Pisano, Giunta. — Pisano, Niccolò.
Die ältesten italienischen Malereien im Kunstblatte No. 7 £.;
dann F. Köhler, Anfänge der italienischen Kunst im Kunstblatte
1827 No. 47 ff., lauter wichtige Abhandlungen. Auch Giunta’s
Verdienste werden näher bezeichnet. Im Vergleich mit den Parmesanern
(Malereien des Battisterio in Parma um ) bemerkt man
bei ihm schon Fortschritte in der Zeichnung und Färbung, die
Formen sind schon richtiger und die Gewänder nähern sich etwas
mehr der Natur; besonders scheint er Gefühl für Farben gehabt
zu haben. Bei allen diesem sind noch wie bei den Alten, die Um-
risse durch besondere dunkle Striche angegeben; zur Bezeichnung
des allmähligen Abnehmens von Schatten und Licht findet man
drei verschiedene Striche über einander gesetzt; die Augen, Nase,
Mund u. s. w. mit roten Strichen angegeben; die Stellungen und
Bewegungen sind steif, conventionell; der Ausdruck der Gesichter
schwach und unbestimmt und im besten Falle, wo wirklich ein
Strahl von einem belebenden Genius hindurch zu schimmern scheint,
sanft und freundlich. Die Zusammensetzung der Geschichte ist
durchaus jene kalte tote Symmetrie der Griechen. Eine frühere
Biographie (Elogio) des Künstlers gibt Tempesti in den Memorie
Morali di piu uomini illustri pisanì. Pisa 1700.
Niccolò, Baumeister und Bildhauer , der erste, welcher
Italien neue Lebensregung in die Sculptur brachte. Sein Vater
Peter kam aus Apulien nach Pisa, doch ist es nicht ausgemacht,
ob er dieselbe Kunst betrieben. Er ist auch nicht derjenige gewesen,
der dem Arnolfo di Lapo an der Verdachung des Hauptaltares der
großen Paulskirche zu Rom geholfen hat. An diesem Werke ward
die Inschrift eingegraben:
Hoc opus fecit Arnolfus cum suo socio Petro
Anno millesimo centum et bis octuageno quinto etc.
Nach Vasari arbeitete Niccolò unter einigen griechischen Bild-
hauern, welche die Figuren und Ornamente des Domes von Pisa
und der Capelle S. Giovanni verfertigten; es herrscht aber gegen-
wärtig die allgemeine Annahme, dass Niccolò Pisano die Kunst
in Pisanern und nicht von Griechen erlernt habe. Überdies
traten auch deutsche Bildner, die im 13. und 14. Jahrhundert in
Italien Anstellung und Beschäftigung gefunden, einen unverkenn-
baren Einfluss auf die damalige Kunst. Dieser deutsche Geschmack
zeigt sich in den früheren Werken des Pisaner’s, der, besonders
in der Kanzel der Taufkirche zu Pisa, von spät römischen Vorbil-
dern ausgegangen war und das Starre der Gesichtsbildungen, das
Ausgeladene und Überladene in der Anordnung halberhobener Ar-
beiten aus jenen mit bekanntem Erfolge nachgeahmt hatte. Auch
zeigt sich in seiner andern, später begonnenen Kanzel, im Dome
zu Siena, neben sparsam eingestreuten deutschen oder gotischen
Verzierungen, manche, obwohl gemilderte Eigenthümlichkeit des
byzantinischen Relief- und Gewandstils, aber auch ungleich mehr Le-
ben und Charakter in den Köpfen und in der Bewegung und Hal-
tung der Gestalten. Niccolò hegte auch grosse Verachtung für die
Antike und trachtete durch eifriges Studium in den Geist dersel-
ben einzudringen. Vasari selbst erwähnt dessen Nachahmung der
Antiken von dem Pisanischen Heere aus Griechenland gebracht-
en, vornehmlich Marmorsärge, unter welchen jener mit der
Legende des Meleager berühmt ist.
Daher kommt in Niccolò Pisano’s Werken die vollendete Ausführung
der Vorwürfe, die in der Antike Verwandtes finden und die Schü-
Pisano, Niccolò.
Jerhaftigkeit derer, bei denen Niccolò sich selbst überlassen blieb, wie in Kreuzigungen, jüngsten Gerichten u. s. w. Jedoch ist nicht der erste, der die Schönheit der Antike erkannte, er lernte sie schon in seiner Schule achten, fand sein Handwerk schon vor- gebildet, steht aber dessen ungeachtet in Ansehung seines Geistes- tyles, Natursinnes in jener Zeit ganz einsam. Cicognara, Storia della scultura III. 178 ff., beginnt mit ihm desswegen die welt- liche Kunstgeschichte.
