denn überhaupt lieber dem Augustin von Venedig zuschreiben will, H. 3 Z. 9 L., Br. 5 Z. 3 L.

  2. (37) Der Leichnam Christi auf dem Schoosse der Maria, die ohnmächtig von zwei Frauen unterstützt wird. Rechts un- terstützt eine andere Frau die Füsse des Erlösers, gegen- über steht am Felsen ein Jünger und Johannes rechts wei- nend bei zwei Schülern. In der Ferne ist Golgatha. Nach Rafael, in der Mitte unten das Täfelchen, H.7 Z. 10 L., Br. 6 Z. 2 L. Copien. A. Von einem Ungenannten mit dem Täfelchen, aber von der Gegenseite. Gleiche Grösse. B. Von einem Anonymus, in der Grösse des Originals, aber von der Gegenseite. Man unterscheidet diese Copie von der obigen an den Kräutern, welche man auf dem Boden des Vorgrundes sieht. Diese hat weder das Original, noch die Copie A.

  3. (41) Christus in der Vorhölle, um die Altväter zu befreien, angeblich nach Francia's Zeichnung. Das Monogramm MAF (zusammengezogen) in der Mitte unten. In der ersten Manier des Künstlers und selten. H. 8 Z., Br. 6 Z. 5 L.

I. Vor dem Wölkchen über der Fackel links oben. II. Mit einem solchen, von fremder Hand etwas roh angebracht. 99) (44) St. Paul prediget den Athenern, nach einem Carton Ra- fael's für die Teppiche, das Täfelchen in der Ecke auf der

Copien.

A. Ohne Täfelchen, ganz schwarz. H. 10 Z. 2 L., Br. 12 Z. 10 L.

B. Anonym, von der Originalseite, mit der Adresse: Jacobus Laurus Exc. Zani kennt auch eine Copie mit der Adresse: Jacobus Marcucci Exc.

Madonnenbilder.

— 100 (45) Die heil. Jungfrau auf der Stiege, das seit Bartsch un- ter dem Namen Notre Dame à l'escalier bekannte Blatt. Die- ser Darstellung erwähnt schon Vasari, und glaubte die heil. Jungfrau zu erkennen, welche in Begleitung der Anna die Treppe nach dem Tempel hinaufsteigt. Allein die Darstel- lung passt vielleicht noch mehr auf Martha und Magdalena, welche in den Tempel gehen, um den Herrn predigen zu hören, der rechts am Eingange des Tempels zwischen zwei Säulen sitzt. Er stützt die Linke auf den Kopf einer Löwin, und deutet mit der Rechten nach den beiden genannten Frauen, welche die Stiege heraufkommen. Um ihn sind vier Jünger, und an der Stiege ist Volk versammelt, links unten ist das Täfelchen. Die Composition legt man gewöhnlich dem Rafael bei, allein ohne hinreichenden Grund. Vasari bestätiget dieses nicht, sagt aber, Marc-Anton habe nach Giulio Romano vier Darstellungen aus der Geschichte der Magdalena gestochen, und somit könnte dieses eines jener Blätter seyn. Die zweite Darstellung wäre demnach die Mag- dalena zu den Füßen des Heilandes im Hause des Pharisäers, Bartsch 23. H. 8 Z. 7 L., Br. 12 Z. 9 L. Palliere 300 Fr., Durand 450 Fr., Winkler 241 Thl. 13 Gr. Copien.

A. Von einem Anonymen im Sinne des Originals und täu- schend. Man kennt sie an dem Wölkchen links oben über einer der Frauen auf der Treppe. In der Copie sind die Linien, welche die Wolken bilden, runder, und die ho- rizontalen Striche, auf welchen sie liegen, sind zahlreich, während im Originale nur vier solcher Striche auslaufen. H. 8 Z. 3 L., Br. 12 Z. 2 L.

B. Anonyme Copie im Sinne des Originals, links unten das Täfelchen mit dem Monogramm MAR. In der Grösse des Urbildes.

C. Holzschnitt von G. Matheus.

101 (46) Die heil. Jungfrau mit dem Kinde in einem Sessel, die linke auf ein geschlossenes Buch gelegt. Hinter dem Vor- hang sieht man durch zwei Fenster auf eine Landschaft mit Gebäuden. Nach einer Zeichnung Rafael's, aber nicht ganz- vollendet. Ohne Zeichen. Selten. H. 6 Z. 6 L., Br. 5 Z.

102 (47) Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf Wolken, wo drei halbe Figuren von Engeln sichtbar werden, links ein

A. Anonym, von der Gegenseite, Rechts unten: RAPH. VRBL H. 6 Z. 5 L., Br. 5 Z. 3 L. -

B. Eine gleiche Copie, wo aber das auf dem Felsen stehende Schloss und der selbe umgebende Fluss Zuthat des Co- pisten ist. H. 10 Z. 2 L.? Br. 6 Z.?

C. Geringe gegenseitige Copie, im Oval. Durchmesser der Höhe 6 Z., Br. 4 Z. 7 L ;

D. Von Vicus.

  1. (48) Die heil. Jungfrau mit dem stehenden Kinde im Buche sitzend. Den Grund bildet ein Zimmer, wo man links einen Vorhang, rechts einen Fensterflügel bemerkt. Nach Rafael's Zeichnung, ohne Monogramm. Heinecke erklärt dieses Blatt als Werk Marc-Anton's, Mariette als solches von Marco di Ravenna. Bartsch bezweifelt beides. H. 7 Z. 8 L., 5 Z. 4 L.

— Copien. )

A. Von der Gegenseite und genau, ebenfalls ohne Zeichen, und in der Grösse des Originals, mit welchem sie oft ver- wechselt wurde. ;

B. Von der Gegenseite radirt, links unten mit R. bezeichnet.

  1. (52) Maria mit dem Kinde in den Armen auf Wolken si- tzend, ganz von Strahlen umflossen, auf dem Kopfe über- diess die Aureole. Das Kind lüftet ihr den Schleier. Es ist diess eine Skizze zu Rafael's Madonna di Foligno, die aber später verändert wurde. Rechts unten ist das Täfelchen, wie Bartsch bemerkt, im Cabinet Cicognara; war aber ein Ab- druck ohne dasselbe. H. 9 Z. 2 L., Br.: 6 Z. 2 L. Bei Wei- gel 14 Thlr. M.

Copien.

A. Anonym, im Sinne des Originals und mit dem Täfelchen. Diese Copie ist grösser wie das Original. Man kennt sie auch daran, dass der Raum zwischen den Strahlen und der kleinen Wolke, auf welche Jesus den rechten Fuss setzt, nur eine Linie hält, während im Original deren sechs sind. Einige glauben, diess sei eine Repetition von Marc- Anton, die er in Gemeinschaft mit Ag. Veneziano un-

ternommen. H. 8 Z. 7 L., Br. 5 Z. 10 L.

B. Von der Gegenseite, der Kopf der Madonna ohne Aureole, Diese schöne Copie hat weder Täfelchen noch Zeichen. H. 8 Z. 1 L., Br. 5 Z. 7 L.

C. Von Vicus, Vicus. 1542.

  1. (33) Dieselbe Darstellung mit einigen Veräuderungen, die hauptsächlich darin bestehen, dass die heil. Jungfrau mit der Rechten das Kind unter der Achsel unterstützt, während sie im ersten Blatte selbes, auf dem rechten Schenkel sitzend, mit beiden Händen hält. Im obigen Blatte hat die Madonna auf die Schulter herabfliessende Haare, was in der Wieder- holung nicht mehr der Fall ist. Auch die Strahlen rechts und links fehlen, so wie das Täfelchen. Die Schraffirungen sind ebenfalls ganz anders. Mariette hält dieses Blatt für Marc-Anton's Arbeit, und es ist auch nicht einzig, dass derselbe einen Gegenstand zweimal gestochen hat. H. 9 Z. 4 L., Br. 6 Z. 8 L.

  2. (54) Die Madonna auf dem Throne, wie ihr der junge To- bias einen Fisch opfert, Rafael's berühmte Madonna del pesce (la vierge au poisson), aber nach einer Zeichnung gestochen, nicht nach dem Gemälde in Spanien. Von diesem Bilde spricht schon Vasari, er behauptet aber, er sei nach dem Gemälde der Dominikaner in Neapel gefertigt, und darauf hin hat man wahrscheinlich das Blatt dem Marc-Anton beigelegt. Bartsch möchte es mit Mariette lieber dem Marco di Ravenna beilegen, der es demnach unter den Augen Rai- mondi's gestochen haben könnte. H. 9 Z. 6 L., Br. 8 Z.

I. Ohne Täfelchen und ohne andere Bezeichnung, die Platte wurde aber schon in diesem Zustande sehr abgenützt.

II. Die Platte wurde retouchirt, oder vielmehr ganz überar- beitet, aber von ungeschickter Hand. Jetzt wurde links unten das Täfelchen mit Marc-Anton's Adresse hinzuge- setzt. Dann gibt es davon Abdrücke ohne und mit der Adresse von Salamanca.

Die anonyme, mittelmässige Copie hat ebenfalls Sala- manca's Adresse, man erkennt sie aber an den Aureolen der Madonna, des Jesuskindes und des heil. Hieronymus, welche im Originale fehlen. H. 10 Z. 9 L., Br. 8 Z.

  1. (57) Die Madonna mit dem langen Schenkel. Von Marolles zuerst, la Vierge à la grande cuisse, und erst später la vierge à la cuisse longue genannt. Die heil. Jungfrau sitzt rechts vor der Wiege, und das Jesuskind streckt die Rechte nach der Bandrolle aus, welche ihm der gegenüber kniende Jo- hannes reicht. St. Joseph sitzt links auf dem Sattel des Esels, der hinter ihm mit dem Kopfe sichtbar wird. Im Grunde ist eine Nuß. Diess ist eines der besten Blätter, welche Marc-Anton nach Rafael gestochen hat. Ottley ist geneigt, dem Giulio Romano die Composition beizulegen, was auch Zanetti nicht unwahrscheinlich findet, nur stimmt er dem Ottley nicht bei; wann dieser behauptet, dass diess eines der letzten Blätter Marc-Anton's sei. Es trägt allerdings die charakteristischen Zeichen seiner letzten Manier, Rat- mondi hat aber wahrscheinlich schon einige Zeit vor 1527 den Stich vollendet, da wir eine treffliche Wiederholung von Marco di Ravenna haben, der in jenem Jahre währen der Belagerung Rom's starb. Links unten ist das Täfelchen. H. 14 Z. 10 L., Br. 9 Z. 10 L. Durand 240 Fr., Palliere 129 Fr., Pl. van Amstel 19 fl., Frauenholz 11 fl., Winkler 20 Thl., Brandes 5 Thl. 4 gr., Spekter 3 Thl.

Silva da Ravenna hat dieses Blatt copirt, und sein Zei- chen SR. daraufgesetzt. In der Copie nach diesem Blatte, steht das R. zweimal.

  1. (59) Die heil. Familie unter dem Gewölbe. Die heil. Jung- frau sitzt links mit dem Kinde auf dem Boden, St. Joseph rechts vor dem Tische unter einem Gewölbe. Nach dem

Bildet Michel Angelo's an einem Gewölbe der Sixtina. Hf 3 Z.,

Br. 4 Z. 4 L.

  1. (60) Die heil. Familie, wo die Madonna die Brust entblösst,

um das auf ihrem Schoosse sitzende Kind zu säugen, oder vielleicht der Moment, wie dieses gesättiget gegen den Be- schauer blickt. St. Joseph, rechts stehend, betrachtet das Kind. An der Mauer hinter der Madonna ist ein Vorhang befestiget. Jede der drei Figuren hat eine Aureole, verschie- den geformt. Dies ist eines der Hauptwerke des Künstlers, aber äusserst selten. Er hat es nach Rafael gestochen, mit bewunderungswürdiger Zierlichkeit und Sorgfalt. Links un- ten ist das Täfelchen Marc-Anton's. H. 6 Z. 3 L., Br. 4 Z. 7 L.

Die späteren Abdrücke sind verständig retouchirt, allein es hat dadurch die geschmackvolle Zeichnung und das ei- genthümliche geistreiche Gepräge verloren. Die Lieblichkeit des Kopfes der Madonna ist verschwunden, und widerlich ist die grosse Oberlippe.

Es gibt eine Wiederholung dieser Darstellung, die mit dem obigen Blatte nicht leicht verwechselt werden kann, wenn man weiss, dass die Figur des Joseph weggelassen ist. Auch die Aureole und das Zeichen fehlt. Auscheinlich M. di Ravenna, H. 6 Z. 2 L., Br. 4 Z. 4 L.

  1. (62) Die Madonna mit dem Palmbaume (la Vierge au pal- mier). Sie sitzt neben Elisabeth auf dem Boden mit dem Kinde auf dem Schoosse, welches den links knienden Johan- nes segnet. Im Grunde ist Landschaft mit einem Flusse, und links im Mittelgrunde erhebt sich die Palme, woher die Darstellung den Namen hat. Raimondi hat das Blatt nach Rafael gestochen, und hierin ein Meisterwerk geliefert. Links unten ist das Täfelchen. H. 9 Z. 1 L., Br. 9 Z. 4 L. Sten- Copien.

A. Von einem Unbekannten, im Sinne des Originals, aber 'ohne Täfelchen. Bartsch glaubt, diese Copie könnte von M. di Ravenna seyn. H. 8 Z. 8 L., Br. 6 Z. 3 L.

B. Anonym, von der Gegenseite und mit dem Täfelchen. H.

  1. (63) Die Madonna mit der Wiege (la vierge au berceau).

Sie sitzt mitten im Zimmer mit dem Kinde, und scheint die- ses der heil. Anna zu reichen, die sich über die Wiege neigt. Eine alte Frau streckt hinter der Madonna bewun- dernd ihre beiden Hände aus, und rechts am Wasserbecken ist ein Engel mit einer Vase. Nach Rafael, rechts unten das Täfelchen, ein meisterhaftes Blatt, mit grösster Sorgfalt ge- stochen. H. 9 Z., Br. 6 Z. 4 L.

A. Höchst täuschende Copie, selbst noch bei Vergleichung mit dem Originale, da sie bei aller Genauigkeit auch die grösste Freiheit der Behandlung zeigt. Doch ist im Originale der Ausdruck der Köpfe zarter, und die Umrisse der Extre- mitäten sind reiner. Im Uebrigen ist kein Unterschied, da auch das Täfelchen auf gleicher Stelle sich befindet. Das Wasserbecken gibt ein Hauptunterscheidungszeichen, und daher hat es Bartsch Fig. 5. nachgebildet. Der obere Rand ist im Originale zur Hälfte ganz weiss, der andere Theil nach der innern Seite durch drei Striche angedeutet, wäh- rend hier die Copie alles weiss lässt, und umgekehrt den

Den Urheber dieser ausgezeichneten, gleichgrossen Co- pie kennt man nicht. Bartsch möchte sie dem Marco di Ravenna beilegen, der nach seiner Ansicht auch der Ste- cher des Kindermordes ohne Bäumchen ist; allein die Mehr- zahl erklärt letztere als eigenhändige Wiederholung des Marc-Anton, und die Vortrefflichkeit dieser Copie spricht sicher auch für denselben.

Die Abdrücke sind nicht alle gleich, schon vor der Re- touche viele schwach. Endlich wurde die Platte retouchirt, und unten folgendes Gebet hinzugesetzt: Ave Maria Gra- tia plena, Dominus tecum. etc. Petru. Capriolus formis Romae 1500. Unter dem Becken steht: Rafael Vrbin. inven.

