Pocetti, Bernardo, der Beiname des B. Barbatelli, aber öfter nach diesem genannt, als nach seinem Familiennamen. So liest man auch auf den bereits unter Barbatelli erwähnten Stichen nach den Fresken und Malereien der Capelle des heil. Nereus und Achi- lles in S. Magdalena de’ Pazzi: B. Pocetti depins. Es sind deren 17 Blätter von den beiden Gregori, Faucci und Betti gestochen, hübsche schöne Compositionen im Geschmacke des Michel Angelo. Pocetti’s Frescobild im Findelhause zu Florenz: St. Catharina von Alexandrina vor Maximian, hat G. Cecchi gestochen, und die Gemälde aus dem zweiten Hofe des Servitenklosters zu Florenz stach J. B. Probst.
Das berühmte, sehr seltene Blatt, welches Jakob Callot nach Pocetti gestochen hat, das Fegefeuer und die verschiedenen Kreise desselben vorstellend, nach Daute’s Gedicht, ist eine der reichsten Compositionen, aus zwei Theilen bestehend, s. gr. imp. qu. fol. Übrigens s. Barbatelli.
Xaverie, Gräfin von, Kunstliebhaberin, die Gattin des bayerischen General-Lieutenants und Obersthofmeisters der Königin von Bayern, wurde zu Dresden geboren, kam aber in jungen Jahren nach München , wo der Direktor G. v. Dillis das talentvolle Fräulein in der Zeichenkunst unterrichtete. Auch Kobell leitete ihre Kunstübungen, die sich jetzt auch auf die Radirkunst erstreckten, bis sie endlich 1817 die Malerei in ih- ren Kreis zog, dies unter Leitung von M. J. Wagenbauer und D. Guaglio. Die Gräfin von Pocci malte Landschaften und An- sichten, die mit den Initialen X. P. oder mit einem aus diesen Buchstaben bestehenden Monogramme bezeichnet sind.
Franz, Graf von, Kämmerer und Ceremonienmeister des kgl. bayerischen Hofes, ein eben so trefflicher Zeichner als Musiker, wurde 1807 zu München geboren, und das Beispiel seiner Mutter, der oben erwähnten Gräfin Xaverie von Pocci, weckte schon frühe ne Liebe zur bildenden Kunst. Graf Pocci ist auch bereits seit ligen Jahren seiner lieblichen Compositionen wegen allgemein be- annt, Beweise eines glücklichen Talentes ließ er zuerst durch Meine Sambesien mit Randzeichnungen, deren nach und nach meh- rers erschienen, wie: Blumenlieder für Knaben und Mädchen; sechs
altdeutsche Minnelieder als Frühlingsgruss, 1836; Bildertöne für Clavier, Knaben und Mädchen gewidmet, 1835; Volkslieder u. im Festkalender in Bildern und Liedern, geistlich und weltlich, welchen Graf von Pocci, Guido Görres und ihre Freunde zur Verbreitung vaterländischen Sinnes von 1834 an zu München in Heften von sechs Blättern mit historisch-sinnbildlichen und andern Darstellungen, alle mit Randverzierungen in sinn- verzierten Umschläge, ans Licht treten liessen. Graf Pocci nahm an der bildlichen Verzierung dieses schönen Werkes den thätigen Antheil, und wie überall, so sind auch hier viele seiner Compo- sitionen höchst lieblich gedacht. Andere Proben seines zarten Sin- nes findet man in folgenden Jugendschriften: Hänsel und Gretel, ein Märlein mit lithographirten Bildern (von G. Görres und von Pocci), München 1838; Schön Röslein, ein Mährchen, erzählt von G. Görres, gezeichnet von Franz Grafen von Pocci, in Holz- schnitten von H. Neuer. München 1838; Trifolien, Lieder und Kinderzeichnungen. Von F. Grafen von Pocci. München 1838; das lustige Märlein vom kleinen Frieder, mit lithographirten Bil- dern von Franz Grafen von Pocci. München 1838; Spruchbuch mit Bildern, den Kindern gewidmet von F. Pocci. München 1838; Legende von St. Hubertus, und das Märlein von Schneeweiss und Rosenroth. Mit Bildern von F. v. Pocci. München 1838.
Über des Grafen von Pocci eigenthümliches Talent spricht Graf von Raczynski (Geschichte der neuern deutschen Kunst, 2902) vollkommen richtig aus, wenn er sagt, dass dessen Zeichnun- gen im höchsten Grade das Gepräge reiner Eindrücke zeigen, und dass in Hinsicht der Gemüthlichkeit und der Einfachheit Besseres zu sehen sei. Die Anmuth, welche darin hervortritt, nach Raczynski in der Kindlichkeit, welche das Talent des Grafen Pocci unterscheidet, ihre Quelle. Der Verfasser der Geschichte der neueren deutschen Kunst möchte zwar diese Bilder nicht dem Gebiete der Geschichtsmalerei zueignen, allein er sagt, dass die darin ausgedrückte Einfachheit doch zu hoher Art und zu viel Poesie enthalte, als dass man sie dem Genre zuweisen könnte. Pocci habe in gewisser Hinsicht Ähnlichkeit mit E. M. reuther und Schwind, aber im Ganzen gehöre sein Talent anderen Abtheilung an: er bilde ganz allein eine für sich stehende Schule. Raczynski gibt auch eines seiner Blätter, das Lied der Blumen, als lithographirte Nachbildung.
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