Pleydenwurf, Wilhelm, Maler und Formschneider , der Ende des 15. Jahrhunderts in Nürnberg arbeitete, und vielleicht auch daselbst geboren wurde, da in den Bürgerbüchern schon ein Hans Pleydenwurf vorkommt. Doch lebte in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts auch in Bamberg ein Maler Cunz Pleydenwurf, der in Rechnungen vorkommt. Im Jahre 1447 erhielt er nämlich für verschiedene, von ihm gemalte, Stadtpanieren 17 Gulden. Ob nun die Pleydenwurf ursprünglich von Bamberg nach Nürnberg gezogen, wollen wir nicht untersuchen, es ist ja selbst die Löbenschichte des jüngern Wilhelm noch im Dunkeln. Völlig
seiner Thätigkeit spricht aber ein für jene Zeit höchst bedeutendes Werk, die Sehedel’sche Chronik, die in lateinischer und deutscher Ausgabe vorliegt mit Formschnitten von Pleydenwurf und Wohlgemut und ihrer Schule. Die erste vollständigere lateinische Ausgabe hat den Titel: Registrum hujus operis libri cronicarum cum figu- ris et imaginibus ab inicio mundi. Am Schlusse steht: Adest nunc studiose lector finis libri Cronicarum per viam epithomatis et breviarii compilati opus quod preclarum ‚ et a doctissimo quoq comparandum. Continct em gesta etc., — Ad intuitü autem et preses providorü civitü Sebaldi Schreyer et Sebastiani Kamer- maister hunc librum dominus Anthonnius Koberger Nürnberg im- pressit. Adhibitis tamen viris mathematicis pingendiq. arte peritis- simis. Michaele wolgemut et wilhelmo Pleydenwurf quorum solerti aceratissimaq. animaduersione tum civitatum tum illustrium virorum figurae inserte sunt. Consummatiü autem duodecima mensis July. Anno salutis n& 1403. Die deutsche Ausgabe ist betitelt: Register des Buchs der Croniken und geschichten mit figuren und pildnussen von anbeginn der welt bis auf dise unsere Zeit. Am Schluss: hie ist entlich beschlossen das buch der Croniken und gedechtnuss wirdigern geschicht& vö anbegynn der welt bis auf dise unsere zeit w hochgelert& mann& in latein mit grossem Fleiss und rechtferti- versammelt, und durch Georgium Alten — — ausszugsweise in dieser teutsch gebracht, und darnach durch den erbern und acht- pern Anthonien Koberger daselbst zu Nürmberg gedruckt, — — und auch mit anhangung Michael wolgemuth und Wilhelm pley- denwurffs maler daselbst auch mitburger die diss werk mit figuren werklich geziert haben. Vobracht ann 23. tag. des monats Decembris Nach der gepurt Christi unssers heylands 1403. jar.
Diese beiden Ausgaben bezeugen Pleydenwurf’s und Wohlgemuth’s Theilnahme an der technischen Ausführung des Werkes, indem man am Schlusse deutlich liest: dass M. Wolgemut und W. Pleydenwurf maler „diss werk mit figuren werklich geziert haben.“ Aus dem Worte „werklich“ schliesst B. v. Rumohr (zur Gesch. und Theorie der Forsch. S. 80) vor allen auf eine eigenhändige Theilnahme am Formschnitte, und behauptet ferner, dass unter den Gehülfen und Schülern auch der junge Dürer gewesen. Einige frühere Schriftsteller glaubten, dass Wohlgemuth und Pley- denwurf nur die Zeichnungen gefertigt haben, v. Murr aber (Journal II. 132) legt dem Pleydenwurf nur die Holzschnitte bei. Auch Doppelmayr lässt den Wohlgemuth nur als Zeichner auftreten, und Heinecke (N. Nachrichten 150) scheint zu glauben, dass von Pley- denwurf zunächst nur die Bildnisse von Juristen herrühren. Wenn
ost in seinem Handbuch von Kupferstichen der Schedel’schen Chronik spricht, so ist er im Irrthume,
In Zeichnung und Formschnitt gehören dann diesen Künstlern und ihrer Schule wohl noch mehrere andere Werke aus der Offizin des Ant. Koburger an, wie die Bibel unter dem Titel: Das Durch- huchtigste Werk der ganzen heiligen Geschrift, genannt dy Bibel. Am Ende: gedruckt durch Antonium Koburger, in der Löblichen K. R. St. b?urenberg 1483. Man findet davon Exemplare mit aus- gemalten Holzschnitten und vergoldeten Anfangsbuchstaben, Ferner: Passional, das ist der Heiligen Leben. Am Ende: ist gebe- druckt diss Passional durch Ant. Koburger Nürnberg. 1488.
Christ glaubte diesem Künstler auch alte Kupferstiche zuschreiben zu müssen, welche Bartsch P. gr. VI. 300. unter die Blätter unbekannter Meister zählt. Sie tragen nur die Initialen P W., was nach Christ W. Pleydenwurf bedeuten soll; alle in die Sache be-
darf eines näheren Beweises, der nicht geführt werden kann, und somit wollen wir dem anonymen altdeutschen Meister P. W. seine eigene Stelle einräumen.
Das Todesjahr des W. Pleydenwurf ist unbekannt, so wie jenes des älteren Malers Hans Pleydenwurf. Murr fand auch eine Mutter Helena Pleydenwurf vom Jahre 1490 erwähnt.
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