B. Anonyme Copie im Sinne und in der Grösse des Originals,

mit dem Täfelchen. Der Copist hatte den Stich des Marc- Anton vor sich, nicht die obengenannte angebliche Nach- bildung, behandelte aber seinen Gegenstand kalt und ge- schmacklos.

C. Copie nach der sub A. beschriebenen Copie. Sie hat das Täfelchen nicht; auch keine anderweitige Bezeichnung.

Heilige.

  1. (64 — 76). Jesus Christus und die 12 Apostel, stehend darge- stellt, der Name eines jeden im Heiligenscheine. Nach Ra- fael, ohne Zeichen, H. 7 Z. 10 L., Br. 5 Z.

Diese 13 Blätter gehören nicht zu den besten Werken des Künstlers, und Bartsch glaubt, dass sie Marc-Anton nur auf Verlangen der Maler gestochen habe, welchen derlei 13 Blätter von Nutzen seyn konnten. Bartsch erklärt daraus auch die aus- serordentliche Seltenheit der guten Abdrücke, und dass selbst noch von der sehr abgenutzten und zuletzt retouchirten Platte Abdrücke gemacht werden mussten. Diese letzteren sind rechts unten numerirt, die Zahlzeichen erscheinen aber verkehrt.

Es scheint auch, dass sie Marc-Anton zum zweiten Male habe stechen wollen, denn Christus und Petrus sind wirklich in Wiederholungen vorhanden; allein er gab die Arbeit auf, sei es, dass mittlerweile die Stiche des Marco di Ravenna erschienen, oder dass er interessantere Beschäftigung gefunden hatte. Um die Stiche Marc-Anton's von jenen des Marco di Ravenna und von den Copien zu unterscheiden, bezeichnen wir hier die Stellung der Figuren Raimondi's.

    1. Jesus Christus mit der Siegesfahne.

A. (64) Im früheren Blatte die Siegesfahne in der Linken und mit der andern segnend. Sein Haupt ist von einem Sterne umgeben, und der Leib von einer Strahlenglorie in ovaler Form.

B. (77) In der Wiederholung hält er das Pannier in der Rech- ten und segnet mit der Linken. Dieses Blatt ist viel vor- züglicher und zarter gestochen als das obige. Die Lage der Schraffur ist sehr regelmässig. Ohne Zeichen, in glei- cher Grösse.

A. (65) Peter en face, hebt mit der Linken den Mantel hin-

auf, und mit der andern zwei Schlüssel.

B. (78) In der Wiederholung erscheint der Heilige ebenso gestaltet, doch auf weissem Grunde, und der Name ist nicht in die Aureole geschrieben. Der rechte Fuss und der Ring eines Schlüssels ist unvollendet,

115.) 3. (66) St. Andreas en face mit beiden Händen das Kreuz haltend, die Linke oben, die Rechte unten. 116) 4. (67) St. Jacobus major, nach rechts schreitend, den Pil- gerstab in der Rechten. 117) 5. (68) St. Johannes en face, den Kelch in der Linken, das geschlossene Buch mit der Rechten haltend. Der Adler ist ihm links zur Seite.

    1. (69) St. Philipp im Profil, nach links gerichtet, in der Rechten ein kleines Kreuz, in der Linken ein Buch.
    1. (70) St. Bartolomäus, nach links gewendet, mit der rech- ten Hand den Mantel haltend, mit der Linken das Messer.
    1. (71) Matthäus, en face, die Börse mit der Rechten hal- tend, und mit der andern den Mantel.
    1. (72) St. Thomas, der Körper en face, der Kopf nach links gewendet, kreuzt im Mantel die Arme, und nur die Linke reicht mit dem Winkelmaass hervor.
    1. (73). St. Simon, im Profil nach rechts, hält mit der Lin- ken das Buch, und mit der andern die Säge.
    1. (74). St. Thaddäus, nach links schreitend, trägt mit der Rechten die Hellebarde, und mit der Linken den Mantel.
    1. (75), St. Mathias, nach rechts gerichtet, die Lanze haltend.
    1. (76) St. Paul, der Körper fast en face, der Kopf nach links gewendet, hält das Schwert in der Rechten, und mit der andern den Mantel. Ein Anonymus hat diese Folge Zug für Zug copirt, doch sind die Figuren von der Gegenseite. Nur Christus ist wie im Originale dargestellt, aber man liest unten: RAPH. VRBI. Dieses Blatt ist nicht numerirt, die andern haben aber rechts unten Nummern.
  1. (96) St. Christoph mit dem Jesuskinde auf der Schulter durch das Wasser schreitend. Er hält mit der Rechten einen jun- gen Palmbaum, und mit der Linken unterstützt er das Kind. Nach der Zeichnung eines unbekannten Meisters, aus der ersten Zeit des Künstlers. Ohne Zeichen. H. 3 Z., 7 L., Br. 22 Z. 6 L. Ein alter Anonymus hat dieses Blatt von der Gegenseite, und in gleicher Grösse copirt.

  2. (97) St. Franz von Assisi empfängt die Wundmahle. Er kniet rechts mit erhobenen Armen, und das Crucifix erscheint in einer Strahlenglorie in der Luft. Der Gefährte des Heiligen sitzt links im Grunde mit dem Buche. Anscheinlich nach eigener Zeichnung, ohne Zeichen. H. 3 Z. 0 L., Br. 2 Z. 11 L.

  3. (98) St. Georg zu Pferd bekämpft den Drachen, rechts flieht die Königstochter. Im Grunde Landschaft mit Bergen, Bäu- men und Gebäuden. In der Mitte unten steht: MAR. ANT., der Zeichner ist unbekannt. H. 8 Z. 2 L., Br. 11 Z. 2 L. Die spätern Abdrücke zeigen rechts in halber Höhe einen Schmutzfleck, welcher durch die Beschädigung der Platte ent- stand.

  4. (99) St. Johannes der Täufer, stehend im Profil nach links gewendet, die Rechte erhoben, in der andern den mit einem

Es gibt von diesem, berühmten Blatte erste, aber ausseror- dentliche seltene Abdrücke, wo der Henker, welcher den Hei- ligen auf dem Roste ausstreckt, mit zwei Gabeln bewaffnet ist. Später wurde diejenige, welche er in der rechten Hand hält, weggemacht, und die andere verlängert. Ein erster Abdruck wurde in der Durand'schen Auktion mit 3000 Fr. bezahlt, während der Abdruck mit Einer Gabel nur auf 700 Fr. kam. Bei Silvestre würde ein solcher Abdruck mit 500 Fr. bezahlt, bei Logette mit 1500 Fr., auf anderen Auctionen galt ein solcher oft nur 140 — 160 Fr. Bei Frauenholz zahlte man 25 fl. 0 kr., bei Spekter 20 Rthl. 8 gr., bei Brandes 6 Rthl. Im Jahre 1810 erkaufte das Cabinet zu Paris für 1200 Fr. einen Abdruck.

Es gibt mehrere Copien im Sinne des Originals.

A. Sehr mittelmässig, nach dem zweiten Abdrucke, angeblich von Julius Sanuti. Der Kenner verwechselt diese nur um drei Linien schmälere Copie nicht mit dem Originale, der weniger Geübte erkennt sie an dem Worte INVEN., des- sen letztes N. unmittelbar unter den Buchstaben IN im Worte BRANDIN steht, während es im Original unter den Buchstaben DI steht.

B. Anonyme, mit geringer Practik behandelt. Das Zeichen Marc-Anton's und die Worte Baccius Brandin. Inven. ste- hen in der Mitte unten, gerade unter dem Fusse des Hei- ligen. H. 16 Z. 5 L., Br. 21 Z. 4 L.;

C. Von M. Lucchese, Links unten auf der Tafel: BACCIUS BRANDINELLVS INV— In der Ecke M. L. cum pri- vilio. — Ant. Lafrery Romae; H. 10 Z., Br. 12 Z. 8 L.>

D. Von Rabell, mit dessen Namen.

schönes, aber seltenes Blatt.

  1. (109) St. Sebastian an eine Säule gebunden. Zu beiden Sei-

ten des Grundes ein Hügel mit Gesträuch. In Marc-Anton's erster Manier, nach einer Zeichnung von Francia oder Man- tegua. Ohne Zeichen. H. 6 Z. 6 L., Br. 4 Z. Sehr selten. Bei Weigel 14 Thlr. 106 gr.

(119) Die Heiligen Franz, Anton von Padua und Capistran stehend, im Grunde ein Saal mit gewürfeltem Boden. Nach der Zeichnung eines Unbekannten, mit dem Monogramm

M A F (verbunden). H. 8 Z., Br. 6 Z. 5 L.

  1. (113) Die fünf Heiligen. Christus sitzt auf einer Wolke zwi-

schen Maria und Johannes dem Evangelisten, unten steht links St. Paul und rechts kniet St. Catharina. Nach Rafael, eines der Meisterwerke dieses Künstlers, das kleine Täfelchen rechts unten. Schon Vasari nennt es grande e bellissima stampa, und behauptet, die Platte sei 1527 bei der Ein- nahme von Rom zu Grunde gegangen. Im zweiten Drucke steht im Täfelchen RV. inv. und das Zeichen. Die unter den Wolken hervorbrechenden Strahlen reichen bis an die Hand des Paulus. H. 15 Z. 9 L., Br. 10 Z. 9 L. Durand 500 Fr., Silvestre 302 Fr., Prevost 145 Fr., Logette 201 Fr., Frauenholz 5 fl., Spekter 5 Thlr. 2 gr.

Copien.

A. Von der Seite des Originals, anonym. Sehr täuschend,

doch ohne Täfelchen Marc-Anton's. H. 14 Z. 7 L., Br. 9 Z. 8 L. Im späteren Drucke mit A. Caranzanus Adresse 1610, und mit der Adresse von Rossi.

B. Anonym, von derselben Seite. Das Täfelchen ist ein we-

nig kleiner. H. 15 Z. 5 L., Br. 10 Z.

  1. (115) St. Catharina in einer Nische stehend. Nach Francia,

rechts unten das Zeichen. H. 4 Z., Br. 2 Z. 11 L.

  1. (116) St. Caecilia, begleitet von St. Paul, St. Johannes, St.

Augustin und St. Magdalena. Die beiden ersteren stehen links, die beiden andern rechts. An der Harfe stehen neben dem Zeichen die Worte: RAPH. INVE. Dieser Stich ist nach einer vom Bilde in Bologna abweichenden Zeichnung geta- tet, welche in neuerer Zeit Woodburn in London aus der Sammlung des Sir Thomas Lawrence erwarb, jetzt wahr- scheinlich im Besitze des Prinzen von Oranien. Marc-Anton hat den Schatten unter dem Kinn der Heiligen sehr stark gezogen, ähnlich einem schwarzen Halsbande, woher das Bild auch unter dem Namen der St. Catharina mit dem Hals- bande bekannt ist. H. 9 Z. 8 L., Br. 5 Z. 10 L. Für das Pariser Cabinet wurde ein Druck erster Qualität mit 560 Fr. bezahlt. Bei Saint-Yves ein Abdruck mit dem Halsband 619 Fr., bei Logette ein solcher 630 Fr., bei Durand 450 Fr., Spekter 7 Thlr. 12 gr., Winkler 5 Thlr.

Copien.

A. Genaue, gleichgrosse Copie von der Gegenseite, so dass

der Engel, welcher die Geige spielt, den Bogen in der Linken hält. Ohne Namen Rafael's und ohne Zeichen.

B. Gute, gegenseitige Copie, vielleicht von M. di Ravenna.

Auf der Harfe steht nur: RAPH. INVE., das Zeichen fehlt.

Unerwarteterweise hat der Copist die beiden Engel verwechselt; jener mit der Violine ist hier in Dreiviertelan- sicht, während er im Originale en face erscheint. Im Vor- grunde sieht man auch: Pflanzen und einige Steine, die weder im Originale, noch in einer anderen Copie erscheinen. C. Sehr gute, anonyme, gegenseitige Copie. Hier sind die Engel so gestellt, wie in der Copie A., aber unten an der Harfe steht: MAF. (verschlungen) RAPH. IVEN. H. 9 Z. 5 L., Br. 5 Z. 9 L.

Die Marter der heiligen Felicitas, von Zani Marter der Mutter der Maccabäer, auf einigen Copien St. Johanna, Cäcilia, und sogar Johannes Evangelist genannt. Sie leidet in einem grossen Kessel, welchen zwei Henker heizen, wäh- rend zwei andere die Köpfe von zweien ihrer euthanasierten Söhne vorhalten. Links sitzt Publius, der Präfekt von Rom unter einem Vestibul, von den Senatoren umgeben. Im Grunde rechts bemerkt man die Statue des Jupiters in der Nische am Hause. Nach Rafael, am Piedestal der Statue: RA. VR, IN., und das Monogramm. H. 8 Z. 8 L., Br. 15 Z. Valois 240 Fr., Logette 180 Fr., Silvestre 110 Fr., P. van Amstel 28 f. 40 St., Frauenholz 14 fl., Winkler 8 Thl., Spekter 17 Thl. 4 gr.; Stengel 6 fl. 48 kr.

Copien.

A. Von Marco di Ravenna, wenn nicht von Raimondi, selbst. Von der Originalseite und sehr täuschend, so dass dieses Blatt oft für Original genommen wurde. In der Copie sicht man das rechte Ohr der Märtyrin, im Original nicht. Die Palme des Engel über derselben hat in der Copie sieben, im Original acht Blätter. Letzteres zeigt in der Ferne zwei Dörfer, in der Copie sieht man nur eines. Der Raum zwischen dem linken Plattenrande und der ersten Säule ist weiss, während im Original da ein Mauerstück ist. In gleicher Grösse. Im ersten Drucke mit der oben gefundenen Inschrift am Piedestale, die zweiten Abdrücke mit Salma- nassad's, und die dritten mit Van Aelst's Adresse. B. Genau, aber weniger täuschend, übrigens im Sinne des Originals und gleich gross. Die Palme des Engels über der Heiligen hat ebenfalls acht Blätter, aber das oberste, ganz weiss im Original, ist gespalten, so dass es zwei Blät- ter zu bilden scheint. C. Anonyme, originalseitige Copie von geringer Bedeutung. Hier stehen in dem Täfelchen die Buchstaben: RA. VR. IN., ohne Zeichen. H. 8 Z. 8 L., Br. 14 Z. 6 L. D. Von E. de Laulan, von der Seite des Originals und ge- treu. In der Mitte, oben steht Nr. 7, unten in der rechten 139 (118) St. Margaretha mit dem Drachen. Nach Francia, rechts unten das Zeichen. H. 4 Z. 1 L., Br. 2 Z. 4 L., (140) (121) St. Catharina und St. Lucia, erstere links, die andere rechts stehend. In Marc-Anton's erster Manier, und ver- mutlich nach Francia. H. 10 Z. 7 L., Br. 7 Z. 10 L. (141) (122) St. Veronica mit dem Schweisstuche, auf weissem Grunde. Ohne Zeichen, dem Marc-Anton beigelegt. H. 4 Z. Die kleinen Heiligen des Marc-Anton, gewöhnlich auf weissem Grunde, zwischen zwei Pfeilern stehend.

(142) (124-130) Adam und die 12 Apostel, stehend auf weissem

Grundstücke, rechts und links des Randes zwei-Säulen. H., 3 Z. a L., Br. 1 Z.

