Procaccini, Camillo

Procaccini , Camillo, Maler, geboren zu Bologna 1546, gestorben zu Mailand 1626. Dieser, schon von Lomazzo gerühmte, Künstler war der beste Schüler seines Vaters Ercole; er sah sich aber auch in der Schule der Carracci um, und wenn seine Biographen sichere Nachrichten haben, so studirte er auch in Rom Rafael's und Michel Angelos Werke. In seinen Bildern zeigt sich indessen vor allem die Nachahmung Correggios und Parmigianinos, zum Theil mit grossem Glücke. Procaccini hatte ein ausgezeichnetes Talent, aber seine Leichtigkeit in Auffassung und Darstellung verleitete ihn zu mannigfachem Missbrauch. Er zog die Natur nicht immer zu Rathe, glaubte es auch mit der Zeichnung nicht durchhin strenge nehmen zu müssen, besonders wenn er ausserhalb Mailand arbeitete, und so suchte er häufig nur die Phantasie zu befriedigen, ohne sich viel um den Verstand zu bekümmern. Eine lobenswürdige Ausnahme machen die besseren Arbeiten in den Kirchen und in der Gallerie zu Mailand. In diesen zeigt sich eine eigenthümliche, Milde der Auffassung, die zu weilen an die aussprechende Weise des Sassoferrato erinnert,

Unter diesen Bildern nennt man besonders eine Madonna mit dem Kinde in S. Maria del Carmine, und eine Anbetung der Könige in der Brera. Im Dome malte er in seiner früheren, strengen Weise mehrere Mysterien des Heilandes an den Orgelflügeln, und zwei Geschichten Davids, welche Malvasia umständlich beschreibt. Die Bilder in Mailand schätzt aber Lanzi nicht so hoch, wie das jüngste Gericht in S. Procolo zu Reggio, welches für eines der schönsten Wandgemälde der Lombardei galt, und den heil. Rochus unter den Pestkranken, jetzt in der königl. Gallerie zu Dresden, ganze Figuren über Lebensgrösse, worin sich die Phantasie des Künstlers in ihrer ganzen Fülle zeigt. Im Dome zu Piacenza malte er in Concurrenz mit L. Carracci, einem gefährlichen Nebenbuhler, vor welchem er viele Mängel offenbarte. Camillo stellte da in der Tribune die Krönung der heil. Jungfrau, mit einer reichen, lieblichen Glorie von Engeln dar. Umher malte Ludovico andere Engel und gegenüber die Väter der Vorhölle, Gestalten von grösserer Würde als Camillo's Gottheit. Dies ist auch mit den Madonnen der Fall, welche beide als Gegenstücke malten. Auch zu Bologna, wo man jetzt in der öffentlichen Gallerie die Geburt Christi aus der Capelle Ghisilieri sieht, in Ravenna, zu Pavia und in Genua sind Bilder von ihm, so wie denn Camillo fast für zehn Maler gearbeitet hatte, wesswegen ihn mehrere den lombardischen Vasari und Zuccaro nannten, die er aber nach Lanzi's Bemerkung in Süssigkeit des Styls und Colorits übertrifft. In der St. Peterskirche zu Rom ist die Mosaik, welche den Hauptmann Cornelius vorstellt, nach seinem Oelgemälde gefertigt. Auch in auswärtigen Gallerien sind Bilder von diesem Künstler zu finden, wie in Wien, zu München u. s. w.

J. Camarata stach das berühmte Bild des heil. Rochus unter den Pestkranken für das Dresdner Galleriewerk; Hess eine heil. Familie, ein Duodratblattchen ohne Namen; mit Justus Sadeler exe. ist die Stigmatisation des heil. Franz bezeichnet; Ant. Wierx stach den Tod des heil. Franz; A. Blooteling die Versuchung des heil. Antonius in der Wüste; H. David die Madonna mit St. Peter und St. Antoni; J. Longhi die Ruhe in Aegypten, als Gegenstück zur heil. Familie nach Rafael von Hess; D. Clasens eine

heil. Familie; J. Meyer die Flucht in Aegypten; J. Orlandi eine ähnliche; M. Oesterreich die Ruhe in Aegypten; Mulinari ei- nige Blätter nach Handzeichnungen; Ph. Thomassin, den heil. Stephan; Granara St. Joseph mit dem Jesuskinde in den Armen; M. Cosway die heil. Jungfrau auf dem Throne; St. Sebastian von fünf Engeln umgeben.

