Ponte, Leandro da, genannt Bassano, Maler und Bruder des Obigen, genoss ebenfalls den Unterricht seines Vaters Jacopo, und dass er anfangs mit seinem Bruder Francesco unter dem Namen desselben gearbeitet habe, haben wir bereits im Artikel des Jacopo Bassano bemerkt. Diese beiden Künstler waren die talentvollsten unter dessen vier Söhnen, und wenn Bassano Vecchio sich der Erfindungsgabe des Francesco rühmte, so lobte er den Leandro wegen seiner Bildnismalerei. Der letztere malte aber auch historische Darstellungen. Er vollendete zuerst die von seinem Bruder im
herzoglichen Palästen zu Venedig und anderwärts unvollendet ge- lassenen Werke, und dann führte er selbst einige Compositionen in Öl aus. In S. Giovanni e Paolo zu Venedig ist von ihm ein tüchtiges Bild der Dreieinigkeit, Lanzi rühmt aber vor allen die Krönung der heil. Jungfrau in S. Francesco zu Bassano , mit Fü- rern über die gewöhnliche Bassaner Gruppe. Große Figuren ent- hält auch die Erweckung des Lazarus, oder vielmehr dessen Aufer- stehung, alla Carità zu Venedig. Dieses Gemälde wurde unter Napoleon nach Paris gebracht, kam aber 1815 wieder an Ort und Stelle. In S. Sofia zu Venedig ist von ihm ein schönes Bild der Geburt Mariens, und anderwärts mehrere andere. Auch in Glas- rien findet man Bildnisse, Genrestücke und historische Darstellun- gen von ihm.
Was seine Kunstweise anlangt, sagt Lanzi, dass er in den Fär- bungen kräftiger sei, als der Vater, und in der Färbung an den Stil desselben erinnere, ausserdem mehr Schillerfarben kenne und sich der Manieriertheit seiner Zeit nähere. Wer desselben Bilder ge- hörig kennt, führt dann Lanzi fort, stösst oft bei den Hauseinbrü- chen auf Hausdiebstähle, sieht oft die von Jacopo wiederholt ge- malte Familie da Ponte wieder, die von den Söhnen und ihren Na- men auf tausend Bildern wiederkehren. Auch in Zimmerbildern wählte er gern die vom Vater behandelten Gegenstände. Besonders gut malte er auch Tiere nach der Natur. Nichts aber machte ihn so berühmt, als seine vielen Bildnisse, die er nach Lanzi’s Auffas- sung, staunenswürdig und zuweilen mit einer gewissen ureifthüm- lichen Seltsamkeit für Privatleute und Fürsten malte. Mehrere malte er aus Auftrag des Kaisers in Wien. Rudolph III. berief an seinen Hof nach Prag, und er scheint gefolgt zu sein, obgleich Lanzi behauptet, Leandro habe den Ruf abgelehnt. Man sah noch im letzten Decennium des 18. Jahrhunderts in der Burg zu Prag Bilder von ihm, mit der Aufschrift: Leander B. nensis fecit Pragae. Auch in Salzburg finden sich Spuren seiner Thätigkeit, man weiß aber nicht, ob er selbst in jener Stadt gewesen. In der vom Erzbischof Dietrich erbauten Kapelle ist ein schönes Bild der Geburt Christi von ihm, und in Leopoldstadt sah man das Bildnis des Künstlers. Die längste Zeit verlebte er aber in Venedig, wo ihn der Doge Grimani, dessen Bildnis er malte, zum Ritter machte. Er lebte überhaupt gerne ritterlich vornehm. Er ging nie ohne sein Ordenszeichen aus, und zahlreiche Schüler bildeten das Gefolge. Einer trug den goldenen Degen des Gecken, der andere das Verzeichnis dessen, was er an diesem Tage zu thun hatte. Die Schüler mussten auch bei der Tafel bedienen, und jede Speise verkosten, wollte Vergiftung fürchten. Grosse Bissen durfte indessen keiner Cav. Leandro da Ponte starb zu Venedig 1623 im 65. Jahre.
Einige seiner Werke wurden gestochen. Das erwähnte Bild der Auferstehung des Lazarus hat Jackson in Holz gestochen. D. L. Rialto stach das Bild im Dogenpalast, welches Alexander III. vorstellt, wie er an der Spitze seiner Geistlichkeit dem Dogen die Kerze reicht, Th. v. Kessel stach die Auferstehung der Himmelfahrt in der Wiener Galerie. C. Gregori hat sein Bildnis gestochen.
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