Diese Folge von 13 Blättern ist wenigstens dreimal von verschiedenen Künstlern copirt, allein es ist eben so schwer eine vollständige Copie zusammen zu bringen wie das Ori- ginal. Eben so grosse Schwierigkeit hat auch die Ausschei-

dung der Blätter, obgleich Bartsch mühsame Vorarbeiten ge- macht hat. Raimondi soll diese Folge zum Besten der armen, im Zeichnen wenig geübten Künstler gefertigt haben, allein Marc-Antonio scheint beim Stiche seiner zahlreichen kleinen

Heiligenbilder mehr das andächtige Volk berücksichtiget zu

haben. Die Initialen A. etc. bezeichnen die Copien.

  1. (124) Jesus Christus im reichen Mantel, die Siegesfahne in

der Linken, mit der Rechten segnend. In der Aureole sieht man eine Art Kreuz. Ohne Zeichen. A. In gleichem Sinne, die Aureole bildet aber nur eine ein-

fache Linie. Am Rande steht: Salvator mundi, Ohne Zeichen.

B. Von der Seite des Originals und ohne Zeichen. Man kennt

diese Copie an den engen Falten des Mantels, welche am

Schenkel und am rechten Beine des Erlösers hingehen.

Diese Falten sind im Original weiss, in der Copie mit

perpendiculären Linien bedeckt.

  1. (125) St. Peter, im Profil nach rechts, in der Linken das

Buch, in der Rechten zwei grosse Schlüssel. Ohne Zeichen.

A. In demselben Sinne, und ebenfalls ohne Zeichen. Im Rande

steht: St. Petrus, Ein anderes Unterscheidungszeichen gibt

Bartsch Fig. 8.

B. Wie im Original. Von der halben Höhe des rechten Pfei-

lers aus geht von dem beschatteten Theile ein kleiner

Strich in die Lichtseite hinein.

  1. (126) St. Andreas, im Profil nach links, mit dem Kreuze,

rechts unten das Zeichen.

A. Von der Gegenseite, ohne Zeichen, am Rande steht: St.

Andreas.

B. Im Sinne des Originals, mit dem Zeichen. Die Aureole

berührt den Mantel des Heiligen, im Original nicht.

  1. (127) St. Jacobus major, im Profil nach rechts schreitend,

in der Linken den Pilgerstab, in der Rechten ein grosses

Buch haltend. Rechts unten das Monogramm.

A. Von der Gegenseite, ohne Zeichen, im Rande: S. Jacobus.

B. Im Sinne des Originals, mit dem Monogramme, links un-

ten: St. Jacobus. Das O steht über C.

  1. (128) St. Johannes, en face, ein geschlossenes Buch mit der

Linken, den Kelch mit der erhobenen Rechten haltend. Ohne

Zeichen.

A. Von derselben Seite und mit dem Zeichen. Im Rande: S.

Joannes.

B. Im Sinne des Originals und ohne Zeichen. Unten am lin-

ken Pfeiler ist kein Schlagschatten.

  1. (129) St. Philipp, der Leib nach rechts gerichtet, an der

rechten Seite ein langer Stock, in der Linken ein offenes

Buch. Rechts unten das Monogramm.

A. Von derselben Seite, ohne Zeichen, unten: S. Philippus.

B. Im Sinne des Originals, mit dem Zeichen, die untere Hälfte

des Bartes ist weiss, im Original: beschattet.

  1. (137) Christus am Kreuze, rechts, am Fusse des letzteren das Monogramm. H. 3 Z. 10 L., Br. 1.2. Es giebt eine gegenseitige Copie, der Kopf des Heilandes etwas nach links geneigt.
  2. (138) Die heil. Dreieinigkeit, rechts unten das Monogramm, H. 3 Z. 10 L., Br. 1 Z. 10 L.
  3. (139) Die hl. Jungfrau mit dem Kinde in einer ovalen Strah- Jenglorie, der Kopf etwas nach rechts gewendet. Ohne Zei- chen. H. 3 Z. 10 L., Br. 1 Z. 9 L.

Die retouchierten Aldrücke haben das Monogramm unter dem linken Fuss der Maria, und dann ist noch ein zweites

Oval gezogen. Die originalseitige Copie hat das Monogramm und das zweite Oval, aber man kennt sie an der Aureole um das Haupt der Madonna. Diese reicht im Originale bis an das zweite, innere Oval, in der Copie ist ein Raum dazwischen.

Bartsch Fig. 13:

  1. (140). Der Schutzengel, links schreitend, mit dem jungen Tobias, der einen Fisch trägt. Der Grund ist weiss, bis auf die Pfeiler zu beiden Seiten, rechts unten das Zeichen. H. 1 Z. 8 L., Br. 2 Z. 9 L.

Die Copie kennt man nur an der Aureole des Engels. Im Originale ist sie mit einem einzigen Zuge bewirkt, in der Co- pie bemerkt man nach links noch eine zweite Linie. Bartsch

  1. (141) St. Anton, der erste Eremit, stehend mit dem Stocke in der Rechten, und mit der andern ein geschlossenes Buch haltend. Er blickt auf das Schwein, wovon man nur den Kopf und das rechte Vorderbein sieht. Links unten das Mo- nogramm. H. 3 Z., Br. 1 Z. 9 L.

Die gegenseitige Copie ist ohne Zeichen.

  1. (142) St. Anton von Padua mit Lilie und Buch. Rechts zu

seinen Füssen bemerkt man ein Herz. Der Grund ist weiss, bis auf die Pfeiler. Ohne Zeichen. H. 2 Z. 10 L., Br. 1 Z. 10 L. A. Originalseitige Copie mit dem Zeichen links unten. B. Copie im Sinne des Originals ohne Zeichen. Im Original und in der Copie A. bemerkt man links zwischen dem Pfeiler und dem Herzen einen Schlagschatten, in der Co- pie ist der ganze Raum weiss. Bartsch Fig. 20.

  1. (143) St. Benno, stehend mit Buch und Krummstab, auf weissem Grund. In der Mitte unten steht S. BEN. AB., rechts unten das Zeichen, H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L.

Auf der originalseitigen Copie liest man: S. BE. N. AB. Ohne Zeichen.

  1. (144) St. Bernhard, stehend nach rechts, den Blick nach der Madonna auf den Wolken gerichtet, links der Dämon. An der Mauer: S. BNAR, das S. über N. Gegen die Mitte unten das Zeichen. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L. Die originalseitige Copie ist ohne Monogramm.

  2. (145) St. Capistran als Franciskaner, in Dreiviertelansicht, mit der Rechten auf das Sakrament deutend. Er steht zwi- schen zwei Pfeilern, die sich nach oben krümmen. Ohne Zei- chen. H. 3 Z. 4 L., Br. 2 Z. 2 L.

  3. (146) St. Christoph mit dem Christkinde auf der Schulter

durch das Wasser schreitend. Das Kind mit der Weltkugel, hält sich an seinen Haaren. Ohne Zeichen. H. 3 Z. 1 L., Br. 1 Z. 11 L. Auf der originalseitigen Copie steht rechts unten: S. Chri- stophorus.

  1. (148) St. Stephan stehend, etwas nach rechts, mit den Steinen und der Palme. Rechts unten das Zeichen. H. 2 Z. 11 L., Br. 1 Z. 8 L. A. Originalseitige Copie ohne Zeichen. B. Eine solche mit dem Namen des Heiligen,

A. Die originalseitige Copie erkennt man links oben am Fel- sen. Bartsch Fig. 21. B. Gute gegenseitige Copie ohne Zeichen.

  1. (149) Der Engel Gabriel mit der Lilie in der Linken, ste- hend auf weißem Grunde zwischen zwei Pfeilern. Rechts un- ten das Zeichen. H. 2 Z. 10 L., Br. 1 Z. 7 L. Die mit dem Zeichen versehene originalseitige Copie er- kennt man an der Draperie des rechten Schenkels des En- gels. Sie ist im Original fast ganz hell gehalten, in der Copie fast ganz beschattet.

  2. (150) St. Johannes der Täufer, stehend en face, mit einem jungen Stocke in Kreuzesform in der Linken, Ohne Zeichen, H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L. I Die originalseitige, täuschende Copie kennt man an den Grashalmen am Stamme des Baumes, sowie eine zweite Co- pie. Bartsch Fig. 22.

  3. (151) St. Johannes der Täufer auf einem Felsstück sitzen, den Leib nach links gerichtet. Der zum Kreuze geturnte Stock mit einer Bandrolle lehnt an seiner Schulter. Im Grunde Wald; ohne Zeichen. H. 3 Z. 1 L., Br. 2 Z. 11 L.

  4. (152) St. Hieronymus mit dem Steine in der Hand, vor dem Kreuze kniend. Im Grunde die Grotte, rechts vorn der Löwe. Ohne Zeichen. H. 3 Z. 1 L., Br. 1 Z. 11 L.

Die sehr gute Copie unterscheidet man am besten durch Bartsch Fig. 23.

  1. (153) St. Job, stehend etwas nach rechts gerichtet, fast nackt, ein Tuch um die Lenden, und ein Mäntelchen über den Rücken. Die Linke stützt er auf den Stock, die andere legt er auf die Brust. In der Mitte unten S. JOB., rechts das Zeichen. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L.

A. Gleichseitige Copie, ohne Zeichen.

B. Eine solche mit dem Zeichen und sehr täuschend. Im Ori- ginal ist der weniger beschattete Teil des linken Pfeilers unten breiter, als der stärker beschattete, während in der Copie in beiden fast gleiche Breite herrscht. Bartsch Fig. 24. Lit. a. Im Original steht der Buchstabe B im Worte JOB gerade unter der grossen Zehe des linken Fusses, während er in der Copie etwas weiter gegen den Pfeiler hin absteht,

  1. (154) St. Joseph, als Greis, nach links gehend, mit Stock und Lilie, Ohne Zeichen. H. 5 Z. 1 L., Br. 1 Z. 10 L. Auf der gleichseitigen Copie steht unten: S. Josephus.

  2. (155) St. Laurentius stehend, die Ketten in der Linken und die Palme in der Rechten. H. 3 Z., Dr. 1 Z. 10 L.

  3. (156) St. Laurentius, im Profil nach rechts, in der Linken den Rost, in der Rechten die Palme haltend. Rechts unten das Zeichen. H. 3 Z. 1 L., Br. 1 Z. 10 L.

Die gleichseitige Copie ist schon und schwer zu unter- scheiden. Man kennt sie an der Linie des Horizontes, wel- che im Originale unter drei Quadraten des Rostes, in der Copie nur unter einem derselben sichtbar wird.

Nagler's Künstler-Lex. Bd. XI 16

1/4 L., Br. 1 Z. 10 L.

  1. (158) St. Michael, den Daemon zu depp Fuesen, mit Waage und Lanze. Das Zeichen rechts unten. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L.

Die gleichseitige, bezeichnete Copie kennt man an der Hose, welche den rechten Schenkel des Engels bedeckt. Im Original zeigt sie neun, in der Copie acht. Streifen. Bartsch s. Fig. 28 178) (159) St. Lazarus stehend zwischen zwei Pfeilern, dabei zwei

Hunde. Links unten am rechten Fusse des Heiligen das Zei- chen. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L.

A. Die gleiche Copie mit dem Zeichen ist mit dem Na- men des Heiligen versehen, das Z. verkehrt geschrieben.

B. Eine solche, ohne Namen und Zeichen. A

— 179). (160) St. Nicolaus von Tolentino, stehend en face, mit dem offenen Buche in der Linken, mit der andern eine Sonne haltend. Unten steht: S. NIC. D. TOL. H. 2 Z. 9 L., Br.

1 Z. 7 L. B Die gleichseitige Copie kennt man am Worte TOL, wo der Buchstabe L höher steht, als die übrigen. 180) (161) St. Peter Martyr, stehend en face, mit Schwert und Palme. Links unten S. P. M. H. 3 Z. 1 L., Br. 1 Z 11 L.

Bartsch glaubt, diess sei nur Copie von einem Originalblatte Marc Anton's, welches er nie sehen konnte.

  1. (162) St. Rochus mit dem Pilgerstabe nach links. Im Grunde

rechts erheben sich zwei Baumstamme, rechts oben bemerkt

man einen Lichtstrahl und unten ist das Zeichen. H. 3 Z. 2., Br. 1 Z. 10 L.

  1. (163) St. Rochus, eilig nach links schreitend, in der Lin- ken den Stab, im Grunde rechts ein dürre Baum. Ohne Zeichen. H. 3 Z. 3 L., Br. 1 Z. 7 L.

Die genaue gleichseitige Copie erkennt man an der Au-

reole. Diese schliesst im Originale den unteren Knopf des

Pilgerstockes ein, in der Copie mündet sie über demselben ein.

  1. (164) St. Rochus, en face, mit nach dem Himmel gerichte- ten Blick, die Pestbeule zeigend. Links am Fusse des Pfei- lers ist das Zeichen. H. 3 Z. 1 L., Br. 1 Z. 10 L..

  2. (165) St. Sebastian an den Baum gebunden. Im Grunde zeigt sich ein Portikus, links vorn liegt ein Pfeil. Sehr schönes ungezeichnetes Blatt. H. 3 Z., Br. 2 Z.

  3. (166) St. Sebastian am Baume von zwei Pfeilen durchbohrt, den Kopf rechts gerichtet. Im Grunde zwei Baumstämme, rechts unten das Zeichen. H. 3 Z. 1 L., Br. 2 Z 10 L. Die gegenseitige Copie ist ohne Zeichen.

  4. (167) St. Sebastian an eine Säule gebunden, und von einem Pfeile durchbohrt. Im Geschmacke Marc- Anton's, ohne Zei- chen. H. 2 Z. 3 L., Br. 1 Z. 7 L.

  5. (168) St. Vincenz im Buche lesend, nach rechts gerichtet. Ohne Zeichen., H. 3 Z. 2 L., Br. 1 Z. 2 L.

  6. (160) Ein hl. Greis mit gefalteten Händen betend, mit einem Ur- tel von Blättern um die Lenden, stehend nach links ge- wendet. Auf weissem Grund. H. 2 Z. 10 L., Br. 1 Z. 5 L. Bartsch glaubt, dieses Blatt gehöre nicht zu den kleinen Heiligen, mache vielleicht einen Theil von Nr. 120 aus.

  7. (170) St. Agatha, die rechte Hand an den Baumstamm ge- bunden, die Brüste abgehauen. Rechts am Baume das Zei- chen. Im Cabinet Cicognara war ein Abdruck ohne Zei- chen. H. 3 Z. 1 L., Br. 1 Z. 10 L. Die gegenseitige Copie ist ohne Zeichen, und die Brüste sind voll. H. 3 Z. 2 L., Br. 2 Z. 1 L.

  8. (171) St. Agnes stehend mit Buch und Palme, zu ihren Füssen das Lamm. In der Mitte unten: S. Agnes, rechts das Zeichen. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L.

Die gleichseitige Copie erkennt man am Zeichen, welches in der Copie unmittelbar auf dem Schlagschatten ruht, aber im Original etwas höher steht.

  1. (172) St. Anna links sitzend, neigt sich, um das auf dem Schoosse der Maria stehende Jesuskind zu nehmen. Im Grunde eine Nische mit einem Fenster, links unten am Pfeiler der Buchstabe M. H. 3 Z. 1 L., Br. 1 Z. 14 L. Die gleichseitige Copie ist ohne Zeichen.

