Praxiteles vollendete das Ideal des Dionysos, in mehreren Bildern theils in Marmor

Praxiteles vollendete das Ideal des Dionysos, in mehreren Bildern theils in Marmor, theils in Bronze. Im Tempel zu Elis sah man die Statue dieses Gottes in Erz, vielleicht die von Kallistratos beschriebene, ein reizender Jüngling mit Efeu bekränzt,

In seinem Eros stellte Praxiteles die vollendete Schönheit und Liebenswürdigkeit des Knabenalters dar, und bildete das Ideal des- selben. Zu den berühmtesten Erosstatuen gehörten jene, welche zu Thespiä und in Parion an der Propuntis waren, Der Amor zu Thespiä war von pentelischem Marmor, ein Knabe in der Jugend- blüthe mit vergoldeten Flügeln, von der Phryne (oder Gly- cera) geweiht. Diesen Eros raubte Caligula, wurde aber unter Claudius wieder zurückgebracht, bis ihn Nero wieder holte. Zu Plinius Zeit stand er in Octaviae scholis, später ging er aber durch Brand zu Grunde. Man reiste, um dieses Bild zu sehen, früher

nach Thespiä, so wie um der Venus willen nach Cnidus. Meno- dorus hat es copirt, und mit dieser Copie musste man sich in 'Thes- pia begnügen. Man glaubt noch gegenwärtig eine Nachbildung des thespischen Eros zu besitzen, in dem schönen Torso des Vatı- kans, mit schmachtendem, fast tiefsinnigem Ausdrucke des Gesichts, der sich auch im Museum von Neapel vollständiger, mit Flügel- ansätzen, wiederholt; Mus. Borbon, VI. 25. Der erwähnte Torso in Rom , der zu Cantocelle gefunden wurde, ist abgebildet im Mus. Pio-Clementino I, 12.; Mus. Nap. I. 64., Bouillon I. 15. Aehnlich, nur auch schlanker und zarter, ist die sehr schöne der griechischen Kunstblüthe angehörige Erosstatue, die aus der Elgin'schen Samm- lung in das brittische Museum überging, R. XV. 305. Denkmäler der alten Kunst Tf. 35. Bekanntlich hat auch Lysippus, um mit Praxiteles zu wetteifern, einen Amor nach Thespia verfertiget, und dies könnte das Bronzebild seyn, welches Callistratus dem Praxi- teles beilegt. Vielleicht war es der Bogenschütze Amor, der in vielen Nachbildungen vorkommt. Eine Copie desselben vermuthet man in dem berühmten Cupido zu Florenz, Mus. fiorent., IL, 42. Visconti glaubt, dass der Capitoliuische Eros, Mus. Capit., tav. 24. die wahre Copie des Lysippischen sei. Dieser ist auch im Mus. Nap. I. 63 abgebildet. Dann hat man diesen Bogenschützen auch auf mehreren geschnittenen Steinen. Millin monum. ined. IL Liv. 1. pl. 1. und pag. 411. Alles dieses beweiset, dass er einem berühmten Urhilde nachgebildet sei, ob aber jenem des Praxiteles oder des Lysippus, bleibt ungewiss. Zu Paros war eine zweite Erosstatue von Praxiteles, nackt, in der Blüthe der Jugend, an Schönheit der cnidischen Venus ähnlich, ebenfalls von Marmor. Ein dritter Eros von Praxiteles Hand und in Marmor, dem Thes- pischen ähnlich, kam ebenfalls nach Rom, da ihn Verres dem He- raeus in Messana wegnahm, e Praxiteles vollendete auch das Ideal der Aphrodite, die er un- verhüllt, in ihrer höchsten sinnlichen Reizfülle, mit dem Ausdruck der Liebe und des schmachtenden Verlangens darstellte. Die Herr- scherin der Liebe erscheint selbst als das von innerer Sehnsucht erfüllte, der Liebe bedürftige Weib. So tritt also in Praxiteles Werken die Verehrung der sinnlich reizenden Erscheinung an die Stelle der göttlichen Würde und Herrschergewalt, welche die frü- heren Bildner auch in den Gestalten aus dem Kreise des Eros und der Aphrodite auszudrücken gesucht hatten. Auf diese Richtung brachte den Künstler theilweise sicher auch sein Leben mit den Hetären. Manche unter diesen ganz Griechenland mit ihrem Ruhme erfüllenden Buhlerinnen erschien dem Künstler wirklich als eine in die Erscheinung getretene Aphrodite. Clemens von Alexandrien behauptet, dass Praxiteles in seiner Aphrodite die Kratina nach- gebildet habe; andere wollen die Phryne darin erkennen, die von ihm in Marmor gebildet auch in Thespiä und vergoldet in Delphi stand, wie wir aus Athenäus, Pausanias und Plutarch wissen, das Trojan hellenischer Wollust nach Krates. Vergl. Jacobs in Wieland's attischem Museum II. 2. S. 51. Aus Strabo wissen wir auch, dass Praxiteles die Glycera beschenkt habe. Vor ihm hatte es kein Künstler gewagt, die Venus nackt darzustellen, und auch seine von den Curiaten bestellte Aphrodite war noch ganz bekleidet, volata specie, wie Plinius sagt. Die nackte Venus, aus parischen Marmor, kam nach Cnidus, wohin alles strömte, um sie zu sehen. Sie war beim Tempel der Aphrodite Buplea in einer besonders dazu eingerichteten Capelle, in der für die Zuschauer von allen Seiten die Wände weggenommen werden konnten. Die wesentli- chen Züge dieser Göttin gibt Lucian Amores 13 ff., Imag. 6., und .

Praxiteles.

