Porta, Baccio della

Porta, Baccio della, noch mehr unter dem Namen Fra Bartolomeo di S. Marco bekannt, und auch il Frate genannt, geboren zu Savignano 1469, gestorben zu Florenz 1517. Der Name dieses berühmten Künstlers ist unbekannt, denn della Porta soll nach Lanzi (deutsch. I. 133) nur genannt worden sein, weil er in der Nähe eines Thores von Florenz studierte. Wie dieses gekommen, wird nicht angegeben, doch muss es zu einer Zeit gewesen sein, wo Baccio schon etwas geleistet hatte; vielleicht nach seinem Austritte aus Rosselli’s Schule, den er bekanntlich verließ, um Leonardo da Vinci nacheifern zu können, da die Lehre jenes Meisters diejenige war, welche der Eigenthümlichkeit unseres Künstlers am angemessensten schien. Er hatte Bilder Leonardo kopirt, und auch im Modelliren sich geübt, um zu schattiren zu lernen, und nachdem er auf solche Weise sich bereitet hatte, so fing er an, in eigenen Bildern sich zu versuchen. Aus seiner ersten Periode erhielt der Herzog von Florenz zwei: eine Beschneidung, jetzt in der Gallerie der Uffizien. In dieser Zeit setzt Lanzi auch das Portrait des Künstlers in der Sammlung der Montecatini zu Lucca . In den beiden genannten Werken kündigt sich das Talent des Künstlers bereits auf das schönste an, wächst aber in eigentlicher Bedeutung erst in späterer Zeit hervortrat, als er in klösterlicher Einsamkeit von neuem der Kunst sich ergab. Er war nämlich durch die Hinrichtung des Savonarola, seines innigst verehrten Freundes, in tiefster Seele getroffen, ins Kloster gegangen, und hatte vier Jahre hindurch keinen Pinsel angerührt. Er verbrannte 1500 vor seinem Eintritte in die Celle auf öffentlichem Markte alle seine Naturstudien, die Beschäftigung mit der Kunst als sündhaft betrachtete. Der Meister des Klosters suchte ihn lange vergebens aus seiner frommen Thätigkeit zu wecken, bis endlich Rafael Sanzio 1503 unverhofft wiederkam, in der Perspektive Baccio’s Meister, im Colorite aber, wann letzterer selbst von Frate. Dieser fing jetzt wieder zu malen an, und schien täglich weiter gediehen zu sein, so dass seine früheren schönen ersten Arbeiten den letzteren nachstehen. Doch malte er jetzt nur verhüllte Körper, wodurch er sich den Vorwurf zu erdulden hatte, als sei er im Zeichnen des Nackten zurückgeblieben. Um das Gegenteil zu beweisen, malte il Frate einen heil. Sebastian; aber auch ein Heiliger, der Todte. Heiland ist ein Beweis, dass Baccio die edelsten Formen menschlichen Körpers kannte und darzustellen vermochte. Die letztere, an welchem sich die Damen ergötzten, wurde nach Frankreich verkauft, letzterer ist im Pitti. Fra Bartolomeo starb in Florenz, blieb aber nicht beständig in jener Stadt. Er besuchte Rom, wo damals Rafael und Michel Angelo auf der höchsten Stufe standen. Dieses erkannte der Klösterbruder, begab sich aber wieder nach Florenz, weil er sich neben jenen großen Lichtern der Kunst zu klein fühlte. In Rom malte Bartolomeo wenig, nur an der Quirinal die Apostel Petrus und Paulus, wovon Rafael den Entwurf vollendete. Eine heil. Familie, nach Lanzi vielleicht seine schönste, kam in den Palast Corsini.

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Fra Bartolomeo war ein Künstler voll stillen Ernstes, voll schlichter Würde und Anmuth. Der religiöse Ausdruck seiner heiligen Gestalten ist nicht mehr, wie bei den älteren Meistern, gemüthlich befangen, sondern mehr aus einer bewussten Erhebung hervorgegangen. Eine edle Milde, wie sie das Eigenthum des Leonardo und seiner Schule ist, verbreitet sich über dieselben, und seine Madonnen verbinden mit dem Gepräge der Heiligung zugleich den Ausdruck einer schönen Weiblichkeit. Aber der Kreis, in welchem Fra Bartolomeo mit Glück sich bewegte, ist nicht weit gezogen. Es fehlt ihm nach Kugler Gesch. d. M. I. 186 insgemein an derjenigen innerlichen Kraft, welche zur Durchdringung und Vollendung grossartig erhabener Aufgaben nöthig ist; er erscheint in solchen auf der einen Seite nicht selten kalt und abgemessen, auf der anderen unruhig und hastig. Was seine Technik anbelangt, so ist sein Colorit, besonders im Nackten, ungemein weich; auch im Faltenwurfe ist er sehr ausgebildet. Er zuerst führte den Gebrauch des hölzernen Gliedermodell’s ein, welches das Studium der Falten so sehr erleichtert.