  2. (173) St. Apollonia, stehend mit der Palme und der Zange in der Rechten, in der Anderen ein Buch. Ohne Zeichen. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L. Als Unterscheidungszeichen der gleichseitigen Copie gibt Bartsch (Fig. 28) einzig zwei Punkte auf der Wange der Heiligen; diese Punkte fehlen in der Copie.

  3. (174) St. Barbara stehend, mit der Palme in der Linken und die andere auf den Thurm gestützt. In der Mitte unten: S. Bar. Im Geschmacke Marc-Anton's. H. 3 Z., Br. 2 Z.

  4. (175) St. Catharina, stehend en face, die Palme in der Rech- ten, die Linke auf das Rad gelegt. Ohne Zeichen. H. 2 Z. 10 L., Br. 2 Z. 1 L. Das die gleichseitige Copie von dem Originale unterschei- dende Zeichen an dem Ende der Haare, s. Bartsch Fig. 29.

  5. (176) St. Catharina von Siena, stehend en face, in der Lin- ken ein Herz mit dem Crucifixe, in der Rechten das Buch. Unten steht: S. Cat. D. Senis. Ohne Zeichen. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L.

  6. (177) Die heil. Cäcilia, stehend mit erhobenem Blicke, die Palme in der Rechten, zu ihren Füssen musikalische Instru- mente. In der Mitte unten: S. Cecil., am Pfeiler links das Zeichen. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L.

  7. (178) St. Helena, stehend mit dem Kreuz, die Königskrone auf dem Haupte. Rechts unten das Zeichen. H. 5 Z., Br. 1 Z. 10 L.

Die gleichseitige, eben so bezeichnete Copie erkennt man an der Königskrone. Das Original zeigt zwischen den grös- sern Spitzen derselben nur drei kleinere, die Copie aber deren fünf. Bartsch Fig. 30.

  1. (179) St. Lucia stehend, in der Linken die ausgerissenen Augen auf dem Teller, in der andern die Palme. In der Mitte unten: S. Lucia. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L.

In der feinsten Copie hat die Heilige eine Aureole, im Original nicht.

  1. (180) St. Margaretha mit dem geflügelten Drachen, auf wel- chen sie den rechten Fuss setzt, Unten am rechten Pfeiler steht das Zeichen. H. 3 Z. - 1 L., Br. 1 Z. 10 L.

A. In der einen gleichseitigen, sehr guten Copie fehlt das Zeichen,

B. Die andere hat das Monogramm, das nähere Kennzeichen stellt sich nur bei Bartsch Fig. 31. deutlich heraus,

  1. (181) St. Martha mit Weihkessel und Wedel, zu ihren Füs- sen der gefesselte Dämon. Rechts unten am Pfeiler das Zei- chen, in der Mitte der Name der Heiligen. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L.

Die gleichseitige Copie mit dem Monogramme erkennt man an dem Buchstaben S, vor dem Worte Martha. Im Ori- ginal erscheint er unmittelbar an der Spitze des Schweifes des Dämon, in der Copie weiter entfernt, unter dem Vorder- fusse der Heiligen. Bartsch Fig. 32.

  1. (183) St. Petronilla, stehend en face, mit Palme und Buch, Unten der Name der Heiligen und das Zeichen Marc-Anton's,

Es gibt eine Copie, welche rechts das Zeichen trägt. Dann war im Cabinet Cicognara ein Abdruck ohne Zeichen, wel- chen Zanetti auch für Original erklärt.

  1. (184) Der Tod mit Flügeln, Hacke und Sense in den Hän- den. Rechts unten das Zeichen. Im Cabinet Cicognara war ein Abdruck ohne Zeichen. H. 3 Z., Br. 1 Z. 10 L.

Die gleichseitige Copie, mit demselben Zeichen, erkennt man an der rechten Kniescheibe des Skelettes, welche nur sehr leicht angedeutet ist, während sie sich im Originale herzförmig ausdrückt. Bartsch Fig. 33.

Geschichtliche Darstellungen.

  1. (187) Dido im Begriffe sich zu erdolchen. Rechts vorn der

Scheiterhaufen, im Grunde Landschaft mit Gebäuden. Auf dem Täfelchen steht: DITIS FECIT - 2. H. Ohne Zeichen, nach Rafael, sehr fein gestochen und sehr selten, H. 5 Z. 11 L., Br. 4 Z. 8 L. Bartsch und Ottley geben die griechischen Worte nicht genau.

A. Die sehr zart gestochene anonyme Copie ist von der Ge- genseite, und dann hat sie neben der griechischen Auf- schrift auch eine lateinische: Musa Abit, Sed Vt Est Extineta Pudoris Honestas etc. H. 6 1/2 L., Br. 4 Z. 10 L. Die spätern Abdrücke haben die Jahrzahl 1580, und nach rechts Nr. 106.

B. Die mittelmässige, originalseitige Copie ist ohne Inschrift und ohne Baum. H. 6 Z. 3 L., Br. 4 Z. 8 L.

  1. (188 — 191) Die sogenannten vier römischen Cavaliere, Folge von vier Blättern. H. 6 1/2 Z. 6 L., Br. 4 Z. 4 L. Diese Stiche sind aus Marc-Anton's frühester Zeit, im späteren Drucke mit Ant. Salamanca's Adresse, aber noch sehr frisch. Die Blätter enthalten folgende Gegenstände:

    1. (189) Scipio Africanus, vor ihm ein Reiter. Am Steine steht: SCIPIO. AFIRICA.
    1. (190) Horatius Cocles vertheidiget die Brücke. Oben im Grunde links: HORATIVS.
    1. (191) Curtius stürzt sich mit dem Pferde in den Abgrund, Auf der Bandrolle: CVRTIVS.
  2. (102) Lucretia im Begriffe sich zu tödten. An der Balu- strade liest man: ΑΜΕΙΜΟΝ ΑΝΟΟΠΗΚΗΝΕΙ ΗΛΗΧ- ΡΟΙ. ZHN. Dieses schöne und meisterhafte, aber sehr seltene Blatt stach Raimondi nach einer Zeichnung Rafael's. H. 8 Z., Br. 5 Z. Durand 300 Fr., Frauenholz 20 fl. 6 kr. Später wurde die Platte retouchirt, aber so unverständig,

  • dass die Abdrücke den frühern gar nicht mehr gleichen:

Copien.

A. Im Sinne des Originals von einem Ungenannten mittelmäs- sig behaändelt. Im Worte ALEXPLC fehlt auf dem w der Circumflex, Ein anderes Unterscheidungszeichen an der rechts über die Bäume hinaufreichenden Mauer, s. Bartsch Fig. 34. In gleicher Grösse.
; Auch diese Platte wurde später retouchist. Man erkennt die Abdrücke an einer Falte des Kleides am rechten Knie der Lucretia. Diese Falte erscheint jetzt ganz beschattet, ; während sie früher Lichtstellen zeigt. Bartsch Fig. 35. .

B. Von der Gegenseite, im Geschmacke des H. Wierix, so gross wie das Original. Diese Copie hat neben der grie- chischen auch eine lateinische Aufschrift: Proh Dolor A Saevo Vim Sum Perpessa Tyranno etc.,

C. Sehr mittelmässige, gegenseitige Copie. Hier ist der Car- touche für die griechische Inschrift weiss,

D. Von E. Vicus.

210-) (199) Cleopatra, halb entblösst auf dem Bette liegend, im

R Moment dargestellt, wie sie am Biss der ihre Arme um- wickelnden Schlange stirbt. Sie liegt mit dem Kopfe nach rechts; in der Mitte unten ist das Zeichen, Rafael zeich- nete diesen Gegenstand, angeregt durch eine Statue, welche im Garten des Belvedere war, jetzt im Mus. Pio-Clemen- tino. Der Stich ist sehr sorgfältig, aber auch eben so selten. H. 4 Z., Br. 6 Z. 6 L.

Copien.

A. Von einem Ungenannten im Sinne des Originals, und sehr täuschend. Man kennt sie an einer Falte des Kissens. Bartsch Fig. 36. gibt es anschaulich, Im ersten Drucke vor der Adresse bei Weigel 3 Thl.

B. Gute anonyme Copie im Sinne des Originals. Der Kopf der Schlange erscheint im Profil, während er im Urbilde und in der Copie A aufwärts reicht,

C. Von der Gegenseite, ohne Täfelchen unten in der Mitte,

aber gut gestochen. H. 3 Z. 9 L., Br. 6 Z. 5 L. D. Von gegenseite mit dem Täfelchen. Das aus H. T. A. bestehende Monogramm des Copisten links.

  1. (207) Alexander der Grosse verschliesst die Bücher des Ho- mer in den Kasten des Darius, oder die Sibyllinischen Bü- cher im Sarge des Numa Pompilius. Der König, gefolgt von sechs Soldaten, steht rechts, ein Weiser legt einen Band in die Kiste, und sieben andere Weise nehmen die linke Seite ein. Dies ist eines der vollendetsten Blätter dieses Meisters, in der Mitte unten mit dem Täfelchen versehen. Die Composition ist von Rafael, eines jener Bilder im Va- tikan, welche grau in grau ausgeführt wurden. H. 9 Z. 6 L., Br. 14 Z. 10 L. Silvestre 356 Fr., Logette 352 Fr., Basan 126 Fr., Frauenholz 17 fl., Brandes 5 Thl. 12 gr. Bei Wei- gel vor aller Adresse 32 Thl.

Bartsch nennt eine gleichseitige, sehr gute anonyme Co- pie, wo auf dem Täfelchen folgende Worte stehen: Rafa- rb. inve., Zanetti (Nr. 338.) glaubt dagegen, versichern zu können, dass diese Copie des Bartsch, falls sie wirklich existire, ein Abdruck der Originalplatte sei, die etwas re- touchirt, und mit dem Namen des Erfinders bezeichnet wurde, Zanetti sah im Cabinet Cicognara einen solchen, wo aber auf dem Täfelchen folgendes steht: Rafa-el Urb.-inve, Als Copien gelten demnach folgende, auch von Bartsch er- wähnte Blätter:

A. Sehr gute, originale Copie von einem Ungenannten. Im ersten, seltenen Drucke vor der Schrift auf dem Täfel- chen, im zweiten mit der Schrift: Rafa. Urb. inue. H. 9 Z.2L., Br. 14 Z.6L.

B. Anonyme, gleichseitige Copie, von geringer Bedeutung. Nur Alexander und ein Soldat haben Lanzen, während im Originale und in der Copie A. neben Alexander vier Sol- daten bewaffnet sind. H.9 Z. 2 L., Br. 09 Z. 2 L. Die spätern Abdrücke haben A. Salamanca's Adresse,

C. Radirte, gleichseitige Copie, ohne Zeichen. H. 9Z.4L., Br. 14 Z. 8 L.

  1. (209) Die Entführung der Helena, reiche und schöne Com- position von Rafael, von Vasari „bellissimo ratto“ genannt. 10 Z. 10 L., Br. 15 Z. 6 L. Die spätern, geringern Ab- drücke haben Salamanca's Adresse. Noch schwächer sind jene, welche rechts unten folgende Inschrift haben: Rafael Urb. inv. Marco di Ravenna hat diese Darstellung ebenfalls gesto- chen, mit einigen Veränderungen. Rechts unten steht der Buchstabe R. — E. de Laune lieferte eine verkleinerte Copie

Anführung des Scipio, ein Kampf zwischen Reitern und Fußvolk vor einer brennenden Stadt. Rechts vorn liegt ein Toter neben seinem Schwerte, woher das Blatt den Namen die Schlacht mit dem Säbel, Bataille au coutelas, erhalten hat. Die Erfindung wird von Einigen dem Rafael, von An- dern dem Giulio Romano beigelegt. Letzterer Meinung tritt Bartsch bei, welcher aber den Stich eher dem Marco di Ra- venna oder einem anderen Schüler Raimondi's zuschreiben will. H. 12 Z., Br. 16 Z. 10 L.

G. Penez hat dieselbe Darstellung gestochen.

  1. (213) Triumph eines römischen Kaisers, in Italien Titus

(il. Tito) fällt; von anderen der Triumph geradeweg, oder das Friesrelief des Marc-Aurel, auf welchen sich der Gegenstand kaum bezieht. Dieses Blatt, angeblich nach Man- tegna, stellt wahrscheinlich die Feierlichkeit vor, welche nach der Eroberung von Judäa dem Titus in Rom veran- staltet wurde. Es ist dies eines der seltensten Blätter des Marc-Anton. H. 13 Z., Br. 18 Z. 8 L.

Man findet eine Copie, die oft für Original genommen wurde, da man nur im Vergleiche mit demselben die Copie etwas schwächer findet. Die Abänderungen sind nicht we- sentlich. Im Original ist das kleine viereckige Feld in Mitte der Ornamente des Schildes, welchen der links im Vorgrunde stehende Soldat trägt, weiss, in der Copie mit einer Rose geziert. Bartsch Fig. 37. Daselbst wird auch der Unterschied

des Helmes eines Kriegers, welcher neben der einen Lor- beer kranz haltenden Eruu steht, anschaulich gemacht.

Die Platte wurde in der Folge retouchirt, aber von kei- nem geschickten Künstler. Man kennt diese Abdrücke an den Löchern längs den vier Rändern der Platte. Diese scheint irgendwo befestiget worden zu seyn.

  1. (216) Der Kaiser und der Krieger, erster zu Pferd, letz-

terer in Überraschung über dessen Erscheinen. Ihm folgen zwei Reiter und ein Sklave mit dem Löwen am Stricke, An- scheinlich nach Rafael, rechts unten das Täfelchen, und links am Steine AV. H. 15 Z., Br. 9 Z. 10 L.

Dieses Blatt schreibt man gewöhnlich dem Agost. Vene- ziano zu, nur Heinecke und wenige andere, nehmen an, dass Marc-Anton es gestochen, und Agostino nur die Re- touche unternommen habe, wie angeblich beim Gespenste, Bartsch Nr. 426. Heinecke glaubt, es gebe keine Abdrü- cke mit den Buchstaben AV.; allein es finden sich deren.

Mythologische Darstellungen.

(217) Der Tanz der Liebesgötter, oder die zwei Liebesgöt- ter mit sieben Kindern, welche einen Rundtanz halten. Die beiden Amorine sind im Vorgrunde, der zur Linken in Drei- viertelansicht, jener zur Rechten senkt den Kopf. Dieses, nach Rafael's Zeichnung gestochene Blatt ist in jeder Bezie- hung, aber eines der seltensten des Meisters. Ohne Zeichen., H. 4 Z., Br. 6 Z.

Durch die spätere Ueberarbeitung ist jede Spur von Marc- Anton's geistreicher Behandlung verschwunden. Diese Ab- drücke sind rechts unten bezeichnet: Ant. Sal. Exc.

A. Im Sinne des Originals und sehr täuschend, vielleicht von Marco di Ravenna. Die unterscheidenden Merkmale sieht man am besten auf Fig. 38. bei Bartsch.