Vasari hat dem Meister Niccolò ohne alle Gewähr viele be- tende Bauwerke beigelegt, und Morona (Pisa illust. II. 2. 25) die Zahl dieser Werke ohne festen Grund um einige neue vermehrt. Es ist auch dem wackern Meister nicht abzusprechen, dass er sich auf die Baukunst verstanden, den größten Ruhm aber verdient wegen seiner Bildwerke. Im Jahre 1225 wurde er nach Boloz berufen, um das Grabmal des heil. Dominicus von Calahorra verfertigen. Abgebildet ist es bei Cicognara I. tav. 8 — 10, | Morona (Pisa illust. I. tav. 4) und d’Agincourt. Er brachte dieses Werk 1231 zu Stande, und von nun an begann sein Ruhm. Man nannte ihn davon, als einem vorzüglichen Werke, Niccolò & Urna. Aber noch viel besser sind jene unten erwähnten Welt- gerichte. Lama, Guida di Bologna 1825, schreibt das Werk einem älteren Künstler zu.
Auch als Baumeister trat er jetzt auf, Vasari legt aber im Le- ben dieses Künstlers, deutsche Ausgabe von L. Schorn I. 83, } Werke, welche Niccolò für Friedrich I. zu Neapel auführte, 4 Fuccio, einem zweifelhaften Künstler, bei. Er sagt nämlich, | terer sei zur Zeit der Kaiserkrönung dieses Hohenstaufen du Honorius III. (1220) nach Rom gegangen, und habe hierauf 4 Kaiser nach Neapel begleitet und dort das Castell Capoano v dell Uovo, von denen im 17. Jahrhunderte nur mehr Spuren handen waren, vollendet. Er lässt diesen Künstler bei Gram auch einen Tiergarten mit Mauer umschließen, zum Vogelt| und zu Melfi einen andern für die Winterjagd einrichten; fert die Thore Capua’s über den Volturno erbauen, von denen & nichts mehr zu sehen ist. Celano, zwar erst im 17. Jahrhundert, nennt ausdrücklich den Niccolò Friedrich’s Baumeister und k ihm geradezu den Entwurf zum Dom in Neapel für Karl I. M Parrino und Sigismondo lassen ihn auch mit dem Kaiser & Neapel kommen, und die dortigen Bauten ausführen. Die alten Geschichtschreiber übergehen ihn.
Vasari legt aber dem Niccolò von Pisa mehrere Bauten in T- kana bei, und hält für sein schönstes, sinnreichstes und wun- derbarstes Bauwerk den Turm von St. Niccolò zu Pisa. Von derbarer Erfindung ist besonders die Wendeltreppe, deren Fot später von Bramante im Belvedere für Julius II. und von Ber im päpstlichen Palast, im Palast Borghese und in dem deut- sten Pallast Pallestrina mit Verbesserungen angewandt wurde. Vasari hauptet, dass Niccolò in Pisa eine Menge Paläste und Kirchen erbaut habe, und dieser daselbst zuerst den Gebrauch einge- habe, die Gebäude auf Pfeiler zu stützen, und über denselben zu wölben. Namentlich führt er die Camaldulenserkirche an.
Von Bildwerken rühmt Vasari die in Marmor ausgeführte Kr abnahme an San Martino zu Lucen, und dann behauptet Men Giorgio, dass Niccolò auch den Plan der Kirche S. Jacopo in stoja (1240), und das Modell zu der Kirche des heil. Antono zu Padua verfertiget habe; im Irrthum ist aber Vasari, wenn
den Künstler bei der Gründung des Domes von Siena seyn, und
den Plan zur Kirche St. Giovanni entwerfen lässt, Ersterer war
schon seit dem 12. Jahrhundert vollendet; letztere wurde 1300 von
Agostino und Agnolo von Siena gegründet. Urkundliche Nachrichten
gibt Rumohr in den italienischen Forschungen II. 123.
