Rahl, Carl Heinrich, Kupferstecher , geb. zu Heilbronn 1770, wurde nach dem Willen seines Vaters Silberarbeiter , benützte aber jede Nebenstunde, um im Zeichnen und Stechen sich zu üben, wozu er seit früher Jugend einen unüberwindlichen Hang in sich spürte. Er gab auch seine frühere Beschäftigung bald auf, um sich mit ganzer Kraft seiner Lieblingskunst zu widmen. Aus dieser Zeit rühren mehrere Portraite von ihm her; auch hatte er sich in der Punktmannier versucht, welche damals immer noch mit Beifall be- lohnt wurde. Seine ersten Arbeiten unternahm er für C. Lang's Industrie - Comptoir in Heilbronn, einige Bildnisse, wie jenes des Compositeur Ammon, des Dichters Wieland für Lang's Almanach etc., Vignetten, Schriften und Pläne. Im Herbste des Jahres 17 reiste Rahl nach Wien, um sich in seiner Kunst weiter auszubil- den, und desswegen gab er sich mit den Brodarbeiten nur in so weit ab, als es unumgänglich nothwendig war; alle übrige Zeit aber widmete er dem Zeichnungsstudium. Den Mechanismus der Kunst würdigte er damals wenig, was ihn auf manchen Abweg führte, und die Ursache war, dass sein Talent nicht schon frühe vollkommen gewürdigt wurde. Der Künstler glaubte aber das Feh- lende würde sich mit der Zeit schon ausgleichen, so wie ihm die Lehren eines Meisters erst dann Werth zu haben schienen, wenn er auf den Punkt der eigenen Einsicht und Ueberzeugung ange- langt wäre. Diese wollte er sich nur aus einer allgemeinen Ver-
gleichung der besten alten und neuen Werke der Kupferstecher- kunst holen; es ging aber viele Zeit hin, bis er auf diesem Wege das vorgesetzte Ziel erreichte, da er die Mittel bei den grössten und talentvollsten Meistern aufsuchte, und davon seiner Indivi- dualität gemäss das ihm Zusagende aufnahm.
Den Unterhalt erwarb er sich in der ersten Zeit zu Wien mit Schriftstechen, und durch Arbeiten in Punktmannier. In dieser Manier stach er einige Bildnisse, die sich auszeichnen, wie jene von Kray, Gall, Beer, Schmidt, doch verliess er bald diese Art, um sich mit dem Grabstichel und der Nadel vollkommen einzuüben. Die ersten Arbeiten dieser Art sind fünf Blätter für die Degen'sche Ausgabe von Lucanus Pharsalia nach Wächters Zeichnungen, und vorzüglich gelungen ist schon das grosse Blatt, welches läiob vor- stellt, ebenfalls nach einer Zeichnung von Wächter. Mechanische
Vollendung zeigte sich zuerst vollständig in einer heil. Familie nach Dominichino, und nachdem er an mehr als 120 Vignetten für Schiller, Goethe's Werke, und die bei Armbruster erschienenen Meisterwerke deutscher Dichter das Mögliche versucht, und in Führung der Nadel Zartheit erlangt hatte, zeigten sich die Resultate seiner Bestrebungen zum erstenmal beisammen in der heil. Margaretha nach Rafael und im Bildnisse des Fürsten von Dietrichstein. Das erstere dieser Blätter ist zart und kräftig, ganz im Geiste des Ori- ginals behandelt, der Kopf und die Haare ausgezeichnet. Vor die- ser Zeit lieferte Rahl viele vortreffliche Blätter; meistens mytholo- gischen Inhalts, da der Künstler nur in seiner früheren Zeit mit der Landschaft sich befasst hatte. Seine Verdienste sind seit vielen Jahren allgemein anerkannt. Mehrere Akademien zählen ihn unter ihre Mitglieder. Er ist k. k. Kammerkupferstecher und Professor der Kupferstecherkunst an der k. k. Akademie in Wien.
Von seinen Blättern erwähnen wir folgenden, und darunter ge- hören die voranstehenden, sowohl die Bildnisse als die andern Dar- stellungen, zu den früheren Werken des Künstlers.
Das Bildniß Cromwell's für das Industrie-Comptoir in Heil- bronn geschabt, kl. fol., selten.
Feldmarschall Baron von Kray, nach Käppler, in Punktier- manier, gr. fol.
Dr. Gall, berühmter Arzt.
Dr. Schmidt, berühmter Augenarzt, in Punktiermanier.
Dr. von Carro, Arzt, fol.
Graf von Dietrichstein, eines der vorzüglichsten früheren Blätter dieses Künstlers, nach C. Agricola, oval. fol.
Maria Louise, Kaiserin von Frankreich, nach einer Zeich- nung von Krafft, 1810, fol.
Der Dichter Goethe, nach Raab, oval.
Nicolaus Zriny, in seiner Jugend.
Carl, Graf von Harrach, nach Agricola, gr. fol.
