Pythagoras, berühmter Erzgiesser von Rhegium

Pythagoras, berühmter Erzgiesser von Rhegium, war Schüler des Klearchos und, nach Müller, Arch. S. 112, derjenige Künstler, der mit Kalamis die höchste Blüthe der griechischen Kunst vorbereitete. Über die Zeitbestimmung sind die Archäologen nicht ganz einig, da Plinius den Künstler zu weit herabsetzt, indem er ihn Ol. 87 blühen lässt, wo Pythagoras sicher schon im hohen Alter stand. Einen sichereren Anhaltspunkt gibt uns die Nachricht, dass er die Statue des Astylus von Croton, welcher im Doppelkampfe mehrmal siegte, gefertigt hat. Dies geschah vielleicht zum erstenmal Ol. 73 (Müller's Dor. II 497), und in zwei folgenden Olympiaden.

zu gefallen, welcher damals regierte, als Syrakusaner ausrufen liessen, was seine Landsleute so sehr verdross, dass sie seine Statue im Tempel der Juno Lacinia niederstürzten und sein Wohnhaus zum öffentlichen Kerker herabwürdigten, wie Pausanias VI. 13. 1 erzählt. Wenn also dies die Statue des Pythagoras gewesen ist, so muss der Künstler schon um Ol. 73 gearbeitet haben, Thiersch (Epochen S. 215) setzt den Anfang seiner künstlerischen Vortreff- lichkeit schon gegen Ol. 70, O. Müller die Thätigkeit desselben Ol. 75 — 87, Hirt aber (Arch. 151) lässt ihn erst in den achtziger Olympiaden von Clearch unterrichten,

Pythagoras hatte bereits genaue Kunde der Proportionen, zeich- nete sich in lebensvoller Darstellung der Muskeln und Adern aus, legte die Haare sorgsamer als andere, und war zugleich auch im ergreifenden Ausdrucke Meister, was damals etwas Seltenes war. Die Vortrefflichkeit dieses Künstlers erhellet auch daraus, dass er durch die Statue eines Pankratiasten, die er in Delphi aufstellte, selbst den Myron besiegte. Pythagoras war auch durch seine Ath- letengestalten mehr bekannt, als durch die Bilder der Götter und Herosen. Von Götterbildern nennt Plinius zwei Statuen des Apollo, welchen er als Kitharödos und als Tödteter der Schlange Pytho darstellte. Der erstere hatte den Beinamen des Gerechten, weil bei der Erstürmung von Theben durch Alexander ein Fliehender sein Gold in dessen Schoos barg, und es dort wieder fand. Die andere Statue ist nicht dem Eidechsentödter (Sauroktonos) ver- wandt, sondern als Schütze zu denken, vielleicht eine Andeutung des Ideals des Bogenschützen, welcher uns im Apollo von Belve- dere noch erhalten ist. Den Perseus stellte er mit Flügeln dar, wie auf dem Hesiod-Schilde. Proclus, Append. Anth. Pal. II. 782, legt ihm auch eine vorzügliche Statue des Bacchus bei, und ein nacktes Bild mit Äpfeln dürfte den Herkules vorgestellt haben. Dann bildete er auch den Zweikampf des Polynices und Eteokles, die Europa auf dem Stiere sitzend, und zu Syrakus sah man die Figur eines Lahmen, dessen Schmerz von der Wunde auch die Beschauer zu fühlen glaubten, wie Plinius bemerkt. Dieser Lahme ist wahrscheinlich der verwundete Philoktet, wovon sich keine Nachbildung erhalten hat. Man hat ihn zwar in einem Relief er- kennen wollen, wo eine Figur mit dem heraufgezogenen Fusse sich zeigt, abgebildet in Winckelmanns Werken [IV. 157. 58. Diese Meinung ist indessen wenig begründet, denn mit dem Her- aufziehen des Fusses war es allein nicht gethan; die Wirkung, welche die Alten dem Bilde des Pythagoras beilegten, ist, ohne höchsten, schmerzhaften Ausdruck des Kopfes nicht denkbar. Auch die nähere persönliche Charakteristik des Philoktet musste berück- sichtigt werden, um das Interesse zu erhöhen und den Eindruck zu verstärken.

Pausanias nennt mehrere athletische Figuren von Pythagoras, worin der Künstler ausgezeichnet war. Dahin gehört erstlich der Ringer Leontiscus aus Messana in Sicilien, wobei Pausanias be- merkt, Pythagoras sei in der Bildkunst nicht minder, als irgend ein anderer, geschickt gewesen. Das Bild des Astylus haben wir schon oben erwähnt, und eine dritte Statue ist jene des Mnaseas von Cyrene mit dem Beinamen des Libyers, der im Laufe der Schwer- bewaffneten siegte, und auch so vorgestellt war. Dieser drei Sie- gerstatuen erwähnt auch Plinius, der Text ist aber verdorben, wo- durch das Ausfallen mehrerer Worte der (Mnaseas) Libys jetzt in einen Knaben verwandelt ist, der eine Tafel hält. Über die Les-

Zu den Werken des Pythagoras zählt dann Pausanias auch noch den Siegeswagen des Kratisthenes von Cyrene, der denselben zu- gleich mit der Viktoria besteigt. Er war der Sohn des vorgenannten Wettläufers Minasens;

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