In Florenz, wohin der Pisaner mittlerweile sich begab, verfertigte
er den Riss zur Kirche Santa Trinita und zum Kloster der Non-
nen von Faenza, welches wegen des Baues der Citadelle Johann
des Täufers (Fortezza da basso) zerstört wurde. Um dieselbe Zeit
wurde er, wie Vasari berichtet, nach Neapel entboten, schickte
aber wegen seiner vielen Arbeiten in Toscana seinen Schüler Mag-
lione dorthin, der ebenfalls Baumeister und Bildhauer war. Die-
ser baute zur Zeit Conradin’s des Hohenstaufen die Kirche Santo
Lorenzo und einen Theil des Domes. Nach der gewöhnlichen An-
gabe fing Niccolò diesen Dom erst 1282 an und schon um 1290 war
er durch Maglione und Masuccio vollendet. Niccolò war aber da-
mals schon tot und ist wohl mit seinem Sohne Giovanni verwech-
selt worden, der 1283 hierher kam. In jedem Falle rührt, nach
von der Hagen (Briefe in die Heimath III.) die Zeichnung und der
Bau aus Niccolò’s Schule und ist ganz wie seine Kirchen zu Padua
und Venedig in der einfachen, zierlosen, gotischen Art.
Im Jahre 1254 beriefen die Volterraner den Niccolò, um ihren
Dom zu vergrößern. Nachdem er dem unregelmäßigen Gebäude
eine bessere Gestalt gegeben, kehrte er aber nach Pisa zurück und
arbeitete dort die Kanzel von St. Giovanni in Marmor. Sie ist
sechseckig und fünf Seiten derselben sind mit Hochreliefs in weißen
Marmor geschmückt, welche folgende Darstellungen enthalten:
- die Geburt Christi; an der Figur der ruhenden Maria sieht man
deutlich das Studium der antiken Werke. 2) Anbetung der Könige,
wo die Gewänder und Köpfe der männlichen Figuren be-
wundernswert schön und großartig gearbeitet sind. 3) Darstellung im
Tempel, stark beschädigt. 4) Kreuzigung. Die ohnmächtige Ma-
ma erscheint hier unnatürlich übergebogen. 5) Das jüngste Gericht
ebenfalls stark beschädigt. Jede dieser Abteilungen ist durch drei
Säulen korinthischer Ordnung von der andern gesondert; zwischen
diesen und den Capitälen der unteren Säulen sind sechs Figuren
von trefflicher Arbeit, aber dunkler allegorischer Bedeutung ange-
bracht: eine Frau, die einen Knaben an der Hand führt (die Liebe),
ein junger Mann, der einen Löwen hält (Stärke) etc. Siehe die
Ansicht dieser Kanzel bei d’Agincourt, Sc. P- 32 und einzelne Reliefs
aus den Werken des Niccolò und Giovanni pl. 32 und 33.
Dem Werke ist folgende Schrift eingegraben:
Anno milleno biscentum bisque triceno
Hoc opus insigne sculpsit Nicola Pisanus.
Vasari las irregulär trideno, was Martini in seinem Theat. Basil. Pi-
san. c. 14 berichtigte.
Diese Arbeit, welche allgemein wohl gefiel, bewog die Sieneser
eine ähnliche für ihren Dom verfertigen zu lassen. Die achteckige
Kanzel in Siena, eines der wichtigsten Werke für die italienische
Kunstgeschichte, verfertigte Niccolò mit seinem Sohne Giovanni.
Er begann 1266 die Arbeit und zeigte darin seit dem Tode des
Heiligen Dominicus in Bologna einen großen Fortschritt seiner Kunst.
Sie ist grösstentheils eine Wiederholung der Pisaner Kanzel, aber
noch reicher und trefflicher. Ihre acht Ecken ruhen auf acht Säu-
len mit Blätterknäufen und Rundbögen, eine neunte steht in der
Mitte auf einer Gruppe von acht Figuren. Die sieben Reliefs an der
Pisano, Nicola.
Einführung enthalten: 1) die Geburt Christi; 2) die Anbetung der Könige; 3) die Darstellung im Tempel und die Flucht nach Ägypten; 4) der Hirtenmord; 5) die Kreuzigung; 6) und 7) das jüngste Gericht. Die letzte Vorstellung nimmt zwei Tafeln ein, zwischen welchen, am Pfeiler, Christus über den Engeln thront. Der Stil dieser Werke ist grossartig und lebendig, die Köpfe vorzüglich ausgeführt, jedoch der Ausdruck zuweilen übertrieben. Die Gewänder sind reich und schön gefaltet. Auch hier sind allegorische Figuren über den Kapitellen der Säulen angebracht. Die Löwen, welche vier derselben tragen, zerreissen verschiedene Tiere. Am Friesgestelle der mittleren sind die Sibyllen angebracht. Die mosaikartigen Auslagen sind von Pistorino.
