Puget oder Pujet, Pierre

Puget oder Pujet, Pierre, Bildhauer , Maler und Architekt , ge- boren zu Marseille 1622, gestorben daselbst 1694. Sein Vater Si- mon, ein Bildschnitzer , gab ihn einem gewissen Roman, der Ga- leeren erbaute, und schnitzte, in die Lehre, da aber der Schüler den Meister bald übertroffen hatte, drängte es ihn, Italien und Rom zu schauen. Er kam als 17jähriger Jüngling nach Florenz, und ohne Mittel und Freunde musste er hier jedwede Arbeit su-

  • chen, um nur sein Leben zu fristen. Nach Verlauf einer Jahres- frist ging er nach Rom, Hier ergriff er, von Berrettini's Ruf an- gereizt, den Pinsel, und machte auch in der Malerei so reissende Fortschritte, dass er bald die Manier seines Meisters völlig inne hatte. Man versichert sogar, dass eines seiner Gemälde einige Zeit für Cortona's Arbeit galt. Im Jahre 1642, nach zweijährigem Aufenthalte in Rom, rief ihn Berrettini nach Florenz , wo dieser Meister die Plafonds des Pitti zu malen den Auftrag erhalten hatte, allein Puget blieb nicht lange in dieser Stadt, sondern kehrte ins Vaterland zurück. Zuerst ging er nach Toulon , und wendete da seine Kunst zur äussern Verzierung der Schiffe an, leistete selbst vieles im Schiffsbau und erfand zweckmässige Maschinen, die bei demselben verwendet wurden. Der Admiral , Herzog von Breze, trug ihm auf, das Modell zu einem prächtigen Kriegsschiffe zu fertigen, und dabei erfand er jene herrlichen Gallerien, die be- wundert und nachgeahmt wurden. Hierauf ging Puget wieder nach Italien , und zeichnete während eines sechsjährigen Aufenthaltes in Rom fast alle Merkwürdigkeiten jener Stadt. Nach seiner Rückkehr (1653) beschäftigte er sich dann meist mit der Malerei, bis endlich 1657 eine Krankheit die Veranlassung gab, davon abzulassen.

Die Gemälde Puget's sind ausser seinem Vaterlande wenig be- kannt. Für die Königin Anna von Oesterreich verfertigte er ein Gemälde von 12 Schuh Grösse, welches ein von ihm errichtetes Gebäude vorstellt, bekannt unter dem Namen: la Reine, Für die Jesuiten zu Aix malte er eine Verkündigung und eine Heimsu- chung, von denen die erste später in das Cabinet des H. de Fons- Colombe kam, Die drei Gemälde, die ehemals die Cathedrale zu Marseille zierten, sind jetzt im Museum der Stadt. Sie stellen die Taufe Constantin's und Clodwig's, und einen Christus mit Engeln dar. Dann finden sich auch mehrere Staffeleigemälde von ihm.

Als Architekt hatte der Künstler eine hohe Meinung von sich. Er glaubte mit den Werken des klassischen Alterthums wetteifern zu können, wenn er Architekt des Königs wäre, Dann träumte er auch von einer neuen Säulenordnung. Puget fand auch Gele- genheit, bei verschiedenen Bauten sein Talent als Architekt gel- tend zu machen, bewies aber damit, dass sein Eigendünkel viel zu gross war, Er gab den Plan zum Rennplatze in Marseille, und wollte denselben mit einem Triumphbogen zieren, der aber nicht ausgeführt wurde,; Auch das Stadthaus dieser Stadt wurde nach seinem Plane erbaut, und mehrere Privathäuser zu Aix und Tou- lon verdanken, ihm ihren Ursprung, Die Kirchen der Charité und der Kapuziner zu Marseille wurden von ihm zu bauen begonnen,

Puget oder Pujet, Pierre. und von seinem Sohne beendigt. Auch in Genua, wo er später längere Zeit lebte, führte Puget einige Werke aus, wie den Haupt- altar der Kirche St. Cyr. Die Annunziata fing er zu bauen an, brachte sie aber nicht zu Ende. Das Modell ist in der Sakristei der Kirche.

