Raeburn, Henry

Raeburn, Henry, Bildnissmaler, wurde 1756 in Schottland ge- boren und schon im sechsten Jahre Waise, suchte er im fünf- zehnten die Goldschmiedekunst zu erlernen; doch statt sich mit der Profession zu beschäftigen, zog er vor Bildnisse in Miniatur zu malen, die ihm so gut gelangen, dass der Kreis seiner Wün- sche sich bald auszudehnen begann. Er fing an in Öl zu malen, ohne alle Anweisung, und auch hierin ersetzte ihm sein Talent bald die Mittel und die vorteilhaften Bekanntschaften. Nachdem er auf solche Weise in Edinburgh den Grund zu seiner Ausbildung gelegt hatte, begab er sich nach London , um daselbst seine Stu- dien fortzusetzen; Es war diess zu einer Zeit, in welcher in Eng- land die ernste Historienmalerei wenig Anklang fand, auch im Genre-Fache nicht viel Heil zu finden war, und so verlegten sich selbst ausgezeichnete Talente auf die Porträtkunst . Und dazu ist auch Raeburn zu zählen, welcher als Bildnissmaler neben dem berühmten Lawrence seine Stelle fand. Er lieferte mehrere mei- sterhafte Werke, sowohl in charakteristischer Auffassung und Rein- heit der Zeichnung, als in Gediegenheit der Färbung und des Vortrags; Sein Colorit ist wahr, kräftig, von grosser Klarheit, und das Ganze mit einer Freiheit behandelt, wie dieses nur auf der Stufe hoher Meisterschaft zu finden ist. Alles dieses verdankte Rae- burn seinem eigenen Talente. Letzteres machte den armen Kna- ben zum berühmten Maler, es führte ihm die Tochter einer an- sehnlichen Familie als Gattin zu, erhob ihn in den Rittersstand und bereitete ihm ein glückliches Loos, da Raeburn ein sehr gebild- eter, characterfester und mässiger Mann war. Seine Tafel war nichts weniger als stark besetzt. Denn als er einst seinen Jugendfreund, den geistreichen John Clerk, nachmalig Lord Eldin, zum Essen eingeladen hatte, fand dieser nichts als drei Häringe und drei Kar- toffel auf dem Tische, und da Sir John in Verzweiflung ausrief, ob dann dieses Alles sei, sagte Raeburn zu seiner Frau: Habe ich dir denn nicht gesagt, dass ein Edelmann mit mir speise, und dass man sechs Häringe und eben so viele Kartoffeln aufsetzen müsse. A. Cunningham erzählt in seinen Künstler-Biographien mehreres aus dem Leben dieses Meisters, und macht dann auch noch die kindische Bemerkung, dass derjenige, welcher glauben würde, Raeburn sei einzig nur Portraitmaler gewesen, gegen diesen eine offenbare Ungerechtigkeit beginge; denn der Künstler hätte sich auch mit der Gärtnerlei befasst, sei enthusiastischer Blumenliebha- ber gewesen, habe mehrere Modelle zu Schiffen gefertiget, und sei zuletzt noch ein sehr geschickter Angler-Fischer geworden. Die- sen Künstler zählten aber auch mehrere belehrten Gesellschaften unter ihre Mitglieder, so wie die Kunstakademien zu London und Edinburgh. Zu seinen Meisterwerken gehöret neben den Bildern des Königs, dessen erster Portraitmaler er war, und jenen des Herzogs von Bedford, des Lord Douglas, des Lord Eldin, u. s. w. besonders auch das berühmte Bild des berühmten, Unbekannten mit seinem Hunde, seines Freundes Walter Scott, welches er zwei Tage vor seinem Tode vollendete, im Jahre 1823.

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