Prudhon, Pierre Paul, Historienmaler , geboren zu Cluny 1758, gestorben zu Paris 1823. Prudhon, ein mit ausgezeichnetem Ta- lente begabter Künstler, der französische Correggio genannt, war der dreizehnte Sprössling eines Maurers, der bald nach der Geburt seines Sohnes starb, und diesem nichts hinterliess, als seinen Na-
gen, und musste es dem Himmel danken, dass sich die Mönche von Cluny des Knaben annahmen und ihm in ihrer Abtei unent- geltlich Unterricht ertheilten. Hier zeigte sich bald seine vorherr- schende Neigung, er beschäftigte sich am liebsten mit Zeichnen, Malen und Bossiren. Seine Hefte wären voll Entwürfe mit der Feder, das Messer diente ihm, um aus Seife Figuren zu schneiden und die Pflanzen und Blumen boten Stoffe zur Bereitung seiner Farben. Diese glückliche Anlage konnte nicht verborgen bleiben, der Ruf des jungen Malers drang bald bis zu den Ohren des Bischofs Moreau von Masson, der den Jüngling unter seinen Schutz nahm und ihn der Leitung des M. Devosges zu Dijon übergab. Seine Fortschritte waren rasend; aber es trat jetzt ein Umstand ein, der dem rechtschaffenen und liebenswürdigen Künstler sein ganzes Leben verbitterte. Sein Hang zur Sinnlichkeit liess ihn zu einer Person Neigung fassen, die seiner nicht werth war, aber dennoch glaubte er gegen die Vorstellungen derjenigen, die sich für sein Talent und sein Glück interessirten, eine Verbindung schliessen zu müssen, die ihm die schönsten Jahre seines Lebens trübte. Das verhängnissvolle Band war jetzt geknüpft, aber es hinderte den Künstler nicht, noch ferner den Studien obzuliegen, und er begab sich daher 1780 nach Paris. Drei Jahre darauf concurrirte er um den grossen Preis, welchen die Stände von Burgund demjenigen bestimmten, der das beste Gemälde lieferte. Es eröffnete sich die- sem die erfreuliche Aussicht, in Rom die erhabenen Meisterwerke schauen und sich an ihnen erkräftigen zu können. Während er arbeitete, hörte er seinen Nachbar, der ebenfalls Maler war, durch die dünne Wand über die Unzulänglichkeit seiner Kräfte seufzen, und Prudhons Herzensgüte beschloss sogleich, denselben zu unter- stützen. Er vollendete ihm sein Gemälde, ohne zu träumen, dass er dadurch dem andern den ersten Preis gewinnen helfe. Doch es fanden sich hier zwei edle Charaktere. Der junge Künstler, ge- rührt von der Edelmüthigkeit Prudhons, verzichtete auf den Preis, den er nicht verdient hatte, und die Pension fiel demjenigen zu, dem seine Kunst die nächsten Ansprüche darauf gab.
Prudhon ging nun nach Italien und wanderte durch die Thore der ewigen Roma. Er hielt sich hier lange auf, aber machte we- nige Studien, copirte nichts, sondern beschäftigte sich blos mit Betrachtung der erhabenen Schöpfungen der Kunst, die sich sei- nem Auge darboten. Desswegen machte man ihm den Vorwurf, dass er die Antike nicht studirt und seine Zeichnung darnach nicht geregelt habe. Doch dem Künstler lag alles an seiner Originali- tät, die er einmal hehaupten zu müssen glaubte. Er ging ei- nen ganz eigenen Weg, auf dem er nur durch ausgezeichnetes Talent sich halten und weder Schüler noch Nachahmer erwerben konnte. Die Genialität seiner Erfindungen und die Lebendigkeit, womit er sie ausführte, so wie das eigenthümlich Anmuthige, das in seinen besten Gemälden herrscht, machte allen Tadel schweigen. Auch seine Köpfe sind lieblich, aber sie gleichen sich fast überall.