B. Eine andere gute, originalseitige Copie, ist am besten durch Bartsch Fig. 38 zu unterscheiden.

C. Im Sinne des Originals, an dem mit perpendiculären Stri- chen bedeckten Grund zu erkennen, da dieser im Origi- nale weiss ist, '

D. Gegenseitige anonyme Copie von einem geschickten Künstler.

  1. (222) Silen auf dem Esel von zwei Faunen unterstützt. Vor- aus geht ein Satyr, der den Esel am Zaume führt. R. 4 Z. AL—BI.ÖZ.8L- ;

  2. (223) Der Satyr, welcher eine rechts unter dem Zelte schla- fende Nymphe entdeckt. Dieses Zelt ist an zwei Bäumen befestigt. In gleicher Grösse.,

Diese beiden Blätter gehören zu einer Folge von acht antiken Basreliefs, welche Marco di Ravenna gestochen hat.- Bartsch legt sie dem Marc-Anton bei,

Die zweiten Abdrücke haben die Adresse von Salamanca, die spätern jene des Pacificus und de Rubeis, ohne retou- chirt zu seyn, .

. 220) (228) Die Nereide auf dem Rücken des im Meere schwim- ; menden Triton, angeblich von Marc-Anton nach einem unbekannten Meister gestochen. H.4 Z.8L., Br.6 Z. 2 L.

Die späteren, schlechten Abdrücke haben Salamanca's Adresse, .

  1. (230) Die zwei Faune mit dem Kinde im Korbe. Nach ei- nem antiken Basrelief, ohne Zeichen. Dieses herrliche Blatt lässt weder in der Zeichnung, noch in der Behandlung etwas zu wünschen übrig. H.5 Z. 9 L., Br. 6 Z. 8 L.

  2. (231) Die Liebeschaft eines Gottes und einer Göttin, beide in unschicklicher Lage auf dem Bette, Rechts unten Nr. 1. H. 5 Z., Br. 7 Z. Dies ist eines jener unzüchtigen Darstel- lungen nach Giulio: Romano's Zeichnungen, wovon wir in der Biographie dieser beiden Künstler gesprochen haben.

  3. (245) Das Urtheil des Paris, letzterer zur Linken, wie er der Venus den Apfel reicht. Recht vorn sitzen zwei Fluss- götter und eine Najade, in der Mitte oben krönt ein Ge- myrs die Venus, und, noch höher ist der Sonnengott auf dem

Viergespann etc. Links unten ist die Tafel mit der Schrift:

Sordent Prae Forma Ingenium Virtus Regna Au- rum. In der Mitte: RAPH. VRBI. INVEN. — MAR:. (zu-

sammengezogen). ;

Diess ist eines der vorzüglichsten Blätter von Marc-Anton, welches er nach seiner Ankunft in Rom stach, wie Vasari benachrichtet. Die Zeichnung ist von Rafael, die Idee aber einem antiken Basrelief entnommen, welches Rafael später vernichtet haben soll, was indessen widersprochen wird. H. 10 Z. 10 L., Br. 16 Z. 2 L. Silvestre 211 Fr.; Ploos van

Amstel 37 fl. 10 St. ; Frauenholz, vor der Adresse 15 fl. 6 kr., Winkler 21 Thl. 10 gr. Im Jahre 1820 wurde aus der Samm-

lung van Putten's für das Pariser Cabinet ein solcher Ab-

druck um 1000 Fr. gekauft. Die frühesten, sehr seltenen Abdrücke sind ohne Inschrift, Ein solcher war im Cabinet

Raimondi, Marcantonio. Cicognara. Bartsch nimmt die Abdrücke mit der genannten Anschrift für die ersten. Marco di Ravenna hat dieses Blatt copirt, mit so viel Fleiß und Kunst, dass man getäuscht werden könnte. Im Originale sind die Umrisse des Hauptes und des Nackens der Göttin, welche rechts oben der Diana gegenüber sitzt, vollkommen sichtbar, während sie in der Copie durch den Rand der Platte abgeschnitten erscheinen. In der Copie ist der Buchstabe N des Wortes INVENIA unmittelbar unter dem Buchstaben R des WortES VRBİ gesetzt, während das N im Originale ein wenig mehr zur Linien steht. Ein we- sentlicher Unterschied zeigt sich auch in einigen Grashal- men, rechts unten unter dem linken Knie des Flussgottes. In der Copie sind fünf dieser Halme fast auf gleiche Weise gebogen, haben gleiche Länge und sind gleich weit von einander entfernt, statt dass auf der Originalplatte diese Hal- me in Rücksicht ihrer Länge, ihrer Gestalt und ihrer Zwi- schenräume mehr Abwechslung haben. S. Bartsch Anleitung Fig. 70. Lit. C. Man nahm diese Copie fast allgemein für die von Villamena retouchirte Originalplatte. Siehe auch M. da Ravenna. 224) (247) Der Parnass, nach einer Zeichnung Raffaels zu dem berühmten Bilde im Vatikan, doch mit Veränderung, wel- che hauptsächlich darin besteht, dass im Stiche Marc-Antons Apollo keine Geige, sondern die Lyra hat. In der Mitte unten steht: RAPHAEL PINXIT IN VATICANO. (Maf. versehungen). Dies ist eines der schönsten Blätter und ein Meisterstück Raimondi's. Er hat es wahrscheinlich kurz vor der Ausführung des Gemäldes gestochen, nicht einige Jahre später, wie Ottley glaubt. Damals hätte er vermutlich den Stich nach dem Gemälde unternommen, gesetzt auch, dass sich die Geige zur Figur eines Apollo nicht gut schickt. H. 13 Z. 3 L., Br. 17 Z. 6 L. Valois 570 Fr., Silvestre 399 Fr., 4 Duc, n. nil 380 Fr., Frauenholz 22 fl., Spekter 13 Thl. Copien. A. Im Sinne des Originals, mit dem Zeichen. Man erkennt diese Copie an der Lyra, deren Saiten Apollo anschlägt. Man sieht nämlich in der Copie unter dem kleinen Fin- ger deren sieben, im Original nur sechs. Die Nasenspitze und das Haupthaar des Dichters, der rechts zwischen den zwei Lorbeerbäumen sichtbar ist, streift an den linken Stamm, während man im Originale einen kleinen Abstand bemerkt. B. Von der Gegenseite, aber nur die mittlere Gruppe: Apollo unter den Musen, links zwei Poeten, rechts Homer zwi- schen zwei Philosophen, und der schreibende Mann. In der Luft sieht man nur drei Genien. Links unten ist ein aus AV bestehendes Monogramm. Dann: RAPHAEL VR- BINI ROMA. — Rossi. H. 6 Z. 4 L., Br. 12 Z. 8 L. Die ersten Abdrücke sind ohne Zeichen und ohne Schrift. 225) (248) Das Bacchanal; ein Opfer an den Priapus, nach einem 226) (249) Dieselbe Darstellung von der Gegenseite, so dass die antiken Basrelief aus der Kirche S. Marco in Rom. Links an der Terme ist das Zeichen. H. 5 Z. 4 L., Br. 19 Z. Aeusserst selten. Satyrin vorn an der Terme des Priap auf den Knien links des Blattes erscheint. Am Piedestal steht: ROMAE AD. S.

E. Vicus hat dieses Blatt von der Gegenseite kopiert.

— 227) (251) Venus mit einer Fackel von zwei kleinen Liebesgöt- tern begleitet, im Grunde eine Nische. Dieses schöne Blatt scheint Marc-Anton nach Rafael's Zeichnung gestochen zu haben. Das Monogramm ist rechts unten. H. 2 Z. 11 L., Br. 1 Z. 90 L. -

228 — 2530) (252 — 255) Jupiter, Mars und Diana, eine Folge von drei Blättern, vielleicht zu einer Folge von sieben ge- hörig, die Planeten vorstellend, in der ersten Manier des Künstlers, anscheinlich nach Francia, H. 2 Z. 10 L., Br. 2 Z.

— 231) (256) Hercules in einer Nische, anscheinlich nach Francia,

ohne Zeichen. H. 2 Z. 11 L., Br. 1 Z. 11 L.

— 232) (265 — 278) Apollo, Minerva, die Musen und fünf andere

Figuren, Folge von 16 Blättern, deren auch einige kopiert sind. H. 4 Z. 7 L., Br. 2 Z. 10 L.

Diese folgenden, zur Suite gehörigen, Figuren stehen in Nischen, und sind nach Rafael gestochen.

— 235) 1. (263) Apollo mit dem Bogen. Der linke Arm und der

Bogen nur im Umrisse. — 236) 2. (264) Minerva mit der Lanze, im Profil nach rechts, zu ihren Füßen die Eule.

— 237) 3. (265) Eine Muse, die Rolle in der Linken, die andere

am Kinne, nach rechts gewendet, Es gibt eine gegenseitige Kopie, ohne Zeichen.

— 238) 4. (266) Eine Muse, die Rolle in der erhobenen Linken;

ein halbgerolltes Papier in der gesenkten Rechten.

— 239) 5. (267) Eine Muse, den Leib im Profil, mit der Lyra in der Linken,

— 240) 6. (268) Eine Muse, den Leib en face, den Kopf im Profil nach rechts, eine Art Guitarre in beiden Händen haltend.

— 241) 7. (269) Eine Muse mit der Maske in der Linken, mit der andern das Kleid haltend. Auf der linken Seite der Figur ist das Kleid nur im Umrisse.

— 242) 8. (270) Eine Muse, von vorn gesehen, die rechte Hand unter dem Kleide auf die Brust gelegt, in der andern eine Papierrolle haltend. Ein Theil des Kopfes ist nur umrissen. Es gibt eine gute, gegenseitige Kopie,

— 243) 9. (271) Eine Muse, mit der Rechten an der Brust das Kleid fassend, in der andern eine Rolle haltend.

— 244) 10. (272) Eine Muse, im Profil nach rechts, ein Fruchtge- schirr in beiden Händen. Es gibt eine anonyme, gegenseitige Kopie.

— 245) 11. (273) Eine Muse, im Profil nach links, öffnet mit der Linken den Deckel eines Kästchens. Die Schilde oben an

allen anderen weiss.

— 246) 12. (274) Eine junge Frau, rechts gerichtet, mit einer Lampe in der Linken, Die Kopie ist von der Gegenseite. — 247) 13. (275) Eine junge Frau im Profil nach rechts, mit dem Füllhorn in der Linken.

beiden Seiten der Nische sind in diesem Blatte schwarz, in

    1. (277) Eine junge Frau im Profil nach rechts, mit der Lyra in beiden Händen. Die Hände, und fast die vordern Parthien sind nur im Umrisse, Bartsch glaubt, dass dieses Blatt durch Nr. 267 ersetzt worden sei.
    1. (278) Eine andere, von vorn gesehen, eine Papierrolle in der erhobenen Linken, in der hängenden Rechten einen ähnlichen Gegenstand. Bartsch glaubt, dieses Blatt sei nicht von Raimondi selbst.
  1. (279) Der Satyr mit der Nymphe, welche er, auf dem Bo- den liegend, mit der Linken umschlingt. Er hält einen Stock in der Rechten, um sich gegen die Schläge eines jungen Mannes zu vertheidigen. Im Grunde ist Wald. Diess ist eines der schönsten Blätter aus Marc-Anton's erster Zeit, angelehnt nach Francia's Zeichnung. In der Mitte unten das Monogramm, H. 4 Z. 4 L., Br. 3 Z.

  2. (281) Der Satyr mit dem Kinde. Er sitzt am Fusse eines Baumes, und das Kind steckt ihm eine Beere von der Traube in den Mund. Dieses treffliche, aber seltene Blatt stach Marc-Anton nach Rafael. Links unten ist das Zeichen. H. 4 Z. 8 L., Br. 32. 6 L.

  3. (282) Orpheus und Euridice, ersterer rechts stehend mit Lorbeer bekränzt, und die Geige spielend. Ohne Zeichen, anscheinlich aus Raimondi's erster Zeit. H. 4 Z. 9 L., Br.

  1. 8 L.
  1. (285) Der Satyr, welcher eine Nymphe überrascht. Diese sitzt am Felsen, und verdeckt die Augen, während der Satyr mit beiden Händen das Tuch von ihrem linken Arme hebt. Links ist ein nacktes Kind. Dieses Blatt erklärt Bartsch als einen der ersten Versuche Raimondi's. H. 5 Z. 6 L., Br. 4 Z. 9 L.

  2. (288) Venus erscheint dem Aeneas unter der Gestalt einer Jägerin. Er sitzt am Piedestal eines kleinen Obelisken, zu seinen Füssen der Helm, und die Jägerin legt die Hand auf seine Schulter. Aus der ersten Zeit des Stechers. Das Zei- chen in der Mitte unten. H. 6 Z. 10 L.? Br. 4 Z. 3 L.?

  3. (289 — 292) Die Arbeiten des Herkules, Folge von 4 Blät- tern, ohne Zeichen, aber nach Bartsch unbezweifelt aus Rai- mondi's erster Manier, vielleicht nach eigener Zeichnung. H. 6 Z. 4—5 L., Br. 4 Z. 2 L. Ihr Inhalt ist folgender.

  4. (290) 1. Herkules erdrückt den Antheus. Am Baume hängt ein Täfelchen, mit der Inschrift: DIVO HERCVLI.

      1. Herkules tödtet den Centaur Nessus. Auf dem Täfel- chen: DIVO HERCVLI.
  5. (291) 3. Herkules tödtet den nemäischen Löwen. Auf dem Täfelchen: DIVO HERCVLI.

  6. (292) 4. Herkules tödtet den in einen Stier verwandelten Achelous. Das Täfelchen enthält dieselbe Aufschrift.

  7. (293) Aurora auf dem Wagen, dessen Pferde die Horen be- setzen. Nach Rafael, ohne Zeichen. Oval. H. 6 Z. 3 L., Br. 4 Z. 11 L.

A. In der gegenseitigen, sehr guten Copie ist der Grund mit Strichen bedeckt, und über der Laube rechts vorn erhebt sich ein kleiner Baum. Ohne Zeichen.

B. Eine andere gegenseitige, alte Copie von dem Meister.

  1. (295) Orpheus holt die Euridice aus der Unterwelt, ohne Zeichen, in der ersten Manier des Künstlers. Nach eigener Zeichnung, wie Bartsch glaubt, während Ottley Rafael's Hand erkennt, namentlich in der Gestalt der Euridice. H. 6 2½ L., Br. 5 Z.

  2. (206) Die Erziehung des Amor. Der Faun, eine Rolle Papier in der Rechten, und die Flöte in der andern sitzt neben einem Baume. Das zwischen seinen Knien stehende Kind reicht nach der Flöte. Angeblich nach Rafael, ohne Zeichen. H. 6 2½ L., Br. 5 Z.

  3. (297) Venus aus dem Bade gestiegen, trocknet sich den lin- ken Fuss mit dem Tuche ab. Vor ihr steht Amor mit dem Bogen, links ist das Bassin, und den Grund bildet ein Zim- mer. Nach Rafael, eines der zierlichsten, vollendetsten und seltensten Blätter, ohne Zeichen. H. 6 Z. 5 Z., Br. 5 Z. 2 L.

Copien.

A. Im Sinne des Originals, so schön und genau, dass Bartsch diese Nachbildung dem Marc-Anton selbst zuschreiben könnte, doch ist er auch für Marco de Ravenna gestimmt. Das unterscheidende Merkmal sieht man am deutlichsten bei Bartsch Fig. 30. Ausserdem ist sie kleiner. Die Bret- ter, woraus der Sitz der Venus zusammengesetzt ist, haben keine Falze, deren man im Originale links und neben dem Tuche sieht, womit Venus sich abtrocknet. H. 6 Z. 2 L., Br. 4 2½ L.

