Poussin, Caspar

Poussin, Caspar, Landschaftsmaler , der Schüler und Schüler des Obigen, heißt C., Dughet, ist aber noch mehr unter dem seinem Meister angenommenen Namen Poussin bekannt. In seinem allgemeinen Zeichnen erfasst er auch dieselbe Richtung auf eine bedeutendere Fassung der Form, und in seinen früheren Werken schließt er mit ziemlicher Entschiedenheit an die Art und Weise seines Meisters an; später jedoch wusste er mit derselben zugleich herrschende Eigenthümlichkeiten zu verbinden. Es ist nach R. (Gesch. d. M. II. 220) das Leben und Wirken der Luft, der ständige, ernährende Athem der Natur, — das, was man einmal das Leben der Landschaft nennen dürfte, was in seinen Werken zuerst mit bedeutender Entschiedenheit hervortritt. So milder in den Gemälden seiner späteren Zeit der strengere Ernst seines Meisters in wohlthuender Weise; eine schönere Wärme seiner Landschaften, Laub und Gewächse erfreuen sich einer reineren Sättigkeit und Frische; heitere, duftige Fernen ziehen den Blick des Beschauers ins Weite; das Ganze hat, bei aller Komposition, die insgemein den Styl des Heroischen behält, durch einen heiteren, freien Charakter. Seine eigenthümliche Neigung auf die Darstellung der Luftwirkungen äussert sich auch in verschiedenen Sturmlandschaften, die er ebensowenig grosser Meisterschaft zu behandeln wusste und darin er vornehmlich einen grossen Ruhm erlangt hat. C. Poussin, sagt Waagen (Kunst etc. I. 213) erscheint gerade da am grössten, wo er die Elemente im gewaltigsten Aufruhr zeigt, wie der Sturm das Land einherführt, aus dunklen Wolken Blitze die Luft zu zucken und Mensch und Thier ängstlich einen Schlupfwinkel suchen. Aber auch, fährt Waagen fort, wenn die Natur in Ruhe dargestellt ist, so erzeugt der Gewölkte Himmel mit einzelnen fallenden Lichtern, die dunklen Massen der Wälder eine melancholische Stimmung, welche indess immer schön und wohlthuend, öfter bei der Grussartigkeit der Linien von der erhabensten ist. Kein Meister hat es namentlich verstanden, die Mittelränder auf eine so bedeutende Weise zu behandeln, und besonders die Linien seiner Fernen damit zu malerisch zu durchschneiden,

Wir hätten statt dieses Artikels auf die Biographie des Cas-
par Dughet, unter letzterem Namen, allein verweisen können,
fanden es aber auch nicht überflüssig gerade hier die Ver-
dienste und Eigenthümlichkeiten des berühmten Caspar Poussin
hervorzuheben, da beide Künstler unter dem gemeinschaftlichen
Namen Poussin erscheinen und beide, obgleich Franzosen, zur
italienischen Schule zu rechnen sind. Wir finden hier zugleich
auch Gelegenheit, bedeutende Nachträge zu geben, da mittlerweile
die Werke von Dr. Kugler und Direktor Waagen erschienen sind,
von denen besonders letzterer über die Werke, die sich von G.
Poussin in England finden, die interessantesten Nachrichten gibt,
über die Lebenszeit und einige andere Daten s. C. Dughet.

Gaspard Poussin, auch Gasparo Duche und Gasparo Pussino ge-
nannt, lebte bekanntlich in Rom, und schuf da zahlreiche Werke,
die aber in der Folge in Rom selbst immer weniger wurden. Be-
rühmt sind seine Fresken in der Kirche S. Martino a Monti, in
welchen sich die Eigenthümlichkeit des Meisters mehr in ihrer ur-
sprünglichen Weise zeigt, obgleich auch sie etwas von ihrer Frische
verloren haben. Poussin malte da Scenen aus dem Leben des Elias
und Elisa. Wir haben ein Kupferwerk darüber, unter dem Titel:
I celebri freschi di Gasparo Pussino nella chiesa di S. Martino a’
Monti in Roma rappresentanti i miracolosi fatti de’ S. S. Elia et
Eliseo incis. da P. Carboni. Roma 1810. Ausserdem bewahrt die
Gallerie Doria noch mehrere vorzügliche Werke von Poussin, die
der guten Erhaltung wegen nur um so interessanter sind. Dieser
Werke, so wie eines berühmten Bildes in der Gallerie Corsini ha-
ben wir im Artikel C. Dughet schon erwähnt, nicht so genau aber
kannten wir damals die Gemälde in den englischen Gallerien, wel-
che wir hier nach Dr. Waagen aufzählen. Darunter sind merk-
würdige Bilder aus den Gallerien Corsini und Colonna, die in die
National-Gallerie übergingen.

