Procaccini, Giulio Cesare, Maler und Radierer , der Bruder des Obigen, wurde 1548 zu Bologna geboren, und anfangs in der Bildhauerei unterrichtet, bis er endlich die freiere und minder mühselige Kunst der Malerei ergriff. Er besuchte in Bologna die Akademie der Carracci, soll aber, von Annibale mit einem beißenden Witz beleidiget, ihn geschlagen und verwundet haben. Wann dieses geschehen, ist unbekannt; wahrscheinlich in früherer Zeit, nicht 1609 bei der Uebersiedlung nach Mailand , wo Procaccino bereits ein großer Maler war. Nach seinem Austritt aus der Schule der Carracci reiste er nach Rom , um Rafael's und Michel Angelo's Werke zu studiren; zu Venedig bewunderte er Titian, besonders aber scheint er in Parma die Werke Correggio's studirt zu haben, und einige glaubten auch, keiner habe sich dem Style jenes großen Meisters mehr genähert, als Giulio. In Cabinetbild- ern mit wenigen Figuren ist er auch oft mit Correggio verwech- selt worden, obgleich er in Anmut und Kraft der Farbe seinem Vorbilde nicht gleichkommt. Eine Madonna von ihm zu St. Louis der Franzosen in Rom wurde zu Lanzi's Zeit als Allegri's Werk gestochen. Bilder im Style Correggio's sah Lanzi auch im Palaste Sanvitali zu Parma, im Palaste Carochi zu Genua und anderwärts.
Ein schönes Bild dieser Art ist auch im Berliner Museum: Jo- seph, dem der Engel im Traume erscheint. Vortrefflich sind auch zwei Bilder in der Pinakothek zu München: eine heil. Familie mit einem Engel, der dem Kinde ein Gefäß mit Blumen reicht, und eine zweite heil. Familie, wo der Engel dem Christuskinde Blumen und einen Apfel reicht. In der Gallerie zu Dresden ist ebenfalls eine schöne heil. Familie von ihm, wo das Kind nach Früchten langt, die der eine von den beiden Engeln im Korbe trägt. Auch in Mailand, zu Turin, zu Florenz u. s. w. sieht man in den Gallerien gute Bilder von Procaccini, so wie in der kaiser- lichen Eremitage zu St. Petersburg, wo fünf Bilder von ihm sind, auch jene Vermählung der heil. Catharina aus Houghtonhall, die V. Green für Boydell gestochen hat. Diese Werke haben theil- weise sehr gelitten. Unter Procaccini's vielen Altarblättern ist nach Lanzi jenes zu St. Afra in Brescia das am meisten Correggi- sche. Es stellt die Madonna mit dem Kinde und einige Engel und Heilige dar, die es liebkosen und anlächeln, der Künstler hat aber hier auf Kosten der Anmut die Grenzen des Schicklichen über- schritten, wie in der Verkündigung zu St. Antonio zu Mailand, wo die heil. Jungfrau und der Engel zusammenlachen. Auch in den Bewegungen ist er etlichemal in das Uebertriebene gefallen, wie im Marterthum des heil. Nazarius in der Kirche des Heiligen zu Mailand, wo der Henker in allzu gezwungener Bewegung ist.
J. Camerata stach die heil. Familie in der Dresdner Gallerie; Waudelaer dieselbe; G. Seuter die Ehebrecherin vor Christus in der Gallerie zu Sanssouci; D. Claessens Maria mit dem Kinde, Johannes und einem Engel, in der Wiener Gallerie; P. Landry die Anbetung der Hirten; C. Ferreri die Madonna mit St. Franz und St. Carl dem Borromäer, für das neue Turiner Galleriewerk etc.
— Folgende Blätter sind von ihm selbst sehr frei und geistreich radirt. Bartsch erwähnt deren nicht.
Maria, in halber Figur, hält das Kind auf dem rechten Arme sitzend, neben ihm rechts ist Joseph, und über ihrer linken Schulter wird der Kopf eines Engels sichtbar. Ohne Namen. H. 6 Z., Br. 4 Z. 6 L. Sehr selten.
Der Leichnam Jesu von den Seinen beweint, halbe Figuren. Joseph von Arimathäa hält ihn links in seinen Armen, und rechts sieht man Maria und Magdalena, erstere mit gefalteten Händen über der Brust des Heilandes. Hinter Joseph blickt Papst Johannes hervor. H. 6 Z. 3 L., Br. 5 Z. 0 L. Unten ist ein Rand von 1 Z. 4 L. Höhe; mit einem leeren Wappenschild. Ohne Namen. Beide Blätter werden in Frenzel's Catalog der Sammlung des Grafen Sternberg-Manderscheid dem G. C. Procaccini beigelegt, ersteres auch von Huber und Rost.
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