Seine Compositionen stellen häufig nur einfache Madonnen, von Heiligen umgeben, dar, wobei er jedoch durch prachtvolle Architekturen und kunstreiche Gruppenvertheilung zu imponiren weiß. Mit besonderer Vorliebe bringt er auf solchen Gemälden Engelknaben an, welche bald sitzend und musicirend, bald, wie sie im Fluge die Himmelskönigin umschweben, oder wie sie den Mantel oder den Thronhimmel derselben tragen, dargestellt sind. Zu den vorzüglichsten Darstellungen, die von Frate’s Pinsel erhalten sind, gehören nach Kugler zuerst einige einfache Madonnen mit dem Kinde, dergleichen in mehreren Gallerien vorkommen (einige der schönsten in den Uffizien und in der Akademie zu Florenz), oder Altarblätter, wo der Madonna mehrere Heilige zugeordnet sind. Ein solches Bild, welches die Schutzheiligen von Florenz enthält, und die Madonna im Schoosse der Anna eine Stufe tiefer, ist ebenfalls in den Uffizien vorhanden, nur grau in grau gemalt, da der Künstler vor der Ausführung des Bildes starb.

Reich an Gemälden dieses Meisters ist die Gallerie des Palastes Pitti daselbst, und das berühmteste der hier befindlichen Bilder ist die Figur eines heil. Marcus, hoch gerühmt wegen seiner Erhabenheit. Ähnlich, aber nicht so bedeutend, sind zwei Prophetengestalten in der Tribune der Uffizien, doch ungleich schöner, als diese Bilder und von einer eigenthümlich rhythmischen Feierlichkeit und Würde ist das Bild eines heil. Vincentius, welches aus dem Kloster S. Marco in die Gallerie der Akademie gebracht wurde. In der Capella Savonarola dieses Klosters ist noch eine Madonna mit dem Kinde von seiner Hand, vortrefflich in allen Theilen. Die Franzosen wollten desswegen das Werk wegnehmen, aber es gelang nicht, ohne dasselbe zu zertrümmern. Ein anderes ausgezeichnetes Gemälde, Christus mit den beiden Jüngern in Emaus, malte er über einer Thüre des Kreuzganges. Dieses Gemälde soll an Wahrheit und Ausdruck der Empfindung zu den besten des Meisters gehören. Als ausgezeichnet rühmt man auch die Pieta der Gallerie Pitti. Der entseelte Körper ist von der edelsten Form, und die Ruhe des Todes erregt tiefe Rührung; Maria betrachtet ihn mit dem Ausdrucke der schmerzreichsten Liebe, Magdalena badet seine Füsse mit ihren Thränen, und Johannes beugt sich über den Herrn und Meister, als spähe er noch nach Zeichen des Lebens. An der Wand einer Capelle in einem kleinen Hofe von S. Maria nuova findet sich ein leider verdorbenes Frescobild

von Bartolomeo’s Hand. Es stellt das jüngste Gericht dar, um erinnert nach Kugler in den an den Seiten Christi sitzenden Apc- steln auffallend an Rafael’s Disputa und mit dieser an jenes jüngste Gericht des Orcagna im Campo santo zu Pisa,

Die trefflichsten Altarbilder des Frate sind in Lucca vorhanden; namentlich zeichnet sich die in S. Romano vorhandene Madonna della Misericordia aus, welche in holdseliger Geberde unter einer Schaar Andächtiger sitzt und sie unter ihrem Mantel vor dem Zorn des Himmels schützt. Die Zeichnung dazu ist in England. Über einem Seitenaltar dieser Kirche malte er Gott Vater, von Engeln umgeben, dann die beiden heiligen Catharinen. F. v. Rumoelich (Ital. Forsch. III. 71) vermutet, dass hier Rafael an dem Entwurf wie an einzelnen Teilen an der Ausführung Theil genommen habe. Im Dome zu Lucca ist eine Madonna mit Johannes und Stephanus, ebenfalls ein berühmtes Werk,