Kaiser Franz in ungarischer Husarenuniform, ganze Figur, in einer Landschaft, nach Krafft, fol.
Eine Landschaft mit den Ruinen einer Brücke, der erste Versuch dieser Art.
Ein Baumstudium, nach eigener Zeichnung radirt.
Zwei Ansichten aus Steiermark, qu. fol.
Zwei malerische Landschaften, nach G. Poussin, qu. fol.
Grosse Landschaft mit vier Figuren im Vorgrunde, darunter ein Weib mit dem Korbe, nach G. Poussin's Bild im Bel- vedere, fol.
Eine ähnliche Landschaft mit Wasserfall, nach F. Milet, gr. qu. fol. Beide im ersten Drucke vor der Schrift, die Na- men der Künstler nur mit der Nadel gerissen. Es gibt von beiden Blättern auch reine Aetzdrücke. Die zweiten Abdrü- cke haben die Adresse von Frauenholz.
Zwei Blätter zur brasilianischen Reise des Fürsten von Neu- stadt.
Heilige Familie, Maria betet das Kind an, schöne Compo- sition, nach E. Wächter, sehr leicht und zart radirt, gr. 4.
Der blinde Belisar, am Thore von Rom, eine der schönsten Compositionen von Wächter, radirt und mit dem Stichel vollendet, 1808, gr. qu. fol. Im ersten Drucke vor der Adresse des Frauenholz.
Eine heilige Familie nach Wächter, umfaßt, kl. fol.
Hiob trauernd mit seinen Freunden, nach Wächter und Ge- mälde zum Belisar, s. gr. qu. fol. Im ersten Drucke vor
der Schrift.
Andromache und Hecuba wehklagend bei Hektor's Grab, nach Wächter, radirt, gr. qu. fol.
Maria lässt das Jesuskind auf dem Lämme reiten, dabei St. Anna, nach Wächter radirt, 1806, kl. qu. fol.
Die Horen als Symbol der Ordnung der moralischen Welt, nach Wächter, radirt, fol.
Die trauernde Maria am Kreuzeshügel sitzend, einfache aber schöne Composition von Wächter, radirt, s. gr. roy. qu. fol.
Scene aus der Thebais des Statius. Lib. X. Vers 317, nach Wächter radirt, schöne Composition, qu. fol.
Dante's Ankunft in der Hölle, Umriss nach Carstens, in zwei Blättern, grösstes Imperialfolio.
Unschuld und Jugend, zwei Blätter nach Kapeller, 4.
Die heil. Margaretha, nach Rafael, das erste Blatt des Künst- lers, welches auch in der technischen Ausführung vollkom- men zu nennen war, wie oben erwähnt, fol.
Maria mit dem schlafenden Kinde, welches zwei Engel ver- ehren, nach Dominichino, gr. fol.
Hermann und Dorothea am Brunnen, schöne Landschaft, nach Gauermann, gr. qu. fol. Im ersten Drucke mit unvoll- endeter Schrift. Pendant zur Louise von Voss.
33.) Christus und die Samariterin am Brunnen, nach H. Carrac- ci's Bild der Gallerie zu Wien, qu. fol. Im frühen Drucke vor der Adresse des Herausgebers. Diese Darstellung stach der Künstler später noch einmal.
Christus erscheint der Magdalena im Garten, nach van Dyck, fol. Im ersten Drucke mit Nadelunterschrift, und einige Exemplare chinesisches Papier.
Die badende Oreade, nach Dominichino radirt, gr. qu. fol. Im ersten Drucke vor aller Schrift.
50 Blätter zu Lichtenberg's Erklärung der Hogarth'schen Ku- pferstiche, die 1818 bei Armbruster in Wien erschienen, theils nach Originalien, theils selbst entworfen.
Ecce homo, nach Giorgione, fol. und kleiner.
Mater dolorosa, nach G. Reni, fol. und kleiner. Beide im ersten Drucke vor der Schrift.
Junge Mädchen am Brunnen, aus welchem ihrer Meinung nach die Kinder geholt werden, nach L. F. Schnorr, lieb- liche Composition und feinend gestochen, qu. fol.
Der Verwaiste und der Mutter Grab, 2 Blätter nach eigener Erfindung, fol.
Maria betet das Jesuskind an, nach Correggio, das Gegen- stück zur heil. Margaretha nach Rafael, 1822, fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.
Der heil. Joseph nach Correggio, kleines Blatt.
Die Nacht des Correggio, nach dem berühmten Bilde in der k. Gallerie zu Dresden, meisterhaft im Geiste des Originals gestochen. H. 22 Z., Br. 19 Z. Vor aller Schrift 20 Th. Bei Sweigel ein Abdruck 16 Th.
La Magdalena del Correggio della reale Galleria di Dresda, gr. qu. fol. Im ersten Drucke mit offener Schrift.
Christus am Kreuze. Erhöht — will ich alle an mich ziehe, nach G. Reni's Bild bei Fürst Esterhazy, gr. fol.
Vorsicht
Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.
Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.
Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_mYbrAAAAMAAJ