Pollagio, Carlo

Pollagio, Carlo, auch Pallagio, Pellazo und Pillago geschrieben, dies in verschiedenen alten Papieren und Künstlerlisten aus der Zeit des Herzogs Wilhelm von Bayern, in dessen Diensten Pollagio stand. Er goss für die neu erbaute Jesuitenkirche (St. Michael) verschiedene Bilder und Zierwerke in Erz, theils nach eigenen Modellen, theils nach jenen des Hubert Gerhard oder Hubert W hardy, wie dieser auch genannt wird. Von Pollagio ist der goldene Engel mit dem Weihwassergefäss, wofür der Künstler 300 fl. erhielt, wie wir dieses aus Documenten des k. Reichsarchivs Servatoriums in München wissen. Andere Erzbilder dieses Künstlers, deren wir in alten Akten ihm beigelegt fanden, stammen von Gerhard’s Modellen, stellen Maria und Magdalena vor, vermutlich die zwei Statuen am Fusse des Kreuzes, welches jenes Kreuzaltar vor dem Auftritt zum Presbiterium der Kirche bildet, jetzt in einer Seitencapelle sich befindet. Diese Statuen sind kräftig und ausdrucksvoll, und besonders gelungen der gekreuzigte Christus, welcher ebenfalls von Pollagio gegossen und von Gerhard modellirt seyn dürfte. Wir fanden in Urkunden den Namen jenes Crucifixes nirgends ausdrücklich genannt, und man könnte fast glauben, dass Lipowski’s Angabe, der nach Bianconsi und Westenrieder dem Hans Krumper das Crucifix zuschreibt, nicht ganz gegründet sei. H. Krumper’s Thätigkeit erst beim Regierungsantritt Maximilian’s I. zu beginnen wäre, und das Crucifix bereits fertig war. Dann goss Pollagio nach jenem Modell auch eine Statue des Herzogs Theodor, die ebenfalls in St. Michael’s Kirche aufgestellt wurde; doch ist es keine dieser Statuen an der Facade der Kirche, indem diese von Marmor gegossen sind. Von Pollagio sind in der genannten Kirche auch kleine Engel in Bronze, vier große Leuchter und das österreichische Wappen unter der colossalen Statue des Erzengels an der Vorderseite der Kirche. Die Statue hat Gerhard modellirt, unser Künstler dürfte am Gusse Theil genommen haben.

Dann fanden wir in den genannten Akten auch vier von Pollagio in Erz gegossener Löwen erwähnt, aber den Ort nicht bezeichnet, wo dieselben aufgestellt werden sollten. Zwei dieser Löwen waren von Gerhard modellirt, und die beiden anderen sind nach Pollagio’s Modellen ausgeführt. Der Künstler erhielt dafür 1200 fl., woraus man schliessen kann, dass die Löwen von beträchtlicher Größe seyn möchten. Dies sind wahrscheinlich die vier Löwen, die an den beiden Portalen der Facade des älteren Theiles der Residenz stehen, denn wir fanden auch angegeben, dass Pollagio das Wappen gegossen habe, welche die Löwen halten. Dieses ist jenen Thieren an der k. Residenz wirklich der Fall, inl. B. Geschichte von München II. 420 lesen wir, dass diese auf den marmornen Gittern am hohen Altare und der beiden Seitenaltäre des heil. Ignaz und Franz Xaver in der Jesuitenkirche gestanden seien, und dass sie Maximilian I. an die Residenz setzen lassen. Diese Angabe wird wohl gegründet seyn, und ist aber, wenn Lipowski den Guss dem Hans Krumper zuschreibt,

Pollajuolo, Antonio del. ‚ 463

Auch wir sind im Artikel jenes Künstlers der Autorität Lipowski’s ge- folgt, aber haben später aus Akten ersehen, dass Pollagio und Gerhard vier Löwen gefertiget hatten, welche wir in jenen der k. Residenz erkennen. Über die Arbeiten, welche Pollagio und Hubert in Augsburg unternahmen, siehe den Artikel des letzteren. Pollagio starb 1404, nachdem er ohngefähr 14 Jahre im Dienste des Herzogs Wilhelm gestanden war.