Von Nicola ist, nach Vasari’s Angabe, auch die Zeichnung der Kirche und zum Kloster St. Domenico zu Arcetri und jene der Kirche S. Margharita für die Franziscaner dieser Stadt, im Jahre 1267 ward er vom Papst Clemens IV. nach Viterbo beschrieben, wo er, ausser mancherlei andern Dingen, die Kirche und das Kloster der Prädicanten-Mönche herstellte. Von Viterbo ging er nach Mailand zum König Karl I., der am Ort der Niederlage Conrait zu Tagliacozzo, eine Kirche und eine reich begüterte Abtei errichtete. Hierauf kehrte der Künstler nach Toscana zurück. Er arbeitete beim Baue der Kirche Santa Maria zu Orvieto. Vasari erwähnt daselbst vornehmlich zwei Darstellungen des Weltgerichts; das Paradies und die Hölle, worin er, nach Angabe seines Schriftstellers, sich selbst übertroffen haben soll. Dieses Werk steht auch, einige Trockenheit abgerechnet, denen der größten damaligen Meister nicht nach; aber Vasari’s Angaben, so wie Valle’s Urtheil, hat Cicognara (Stor. d. Sc. I. II. c. 4 und I. c. 3) als unbegründet erwiesen. Der Dom von Orvieto wurde 1290 gegründet, folglich können die Sculpturen nicht wohl 1300 begonnen worden sein, und Nicola, der schon 1225 in Siena arbeitete, kann also nicht daran Theil genommen haben; wohl aber sein Sohn Giovanni und seine Schüler Arnolf und Ludovico, Agostino und Agnolo aus Siena, und Goro di Gregorio eben dieselben.
Wir müssen noch eines Werkes gedenken, dessen zwar Vasari nicht erwähnt, welches aber durchaus das Gepräge dieses Künstlers trägt. Es ist dies eine kleine Statue der heiligen Jungfrau mit dem Kinde aus dem schönsten weissen Marmor, 184 Zoll hoch, ohne Postament. Dieses Bild war mehrere Jahrhunderte im Hause der wegen ihres ältesten Adels berühmten Herren Stubenberg; kam aber später in andere Hände, und so kaufte es 1838 der k. Feldmarschall Franz Heitzmann in Celle. Diese Statue ist von einer Schönheit in der Behandlung der Draperie, und von einer Grazie in der Form, die wohl den Vergleich mit den schönsten Antiken nicht scheuen dürfte, während sie noch den Geist ihrer Zeit klar ausspricht und in einem Grade erhalten ist, dessen sich wenige antike Bilder erfreuen können. Nur der Kopf des göttlichen Kindes ist abgebrochen und verloren, was man um so mehr bedauern muss, da alles Urbild mit einem Fleisse und einer Zartheit behandelt ist, die wohl nicht übertroffen wird. Die Aechtheit des Werkes verbürgen Kenner, die mit dem Geiste der Zeit, aus welcher die Statue stammt, vertraut und mit ihren Überresten wohl bekannt sind. Sie erlauben es für eines der schönsten Werke des Pisaners und für einen der seltensten Kunstschätze.
Das Todesjahr des Nicola da Pisa ist unbekannt. Er arbeitete bereits 1225, und nach 1270 dürfte er nicht lange mehr gelebt haben.
Pisano, Giovanni. 375
ben. Die letzten Tage seines Lebens brachte er in Pisa hin, wurde
fortan leitete alle Arbeiten sein Sohn Giovanni. Luca Signorelli
malte an einer Wand der großen Cappelle der heil. Jungfrau, ge-
nannt di S. Brizio zu Orvieto, das Bildnis des Künstlers. Dieses
Bild ist von der Wand abgesägt worden und findet sich in den
Zimmern des päpstlichen Palastes aufbewahrt. Vasari gibt ebenfalls
das Bildnis des Pisaners Niccolò.