B. Gegenseitige Copie von vorzüglicher Güte, ohne Zeichen. H. 6 Z. 2 L., Br. 4 Z. 6 L.

Im Sinne des Originals, von Wierix, 1563 — AE. 14.

Von der Gegenseite, im Grunde ein Fluss mit einer Brücke. Bartsch sagt, rechts unten sei das Zeichen Alb. Dür- er's, wir kennen aber einen Abdruck ohne Zeichen, mit einer Landschaft in Dürer's Manier. H. 7 Z. 3 L., Br. 5 2½ L.

S. E. Kleine gegenseitige Copie, ohne Verdienst. F. Sehr geistreiche Radirung: f. C. J., 4. G. Von Aeneas Vico.

  1. (305) Die zwei Satyrn, von welchen der eine eine Nymphe auf dem Rücken trägt. Im Grunde zwei Bäume und ein Fel- sen. Rechts unten das Zeichen. Aus der frühern Zeit des Künstlers. H. 7 Z., Br. 5 Z.

  2. (306) Bacchus am Fusse mit der Schale sitzend, vor ihm eine Kufe, in welche ein Mann einen Korb voll Trauben schüttet. Im Grunde links ein Weib und zwei Kinder mit Früchten. Dieses Blatt ist unter dem Namen der kleinen

  3. (307) Der junge Faun und der Tiger, Gruppe In einer Nische, sehr gut gezeichnet und kräftig gestochen, angeblich von Marc-Anton, nach Bartsch eher von Marco di Ravenna, Ohne Zeichen. H. 8 Z. 2 L., Br. 3 Z. 9 L.

  4. (308) Bacchus mit der Traube in einer Nische, neben ihm der Panther, wahrscheinlich nach einer antiken Statue, und von derselben Hand, wie das obige Blatt. Ohne Zeichen. H. 8 Z. 2 L., Br. 3 Z. 9 L.

Sehr selten sind die Abdrücke, wo der Rand der Nische weiß ist,

  1. (309) Der junge Olympus in einer Nische, die Sebalmey in den Händen. Dem Marc-Anton zugeeignet, nach Bartsch eher von M. di Ravenna gestochen. H. 8 Z. 2 L., Br. 3 Z. 10 L.

  2. (311) Venus und Amor. Letztere steht links auf einem Sockel, und Venus neigt sich um ihn zu küssen. Dies ist eines der schönsten Blätter von Marc-Anton, anscheinlich nach Rafael's Zeichnung, und ohne Monogramm, H. 6 Z.

L. 7, Br. 3

Die schöne Copie ist von der Gegenseite. H. 8 Z., Br. 4 Z.

  1. (312) Venus aus dem Meere emporgestiegen, drückt das Wasser aus den Haaren. Hinter ihr links zwei Bäume. Nach der Zeichnung eines Ungenannten. In der Mitte unten ist das Täfelchen mit dem Monogramm und dem Datum; 1506, 11 (11 Septemb). H. 5 Z., Br. 5 Z. 7 L.

  2. (313) Venus an einem Piedestal in Gnade, dabei Amor im Momente, sie zu umarmen. Rechts ein Baum und unten das Zeichen. Anscheinlich nach Francia, und in der ersten Manier des Künstlers. H. 8 Z. 2 L., Br. 5 Z. 4 L.

  3. (314) Orpheus vor der Pforte der Unterwelt die Violine spielend, zu seinen Füßen der Hund. Aus der ersten Zeit des Künstlers, rechts, unten das Zeichen. H. 8 Z., Br. 6 Z. 4 L.

  4. (319) Der Satyr, welcher die am Eingange einer Grotte schlafende Nymphe überrascht. Links unten am Stein das Zeichen, tiefer steht in ganz kleinen Charakter; n. 1500. Mas. 41, (11. Martii). H. 8 Z. 6 L., Br. 8 Z.

  5. (320) Amor und die drei Hunder, eines derselben sucht er in einer Kiste zu tragen, auf welcher man liest: 1506, 18. 5. (18 Septemb). Rechts, unten das Zeichen. H. 8 Z. 8 L.,

  6. (322) Pyramus und Thisbe, erster liegend, mit Dolche in der Brust. Im Grunde Landschaft und Gebäude. Rechts unten auf dem Schilde das Zeichen und die Jahrzahl 1505. Der Zeichner ist unbekannt. H. 8 Z. 9 L.

  7. (325) Pan belehrt die Syrinx im Bade. Man sieht den lüsternen Satyr rechts. Hinter Gebäude. Nach Rafael, ohne Zeichen. H. 9 Z. 10 L., Br. 6 Z. 5 L.

Es gibt eine ausgezeichnete Copie, die oft für Original genommen wurde, Bartsch hält sie vollkommen Marc-Anton's würdig, nur glaubt er nicht, dass dieser Meister je eines seiner eigenen Blätter copirt hat.

Man nennt diese treffliche Copie rechts unten an der Erd- schnecke, welche im Original fehlt. In gleicher Grösse, (326) Venus und Amor in Vulkan's Schmiede, im Grunde Landschaft. Links vorn das Täfelchen mit dem Monogram- me. Den Zeichner kennt man nicht. Zanetti glaubt, die Reinheit und Gefälligkeit der Zeichnung deute auf seinen letztern Aufenthalt in Bologna. H. 9 Z. 4 L., Br. 7 Z. 6 L.

  1. (331) Die Statue des Apollo von Belvedere, im Profil nach rechts, auf einem Piedestal in einer verzierten Nische. Er lehnt sich an den Baumstamm, welchem die Schlange Python umwindet. Am Piedestal liest man: Sic Romae Ex Mar- moue. Scvlpto. H. 11., Br. 6 Z. 1 L.

Bartsch nimmt dieses weiter nicht bezeichnete Blatt als Wiederholung eines schlechteren; allein es ist diess sicher das Original, nach welchem die anderen gefertigt wurden. Der Stich ist zart, und die Schraffire verständig und glück- lich gelegt. Die Muskeln sind sehr bestimmt ausgedrückt. Man kennt dieses Blatt an dem Worte Sic, wo das S, ver- kehrt erscheint.

Die Wiederholung, oder vielmehr die Abdrücke der re- touchirten Platte, welche bei Bartsch Nr. 330 als Original gelten, und auf welchen das S, im Worte Sic in seiner Ord- nung erscheint, trägt am Piedestal dieselbe Inschrift, und in noch späterem Drucke liest man noch weiter: In Pala- tio Pont. — In Loco. Qui. Vvlgo. Dicitur. Belvedere, — V. ANT. Lafrerii. Formis. Romae. M. D. LII

Die gegenseitige Copie ist mittelmässig. Sie hat links un- ten ein Täfelchen, welches mit Strichen gedeckt ist. H. 4 Z. Br. 8 Z.

  1. (352) Die Statue eines halb bekleideten Apollo in einer Ni- sche mit Fenster. Er hat die linke Hand über dem Kopfe, und die rechte auf die Lyra gestützt. Aus der frühern Zeit des Künstlers, links unten am Piedestal das Zeichen. H. 9 Z. 6 L.? Br. 5 Z.

  2. (333) Dieselbe Darstellung von der Gegenseite, rechts unten am Piedestal das Monogramm. Aus der Zeit seines ersten römischen Aufenthaltes. H. 11 Z. 8 L., Br. 5 Z. 4 L. Die gute anonyme Copie ist von der Gegenseite, Apollo hat die linke Hand auf dem Kopfe. Ohne Zeichen, und von gleicher Grösse.

(334) Apollo mit der Lyra in der Linken, mit der andern an den Baumstamm sich stützend, in einer Nische mit weis- sem Rande. Ein schönes, nach Rafael's Zeichnung gefertig- tes Blatt, ohne Zeichen. Diese Figur kommt als Statue in der Schule von Athen vor. H. 8 Z. 3 L., Br. 4 Z.

Die den Amor umarmende Venus, Bartsch Nr. 311 scheint das Gegenstück zu seyn.

  1. (335) Dieselbe Darstellung, schöner als die ‚obige, in der

) Schraffirung verschieden; fin dem vorhergehenden Blatte ist der Rand der Nische weiss, in der treffliche Wiederholang mit Taillen bedeckt. Die Grösse ist dieselbe. /

  1. (337) Pallas mit Aegide und Lanze, auf einer‘ Kugel ste- hend. Nach einer Zeichnung von Giulio Romano oder Ra- fael , ohne Monogramm. H. 10 Z., Br. 5 Z. 10 L-

Die sehr täuschende Copie erkennt man an der Lanze, welche hier oben nicht mit Eisen beschlagen ist. Die Grösse ist dieselbe, auch alles andere Zug für Zug dem Original gleich.

  1. (339) Das Urtheil des Paris, Jletzterer rechts auf einer Er- öhung sitzend, den rechten Arm auf eine grosse Axt ge- stützt. Die drei Göttinnen stehen ganz nackt vor ihm. Dies

ist eines der frühesten Blätter des Meisters, ohne Zeichen,

Aué deui‘Apfel steht verkehrt: TVR. P. H. 10 Z. 5 L., Br.

72.0 L.

  1. (340) Die Grazien, stehend mit umschlungenen Armen, nach

‚ einem antiken Basrelief. Sic Rome Carites Niveo Ex Marmore Scvlp. H. 10 Z. 10 L., Br, 8 Z. 2 L,

Marco di Ravenna hat diese Darstellung wiederholt.

  1. (342 — 344) Die Eckbilder.der Gallerie Ghigi, nach Ra- fael's Zeichnungen zu den Gemälden der Farnesina. H. 11 Z. 6 L., Br. 7 Z. 8 L. Diese drei meisterhaften Blätter aus Marc- Anton's letzterer Zeit galten auf der Durand'schen Versteigerung 300 Fr. Ihr Inhalt ist folgender:

  2. (342) 1. Jupiter umarmt den Amor, der gekommen ist, um für Psyche Gnade zu bitten. Links unten das Täfelchen.

  3. (343) 2. Merkur mit der Trompete, entsteigt dem Olymp, um Psyche zu suchen. Ohne Zeichen,

  4. (344) 3. Cupido und die drei Grazien, Rechts unten das Tafelchen,

Es gibt eine kleine Copie in Caraglio's Manier.

  1. (345) Mars und Venus. Ersterer ganz nackt, die Waffen zu den Füssen, links sitzend, weis’t die Venus zurück, welche sich zu entfernen scheint, trotz der Bemühung Amor's, sie zurückzuhalten. Angeblich nach Mantegna. In der Mitte unten ist das Zeichen, nach rechts steht in sehr kleinen Charakteren: 1508. 16. D. (16 Decembris). (Heinecke hat irrig 1612 gelcesen.) Nach Zanetti ist dieses vielleicht das beste Blatt, welches Marc.Anton vor seiner Abreise von Bologna gestochen hat. H. 11 Z., Br. 7 Z. 9 L.

Im ersten Drucke vor der Fackel in der Hand der Venus und vor dem Medusenhaupte auf dem Schilde des Mars,

  1. (345) Herkules erdrückt den Antheus, indem er ihn, mit bei- den Armen um die Lenden gefasst, empor hebt. Im Grunde rechts ist ein antiker Tempel, und links eine Baum rupge. Die Zeichnung ist von Rafael, und das Blatt eines der be- sten Raimondi's, aus dessen blühendster Zeit. Links unten

. das Täfelchen. H. 11 Z. 5 L., Br. 8 Z. Pallicre 128 Fr., ‚ Silvestre 81 Er. - ; '

B. Caspar ab Avignon hat dieses Blatt ebenfalls äußerst copirt. Darauf beziehen sich die Buchstaben G, A, P. P., auf dem Tafelchen links unten.

  1. (348) Apollo und Hyacinthus. Ersterer legt die linke Hand auf die Schulter dieses Hirten, und auch Amor ist dabei. Auf dem Täfelchen am Ast steht das Zeichen und 1500. Ap-9-(9 Aprilis). Anscheinlich nach Francia, in der ersten Mauer des Künstlers. H. 11 Z., Br. 8 Z. 4 L.

  2. (350) Der Triumph der Galathea, nach einem berühmten Gemälde Raphael's in der Farnesina, rechts unten das Zei- chen. Vasari nennt dieses Blatt unter den Hauptwerken Marc-Anton's, und es ist sicher eines seiner schönsten, so wie eines seiner seltensten. Raphael selbst sorgte für die ge- naue Uebertragung auf Kupfer, denn auf der k. k. Biblio- thek zu Wien ist ein von diesem Meister sorgfältig mit der Feder nachgebesserter Abdruck. Die guten alten Abdrücke sind ohne Schrift. Die späteren, von Villamena retouchir- ten, haben die Adresse von N. van Aelst oder von Rossi. H. 10 Z. 7 L., Br. 15 Z.

In Copien,

A. Im Sinne des Originals, und so täuschend, dass sie oft für Original-genommen wurde, obgleich beim Vergleiche mit dem Letzteren sich bedeutende Schwächen zeigen, be- sonders im Ausdruck, Bartsch sagt, dass man die Copie an einer Haartour der Galathea unterscheiden könne, und macht dies auf Fig. 41. deutlicher, Zanetti gibt indessen noch andere Merkmale an. Der rechte Fuss des schwim- menden Liebesgottes ist fast weiss, während er im Origi- nal ganz mit Strichen und Punkten bedeckt ist. Ein Glei- ches verhält sich mit dem unteren Theil der linken Wange der Nereide, welche der Triton umfasst. Die Zähne des Pferdes zur Linken sind im Originale mit einfachen Stri- chen belegt, in der Copie weiss. In letzterer ist das Ohr desselben ganz beschattet, im Original bemerkt man einen Lichttheil. Die Abdrücke mit der Adresse des C. Losi sind sehr schwach.

B. Originalseitige Copie, leicht zu kennen, weil der Raum, wo im Original das Täfelchen ist, hier weiss erscheint. Bartsch sagt, diese Nachbildung sei schwächer als die obige, Zanetti glaubt aber, hier sei der Charakter des Urbildes sogar noch glücklicher aufgefasst, so wie auch die Aus- führung glänzender ist. Doch ist der Stich hart, weil die Halbtinten fehlen,

  1. (352) Das Quos Ego, oder Neptun, der den Sturm besänf- tigte, welchen Eolus gegen die Flotte des Eneas erregt hatte,

Er steht auf einer von vier Seepferden gezogenen Muschel.

Die zerstreute Flotte sieht man in der Tiefe links. Diese,

nur 8 Z. 5 L. hohe und 5 Z. 7 L. breite, Darstellung sieht

man in einer mit neun Darstellungen aus der Geschichte

des Aeneas gezierten Einfassung. In fünf Cartouchen, je

zwei zu beiden Seiten, und eines in der Mitte unten, liest

man: Aeolus Immitit Ventos Iuone Praecante, etc. etc.

Dieses Blatt stach Marc-Anton nach Raphael, bezeichnete

es aber nicht. Man hält es für eines seiner Hauptwerke,

  1. Venus auf einer Muschel im Meere, oben in den Lüften Saturn, welcher den Uranus entmannt, links in der Ecke ein Tafelchen, wie es bei Marc-Anton vorkommt. Bartsch erwähnt dieses Blatt nicht, Frenzel (Catalog der Sammlung des Grafen Sternberg I, 289) glaubt aber, die schöne Zeich- nung und der Charakter in der Behandlung des Grabsti- chels dürfe unbedingt dem Marc-Anton angehören, und das Blatt selbst als grosse Seltenheit zu betrachten seyn. Marco di Ravenna (Bartsch Nr. 523.) hat dieselbe Darstel- lung gestochen, H. 9 Z. 9 L., Br. 6 Z. 5 L.