In der National-Gallerie zu London ist der berühmte Landsturm
aus der Gallerie Landsdown. Da lässt uns nur das helle Licht des
Horizonts die Sturmesnacht, welche alles andere verschlingt, in
ihren Wirkungen deutlicher erkennen. Waagen sagt, man glaube
das Sausen in den Bäumen zu hören, deren einer schon gebrochen
hingestreckt liegt. Ein einzelner Lichtstrahl erleuchtet ein Ge-
bäude auf der Anhöhe im Mittelgrunde, und trifft zugleich einen
Schäfer, der sich mit der Heerde eilig zu bewegen sucht. Dieses
Bild hatte früher Angerstein. H. 4 F. 11 Z., Br. 6 F.

Noch geistreicher und kühner in der Composition scheint ein
Sturm gewesen zu sein, welcher mit der Geschichte von Dido und
Aeneas staffirt ist. Dieses Bild ist leider so schwarz geworden,
dass man über das Einzelne nicht mehr urtheilen kann. Es war
kühner im Palast Falconieri.

Das schönste Bild von Poussin, welches sich hier befindet, ge-
hört indess der zweiten Gattung an. Es ist dies eine Landschaft,
in welcher die Natur in ihrer edelsten und großartigsten Gestalt
erscheint. Nach Waagen möchte wohl selten der Reiz der Ebene
gegen ein Gebirg vom reichsten Bewuchs und den schönsten For-

men so tief empfunden, so glücklich zusammengestellt worde seyn, als in dieser Ferne und in diesem Mittelgrunde, deren Wi: kung noch durch eine warme, von Wolkenschatten unterbrochen Beleuchtung erhöht wird. Im Vorgrunde sieht man Abraham, dt seinen Sohn Isaak zum Opfer führt. Dieses aus dem Pallast Ca «Jonna stammende Bild rechtfertigt den grossen Ruf, den es scho dort genossen. Es ist 5 F. 3 Z. hoch und 6 F. 6 Z. breit. Dx kein anderer Künstler Ansichten aus der Umgegend von Rom = einem so edlen Geschmack, mit so feinem Gefühl für das Mal ische in der Wahl der Standpunkte dargestellt habe, beweit zwei Gegenstücke aus dem Pallaste Corsini, gegenwärtig in 4 National - Gallerie. Das eine stellt Aricia, das andere c?en Wi mit immergrünen Eichen am See von Albano vor, beide sehr is sig gemalt, und noch von ungewöhnlicher Frische der Farbe. '

In der Gallerie des Herzogs von Devonshire ist ein Bild, welcl durch das Hochpoetische des Naturgefühls, die Schönheit der L nien, die Wärme der Beleuchtung am Horizont, die fleissige A1 führung und die grosse Klarheit in allen Theilen nicht allen 1 den schönsten Werken dieses Meisters gehört, sondern ıu & schönsten, welche es überhaupt gibt. és ist dies eine Aussl auf schön bewachsene Berge, wäche sich am Meere hinzi

egen welches sich im Mittelgrunde auch Gebäude absetzen, ım Vorgrunde sicht man eine Jagd, das Ganze in länglicher For Dann sind in dieser Gallerie auch vier kleine runde Bilder, 4 runter eine Ansicht von Tivoli. —

In der Sammlung zu Chiswick sind Landschaften von mille Grösse, doch in allen Beziehungen trefflich. —

Lord Farnborough in London besitzt eine grosse Landschaft 7 Janglicher Forın, welche zu den Hauptbildern des Meisters gebe Sie stellt eine weite Aussicht auf ein reich bewachsenes Gebirge * den edelsten Formen vor, worin das erhaben poetische Gefühi d Poussin sich mit einer seltenen Klarheit und Frische der Fıt und einer sehr fleissigen Ausführung vereinigt.

