Polygnot malte auch zu Platäa, zu Thespiä und in Delphi. In Platäa malte er im Vorhause des Tempels der Minerva Area die Vertilgung der Freier durch Ulysses

Polygnot malte auch zu Platäa, zu Thespiä und in Delphi . In Platäa malte er im Vorhause des Tempels der Minerva Area die Vertilgung der Freier durch Ulysses, und Onatas den Zug der sieben Helden gegen Theben. Dass Polygnot auch in Thespiä gemalt habe, wissen wir nur aus einer Stelle des Plinius, wo es heißt, dass Pausias später die Gemälde dieses alten Künstlers restaurirt habe. Was hier dargestellt gewesen, weiß man nicht, es wird nur bemerkt, dass Pausias hinter Polygnot zurückgeblieben, weil er nicht in seiner Gattung mit ihm in die Wette malte. Pausias war nämlich ein Encaustiker, der da Pinselmalereien zu restauriren hatte. Indessen schloss die Encaustik, mit welcher sich Pausias zum Teil abgab, seine Übung in der Malerei mit dem Pinsel nicht aus, und daher möchte Hirt eher glauben, dass Pausias, einer der größten Maler der besten Zeit, bei der Restauration eher zu viel that, und daher dem einfachen, alterthümlichen Charakter nicht treu blieb. Demnächst wäre also Pausias getadelt worden, dass er durch seine Erneuerung die Hand des Polygnot gleichsam verwischt habe. Böttiger , Archäologie der Malerei S. 368, schliesst aus der obigen Stelle des Plinius, dass Polygnot selbst in Encaustik gemalt habe; allein Plinius gesteht an einer anderen Stelle wirklich zu, dass von diesem Meister encaustische Bilder vorhanden gewesen.

Am umfassendsten scheinen die Gemälde Polygnot’s in der Lesche der Knidier zu Delphi gewesen zu sein. Rechts an der Wand sah man die Eroberung Ilions und die Abfahrt der Hellenen, links Odysseus Besuch in der Unterwelt. Bei dem Gemälde von Ilion steht der unermüdliche Bluträcher Neoptolemos mit dem sanften Menelaos, der nur die schöne Beute fortzubringen sucht, in einem interessanten Gegensatze. Das Nolanische Vasenbild (Tischbein’s Homer IX. 5. 6.) hat mit diesem Gemälde einige Züge gemein. Bei dem Bilde der Unterwelt ist nach Müller (Arch. S. 134. 3.) besonders auf die Andeutungen der Mysterien zu achten, welche teils an den Ecken (die Priesterin Kleoböa, Oknos, die Ungeweihten), teils in der Mitte angebracht waren. Hier sass der Mystagog Orpheus in einem Kreise von Sängern und Greisen, umgeben von fünf Troischen und fünf Griechischen Helden. Vergl. Rathgeber in der Encyclopädie unter Oknos. Pausanias beschreibt diese Gemälde mit ihren vielen Abtheilungen und einzelnen Gruppen, die teils neben, teils übereinander gemalt waren. Es gibt auch Neuere Ausleger und Restauratoren solcher Gemälde. Im Allgemeinen über diese Bilder s. Correspond. de Diderot. Aufl. 1831. III. 270 ff.; Göthe’s Werke 44. S. 07; Gemälde des Polygnot in der Lesche zu Delphi von Riepenhausen, 1805. Mit Erläuterungen von Ch. Schlosser; Peintures de Polygnot a Delphes dess. et grav. d’après la desc. de Pausanias par T. et J. Riepenhausen, 1826 u. 29.