In dieser Grösse ist so ziemlich auch das erwähnte Blatt,

Allegorische Darstellungen,

  1. (354) Ein zwischen zwei Männern stehendes Weib, mit ei- ner Rolle in der Linken, und einer Art Sichel in der Rech- ten. Der Mann zur Rechten bläst das Horn, der andere sitzt. Anscheinlich nach Francia, korrekt und fein. H. 3 Z.,

Br. 3 Z. 1 L. Die gegenseitige Copie hat links unten das Zeichen: ZV.

  1. (355) Vier Figuren, welche folgende, unter diesen stehende Namen näher bezeichnen: Amadeus, Austeritas, Ami- citia, Amor. Anscheinlich nach Francia, links unten das Zeichen. Das Ganze ist in einer Einfassung von Zweigen. H. 6 Z., Br. 4 Z. 3 L.

C. Bos hat dieses Blatt von der Gegenseite copirt. Links oben stehen die Buchstaben C. B.

  1. (356) Der Mann mit zwei Trompeten, doch nicht die ein- zige Figur des Blattes, welches noch mehrere andere Ge- stalten zeigt, alle nackt, bis auf jene eines ehrwürdigen Grei- ses, der sich rechts mit einem Jungling unterhält. Im Grunde eine Art Vestibul und Landschaft. In der Mitte unten das Zeichen Raimondi's. Die Zeichnung ist von Rafael, oder noch eher von B. Bandinelli. Unter den kleinern Blättern ist dies in jeder Beziehung das vortrefflichste des Meisters, H. 3 Z. 1 L., Br. 4 Z. 4 L.

Es gibt davon eine gute, gegenseitige Copie mit dem Zeichen.

  1. (359) Der Traum Rafael's. Links sind zwei nackte Weib- er am Ufer des Styx eingeschlafen, und rechts sieht man vier chimärische Thiere. In Mitte des Grundes ist eine Stadt, und rechts fliehen mehrere Menschen aus dem brennenden Schlosse. Links unten am Pfeiler ist das Zeichen. H. 8 Z. 10 L.? Br. 12 Z. 3 L. Sehr selten.

  2. (360) Der Mann mit der Fackel, nackt auf einem Piedestal stehend; zur Linken ein Mann mit einer Vase auf der Schul- ter, und ein zweiter mit dem Pferde, beide nackt, rechts

  3. (361) Trajan, zwischen der Roma und der Victoria, welche ihn bekrönt, während die Soldaten die Dacier besiegen, Nach einem Basrelief vom Bogen des Trajan, rechts unten

das Zeichen. Dies ist eines der schönsten und geschätzte- sten Blätter des Meisters, aus seiner spätern Zeit. Im ersten, sehr seltenen Druck ohne Zeichen. H. 10 Z., Br. 16 Z. 2 L. Valois 1027 Fr., Durand erster Druck

r,

Es gibt davon eine gleichseitige Copie mit dem Zeichen, die, obgleich in der Arbeit geringer, den Ungeübten doch täuschen könnte. Man kennt sie links oben am schwarzen Grunde. Im Original ist dieser durch eine dreifache Strich- lage bewirkt, in der Copie durch zwei sich durchschnei- dende Linien.

  1. (362) Die Fortuna mit dem fliegenden Schleier: in beiden Händen, nach Rafael, ohne Zeichen. H. 22,5 L., Br. 12,7 L.

  2. (363) Ein junger Mann, welcher einen Lorbeer umfasst,

Das Gegenstück zum Obigen, und nach Rafael, ohne Zeichen.

  1. (364) Der Mann und die Frau mit dem vom Winde schwel- lenden Schleier. Angeblich nach Rafael, ein bewunderungs- würdiges kleines Blatt, ohne Zeichen. H. 2 Z. 9 L., Br. 1 Z. 10 L.

Die gegenseitige Copie, wo der Mann das Ende des Schleiers mit der rechten Hand hält, ist ebenfalls ohne Zei- chen. H. 2 Z. 6 L., Br. 1 Z. 10 L.

  1. (365) Die Zeit, als Greis mit langem Barte dargestellt, und mit Flügeln, nach rechts gerichtet, wo ein nacktes Kind zu sehen ist. Dieses herrliche, außerordentlich zarte Blatt ist nach Rafael gestochen, doch ohne Zeichen. H. 2 Z. 9 L., Br. 1 Z. 11 L.

  2. (366) Der alte Hirte, welcher den Jüngling auf einen Stern im Zodiacus aufmerksam macht. Im Grunde Landschaft. In Mitte unten stehen, verkehrt, die Buchstaben MA. R. Dieses schöne Blatt ist nach einer herrlichen Zeichnung Ra- fael's gestochen. H. 2 Z. 9 L., Br. 1 Z. 11 L. In der gegenseitigen Copie erscheint der Alte rechts. Sie ist ohne Zeichen.

  3. (367) Der Greis und der Mann mit dem Anker, ersterer rechts auf dem Boden sitzend, der andere links stehend und nach der Sonne blickend. Anscheinlich nach Francia, aus der ersten Zeit des Künstlers. Rechts unten das Zei- chen. H. 2 Z. 11 L., Br. 1 Z. 11 L.

Copien.

A. Von der Gegenseite und ohne Zeichen; auch von gerin- gerem Werthe. In gleicher Grösse,

B. Von der Gegenseite, gut copiert. Der Anker ist grösser, und in seiner wahren Gestalt, während er im Original und in der Copie A. einem Balken mit 2 Hacken gleicht. Die Sonne wirft nur 9 weisse Strahlen, während man in der obigen Copie deren 12 zählt. H. 22,09 L., Br. 1 Z. 9 L.

    1. Ein Weib mit Flügeln am Kopfe, die Linke auf eine Art Harfe stützend, in der Nische stehend. Ohne Zeichen. H. 3 Z. Br. 2 Z.

A. Copie von der Gegenseite von einem Ungenannten, und gut gestochen, daher zu verwechseln,

B. Gegenseitige Copie mit dem Zeichen an dem Instrumente, 309) (369) Der gekrümmte Stock, was zwei gegenüber stehende

Männer bewirken, während ein kniendes Weib dem zur

Rechten einen Ring an den Finger steckt. Anscheinlich nach

Francia, rechts unten das Zeichen. 3 Zoll in's Gevierte. Die mittelmässige, gegenseitige Copie ist ohne Zeichen.

  1. (371) Die Klugheit, als Weib, welches in den Spiegel sieht. Sie sitzt auf einem Löwen, und legt die Linke auf den Drachen. Anscheinlich nach Rafael, links unten das Zei- chen. H. 3 Z. 10 L., Br. 2 Z. 10 L.

Die gleichseitige, magere Copie ist ohne Zeichen.

  1. (372) Ein Mann, welcher einen anderen mit dem Fuchs- schwanz schlägt. In der ersten Manier des Meisters, und anscheinlich nach Francia, Rechts unten das Zeichen. H. 4 Z. 2 L., Br. 2 Z. 10 L.

    1. Das Weib mit zwei Schwänen in den Händen, ne- ben einem rechts stehenden jungen Manne, der Wasser in eine Vase gießt. Anscheinlich nach Francia, ohne Zeichen,

H. 4 Z. 1 L., Br. 2 Z. 11 L.

Copien. A. Anonym und von der Gegenseite,

B. Eine gleiche Copie, an dem Kraute mit fünf Stengeln zu erkennen, welches rechts unten beim Fusse des Weibes steht. Die Pflanze ist in der Copie A. nicht zu sehen.

C. Von der Gegenseite, und besser gestochen, als obiges Blatt B. Das Kraut fehlt, und das Weib hat am hinteren Theile des Kopfes vier Haarlocken, während man im Original und in den andern Copien nur deren drei zählt. Es gibt

spätere Abdrücke, wo sich über die Figuren mehrere Stri-

chen hinziehen, als hätte man die Platte unbrauchbar made- nen wollen.

  1. (375) Die Stärke, als junge Frau mit einer Säule. Anschein- lich nach Mantegna, und meisterhaft gestochen. Rechts un-

ten das Zeichen. H. 4 Z. 10 L., Br. 2 Z. 2,8 L. Die gegenseitige, anonyme Copie ist ohne Monogramm.

  1. (376) Die Mässigung, als weibliche Figur mit dem Pferde- zaum. Das Zeichen links unten. H. 4 Z. 10 L., Br. 2 Z. 8 L.

  2. (377) Der Mann und die Frau mit Kugeln, Ersterer halt eine solche (feuersprühende) Kugel in der Hand, letzteres setzt den rechten Fuss darauf, hält aber ein Gefäss mit Feuer in der Linken. Im Grunde Wald. Anscheinlich nach Fran- cia, sehr zart gestochen. Am Globus, auf welchen das nackte Weib den Fuss setzt, ist das Monogramm. 1,5 Z. 6 L., Br. 3 Z. 3 L.

Die Platte wurde in ihrem abgenützten Stande durchstri- chen, aber selbst von dieser später noch Abdrücke gemacht.

  1. (380) Ein nackter Mann mit einer Art Säge in der Rechten und einer Axt in der Linken, welche er einem Weibe zeigt. Aus der ersten Zeit des Künstlers, in der Mitte unten das Zeichen. H.6 Z. 5 L.? Br.4 Z. 6 L.? _

  2. (5381) Die Philosophie, eine majestätische Frau mit Scepter und Buch, zu ihrer Rechten zwei Genien mit einer Tafel, auf welcher man liest: CHAVXAR. COGNITIO. Nach einem Bilde Rafael's im Vatikan, ohne Zeichen. Dieses Blatt ist von grosser Schönheit, aber sehr selten zu finden. H. 6 Z. 6 L., Br. 5 Z. 4 L.

Copien, A. Von Augustin von Venedig, von der Gegenseite. Auf der Tafel steht: CAVSANR COGNITIO, Etwas tiefer daselbst YV.A B. Von der Gegenseite mit leerer Tafel, . C. Von Aeneas Vicus,

  1. (382) Die Poesie, eine geflügelte Frau mit der Lyra in der Linken, und mit der andern das Buch haltend, auf Wolken zwischen zwei Genien, von welchen der zur Rechten eine Tafel mit folgender Schrift zeigt: NVMINE AFLATVR, Nach dem Bilde Rafael's in Vatikan, das Gegenstück zum Vorhergehenden, eben so schön und selten. H. 6 Z.7L., Br. 5 Z 7 L.

Copien.

A. Von der Gegenseite, aus der Zeit Marc-Anton's, Zug für Zug, und sehr verständig copirt, B. Von der Seite des Originals, mit dem Monogramme AF. bezeichnet.

  1. (383) Die Frau, welche eine Pflanze begiesst. Aus der er- sten Zeit des Künstlers, links unten das Zeichen auf dem Stiele des Krautes am Fusse des Baumes, H.4 Z.4L.,

7 Z 5 Giov. da Brescia hat diese Darstellung von der Gegen- seite gestochen.

  1. (384), Der nackte Mann mit der Laterne, hinter ihm ein Schaf, im Grunde Landschaft. Nach Rafael, aus der frü- heren Zeit seines römischen Aufenthaltes, doch ohne Zeichen. H. 7 Z., Br. 4 Z. 10 L.

  2. (385) Die zwei stehenden, nackten Männer, der zur Rech- ten mit zwei Schlangen, jener zur Linken an einem Baum- stamm sich haltend. Aus der früheren Zeit des Künstlers, in der Mitte unten das Zeichen. H.7 Z. 09 L., Br.5Z.5L,.

  3. (386 — 392) Die Tugenden, weibliche Gestalten in Nischen, Folge von sieben Blättern nach Rafael, das Zeichen auf je- dem Blatte, und von 1 — 7 numetrirt, links unten ganz am Rande. H. 8 Z., Br. 4 Z.,

    1. (386) Die Liebe, fast vom Rücken gesehen, ein Kind auf dem Rücken, ein anderes an der Hand führend.

— Die gleichseitige Copie kennt man an dem Monogramme. Bartsch 1. 42.

    1. (387) Der Glaube, mit der Rechten auf die Strahlen

deutend,

    1. (380) Die Stärke, mit der Rechten an eine Säule gelehnt, Die gute, gleichseitige Copie hat das Monogramm nicht.
    1. (300) Die Mässigung, mit dem Zaume in der Linken.
    1. (391) Die Hoffnung, die Augen nach einer Flamme gerichtet.
    1. (392) Die Klugheit, mit dem Januskopfe, die Linke mit einer Schlange umwickelt. Es gibt eine gute, gleichseitige Copie, ohne Zeichen, Schlechter, nicht einmal mittelmässig, ist die gleichseitige Copie mit dem Zeichen.
  1. (393) Der Friede, eine weibliche Gestalt, mit der linken Hand an der Brust, mit der Rechten einen geflügelten Ge- nius führend. Dieses Blatt ist nächst Rafael gestochen, ohne Zeichen und schon von Vasari erwähnt. H. 8 Z. 1/2 L., Br.

Copien. A. Gleichseitige, wenig bedeutende Copie, an den Haaren er- kenntlich. Bartsch Fig.—5. B. In gleichem Sinne, steif und kalt. In der Mitte unten: RA. VR. INVEN. C. Mittelmässige, originalseitige Copie, rechts unten die Buch- staben L. M. (Lorenzo Musi) Rechts oben: Della Pal- Jade pudica etc. H. 7 Z. 10 L., Br. 4 Z. 4 L. D. Gute gegenseitige, anonyme Copie. 332) (394) Dieselbe Darstellung, mit einigen Veränderungen. Der Zaum, unter welchem Amor sichtbar wird, fehlt, und oben sind einige Wölkchen, Schön gestochen, mit engen Strich- zügen. Ohne Zeichen. H. 7 Z. 4 L., Br. 4 1/2 Z. 6 L.

  1. (306) Die Schlange, welche zu einem jungen am Baume sitzenden Manne spricht, während ein anderer flieht. In der ersten Manier des Künstlers, rechts unten das Zeichen. H, 9 Z. 7 L., Br. 7 Z. 10 L.

  2. (307) Die zwei Frauen, jede mit einem Buche, zwischen beiden ein Stein, für eine Inschrift bestimmt. Rechts oben sieht man einen Theil des Thierkreises, und daher ist das Blatt auch unter dem Namen des Zodiacus, oder der Sibyl- lens bekannt. Nach Rafael, links unten das Zeichen. Dieses schöne Blatt ist 7 Z. 4 L. breit, und 10 1/2 Z. 7 L. hoch. Die gegenseitige anonyme Copie ist ohne Zeichen, und mittelmässig. Eine andere, noch geringere Copie, ist eben- falls von der Gegenseite, hat aber rechts unten das Zeichen.

  3. (308) Ein junger, nackter Mann, auf einem Felsenstücke sitzend, spielt die Violine, und die nackte Frauen stehen um ihn herum. Nach einem unbekannten Meister, worunter einige den Mantegna verstehen wollen, an dessen Zeich- nung das Blatt nicht erinnert. Es gehört Raimondi's früher- er Zeit an. In der Mitte unten ist das Monogramm. H. 10 Z. 6 L., Br. 7 Z. 5 L.

  4. (309) Eine mit Epheu bekränzte Frau zwischen zwei nack- ten Männern, zu den Füssen der ersteren ein Kind. Aus der früheren Zeit des Künstlers, links unten das Mono- gramm, Heinecke nennt dieses Blatt Herkules zwischen der

Raimondi, Marcantonio.