Majuolo, Antonio del, und sein Bruder Pietro, zwei merk- würdige Künstler von Florenz, der erstere Bildhauer, Maler, Me- dailleur und Kupferstecher, der andere Bildhauer und Maler, beide wenig im Alter verschieden. Vasari sagt, ihr Vater sei von niedri- gem und ärmlichem Stande gewesen, der indessen das richtige und scharfe Urtheil seiner Söhne erkannt, aber nur nicht Mittel beses- sene, sie in den Wissenschaften unterrichten zu lassen, wess- egen er den Antonio dem berühmten Goldschmiede Bartoluccio Ghiberti in die Lehre gegeben habe. Den Namen des Vaters un- ter Künstlers nennt Vasari nicht, neuere Forschungen haben ihn er gefunden, und zugleich erkennen lassen, dass der Stand des- selben kein so niedriger gewesen sein könne, als Vasari angibt. Er heißt Jacopo d’Antonio, und wird in einer Urkunde Jacobus del Pollajuolo genannt, so dass nicht er, sondern vielleicht der Großvater das Gewerbe eines Hühnerhändlers getrieben zu haben scheint. B. v. Rumohr, Ital. Forsch. II. 200. hat auch gegen die Aussage Vasari’s, dass Antonio vom Vater des Lorenzo Ghiberti das Goldschmiedhandwerk erlernt habe, Zweifel erhoben, welcher durch Schorn (Uebersetzung von Vasari’s Lebensbeschreibung II. 2. 222. Anmerk. 2,) beseitigt wurde. Bartoluccio war der zweite Sohn der Fiore Ghiberti, welcher noch 1443 am Leben war, so dass Antonio noch wenigstens drei Jahre bei ihm gelernt haben kann. Piero del Pollajuolo erlernte bei Andrea del Castagno die Malerei, dies um 1445; er behauptete aber nie eine so große Selbstständigkeit, wie sein Bruder, so dass er selbst als Maler ge- nannt wird, sondern nur mit jenem genannt wird. Antonio beschäftigte sich längs Steine zu fassen und Silber- Emaillen im Feuer zu arbei- ten, verfuhr aber dabei mit solcher Geschicklichkeit, dass Lorenzo Ghiberti auf sein Talent aufmerksam wurde, und ihn neben andern jungen Leuten bei den Thüren von S. Giovanni, an denen er da- bei arbeitete, zu Hülfe nahm. Antonio war aber auch da nach wenigen Wochen der beste und sinnreichste Arbeiter. B. v. Ru- mohr I, c, zweifelte, ob A. del Pollajuolo an diesem Werke Theil genommen habe; allein nach dem oben von Schorn berührten Stande ist die Möglichkeit gegeben, und Vasari’s Glaubwürdig- keit darin steht. Letzterer sagt nämlich, dass Antonio an einem Giebeldachgehänge gearbeitet, und an demselben eine Wachtel ange- bracht habe, die so vollkommen erscheint, als ob ihr nur die Kraft des Fluges fehle. Diese Wachtel sitzt an der äusseren Laubver- zierung der mittleren Thüre am Pfeiler links vom Eintretenden, gen die Mitte zu, auf einem Aehrenbüschel. Nach einiger Zeit trennte sich Antonio von Bartoluccio und Lorenzo, und eröffnete in Florenz für sich allein eine glänzende und reiche Goldarbeiterbude, wo er viele Jahre sein Gewerbe trieb, und reich in Relief verzierte Schmuckstücke und andere Phantasien verfertigte, so dass er bald für den ersten Meister dieses Zweiges galt. So erzählt Vasari, sagt er nicht, wie lange Antonio das Gewerbe beibehalten habe. Dies hebt man aber aus einer Urkunde von Manni zu Baldinucci’s Le- ben des Pollajuolo vom Jahre 148909, wo er noch eine Bude für Goldschmiedarbeit miethet. S. diese Notizin Schorn’s Vasari]. c. S. 224.

Pollajuolo, Antonio del.