In der Bridgewater - Gallerie, welche dem Lord Egerton g'hi chedem Stafford - Gallerie genannt, ist das Bild eines gewa Sturms in einer poetischen Landschaft mit herrlichem Waldgl ge, ein meisterliches Gemälde aus der Gallerie Colonna, * groscer Klarheit in allen Theilen. Eine Ansicht einer gebırzif

egend in der Nähe von Tivoli hat stark nachgedunkelt, vos ! tener Delicatesse der Ausführung, sanfter kühler Beleuchtung * grosser Klarheit in allen Theilen, ist aber ein drittes Bild

ammlung, eine kleinere Landschaft von einem Flusse dure tcn. Das würdige Gegenstück ist ein reich bewachsenes Th« ' reich bewachsenen Hügeln umschlossen.

In der Grosvenor -Gallerie ist eine Landschaft, welche m edelsten Linien eine zart- warme Beleuchtung und eine * Lebhaftigkeit und Klarheit der Farbe verbindet. Ein zweıles ® eine Ansıcht von Tivoli, ist von besonderer Frische des Ton®

Sir Thomas Baring hat drei schöne Bilder von anseh Grösse. Eine im Ton sehr klare poetische Landschaft mı! tektur. Eine reich bewaldete, herrliche Berggegend mit Ma# beleuchtung zeigt die Scene, wie 'Thisbe den entseelten Fıra findet. Das dritte Bild ist eine melancholische Waldgegesd! stillem dunklen Wasser, in seinem edelsjen Geschmacht, # schon ctwas nachgedunkelt.

In der Bildersammlung zu Corshamhouse ist eine schune han

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schafft, worin ein Sturm wüthet. Sie ist mit zwei Figuren staffirt. —

Herr Beckford in Bath hat eine grosse, höchst poetisch und meisterhaft behandelte Landschaft und ein kleineres Bild von sel- tener Frische der Färbung.

In der Bildersammlung zu Leigh-Court ist ein grosses Bild aus dem Palaste Colonna von fast quadratischer Form, im erhabensten Geschmack des Meisters, von seltener Klarheit der Farbe und von feinsiger Ausführung, ein Hauptwerk dieses grossen Künstlers, nach Waagen sogar ein Höhepunkt aller Landschaftsmalerei. Die Staffage: Elias, dem der Engel den in den Wolken vorüberschwebenden Jehovah zeigt, ist von N. Poussin. Zwei andere grosse, nach der Höhe componirte Bilder, welche durch die besonders glücklichen Standpunkte, durch Klarheit und Ausführung aller Theile zu seinen schönsten gehören, sind Ansichten von Tivoli.

In der Sammlung zu Holkham sind fünf Bilder von Poussin, von denen aber die größere Zahl nachgedunkelt hat. Die Landschaft mit Ruinen im Mittelgrunde gehört zu den Hauptwerken des Künstlers.

Im Fitzwilliam-Museum ist ein kleineres, aber durch Poesie der Position, durch Frische und Klarheit der Färbung besonders schönes Werk. — Auch in der Sammlung zu Athorp ist eine andere, aber durch Frische der Farbe ausgezeichnete Landschaft.

In Woburn Abbey bewahrt man zwei grosse, in der Composi- tion höchsten Edle und herrliche Landschaften, indess etwas dunkel in der Farbe.

Von den Gemälden in Kensington haben wir unter D'ughet ge- handelt. Darunter ist eines der ausserordentlichsten der Meeres- sturm, während dessen Jonas in die See geworfen wird.

Überdies findet man noch andere Poussin’sche Bilder in Eng- land, mehr oder weniger trefflich.