Einen ausgezeichneteren Rang verdient indessen Puget als Bild- hauer. Er übte die drei Künste, wie Michel Angelo, und daher nannte man ihn den französischen Buonarotti. Sein erstes plasti- sches Werk sind die beiden Tritonen, welche den Balcon des Stadthauses zu Toulon tragen, und die Ludwig XIV. bewunderte. Im Jahre 1650 ließ ihn der Minister Fouquet nach Paris ein, um seine Gärten von Vaux-le-Vicomte zu verzieren. Weil in Paris der Marmor fehlte, so musste Puget selbst nach Carrara reisen, um die nöthigen Blöcke zu besorgen. Während man diese berei- tete und einschiffte, verfertigte der Künstler eine sitzende Statue des Herkules, der oft der Gallische genannt und später in der Kammer der Pairs aufgestellt wurde. Nachdem er bei Fouquet in Ungnade gefallen war, nahm er einen Ruf nach Genua an, indem er fürchtete, er möchte in Paris keine Arbeit mehr bekommen. Hier verfertigte er für den Dom die colossalen Statuen des Alexan- der Saoli und des heil. Sebastian, die mit Recht bewundert wird. Auch drei Statuen der heil. Jungfrau meisselte er, von denen die für Lomellini jetzt in der Bruderschaft des heil. Philipp ist. Für den Herzog von Mantua stellte er die Himmelfahrt in Basrelief dar, welches selbst Bernini bewunderte. Der letztere pries die Verdienste Pugets bei jeder Gelegenheit, und so berief ihn der Minister Col- bert wieder nach Paris. Der Künstler kehrte also nach einem neun- jährigen Aufenthalte zu Genua endlich wieder ins Vaterland zu- rück, und erhielt dort den Titel eines Directeur de la sculpture des vaisseaux und 3000 Fr. Pension. Als er nach Toulon kam, musste er vor allem die Gallerie des Schiffes verfertigen, welches den Namen le Monarche hatte. Dann führte er auch eine Menge Zeichnungen zum Gebrauche der Marine aus, sehr fein auf Velın getuscht. In Toulon stellte Puget auch die Statue des Milo von Croton auf, an welcher man den Ausdruck, die Stellung und die Ausführung bewunderte. Diese ausgezeichnete Statue wurde 1683 nach Versailles gebracht, wo sie selbst Le Brun der vorzüglichsten Achtung würdig fand, und sie ist wirklich als frühes Beispiel des Geschmackes am Grässlichen von ausserordentlichem Werth. Der Künstler erhielt äuch den Auftrag, ein Gegenstück zu verfertigen, welches man in der Gruppe des Perseus und der Andromeda be- wunderte. Dieses Werk befindet sich jetzt im Garten zu Ver- sailles und das erste in einem Saale des Louvre. Die Stadt Mar- seille ertheilte ihm den Auftrag, das Modell zu einer Reiterstatue Ludwigs XIV. zu machen, um sie in Bronze zu giessen. Puget erfüllte das Begehren, aber das Werk kam nicht zu Stande. Im Jahre 1600 vollendete er das Basrelief des Alexander bei Diogenes, welches vom Neide verdächtiget, lange Zeit in einem Magazine des Louvre verborgen lag, bis es zu Anfang unsers Jahrhunderts im Vestibulum der Schlosskapelle zu Versailles befestiget wurde. Zu eben dieser Zeit führte er auch das Basrelief mit der Pest zu Mailand zur Zeit des heil. Carolus Borromäus aus, welches Cay- Jus in Kupfer bekannt machte. Dieses Werk fertigte er für den Abbe de la Chambre, Pfarrer von St. Barthelemy zu Paris, konnte es aber nicht ganz vollenden, weil ihn der Tod überraschte. Das Basrelief blieb desswegen wahrscheinlich in Marseille, wo es die Administratoren der Consigne für 30,000 Fr. kauften, und wo man es noch sieht.

Jeaurat stach das von seinem Sohne gemalte eigene Bildniss des Künstlers; Coelemans die heil. Jungfrau, welche das Jesuskind le- sen lehrt, für das Cabinet d'Aguilles ausgeführt, so wie eine Land- schaft mit der heil. Familie, die am Ufer des Flusses, nach dem Schiffer ruft, um selbe überzusetzen; Thomassin die beiden er-

wähnten grossen Gruppen, und jene des Milon L. Desplaces noch besser, beide von Landon umrissen, IX. 85; Coussin die Ansicht eines Seehafens; Caylus die Pest von Mailand; Moureau dieselbe Darstellung.

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