Note 5. Im Verlaufe dieser vielen Jahre konnten aus seiner Werk- stätte allerdings viele Arbeiten entstanden sein, Vasari nennt aber nur einige Silber- und Schmelzarbeiten, die er im Wetteifer mit Maso Finiguerra ausführte, welchem er an Fleiss nichts nachgab, und in der Zeichnung übertraf. Derselben übertrugen ihm die Consuln der Kaufleute einige Bilder in Silber am Altare von S. Giovanni. Vasari nennt darunter das Gastmahl des Herodes und den Tanz der Herodias, und als vor Allem schön, den Johannes in der Mitte des Altares, ganz mit dem Ciselireisen gearbeitet. Vasari gibt hier nicht an, ob dieses letztere Bild ein Basrelief oder eine Statue gewesen; er könnte aber das Basrelief der Predigt des Johannes des Täufers gemeint haben, welches das mittlere Contiment enthält, abgebildet bei Cicognara Stor. della scult. Il Gori Mon. Basil. Bap. Flor. p. 8., und nach ihm B. v. R. l. c. II. 303, glauben aber, es sei hier von einer silbernen und goldenen Statue des Johannes die Rede, und beschuldigen den sarı eines Irrthums, da diese Statue 1452 von Michelozzo & tolomeo gearbeitet sei. In Bezug auf die von Vasari Basreliefs am Dossale versichert Richa (V. 30. der Einleitung) seien 1477 dem Bartolomeo Cenni Andrea del Verrocchio und Pollajuolo übertragen worden. Gori dagegen schreibt sie dem Antonio Salvi und Francesco, den Söhnen eines Giovanni zu. Silberarbeiten werden in der Garderobe der Opera del Duomo bewahrt und alljährlich am Johannisfeste in S. Giovanni auf gezeigt. Überdies nennt Vasari noch drei Ellen hohe silberne L und ein Crucifix in verhältnismässiger Grösse, dann sehr Hostienteller, so herrlich im Feuer colorirt, dass man es mit Pinsel nicht um vieles besser ausführen könnte. Keine von Pollajuolo emaillirte und mit der Abnahme vom Kreuze gezierte wird jetzt neben der berühmten Pace des M. Finiguerra in Schrank der florentinischen Gallerie aufbewahrt. Zu dieser unterrichtete er den Mazzingo aus Florenz, den Giuliano chino, beides gute Meister; dann den Giavanni Turini, der Gefährten übertraf. Auch Antonio Salvi lieferte viele gute Werke, die aber eben so selten sind, wie jene der Pollajuolo Gehülfen. Es wurden schon zu Lebzeiten der letzteren geschmolzen, was den Pollajuolo bewog, sich nicht weiter mit dieser Kunst zu beschäftigen, da sie keinen dauernden Verschaffte.

Jetzt vereinigte er sich mit seinem Bruder, der die Malerei um von ihm Behandlung und Anwendung der Farben zu und wenn Vasari Recht hätte, so wäre Pollajuolo in kurz ein vortrefflicher Meister geworden; allein dieses Epitheton stark, da der Goldschmied als Maler es nie über das Mittel brachte. Vasari scheint auch immer nur seinen Antonio im behalten zu haben; er nennt von Pietro wenig Bilder, von deren er doch mehrere ausgeführt zu haben scheint, bevor die Malerei ergriffen hatte. In S. Agostino zu St. Gimignano er die Tafel des Hauptaltares, was wir aus Coppi’s Annali Gemig. p. 188 wissen. Vasari spricht nur von den gemein chen Werkeien dieser Bruder. Für S. Miniato in Monte halb Florenz, malten sie aus Auftrag des Cardinals von auf einer Tafel den Apostel Jacobus und die Heiligen E. und Vincenzius. Dieses Bild befindet sich jetzt im westlich ridor der florentinischen Gallerie, abgebildet in der Gall. No. 44. Piero Pollajuolo malte da in den Quadraten der unter dem Architrav emigc Propheten in Ocl auf die Mac in einem Halbkreise die Verkündigung mit drei Figuren.

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