In Rom lernte Prudhon den berühmten Bildner Canova kennen, und lieben und eine enge Freundschaft verband beide bis zum Tode. Canova wollte den Freund bereden, Frankreich hinfort zum Va- terlande zu wählen, doch Prudhon ging 1780 wieder nach Frank- reich, wo er anfangs arm und unbekannt lebte. Er malte in Mi- niatur und entwarf einige Zeichnungen, welche seinen Ruf grün- deten. Es sind dieses drei Stücke, welche Copa gestochen hat: Die Rache der Ceres, Amors Rückkehr zur Vernunft und das Ge-
Der Künstler lebte jetzt in gutem Wohlstande, aber leider konnte er sich von einem Weibe nicht frei machen, welche ihm durch ihre Pflichtvergessenheit so vielen Kummer verursacht hatte. Acht- zehn Jahre ertrug er sein Unglück, ohne sich zu beklagen, doch war jetzt sein Inneres so sehr angegriffen, dass ihn eine immer mehr überhandnehmende Melancholie in das Grab gebracht haben würde, wenn ihn nicht einige Freunde bewogen hätten, sich von diesem Weibe zu trennen. Von dieser Zeit an lebte Prudhon meh- rere Jahre allein und erlangte auch die Ruhe seines Geistes und den Frieden seiner Seele wieder; doch sein Herz musste lieben und ein neues zärtliches Verhältnis war die Quelle zu neuen Lei- den. Aber dennoch blieb seine Liebe zur Kunst ungetrübt, und so hatte er die Freude, 1808 endlich glänzende Anerkennung zu finden. Er brachte damals das ausgezeichnete, durch H. C. Mül- lers Stich bekannte, Gemälde zur Ausstellung, welches Psyche vor- stellt, wie sie von den Zephiren entführt wird, später eine Zierde der Gallerie Sommariva. Bewundert wurde auch ein anderes, wel- ches der Präfekt für den Audienzsaal des Assisenhofes bestellt hatte und auf welchem man das Laster von der Gerechtigkeit und der Rache des Himmels verfolgt erblickt, jetzt im Museum des Louvre; doch sind nach Dr. Waagen (Kunstwerke und Künstler III. 729) beide nicht geeignet, den Künstler von seiner günstigsten Seite zu zeigen, nämlich in einer dem Correggio verwandten Gra-
Prud'hon war Zeichnungslehrer der Kaiserin Josephine, und als solcher fertigte er die Zeichnung zu der Wiege und dem Toilette- Tische, welche die Stadt Paris derselben überreichte. Er war seit 1816 auch Mitglied des Instituts, seines trefflichen Charakters we- gen überall geehrt und geliebt, und sein Leben würde jetzt ruhig dahingeflossen seyn, wenn ihm nicht 1821 der Tod diejenige ent- rissen hätte, die ihm seit 18 Jahren die zärtlichste Sorgfalt geweiht hatte, seine ehemalige Schülerin Mlle. Mayer. Gebeugt durch so viele Unglücksfälle, zog er sich in die Einsamkeit zurück, aus welcher ihn sein Schüler Boisfremont zwar hervorzog, doch ohne die Melancholie zerstreuen zu können, die an seinem Leben nagte. Er fand nur dann noch Erleichterung, wenn er an dem Gemälde - arbeitete, welches Mile. Mayer entworfen, aber nicht mehr vollend- et hatte. Es stellt eine unglückliche Familie dar, welche den sterbenden Vater umringt. Dem Künstler galt dieses, auch in meh- reren Copien vorhandene, Bild als ein Denkmal, welches er seiner betrauerten Freundin errichtete. Er hat das Gemälde selbst litho- graphirt und zu Tasso's Amint geätzt. Toussaint Caron hat es ge- stochen. Anderthalb Jahre darnach ruhte er auf dem Père-La- chaise neben Mile. Mayer. Im Jahre 1824 erschien zu Paris: No- tice historique sur la vie et les ouvrages de Prud'hon, par Vioart.
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