Procaccino: hat ebenfalls einige Blätter radirt, ebenso leicht als Radierstreich. Man bewundert vor allem No. 1, sowohl wegen der Zierlichkeit der Zeichnung, als wegen der meisterhaften Ausfüh- rung mit der Nadel. Bartsch, P. gr. XVIII, beschreibt 5 Blätter und ein zweifelhaftes. Wir fügten einiges hinzu.

  1. Die Ruhe auf der Flucht nach Aegypten in einem Haine beim Wasser. Maria, links am Hügel sitzend, reicht dem Kinde die Brust, und hinter ihr steht Joseph. Auf der Ta- fel, die am Baumaste hängt, liest man: Procaccini F. H. 6 Z. 6 L., Br. 9 Z. 0 L. Im ersten Drucke vor Mariette's Adresse rechts unten. Bei Weigel 1 Thl. 4 gr. vor der Adresse. Eine andere Ruhe auf der Flucht in Aegypten. Maria, rechts sitzend, betrachtet das schlafende Kind, und hinter ihr steht Joseph mit der Citrone in der Linken. Rechts unten am Steine: Camillo Procaccini Bol. Invent. Incid. 1503. H. 9 Z. 9 L., Br. 7 Z. 7 L. Wolfg. Kilian hat dieses Blatt von der Gegenseite copirt. Eine dritte Ruhe der heil. Familie. Maria, mit dem schla- fenden Kinde auf dem Schoße, sitzt in Mitte des Blattes unter einer Baumgruppe. St. Joseph lehnt sich im Vorgrunde rechts auf den Sattel des Esels, von welchem man nur den Kopf sieht. Auf dem Täfelchen am Baume steht: Camillo Procaccini Invent. Incid. Unten: Caspar Dolati. Bol. exc. H. 8 Z. 1 L., Br. 10 Z. Es gibt eine sehr geistreiche Copie von der Gegenseite, die Bartsch nicht kannte.
  2. Die Transfiguration auf dem Tabor, Moses und Aaron zu den Seiten des Heilandes schwebend, am Fusse des Berges die Jünger, nach dem Gemälde, welches Procaccini für St. & Fidele in Bologna gemalt hat. Am Steine steht: Camillo Proc- accini Invent. Incid. H. 20 Z. 6 L., Br. 12 Z. 6 L. Im ersten Dru- cke ist nur das rechte Auge Christi nach dem Himmel erhoben, aber undeutlich; im zweiten sind beide Augen deutlicher und in einer bestimmten Richtung nach aufwärts geändert. Der Heiland ist nur durch Punkte ausgedrückt. St. Franz. von Assisi empfängt die Wundmale, im Grunde weite Landschaft. Am Steine nach der Mitte unten: Ca- millo Procaccini Bol. Invent. Incid. 1503. Im Rande: Sig- nasti Domine Tuum Franciscum Signis Redemptionis Nostre, H. 19 Z.; Br. 12 Z. 6 L. Obigen Satz, „Signasti“ etc. setzt Bartsch in den Rand, auf einem Abdrucke der Aretin'schen Sammlung steht aber oben: Signasti Domini servum tuum Franciscum etc. Gibt es zweierlei Abdrücke?

Zweifelhafte Blätter Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Schoosse, wel- chem ein Engel den Korb mit Früchten reicht. Der kleine Johannes hält ein Kreuz und Bandrolle. Im Grunde sieht man links zwei grosse Engel, und rechts Joseph, der das Jesuskind betrachtet. Malvasia und nach ihm Oratori legen

  1. St. Hieronymus, bei einem Felsen sitzend, hält das Kreuz mit einer Dornenkrone in der Rechten, die Linke mit dem Rosenkranz legt er über dieselbe, und der Löwe liegt. H. 7 Z., Br. 7 Z. 11 L. Dieses sehr geistreich radirte, von Bartsch nicht erwähnte Blatt ist ohne Namen, und hat viel Aehnlichkeit mit Procaccino's Werk. In der Sammlung des Grafen Sternberg-Manderscheid war ein Abdruck.

  2. Der kleine Heiland schlafend, sehr geistreich radirt. Dieses Blatt wird im Cataloge der Sammlung des Herrn von H***, Wien 1826, dem Procaccini beigelegt.

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