Preller, Friedrich

Preller, Friedrich, Landschaftsmaler , wurde zu Weimar ge- boren, und daselbst erhielt er auch seine früheste Bildung. Spä- ter schickte ihn der verstorbene Grossherzog auf Reisen, und auch die jetzt regierenden Herrschaften unterstützten durch Aufträge das Talent dieses ausgezeichneten Künstlers. Zuerst wendete er sich nach Antwerpen , um unter van Bree sich weiter auszubilden, endlich aber begab er sich zu gleichem Zwecke nach Italien . Preller malte um in Rom verschiedene Landschaften mit Staffage von Figuren und Thieren, fertigte aber noch mehr Zeichnungen mit der Feder und in Wasserfarben, und fing schon damals an, seinen Ruf zu gründen, da sich in seinen Bildern grosse Wahrheit und ein inniges Naturgefühl aussprach. Seine Landschaften ver- riethen frühe eine durch gründliche Studien geübte Hand, sie sind eben so trefflich gemalt, als sinnig componirt. Ein mei- sterhaftes Bild seiner früheren Zeit ist jenes, welches einen Ei- chenwald gegen Anfang des Herbstes vorstellt, im Besitz der Gross- herzogin kaiserlichen Hoheit. Bilder von solcher Bedeutung malte aber Preller mehrere, es würden ihm aber auch grössere Aufträge zu Theil. Im Jahre 1834 begann er in einem Salon des Hauses des Dr. Härtel zu Leipzig einen Cyclus aus der Odyssee und andere Gegenstände auf die Wand zu malen. Man sieht da in einem grossen Parterrezimmer an der Hauptwand ein grosses Mittel- und zwei Sei- tengemälde, und ausserdem sind zwischen Thüren und Fenstern noch vier ansehnliche Pfeiler, deren jeder mit einem viereckigen Bilde geziert ist. Zur Ausführung der Bilder brachte Preller die Temperamalerei in Vorschlag, eine Technik, die in neuerer Zeit nur wenig mehr geübt, von den älteren Landschaftsmalern aber, wie von Poussin u. A., häufig angewendet wurde. Ueber die Behandlung der Tempera, und wie glücklich hierin Preller sich bewegt hat, ist das Kunstblatt von 1837, No. 2 und 5, nachzule- sen. Doch auch in der malerischen Anordnung hat Preller voll- kommen Genüge geleistet. Er versetzt uns in die homerische Welt, und führt die Gefahren, Leiden und Abentheuer des Odys-

Blick; den Polyphem, die Erlegung des Hirsches, den Palast der Circe, die Calypso, die Nausikaa, die Nymphegrotte, die Erkenn- nungsscene. Ueber diesen Bildern ist ein Fries, der in Abtheilun- gen auf gelbem Grunde eine Reihe von Abentheuern enthält, nach

Rückmann's Zeichnungen von Preller gemalt. Er vollendete die Arbeit 1830, nachdem er mit Unterbrechungen, die seine Stelle als Lehrer an der Kunstschule in Weimar erheischten, ungefähr zehn Monate damit zugebracht hatte. Im Jahre 1836 malte er auf Auftrag der Grossherzogin eine grosse Landschaft in Oel, die neben anderen zur Verschönerung des Conseilsaales im neuen Schlossflügel zu Weimar be- stimmt war. Preller hat im Bilde der Wartburg eine treffliche historische Landschaft geliefert. Ein Regen ist vorüber gezogen, der letzte Strahl der Sonne beleuchtet die Burg und den Weg. Landgraf Friedrich der Gebissene kämpft mit seinen Streitern im Schatten des Abenddunkels mit den Eisenachern, um seine Tochter ungehindert nach Tenneberg zur Taufe zu bringen. Die Amme hält auf dem Wege, um das schreiende Kind zu beschwichtigen. Bewunderungswürdig, heisst es im Kunstblatte 1836, ist die Treue, womit der Künstler die Natur in einem bewegten Moment abge- schrieben, und die Kühnheit, womit er zugleich aus dem Vorhan- denen ein poetisches Bild gestaltet hat. Weder in Wahrheit und Bewegung des Baumschlages, noch in Kraft und Richtigkeit der Färbung, noch in edlem Style der Anordnung möchte diese Land- schaft irgend einem ähnlichen Werke von Zeitgenossen nachzuse- tzen seyn, ja in ersterer Beziehung wohl den meisten voranstehen. Der Künstler hat dieses Gemälde selbst radirt. Ein zweites grosses Bild im Conseilsaale, 1837 begonnen, stellt eine Parforcejagd des Grossherzogs Carl August von Weimar dar, in einer Waldgegend bei Ilmenau, die hohe Eiche genannt. Dieses Bild soll jenes der Wartburg an Naturwahrheit und schöner Haltung noch weit über- treffen. Im grossherzoglichen Schlosse zu Weimar sind auch herrliche Tempera malereien von Preller. Er malte jenes Zimmer aus, welr ches zum Andenken Wieland's bestimmt ist. Hier sind die land- schaftlichen Darstellungen und der decorative Entwurf von ihm, ein reich verziertes Ganze, welches der heiteren Anmuth und dem glänzend Phantastischen in Wieland's Dichtungen entspricht. Auf hockrothem mit Goldarabesken teppichartig eingefasstem Grunde zeigen sich fünf landschaftliche Bilder aus Oberon, welche der Künstler 1853 vollendete. Im ersten Bilde erscheint Oberon dem Hüon vor dem Klosterhofe, das zweite zeigt eine weite Landschaft mit dem Meere und dem Hafen von Askalon, und im Schatten der Bäume sitzen Hüon, Amanda und Fatme, während Oberon im Vorgrunde von dem Schwanenwagen steigt. Im dritten Bilde be- finden wir uns auf der einsamen Insel, wo Hüon und Amanda mit dem Einsiedler in stiller Zufriedenheit lebten, bis die Standhaftig- keit der Liebenden auf eine neue Probe gestellt wird. Hüon, an den Baum gebunden, macht die einzige Staffage der Abendlands- chaft. Das vierte Bild führt uns in das Innere eines maurischen Hofes, wo Hüon und Amanda, auf dem Scheiterhaufen gebunden, von Oberon gerettet werden. Das letzte Bild endlich stellt einen frühen Morgen dar; Hüon und die Seinigen unter Bäumen gelagert, erblicken die Stadt Paris, aus welcher die Ritter zum Turnier zie- hen. Die Ausführung dieser sämmtlichen Gemälde ist überaus fleissig und so kräftig, als man es von der Tempera er-

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