Projekt Bernini’s, als auf jenes seines Bruders Claude bezogen,
sorgfältig niedergeschrieben hatte, weiß auch wirklich nicht,
von einer solchen, beide Künstler ehrenden Anekdote.
Quatremere de Quincy, in seiner Geschichte der berühmtesten Architekten,
hat auch mit Sicherheit dargethan, dass das Projekt des jetzigen Peristyls
des Louvre nach Bernini’s Abreise genehmigt, seine Ausführung aber erst
nach langen Berathschlagungen entschieden worden sei, nachdem
das Modell mit allen Theilen fertig dastand. Danach wurde
1670 das Werk vollendet. Obige Anekdote brachte
dennach Voltaire in Umlauf, welcher im Discours sur l’envie sagt:
„Ah! dit-il (Bernini), si Paris renferme dans son sein
Des travaux si parfaits d’un si rare génie,
Fallait-il m’appeler du fond de l’Italie ?“
Beurtheilungen des Perrault’schen Planes finden sich in mehreren
Schriften, die je nach der Ansicht, welche einer von der
Architektur hatte, verschieden sind. Ein neuerer Schriftsteller, oben
erwähnte Quatremere de Quincy, sagt, man müsse Perrault
die Gerechtigkeit widerfahren lassen, dass er an diesem Werke
mit grosser Geschicklichkeit die Richtigkeit und Schönheit der antiken
Verhältnisse wieder ins Leben gerufen, und die Reinheit der Profile,
die Eleganz der Formen, den guten Geschmack der Verzierungen,
die Correctheit der Details und die Vollendung der Ausführung
zu einem Grade gebracht habe, zu welchem vielleicht sonst
Perrault kein anderes Gebäude in Frankreich gediehen sei. Quatremere
nimmt ihn auch gegen den Tadel, der gegen die Kuppeln
der Säulen erhoben wurde, in Schutz, indem diese selbst
erheischt haben könnten, wenn das Kuppeln der Säulen
im Allgemeinen ein Missbrauch sei. Quatremere spricht auch
davon, dass das ganze Äussere des Louvre nach der Anordnung
seines Peristyls, und der gegen den Fluss hinsehende
Perrault, Claude. 4119
‚Facade in Pilastern, welche ebenfalls das Werk Perrault’s war, vollendet wurden wäre, indem dadurch unter allen Theilen eine Uebereinstimmung herrschen würde, auf die man jetzt für immer verzichten müsse.
Ein anderes Werk dieses Künstlers, früher entstanden als das obige, wozu ihn teilweise auch seine hohe wissenschaftliche Bil- dung berief, ist jenes Denkmal, welches der König den astronomischen Wissenschaften widmen wollte. Es ist dies das Observa- torium in der Vorstadt St. Jakob, zu welchem er 1667 nach den Außordnungen der Akademie die Pläne entwarf. Die Form dieses Gebäudes ist ein längliches Viereck, auf der Südseite mit zwei fünfeckigen Türmen an beiden Enden. Auf der entgegengesetzten Seite befindet sich ein von aussen viereckiger Vorbau, welcher in eine Vorhalle mit offenem Gewölbe führt, bei der Construction wendete der Künstler weder Eisen noch Holz an. Alle Piece sind mit der größten Solidität gewölbt, und jedes kann für ein Meister- stück in der Steinmetzkunst gelten. Indessen war dieses Gebäude leicht anfangs der Gegenstand vieler Critik, welche besonders die innere Anordnung und das Schwerfällige des äußeren Styls betraf. Quatremere sucht ihn von allen diesen Vorwürfen zu reinigen, indem er sagt, Perrault habe es sich immer zur Aufgabe gemacht, die spezielle Bestimmung des Gebäudes gut zu charakterisiren, und so auch bei der Sternwarte zunächst dafür gesorgt, dass man die- selbe nicht für ein Wohngebäude halten könne, und dann zu er- kennen gegeben, dass die Plattform, in welche sich das Denkmal endigt, zu den Beobachtungen bestimmt sei. Wenn nun, wie man zugibt, der Mangel aller Bekränzung oder Endverzierung einem Gebäude keinen Anschein von Eleganz oder Leichtigkeit, sondern vielmehr den entgegengesetzten eben muss, so behauptet Quatre- mere de Quincy, dass gerade dieser angebliche Fehler eines der äußeren Verdienste des Observatoriums sei, wenn man dasselbe als ein Werk der Kunst und des Geschmackes betrachte.
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