Die Zeit, in welcher diese Gemälde ausgeführt wurden, nennen die Alten nicht, nach einer Beischrift des Simonides (bei Pausanias 10. 27. 2.) muss man aber glauben, dass Polygnot selbst früher als die in Athen gemacht habe, da Simonides Ol. 77. 4. gestorben sein soll. Auch in der Anordnung der beiden Gemälde ist das Alterthümliche nicht zu verkennen, und so mochte nach Hirt das

eigentlich malerische Verdienst dabei noch nicht hoch anzuschlagen seyn. In Delphi mussten sie aber dennoch einen besonderen Ein- druck gemacht haben, und Hirt glaubt daher, der ehrenvolle Beschluss der Gesandten der griechischen Völker, welche zu den heiligen Bünden gehörten, für den großen Maler, konnte nur die Folge einer solchen allgemeinen Bewunderung sein. Die Athener ertheilten dem Künstler freie Bewirthung durch ganz Griechenland, und so vieler Sorgen enthoben, dürfte es dem Meister auch erleichtert worden sein, seine Werke in Athen ohne Bezahlung zu machen. Die Athener ertheilten ihm das Bürgerrecht, und wer könnte Theophrastus bei Plinius den Thasier wohl einen Altnhmer nennen?

Polygnot verbannte die alte Steifheit und Unbeweglichkeit in den Gestalten. Er öffnete denselben den Mund, zeigte die Zähne, hob die Augenbrauen in schönen Linien, verlieh den Wangen sanfte Röthe, sah auf Mannigfaltigkeit der Gesichtsbildungen und führte überhaupt diese Kunst auf das Naturgemässe zurück. Er warb sich den Namen eines Malers edler Charaktere (ἐπίδοσις). Genaue Zeichnung und eine edle und scharfe Charakterisierung der verschiedensten mythologischen Gestalten war nach Hirt (l. c. § 134) sein Hauptverdienst. Seine großen Tafelgemälde waren mit großer Kenntniss der Sagen und in ernstem religiösen Geiste gedacht, und nach architectonisch-symmetrischen Prinzipien angeordnet. Mit der Perspective dürfte nach Hirt Polygnot nicht ganz im Klaren gewesen sein, da man zu Rom in den 38 Jahren des Pompeius von ihm ein Gemälde zeigte, welches einen dem Schilde bewaffneten Krieger auf einer Leiter vorstellt, auf dem man nicht wusste, ob er auf- oder abwärts steige. Seine Frauengestalten hatten Reiz und Anmuth. Er gab ihnen unter allen malerisch geworfene glänzende Kleidungen, und einen Kopf von vielfarbigen Hauben und Binden. Über seine Kunst der Malerung gibt uns besonders Lucian Aufschluss, wo er von dem Wand der Panthea spricht. Er sagt, es sei von den zartesten Stoffen, faltenreich und gleichsam wie von Westwinden aufgebissene liege aber auch an dem Körper an, wo es sich gebührt. In seinen Gemälden spielen die Frauen öfter eine Hauptrolle, so die Schönen und Trojanerinnen bei der Zerstörung von Troja, die Heroinnen in der Unterwelt, so die Töchter des Leucippus, die den Dioscuren geraubt u. s. w. Die reichere Gewandung der Frauen gestattete ihm auch freieres Spiel in der Wahl schöner und leuchtender Farben. Die Kleidung der Männer war fast immer nur die natürlich weiße Farbe der Wolle, auf den Purpur und Schaffl eingeschränkt, nur die Waffen der Griechen erlaubten manchmal metallischen Glanz. Dass Polygnot lebendige Farben liebte, bezeugen die Ausdrücke, die vestes lucidae und die mitrae versicolor der Frauen bei Plinius. Auch wissen wir durch diesen Schriftsteller, dass sich Polygnot und Micon zuerst des lichten Ockers, der in den Silbergruben von Attika gefunden wurde, oder des gelben (terra gialla) zum Malen bedient haben, unstreitig für die Gewändern der Frauen. Die athenischen Weiber scheinen gelbe Farbe bei ihren Kleidern vorzüglich geliebt zu haben, eines ihrer Lieblingskleidungsstücke hieß crocata. Im Ganzen brauchte er zum Malen nur vier Farben. Er war auch der Erfinder der Tetrachromen. Mehreres hierüber s. Büttiger’s Archiv der Malerei I. 274 ff.