Tugend und Laster, und schreibt es dem Mantegna zu. E. 10 Z. 6 L., Br. 7 Z. 6 L. -

Phantasiestücke,

(404) Die drei Doktoren in einer Landschaft auf dem Bo- den sitzend. Dieses seltene Blatt ist vermutlich nach Marc- Anton's eigener Zeichnung, aber ohne Zeichen. H. 2 Z.

(417) Die Pest der Menschen und Thiere, öfter auch Mor- betto genannt, ein durch Feinheit und hohe Vollendung ausgezeichnetes Blatt; in welchem die Wirkungen einer schrecklichen Seuche mit ergreifender Wahrheit und selte- nem Adel dargestellt sind. Ein Vater zieht sein Kind von der sterbenden Mutter, an deren Brust es saugen will. Am Piedestale der Terme steht: Linguebant Dvilces Ani- mas, Aegra Trahebant Corp. — Am Steine rechts vorn: INV., RAP. VR. — das Monogramm. Marc-Anton hat also dieses höchst seltene Blatt nach Rafael's Zeichnung ge- stochen. H. 7 Z. 3 L., Br. 9 Z. 3 L.

Um die volle Schönheit und Pracht dieses Blattes zu schauen, muss man einen alten Abdruck sehen. Später wurde die Platte zu wiederholten Malen retouchiert, und daher sind

die Preise verschieden. Ein ganz vollkommener Abdruck

wurde 1820 aus van Putten's Sammlung für das Pariser Ca- binet mit 1000 Fr. bezahlt, Logette 112 Fr., Silvestre 141 Fr., Frauenholz 5 fl. 36 kr., Stengel 9 fl. 15 kr.

A.: Sehr gute Copie von der Gegenseite, der Vater, welcher

das Kind vom Busen der Mutter reißt, links im Vorgrunde,

B. Franc. Aquila stach seine Pest nicht nach Marc-Anton,

sondern nach einer Zeichnung in Tusch, die sich in der Gallerie Albani zu Rom befand.

C. R. Morghen hat die Figuren des Vorder- und Mittelgrun-

des in Umriss radirt, die Abdrücke dieser unvollendeten Platte sind aber äusserst selten. 422) Die Löwenjagd. Im Rande unten: Que Stabant

Yx Hospitibus Spectanda Sepulchra, Qvilibet Arbitrio Jam Videt Illa Suo. — Das Zeichen. — Ro-

mae In Impluvio S. Petri. Die Zeichnung ist von Ra-

fael oder von Giulio Romano, nach einem antiken Grabmo- nument gefertigt; der Stich sehr zart und geistreich, in der letzten Manier des Künstlers. H. 9 Z. 10 L. mit 5 L, Rand, Br. 15 Z. 2 L. Bei Weigel ein zweiter Druck 6 Thl.

Es gibt eine sehr genaue, anonyme Copie, mit dem Zei- chen und derselben Inschrift, aber von der Gegenseite. Der

Löwe, welcher sich auf eine Frau stürzt, erscheint links.

(426) Das Gespenst (la Carcasse, Stregozzo) oder die Hexe auf dem colossalen Skelette eines monströsen Thieres, nach einer Zeichnung, welche gewöhnlich dem Rafael, von Lo- mazzo dem Michel Angelo, und von einem alten Commen- tator des Vasari bei Bottari dem Giulio Romano beigelegt wird. H. 11 Z. 2 L., Br. 23 Z. 2 L. 8

Dieses Blatt legen Einige dem Marc-Anton bei, Andere aber, besonders Bartsch, entscheiden für Agostino Veneziano. Wir haben desswegen dieses Blatt auch im Artikel des Agostino de Musi Nr. 112 aufgezählt, und bemerkt, dass es zweierlei Abdrücke gebe, ohne und mit dem Buchstaben AV. Dieje-

Schließlich fügen wir noch die Berichtigungen bei, wel- che die Beschreibung im Peintre-Graveur von Bartsch, nach welchem wir im Artikel des Agost. de Musi auch die uns- rige gegeben, erfordert. Zanetti sagt, dass nicht vier nackte Männer das Skelett führen, sondern nur zwei, von welchen einer ein Kind trägt. Auch ist ausser demjenigen Bocke, auf welchem der Knabe reitet, nur rechts ein einziger Buck zu sehen. Die Hexe sitzt nackt auf dem Skelette, eine Vase in den Armen, und vier Kinder vor ihr. Zwei Männer lei- ten das Monstrum durch einen Morast nach links hin, und zwei andere folgen hintendrein mit ungeheuern Knochen. Links dieses seltsamen Wagens reitet ein Mann auf dem Skelette eines Bockes oder Einhorns, rechts läuft ein Bock, und der Knabe mit dem Horn eröffnet auf dem Bocke rei- tend den Zug. In der Mitte liegt auf dem Boden ein Täfel- chen, der Form nach jenem des Marc-Anton ähnlich,

  1. (428) Der Mann, welcher einen Adler mit Lorbeer bekränzt, Nach Rafael, ohne Zeichen, H. 2 Z. 4 L., Br. 1 2 5 L.

  2. (429) Der Hirte mit dem Stocke in der Linken, betrachtet eine schlafende Nymphe. Anscheinlich nach Rafael, ohne Zeichen. H. 2 Z. 8 L., Br. 2 Z.

A. Gegenseitige, anonyme Copie, B. Eine gleiche, von der obigen am besten durch Bartsch Fig. 45 zu unterscheiden.

  1. (430) Der Alte mit zwei Stöcken in der Rechten, und ein Mädchen. Anscheinlich nach Francia, ohne Zeichen. H. 2 Z. 10 L., Br. 1 1 Z. 0 L.

  2. (431) Der junge und der alte Hirt, der erstere, links stehend, das Horn, der andere die Schalmei blasend. Anscheinlich nach Francia, des Zeichen links unten. H. 2 2. 10 L., Br. 2 Z.

Die mittelmässige Copie ist von der Gegenseite, und ohne Zeichen.

  1. (432) Die junge Mutter mit dem Kinde auf dem Schoosse, spricht mit zwei vor ihr stehenden Männer, wahrscheinlich nach Francia, rechts unten das Zeichen. 3 Z. ins Gevierte,

  2. (431) Ein junger Mann am Saume des Waldes kniend, ge- genüber ein Bettler mit dem Stocke in beiden Händen. Anscheinlich nach Francia, das Zeichen links unten. H.

3 Z. 6 U., Br. 5 2. 348) (456) Ein alter Mann im Gespräche mit einem jungen, der

sich durch grosse Beleibtkeit bemerklich macht. Anschein-

350j (438) Der am Eingange des Waldes schlafende Mann; links vorn kniet ein Weib. Vielleicht nach Francia, aus der ersten Zeit des Künstlers; rechts unten das Zeichen. H. 32 Br. 3 Z. Die schöne, elegante Copie ist ohne Zeichen.

  1. (41) Ein römischer Kaiser, sitzend in einer Nische, den Scepter in der gesenkten Linken, in der andern die Kugel. Wahrscheinlich nach Rafael, das Zeichen links unten, H. Die gegensitzige Copie ist grösser und ohne Zeichen. H. 6 Z.; Br. 4 L.

352.) (44) Ein römischer Kaiser in der Nische sitzend, den Scep- ter in der erhabenen Linken, in der andern die Kugel. Das Zeichen (verkehrt) links unten, in gleicher Grösse. Die sehr gute, gegenseitige Copie ist ohne Zeichen. H. 5) (4605) Die Frau, steht im Profil nach rechts, in tiefem Nachdenken. Der Grund ist mit horizontalen Strichen be- deckt. Nach Rafael; (nach Andern von Parmesano), ohne Zei- chen. Bartsch sagt „die Figur wende sich nach rechts, Za- netti beschreibt aber ein Blatt des Cabinets Cicognara, wo die Figur nach links sich neigt. H. 4 Z. 2 L., Br. 2 Z. 10 L.

In einer sehr mittelmässigen Wiederholung ist der Grund links weiss, und rechts mit perpendiculären Strichen verse- hen. Eine zweite Wiederholung ist von der Gegenseite, d. h. die Frau ist nach links gewendet. Diese Darstellung dürfte von einem Schüler Marc-Anton's seyn. H. 5 Z. 10 L., Br. 2 Z. 8 L.

Eine gleichsitzige Copie von dieser letzteren erkennt man am sichersten durch Bartsch Fig. 16. Auf einer sehr guten, zweiten Copie, in gleichem Sinne; steht unten links. Cognitio.

353 (463) Die Ansicht eines Knaben, der im Pontifikat Leo's X. aus Spanien nach Rom gebracht wurde. Dies be- sagt die Inschrift: Leonis X. Au I. Eidib. Novembr., Ex. Hispania. Romam, Adventus etc. 1514, wahrscheinlich nach ei- gener Zeichnung gestochen. H. 4 Z. 4 L., Br. 2 Z. 8 L.

  1. (450) Die Frau mit dem Kinde und einer Flasche am lin- ken Arme. Anscheinlich nach Rafael, ohne Zeichen. H. 4 Z. Es gibt eine gute, gegenseitige, unbezeichnete Copie.

  2. (456) Ein altes Weib, gebückt unter der Last der Jahre, mit Stock und Korb an einem Graben, aus welchem der Tod die Sanduhr reicht. Im Grunde links ein anderes altes Weib, Angeblich nach Rafael, ohne Zeichen, H. 4 Z. 9 L., Br. 6 L.

Augustin von Venedig hat ebenfalls diese Platten gestochen, und Aeneas Vicus selbst copirt.

Raimondi, Marcantonio. 265

(450) Der Cardinal, oder vielmehr eine Satyre auf einen solchen, welcher als Geizhals, schlecht bekleidet, auf einem hässlichen Maulthiere dargestellt ist, wie er mit einem Kn- ben um Gemüse handelt. Dieses Blatt ist sicher und breit behandelt, nach Bartsch zweifelsohne von Marc-Anton, der hier seine Stichweise etwas geändert haben könnte, um nicht erkannt zu werden. Die Zeichnung ist von Rafael, oder von einem seiner Schüler. Im Cartouche oben steht: AVA- RITIA, H. 5 Z., Br. 3 Z. 4 L.

(460) Die Frau am Fenster in nachdenkender Stellung, zu ihren Füßen ein Hund. Durch das Fenster sieht man die Stadt, und einen Engel mit dem Kreuze in der Luft, nach rechts gewendet. Die Zeichnung dieses schönen Blattes eig- nen Einige dem Rafael, Andere dem Parmesano zu. Es ist ohne Zeichen, mehrere halten es aber für Marc-Anton's Werk, nur Zanetti glaubt sicher, dass der Stich dem Marc- Anton, nicht angehöre. H. 5 Z. 10 L., Br. 5 Z. 5 L.

A. Die gleichseitige Copie hat den Engel in der Luft nicht.

H. 5 7 Z. 8 L., Br. 3 Z. 4 L.

B. Es gibt auch eine sehr gute, gleichgroße, originalseitige

Copie, wo man aber durch das Fenster den Engel nicht

sieht.

C. Von der Gegenseite, aber mit dem Engel.

(1602) Die Wanderer. Eine Frau mit dem Kinde ruht auf dem Bette, und neben ihr sitzt der Mann mit einer Birne. Im Grunde ist Landschaft, und links ein zweiter Reisender, Gegenseitige Copie nach Lucas von Leyden, gewöhnlich dem Marc-Anton beigelegt. Das Blatt hat Salamanca's Adresse, H. 5 2 Z. 9 L., Br. 4 Z. 4 L.

(404) Zwei fast nackte Männer, neben einander stehend, der eine den anderen mit dem rechten Arme umschlingend, Im Grunde rechts ein Baumstamm. Ohne Zeichen, aber ge- wöhnlich dem Marc-Anton beigelegt, der nach Bartsch dic- ses Blatt in seiner ersten Zeit gestochen haben soll; allein die Gruppe ist aus dem Gemälde des trunkenen Noah von Michel Angelo in der Sixtina. H. 6 Z., Br. 4 Z. 9 L.

Es gibt eine sehr gute, gegenseitige Copie.

(465) Ein Mann, welcher die Wunde seines rechten Fusses bezeichnet. Heinecke glaubt in der Zeichnung Michel Angelo's Hand zu erkennen, was Bartsch nicht annimmt. Das Blatt

ist ohne Zeichen., H. 6 Z. 6 L., Br. 4 Z.

(407) Der auf einem Erdwalle sitzende Mann, rechts ein Baum.

Er ist nackt, und hält eine Flöte in der Rechten., Man legt

dieses Blatt gewöhnlich dem Marc-Anton bei, die Zeichnung

dem Rafael oder dem B. Bandinelli. H. 6 Z. 5 L., Br. Z. 5 L.

(469) Die drei Sänger, im Costüme der Zeit des Künstlers,

Der zur Linken, vom Rücken gesehen, hat ein Notenblatt

in der Hand. Der Grund ist weiss. Marc-Anton scheint

das Blatt auch selbst gezeichnet zu haben, es hat aber des-

sen Zeichen nicht, H. 6 Z. 8 L., Br. 4 Z. 6 L.

& In Luca Ciamberlano's Zeichenbuch ist eine gegenseitige Copie.

  1. (169) Der Guitarrspieler am Gebüsche sitzend, im Grunde

rechts Landschaft. Diess ist eines der besten Blätter aus Rai-

„ der Mitte des, Blattes ist ein.;Schriftzettel , auf. ‚welchen man ‚die Jaährzahl.;1510 oder 1509 gesetzt, in den Rändeln dieses

Attbildes noch erwähnt haben

  • Muller, 10 Randes 10 .9 S G D, % " cß?s n. 1ä n uf der untern Seite e, v n u, und n ANGEL, ıigen Copie, wo man jetzt man:
  1. (488) Der Mann, welcher aus. den 3} Äusse er ‚tugt ‚eine Figur aus dem obengenannten Blatte der Kletterer, aber früher als 36des gestochen, 'da diese Arbeit durchaus den Charakter der Blätter aus Raimonds erster Manier trägt, | Rechts unten steht: IV. MI. AG., PLÖ 'tund das Zeichen.

' Dxe gegenseitige Copie ist ohne Zeichen;

  1. (499) Die Räucherpfanne (la cassolette) auf einem Säulen- stücke von zwei Caryatiden getragen, von welchen die zur Linken die rechte Hand erheht, um die Pfanne zu halten, die andere die Linke. Der untere Theil des Gefässes ist mit

' Lilienblüthen geziert, wesswegen man glaublic, dass Rafael die Zeichnung für Franz I. von Frankreich gefertiget habe. Links unten ist das Täfelehen; ' Ein Meisterwerk aus' Marc- Anton's letzter Periode. H.41 Z. 4 L., Br. 6 Z. 2 L.

'Die Abdrücke mit Salamanca's Adresse sind etwel retouchirt.

A Dik gegenseitige, sehr schöne' Copie ist ohne, Täfelchen

und ohne anderes Zeichen.

/B. Die ?egensemitige, ebenfalls sehr' gute Copie hat das"leere

Täfelchen

; ' MMarco di Ravenna hat diese Zeichnung ebenfats ge-

stochen.

  1. (533) Die Fagade eines Hötel, unten mit/ vier' Schaven, ;oben

mit Caryatiden, gezıert. 'In Mitte des ; oberen Theiles -sicht

‚man die colossale Büste der Aspasia, und darunter ist die

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