Hiernach, wie nach den Münzen von Onidus zu Ehren der Plautilla, erkennt man diese Venus in der Statue der vatikanischen Gärten (Perrier No. 85, Episcopius No. 46.), in der neu errichteten

im Mus. Pio-Clement. II. 1., und in der Statue in der Glyptothek

zu München aus dem Palaste Braschi; darnach in Büsten, Bonni- er, Jahn I, 63., und in Gemmen, Lippert Dactyl. I. 1. 81. H. Meyer, zu Winckelmann VI, 2. S. 143, Geschichte der Kunst II, 113, behaup- tete die Identität der Cnidischen und Mediceischen Venus ge- gen Heyne. Ant. Aufsätze I. 123., so auch Visconti Mus. Pio-Clem., I, p. 18, evezov. Ob die Mediceische Venus Abbild der Cnidischen sei. Berlin 1848. Auch Thiersch, Epochen S. 288, sagt, dass die Ve-

nus des Kleomenes (das Wunder der griechischen Sculptur in Flo-

renz) nach der des Praxiteles gemacht sei, woraus O. Müller, Arch. S. 129, 4. zu folgern scheint, dass Thiersch mit den genannten

Schriftstellern gleicher Meinung sei; allein Thiersch geht zunächst

nicht auf die Zeit ein, in welcher Kleomenes, der Schöpfer der me- dieischen Venus, gelebt hat, nämlich nach Praxiteles. Die For- men der Venus des Praxiteles waren nach Müller I, c, S. 120, 4.

grundsätzlich: das Gesicht, bei einem schmeichelnden lächelnden Aus- druck, doch von erhabenem Charakter und runderer Form, als bei der Mediceischen Venus. Das Haar war durch ein einfaches Band zusammengehalten. Die Nacktheit war bei ihr motiviert durch das Ablegen des Gewandes im Bade mit der Linken, die Rechte deckte den Schooss. Das Urbild kam später nach Byzanz, Plinius spricht auch von einer ehernen Venus des Praxiteles, und Pausanias er- wähnt eines Marmorbildes in Thespia. Eine Aphrodite dieses Künst- lers sah man ferner im Adonion zu Alexandria am Latmos, wie Stephanus von Byzanz benachrichtigt.

Auch im Kreise des Apollo gefiel es Praxiteles, Manches um- zubilden, wie er den jugendlichen Apollo in einem seiner schön- sten und geistreichsten Werke in Statuenfigur den edleren Satyrgestalten näher brachte, als es ein früherer Künstler gethan haben würde. Vorzüglich berühmt ist sein Apollo Sauroktonos (Eidechsentöter), von welchem sich häufige Nachbildungen in

Bronze und Marmor finden, von naiver Anmut und Lieblichkeit, dem Satyr auch in der Stellung der Füße sehr ähnlich. Früher glaubte man nicht allgemein, dass dieser Eidechsentöter den Apollo vorstelle. Seitz, Mag. encyclop. 1807. V. 259, verneinte. Jetzt sieht man darin eine Deutung der Eidechsen-Weissagung, aber spielend behandelt. Welker Akad. Kunstmuseum zu Bonn S. 71 ff. A. Feuerbach Vatican. Apollo S. 226. Abbildungen dieses berühm- ten Werkes siehe Mus. Pio-Clem. I. 15.; Villa Borghese St. 2 No. 5., Winckelmann M. J. I. No. 40, Mus. royal I. pl. 16. Auch auf Gemmen kommt diese Statue vor. Millin Pierres grav. pl. 5, und sonst. Ein Apollo dieses Meisters fand sich auch unter den Monumenten des Asinius Pollio, von welchem Plinius spricht, doch ohne nähere Angabe. Zu Megara sah man den Gott zugleich mit Latona und Diana in seinem Tempel, wie Pausanias erwähnt.

Berühmt war auch seine Statue der Diana, sowohl die Diana Brauronia, die auf der Burg in Athen stand, als die colossale zu Anticyra, mit der Fackel in der Rechten, den Köcher über der Schulter und den Hund zur linken Seite. Praxiteles bildete die Göttin nach dem Gleichnisse der Odyssee VI. 102, wo Nausikaa mit derselben verglichen wird, schlanker und höher, als die schlan- kste Frau. Boettiger, Andeutungen 1653, erkennt in dieser Statue die Diana succincta, wie man sie auf den Münzen von Mitylene, und in der Hauptstatue des Museo Pio-Clem. I. 31 findet.

Seine Latona sah man in einer der Zellen eines Dogpiltem- pels zu Mantinea zugleich mit ihren Kindern, An der Base der drei Statuen war in Relief eine Muse und Marsyas die Flöte spie- lend vorgestellt. Dann sah man sie in ihrem Tempel zu Ärgos thronend, mit Chloris, der einzig am Leben gebliebenen Tochter der Niobe, zur Seite. Plinius nennt dann noch eine Latona im

Tempel des Apollo Palatinus.

Auch die Juno stellte er in einer Statue zu Mantinea, thronend, und neben ihr stehend Minerva und Hebe. In Kolossa- der Grösse von pentelischem Marmor, als Telein, sah man sie in ihrem Tempel zu Platae, Hirt l. c. 216 sagt, mag es sich dabei leicht an den Junokopf der Villa Ludovisi ein, ein des Praxite- les würdiges Werk.

Hauptwerke des Künstlers sind ferner die Statuen der Ceres und der Proserpina, deren Ideale vermuthlich erst in der Praxiteli- schen Schule vollkommen ausgebildet wurden. Demeter erscheint matronaler und mütterlicher als Hera. In Tempel der Ceres zu Athen war sie mit Proserpina und Jacchus dargestellt. Ein Bild

dieser Göttin fand sich auch später in den servilischen Gärten zu

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