Im Kreuzgange von S. Spirito zu Siena ist ein schönes, ausdrucksvolles Frescobild von ihm: Christus am Kreuze, Maria und Johannes, Magdalena den Stamm des Kreuzes umf Ausserhalb Toscana sind die Werke des Fra Bartolomeo zu gelten, doch findet man deren auch in berühmten Gallerien im Auslandes. In der königl. Gallerie des Louvre zu Paris ist ein herrliches Bild der Maria mit dem Kinde auf dem Throne, welches sich mit der heil. Catharina vermählt, umgeben von männlichen Heiligen. Die Gestalten sind edel, die Köpfe ernst und würdig, die Umrisse sehr bestimmt, die Farben von erfrischender fast zu bunter Gluth, das Helldunkel sehr tief. Dieses Bild war lange in der Kirche des heil. Marcus zu Florenz gezeigt, und aber König Franz I. von Frankreich geschenkt, Vasari sagt, sei zur Zeit von Rafael’s Aufenthalt in Florenz gemalt, also zwischen 1505 und 1507. Kein zweites Gemälde des Louvre stellt Maria auf dem Throne sitzend dar, wie sie von dem herabschwebenden Engel die Verkündigung empfängt. Zu den Seiten des Thrones stehen in Verehrung Johannes der Täufer, Magdalena, Franz von Saxony, Hieronymus, Paulus und Margaretha. Bezeichnet: f. Ba- rto. florenz oris. pre 1515. Maria ist hier, unabhängig von einer bestimmten Zeit, als die von Gott erwählte Gattin des Erlösers von den größten Heiligen verehrt, dargestellt. Der ungemeßne Adel in den Charakteren und Bewegungen, die freie Zeichnung der grossen Gewandmotive, mehr als alles aber die saftige, harmo- nische Färbung, das treffliche Helldunkel, zeigen hier den Ma- ler in seiner spätesten Zeit und höchsten malerischen Vollendung. So beurteilt Waagen (Kunst und Künstler etc. 1, 427.)

Auch in England finden sich mehrere Bilder von Frate, deren Waagen im I. und II. Bande des genannten Werkes erwähnt. Im britischen Museum sind neun Zeichnungen, darunter der Entwurf zu dem von Vasari erwähnten Altarblatte des heil. Bernhard, wo die Maria mit dem Kinde erscheint, und ein Studium mit der der zu seinem berühmten heil. Marcus im Pitti. Die Kunstkunde Woodborn hatten 1836 noch zwei Bände mit Studien aller die sich vordem in einem Nonnenkloster zu Florenz befanden, der Zeit der Plautilla Nelli her, Frate’s Schülerin. Sie sind auf blauem Papier in schwarzer Kreide mit vieler Freiheit und malerischer Breite ausgeführt. Noch bedeutender ist eine grosse Zeichnung zu seinem Hauptwerk, der Maria in der Herrlichkeit, zu welcher eine heil. Bruderschaft achtet, in der Kirche St. Romano zu Lucca, -

In der Bildersammlung zu Pansanger, dem Landsitze des Grafen Cuvper, ist eines der schönsten Gemälde des Meisters. Das auf dem Schoß der Maria sitzende Christuskind hat so eben dem kleinen Johannes das Kreuz gegeben. Maria, in deren Gesichte von dem feinsten Oval und echt jungfräulichem Ausdruck man deutlich den Einfluss des Leonardo erkennt, sieht Johannes mit sanftem Mitleid, Jesus ihn mit schmerzlichem Ausdruck an. Auch in dem abgewandten Profil des Johannes ist das Gefühl schmerzlich; seine auf die Brust deutende Linke sagt aber, wie gern er das dargebotene Kreuz annimmt. Links neben der Maria sitzt Joseph, den Hintergrund bildet eine schöne Landschaft mit einer Fächer- palme. Die ungewöhnliche feine Grazie in den Linien der Kom- position lässt Waagen vermuten, dass dieses Bild aus den Jahren errühre, in welchen er mit Rafael verkehrte. Die Farbe ist selbst für den Frate von ungewöhnlicher Gluth und Tiefe, die Ausfüh- rung des Einzelnen im zart verschmolzenen Vortrag höchst fleißig, und in den Sfumato auf die Einwirkung des Leonardo deutend. Leider sind einige Teile verwaschen. In der Bildersammlung zu Light-Court wird ihm eine Maria mit dem Kinde beigelegt, die er in manchen Teilen an Andrea del Sarto erinnert. In der Sammlung des Sir Abraham Hume ist eine Madonna, die vom Kinde geherzt wird; von edlem und, wie Baccio es bisweilen liebt, “ehnlichem Ausdruck, Waagen sagt, man fühle es, dass Frate durch Rafael’s Bild aus dem Hause Tempi zu dieser Composition angeregt worden sei. Die Färbung ist selbst für ihn von beson- derer Kraft, Klarheit und Tiefe.

