Pistorius, Eduard, Genremaler, wurde 1706 zu Berlin geboren und da besuchte er auch die Akademie der Künste, bis er zur Fortsetzung seiner Studien nach Düsseldorf sich begab. Pistorius hatte hier in kurzer Zeit seinen Ruf gegründet, da sein Talent der berühmten Kunstschule jener Stadt durch Lehre und Beispiele die reichste Nahrung bot. In seiner frühesten Zeit folgte er nach der Spur älterer, namentlich holländischer Meister, und mühte sich in Scenen des gemeinen Lebens nur Schenkstuben ihrem mannigfaltigen Geräthe, in vornehmen Wohnungen Al- Damast und Sammt auf das genaueste darzustellen; es zeigte aber in diesen Bildern, wie schwer es selbst dem talentvollen Kun- ster wird, die Naivetät und Wahrheit der Darstellung zu
die in den Volksbildern der älteren Meister sich ausspricht, und in der abgeschliffenen Vollendung derselben das Wohlbehagen zu erregen, welches den Beschauer bei Betrachtung der Werke eines G. Dow befällt. In dieser Hinsicht wollten sich Einige in Pistorius ersten Werken nicht ganz befriedigt finden; allein in wenigen Jahren athmeten seine Bilder auch überdies eine Wahrheit und Naivetät, wie man sie nur in den vorzüglichsten Werken der dänischen Vorzeit findet. Pistorius weiss alle Seiten des menschlichen Geistes zu berühren, in die gemüthlichste Stimmung zu versetzen und durch die ergötzlichste Laune zu unterhalten. Viele seiner Werke sind Meisterstücke ihrer Art, sowohl in Hinsicht auf Intensität der Darstellung, als auf Meisterschaft und Präzision der Behandlung. Wir nennen darunter den Fiedler, welcher die Geige stimmt, wahr und originell, und das ausgezeichnete Bild der Kegelhahn mit verschiedenen Gruppen Kegelspieler, beide 1850 gemalt. Dieses letztere Gemälde besitzt Dr. Leunenschloss in Düsseldorf, und J. G. Schreiner hat es lithographiert. Nicht minder trefflich ist das Bild des trunkenen Küfers, der zwischen zwei Füßen liegt, durch C. Fischer’s Lithographie bekannt. Ein Bildchen von meisterhafter Vollendung ist auch jenes, welches einen alten Politiker darstellt, in philisterhafter Ruhe der Stimmung und des Ausdrucks, 1850 gemalt, so wie das vorhergehende Gemälde. Noch größerer Aufsehen erregte aber bei der Ausstellung von 1834 der kranke Esel, dessen Gesundheitszustand der Kurschmied untersucht, und der den Langohr mit wichtiger Miene an der Nase befühlt. Dieses Bild, welches dem kunstliebenden Publikum ebenfalls durch ein lithographiertes Blatt von Fischer bekannt ist, ist höchst geist- reich erfasst, kräftig und markig vollendet, und eines der bedeu- tendsten Genrebilder der neueren Zeit. Es kam in die Gallerie des Domherrn Spiegel zu Halberstadt. Zwei andere Bilder, die ihre Comik einen freudigen Eindruck machen, sind der Schuh- flicker und die Angler. Der erstere sieht aus seinem Laden zum Fenster heraus, denn auf einem Prallstein seiner Bude sitzt ein Fußbetrunkener Bauer, der dem Stiefelrestaurateur den Stiefel am Fusse vorhält, um das Loch in Mitte der Sohle zu besichtigen.
Von den beiden Anglern des anderen Gemäldes ist der eine im Kahne stehend, ein solcher von Profession, der andere Dilettant, der vor Eifer im Wasser vordringt. Das Gegenstück zum Kranken Esels besitzt die Ramdohr’sche Hofbuchhandlung in Braunschweig, welche das Bild 1838 durch Bülow auf Stein zeichnen ließ. Dieses vortreffliche Bild ist unter dem Namen des „kranken Stiefels“ bekannt, ebenso launig gedacht, als meisterhaft durchgeführt. Ein kräftiger Dorfbewohner hat seinen Patienten am rechten Fusse und steht vor dem Schuster, der, an der Hausthür stehend, be- denklich hinter den Ohren kratzt, da das Oberleder des Vorfusses fast ganz weggerissen ist. Es gibt überdies noch viele andere treffliche Bilder von Pistorius, die in verschiedene Hände übergingen, und jedem Kunstfreunde eine willkommene Gabe sind. Im Jahre 1833 wurde der Künstler Mitglied der Akademie in Berlin, wo er sich mehrere Jahre aufhielt.
Clair, Medailleur zu London, ein berühmter Künstler des 19. Jahrhunderts. Mit ausgezeichnetem Talente begabt, ist er auch mehrseitig gebildet, und es gibt wenige Künstler seines Fachs, die viel theoretische und praktische Kenntnisse besitzen, als Clair. Er ist als Zeichner zu rühmen, in der Modellierung wohl fahrend, und was noch höher steht, ist sein Vermögen in Compositionen jeder Art. Ihm gebührt von dem, was er darstellt, ge-
wohntlich auch die Erfindung, sowohl in Basreliefs, als in Medaillen. In letzteren verewigte er berühmte Personen oder merkwürdige Ereignisse der englischen Geschichte. So haben wir von ihm eine treffliche Medaille auf die Krönung der Königin Victoria, bei deren Fertigung ihm die Königin selbst sass. Ein Werk von viel grösserem Umfange ist aber ein Medaillon auf die Schlacht von Waterloo, welches 1841 noch nicht vollendet war. Dieses Schmuckstück soll zu dem Glänzendsten gehören, was je die Medaillenkunst hervorgebracht hat.
Pistrucci ist erster Münzmedailleur der Königin Victoria von England.
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