In der Gallerie des Louvre zu Paris ist eine schöne Composition in ernster Gemüthsstimmung, eine Landschaft mit drei Wande- rern, die am Ufer des Flusses ausruhen. Die Ausführung ist sehr sorgfältig, und der Ton bei aller Tiefe doch klar. Zwei andere Bilder, die im Louvre für Poussin gelten, legt Waagen dem Ori- ente bei.

Im königl. Museum zu Madrid findet man ebenfalls Hauptwerke von Gasparo Poussin, fünf Landschaften, alle von wunderbarer Schönheit und vollkommener Erhaltung.

Von den Bildern in St. Petersburg stammen die schönen Land- schaften mit dem Jäger und dem Fischer aus Walpole’s Sammlung und zwei von Poussin in der königl. Eremitage noch fünf andere Gemälde.

In der königl. Pinakothek zu München ist eine kleine herrliche Landschaft mit schönen Bäumen und Gesträuchen, und im Vor- grunde sitzen zwei Männer am Wege, der zum Bergschlosse führt, das zweite, noch kleineres Gemälde, welches den Tempel der Vesta zu Tivoli vorstellt, ist von grosser Klarheit des Tons und voll- kommen erhalten.

In der königl. Gallerie zu Dresden sind zwei Landschaften mit Bauten, und eine dritte mit einer Schafherde.

In der k. k. Gallerie zu Wien ist eine heroische Landschaft mit Bäumen, ein ausgezeichnetes Bild.

In der Galerie des königl. Museums zu Berlin ist gegenwärtig kein Bild von diesem Meister, in andern deutschen Galerien findet man aber doch hie und da Bilder, welche dem C. Poussin beigelegt werden. Wir können sie hier nicht verzeichnen. Dagegen folgen einige der vorzüglichsten nach ihm gestochenen Blätter.

Audran, sechs numerierte Landschaften in Form von Friesen.

Benazech, P., zwei Landschaften mit Figuren.

Browne, J.; Waldpartie mit Wasserfall, The Cascade, von Woollett gestochen, nach dem Bilde in der englischen Sammlung. — The Sportsman, der Jäger, nach dem Bilde in der Mönigl. Eremitage in St. Petersburg.

Ganot, P., eine italienische Landschaft mit der Herde am Fluss, aus der Sammlung von H. Walpole.

Chatelain, J., Landschaft mit antiken Gebäuden, nach dem Bilde von Chalmondeley. — Waldgegend mit drei Badehäusern, nach dem Bilde von Campbell. — Einige andere Landschaften, aus den Sammlungen von Dr. Mead, Lord Hervey, Mr. Dahl und Herzog von Portland.

Coelemans, J., Landschaft mit einem Sturme.

Cunego, G., Folge von 8 Landschaften aus der Sammlung Colonna.

Czecsky, Landschaft mit dem Jäger, in der Eremitage in St. Petersburg.

Gauermann, J., einige Landschaften im heroischen Stil.

Glauber, J. G., sechs Landschaften nach Zeichnungen.

Gmelin, F. W., die Gräber, der Sturm, berühmte Blätter.

Granville, zwei Landschaften in Rundungen.

Goupy, J., der Sturm, oder Priapus und Thisbe.

Hackert, J. G., Le matin; le soir, zwei Landschaften der Galerie Colonna.

Meideck, A., Folge von sechs Landschaften im historischen Stil, nach Poussin und Orizonte, von ihm zum erstenmal gestochen, 1820.

Kobell, W., die Ruhe der heil. Familie.

Lowry, W., Solitude, nach dem Bilde des Königs von England.

Maëthieu, die Ansicht des Trasimenischen Sees.

Major, T., zwei Landschaften, eine aus dem Cabinet von London, die andere aus der Sammlung Cleeve.

Mason, J., Landschaft mit drei Männern im Vordergrund; solche mit einem Manne und dessen Hund.

Moucheron, J., eine Folge von sechs Landschaften. — Landschaften. — Die Ansicht von Tivoli. — Der Fluss, nach dem Bilde in St. Petersburg.

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