In der kaiserlichen Gallerie zu St. Petersburg ist ein Bild aus der späteren Zeit des Künstlers, eine Madonna mit dem Kinde auf dem Schoß, sitzend von vier musicirenden Engeln umgeben. Maria umfasst das Kind mit mütterlicher Zärlichkeit, und dieses schmiegt sich mit inniger Liebe an die Mutter. Diese Liebe macht den Grundgedanken des Bildes aus; Alles löst sich in Gefühl auf. In den Figuren zeigt sich eine große Lebensfülle, insbesondere in den vollen runden Gesichtern. Hand, Kunst in St. Petersburg I. 81, spricht mit großer Begeisterung von diesem Bilde.

In der königl. Pinakothek zu München sind drei Gemälde von Frate, die zu den schönsten ihrer Art gehören. Eine heil. Familie, aus der späteren Zeit des Meisters, zeichnet sich durch unge- mein zarten Farbenschmelz aus. Das Bild der heil. Jungfrau mit dem auf ihrem Schoß stehenden Kinde, Kniestück, ist unter dem Einflusse des Leonardo entstanden. Auf dem dritten Gemälde dieser Sammlung sehen wir die knieende Madonna, wie sie das Jesuskind anbetet, kleine Figuren, und im Hintergrunde eine offene Landschaft.

In der k. k. Gallerie zu Wien ist eine Darstellung im Tempel, eines der bedeutendsten Werke Bartolomeo’s, und ein Bild der Maria mit dem Kinde, aus der Brüsseler Sammlung. Die Skizze zur Darstellung im Tempel ist in der Gallerie der Uffizien zu Florenz. In der Gallerie Esterhazy daselbst ist eine Maria mit dem Kinde, ein heiteres Bild, voll Grazie und Zartheit. In der gräflich Thurn’schen Sammlung zu Wien sieht man eine schöne heil. Familie.

Die Gallerie des königl. Museums in Berlin besitzt eine grosse Tafel mit der Himmelfahrt der Maria, an welcher aber nur die obere Hälfte von Frate herrührt. Von lichten Wolken und musi- chirenden Engeln umgeben, schwebt die Heilige empor. Der un-

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Porta, Baccio della.

Der Teil mit dem Grabe und verschiedenen Heiligen ist von M. Albertinelli. Dieses Bild ist nach Kugler nicht den größartigeren Werken des Meisters beizuzählen; der Hauptgestalt fehlt es an eigentlich tieferer Bedeutung.

Mehrere Werke dieses Künstlers sind auch gestochen und lithographiert. Wir nennen hier folgende Blätter nach dem Alphabete der Stecher.

Calendi, J., der Erlöser der Welt. Mus. fran.

Campanella, die Darstellung im Tempel in der Capelle d. heil. Marcus zu Florenz, für die Scuola ital. A.

Cantini, G., Maria mit dem Kinde auf dem Throne, mit den Seiten St. Sebastian und St. Anton, nach dem herrlichen Bilde in Florenz 1827 gestochen.

Capellan, A., heil. Familie mit dem kleinen Johannes in einer Landschaft, nach dem Bilde der Gallerie Corsini.

Capezuoli, M., Christus am Kreuze, nach dem Fresko in S. Spirito zu Siena, Aus den Pitture da Siena.

Cecchi, G. B., der erstandene Heiland, zu den Sezten vier Evangelisten, nach dem berühmten Gemälde der Florentinischen Gallerie.

Engelmann, D., die heil. Mutter der Erbarmung, heil. Madonna della Misericordia in S. Romano zu Lucca, lithographiert.

Josi, S., La Madonna della Cathedrale di Lucca.

John, F., Maria, Joseph und das Kind unter dem Baume in einer Landschaft, nach dem Bilde, welches VI. dem Grafen Czernichew geschenkt hatte. Es wird in Satz’s Recueil und in andern Werken dem Rafael bei.

Lorenzini, A., der berühmte St. Marcus, die noch mehrere Madonnen mit den Stadtpatronen von Florenz, der Erlöser und zwei Propheten.

Masquelier, N. F., der Prophet Isaias. Gall. de Flor.

Metz, C., einige Facsimiles von Zeichnungen, für seine Editions of drawings.

Mogalli, C., die Himmelfahrt der Maria, die Madonnen mit den Stadtheiligen, beide in der florentinischen Galerie; Vermählung der heil. Catharina.

Morghen, R., Maria mit dem Kinde, das Buch in der Hand, nach einer Handzeichnung.

Mulinari, St., die Madonna mit dem Kinde, welche ein Mönch die Hand reicht.

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