Pozzo, Andrea, . . . Maler und Architekt , geboren zu Vento , gestorben 1700. Die Bildungsgeschichte dieses viel gerühmten Künstlers ist nicht ganz im Klaren. Einige sagen, dass er als Knabe zu Mailand bei einem unbedeutenden Künstler in die Lehre getreten sei, der ihn aber davon geschickt habe, als er sich von dem Schüler übertroffen sah. Andere wollten wissen, dass Pozzo erst als Layenbruder die Malerei erlernt, als Scaramuccia die Je- suiten auf das Talent desselben aufmerksam gemacht hatte. Nach dieser Angabe wäre Andrea Koch oder Ausscheider der Jesuiten ge- wesen, allein es scheint, dass er schon tüchtige Kenntnisse in der
Malerei gehabt habe, als er ins Kloster trat, denn wir wissen eben-
falls, dass Pozzo in seiner Jugend mehrere gute venetianische und lombardische Meister copirt, und mehr seinem eigenen Talente als dem Unterricht verdankt habe. Die Jesuiten dürften dies er- kannt haben, und so nahmen sie den 23 jährigen Jungling gerne in ihr Kloster auf, der da, durch eine Predigt über die Gefahren des Weltlebens bewogen, vor denselben Schutz suchte. Sein Ruhm begann in Rom , wo er sich mehrere Jahre aufhielt, und sich uner- müdet im Zeichnen und Malen übte, aber nicht mit jener Strenge und Ueberlegung, welche wir in den Werken der älteren italien- schen Künstler gewahren. Seine Compositionen fesseln für den Augenblick die Menge durch eine gewisse Lebendigkeit, durch wohlgefällige Formen, und durch Frische der Färbung, bald aber bemerkt man den Schnellmaler, der sein grosses Talent nur dazu benutzte, die Welt durch eine ungewöhnliche Bravour des Malens in Staunen zu setzen. Dieses erzeugen aber seine Oelbilder nicht,
deren er jedoch wenige gemalt hat, man muss ihn in seinen archi-
tektonischen Verzierungen schauen, um seine Stärke zu bemes- sen. Als Perspektivmaler hat er öfter den höchsten Punkt der künstlichen Täuschung erreicht, wie seine Kuppeln in mehreren Kirchen seines Ordens zu Modena, Genua, Arezzo, Turin und Mondovi, wo er die gleiche Vorstellung, nur an letzterem Orte besser malte; zu Montepulciano, Rom etc. beweisen. Sein Haupt- werk ist das Deckengemälde der prächtigen Ignatiuskapelle zu Rom, wofür ihm die Mitwelt die Krone reichte, während die Nachwelt
dieses sein bestes Werk zum Beweise nahm, dass Pozzi, in der
Composition nicht klar sich bewusst, zu mystischen Allegorien seine Zuflucht genommen, auch nicht selten in der Zeichnung es verfehlt habe; der Färbung gebricht es an Harmonie, und wenn die Rohheit derselben in seinen auf die Ferne berechneten Fres- cogemälden sich etwas mässigt, so ist sie in seinen Oelbildern störend. Letztere sind indessen nicht zahlreich. In Ascoli ist der heil. Venantius, zu S. Remo der heil. Borgia, in der Jesuitenkir- che zu Trient das Hochaltarblatt des heil. Franz Xavier, und in der Jesuitenkirche zu Rom der heil. Ignatius . . . sorgfältiger als an- dere Bilder dieser Art, aber doch nicht gleich fleissig vollendet. Pozzi wollte sich einmal mit einem Gemälde nicht lange aufhalten,
Die Architektur war indessen Pozzi's grösste Stärke nicht, denn er ist hierin im hohen Grade ausschweifend. Milizzia sagt, dass nur derjenige seiner Lehre und seinem Beispiele folgen dürfe, der die Architektur auf den Kopf stellen wolle. In Wien baute er die Professhäuser seines Ordens, dann della Misericordia, della Ris- catto, della Mercede etc. Er fertigte auch die Zeichnung zum Al- tare des heil. Ignaz in der Jesuskirche zu Rom, an welchem er allen Reichthum seiner ausschweifenden Phantasie verschwendete. Ein anderers Muster dieser Art ist der Altar des heil. Ludwig Gon- zaga im S. Ignazio zu Rom. Frezza stach den grossen Plafond der St. Ignatiuskirche und drei andere geistliche Gegenstände. Th. Krüger hat einige seiner architektonischen Erfindungen gestochen, N. Dorigny den Altar im Collegio Romano zu Rom, und eine These, Mariotti den Altar des heil. Ignatius, und viele andere Kunstgrillen dieses sonst so guten, gefälligen und liebenswürdigen Bruders findet man in dessen eigenem Werke über Perspektive für Maler und Baumeister, unter folgendem Titel: A Puti prospettiva pictorum et architectorum, 2 Vol. Roma 1603 — 1700, fol. Mit englischem Texte zu London 1707, mit deutschem Augsburg 1700 bis Q. 1708 — 19, 1800.
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