Eine andere Frage, die besonders in neuester Zeit angeregt ist, die, ob die Maler der blühenden Periode ihrer Kunst

Polygnotus. — Pomardı, S. 481

Werke ausschliesslich auf Holz, oder auch auf der Wand ausge- führt haben. In Frankreich erschienen darüber zwei Werke, ei- nes von M. Letronne, das andere von M. Raoul-Rochette, die beide in Widerspruch geriethen. Der letztere behauptet nämlich (Peintures antiques inédites. Paris 1836), es gebe in der blühend- sten Periode gar kein Beispiel von historischen Gemälden auf der Wand, und so sollte denn auch Polygnot immer auf Tafeln gemalt haben. Die Gemälde dieses Meisters aus der Poikile nimmt Raoul nach andern als Beweis für sich, weil nämlich der Bischof Syne- sios, der 502 nach Athen reiste, im 54. und 1535. Briefe sagt, dass der Proconsul die Tafeln Polygnot’s aus einer Halle weggenom- men habe. Auch im Tempel des Theseus sollen von Polygnot und Micon Tafeln gewesen seyn (was indessen aus alten Schriftstellern nicht bewiesen werden kann. Neuere, wie Thiersch u. A., glauben im Gegentheile, dass jene Gemälde auf Stuckbewurf ausgeführt ge- wesen seyen.)

Der obigen Meinung widerspricht Letronne, wenn er behauptet, (Lettres d’un antiquaire à un artiste. Paris 1835), die Alten hätten immer auf die Wand gemalt. Beide Schriftsteller gehen in ihrer Behauptung zu weit, denn die oben genannten Gemälde des Polyg- nots müssen auf Holz gemalt gewesen seyn, und dass in anderer Hinsicht auch Raoul-Rochette Unrecht hat, beweisen z. B. die Worte des Plinius, der von den Bildern in Thespiä sagt: Pinxit sumus) et ipse penicello parietes Thespiis, cum reficerentur quon- diam a Polygnoto picti. Hier ist deutlich von Wandgemälden die Rede, und so lässt sich wenigstens von Polygnot behaupten, dass er bald auf Tafeln, bald auf die Wand gemalt habe. Auch von

caustischen Bildern spricht Plinius. Über die beiden französi- schen Werke s. die Recension im Kunstblatte 1837 No. 36 ff.

Bustus, Bildhauer, dessen Tatian erwähnt. Er legt ihm eine Statue des Phalaris bei.

M. 203, Edelsteinschneider, ein Künstler des griechischen Alter- tums, wird von Villoison erwähnt, Mem., de l’Institut de France p. 112.

20ne, SCIP°, Maler, geboren zu Gaeta 1556, gestorben zu Rom 1504. Die Anfangsgründe der Kunst erlernte er zu Neapel und hierauf unterrichtete ihn der Florentiner J. del Conte in der Malerei. In Rom malte er für Kirchen, grösseren Ruf erwarben ihm aber seine Bildnisse. Er malte Gregor XIII., Sixtus V., alle Cardinäle, und viele Herren und Damen Roms. Auch Don Juan d’Austria liess sich von ihm malen.

Im Jahre 1580 berief ihn der Grossherzog Ferdinand nach Flo- renz, um sein und seiner Gemahlin Bildnis zu malen. Seine Ge- mälde sind sehr vollendet, Haar und Gewandung mit grosser Leich- tigkeit behandelt. Man zählte ihn zu den besten Bildnissmalern seiner Zeit.

Ence, dalle, s. Circignani und Roncalli,

Cher. de, Kunstliebhaber, soll nach Basan. um 1764 ach Oudry u. a. Landschaften und Blumen gestochen haben.

Mdi: S., Maler und Radierer, der um 1665 in Italien arbeitete Naglers Künstler-Lex. Bd. XI. 31.

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