1530, Giovanni, Bildhauer und Baumeister, der Sohn des Nic-
colò, lernte unter Leitung seines Vaters die Kunst, und ward nach
wenigen Jahren diesem gleich, übertraf ihn sogar in manchen Din-
gen, weshalb ihm der Vater in seinen alten Tagen die Aufsicht
über alle Arbeiten anvertraute, wie Vasari versichert. Zu Lebzei-
ten seines Vaters fertigte er in Perugia noch das Grabmal Papst
Urbans IV., welcher 1264 starb; allein dieses Werk ging mit
dem Monumente Papst Martins IV. (gestorben 1285) beim Baue der bi-
schoflichen Kirche zu Grunde, so dass Vasari nur mehr einiio
Trümmer sah. Dagegen hat sich ein anderes kunstreiches Werk,
welches der Pisaner um jene Zeit in Perugia ausführte, bis auf
den heutigen Tag erhalten. Es ist dies der große Springbrunnen
vom Berge Pacciano her sein Wasser empfängt. Auf 12 Stu-
fen erhebt sich eine zwölfseitige Marmorbrüstung mit erhobenen
Bildern von Heiligen und Aposteln als Stützen. In der Mitte ruht
auf Säulen ein Marmorbecken, und darauf tragen drei Nymphen
eine Schale, auf welcher drei Greifen (das Stadtwappen) Wasser
Aprühen. Der obere Teil, von den Nymphen an, ist aus Erz,
und zeigt von der Tüchtigkeit der Pisaner auch in dieser Kunst-
form, welche schon seit Bonano in Pisa blühte. Die Sculpturen
dieses Brunnens wurden vor wenigen Jahren restauriert. Im Jahre
1517 machte Vermiglione denselben durch Stich und Beschreibung
Nach Beendigung dieses Brunnens gedachte Giovanni nach Pisa
zu seinem Vater zurückzukehren, traf ihn aber nicht mehr am Le-
ben, da er sich auch in Florenz aufhalten musste. Endlich kam
er in jener Stadt an, und der Erbe von Niccolò’s Tugend und
Vorzügen wurde auf das ehrenvollste empfangen. Man trug ihm
dieset die Ausschmückung der Kleinen Kirche S. Maria della Spina
auf, kaum war aber diese Arbeit geschehen, so übertrugen ihm
die Pisaner den Bau des berühmten Campo Santo. Sie bedurften
eines größeren Gottesackers, und nahmen zu diesem Zwecke aus
Palästina so viel Erde mit, dass man damit den gegenwärtigen
Raum des Campo santo neun Fuss tief überschütten konnte. Die-
sen Raum umfing Giovanni mit einer Mauer, die von aussen
nur mit den nothwendigen Thoren durchbrochen ist. Ringsherum
sie mit Pilastern geziert, die durch Bogen verbunden sind, auf
welchen ein ununterbrochenes Gesims ruht. Das Innere besteht
aus einem großen Hofe, welcher 450 Fuss lang und mit Säulen-
hallen umgeben ist, die aus 62 vollen Bogen gebildet sind. Von
den zwei langen Seiten des Parallelogramms zählt jede 26 Schwib-
bogen, und von den beiden kleineren jede 5. Dieses Werk ent-
stand zu einer Zeit, in welcher der gotische Stil schon in seiner
Vollen Ausbildung stand, am Campo santo bemerkt man aber nur
einige Details, die an jene Bauweise erinnern. Die Spitzbogen
erscheinen bloß in den Zwischenräumen der großen Rundbogen,
so wie die langen und dünnen Säulenbündel mit kleinen Schnitz-
werken, wie man sie an den Fenstern der gotischen Kirchen fin-
det. Die gotischen Verzierungen betrachte man aber im Campo santo
An einer dieser Kleineren Seiten erhebt sich die Capelle in Form eines Doms, an den Gotteshaus angebaut. Über der Hauptpforte sieht man folgende Inschrift:
A. D. M. C. C. L. X. X. I. Tempore Domini Federigi Archiep copi Pisani et Domini Tarlatti potestatis, operario Orlandi Sardella, Joanne Magistro aedificante.
Nach dieser Inschrift zu urteilen wäre der Bau 1283 vollendet worden; allein es erhob sich in der Archäologia der Society Antiquaries ein Streit über das Alter des Campo santo, welcher ersten Theile des dreiundzwanzigsten Bandes 1830 durch Sidney Smirke beendigt worden ist. Im fünfzehnten Bande brachte N. bert Smirke eine Copie der von Vasari angeführten Inschrift, in welcher die Jahrzahl 1278 statt 1283 steht. Dagegen behauptet Sir H. Englefield, der Stil der Fenster deute auf eine spätere und stützte seine Meinung auf eine andere Inschrift:
D. Ti. O. de Medicis Archiep. Pisano Antonius Jaco almi Templi Pisani Operarius sacri huj. et inter mori praeclarissimi sepulchri opus IMIIl arcubus XXVIII. @ £’ foratis fenestria marmoreis, II. Ann. sua diligentia M c
i curavit D. J. A. N. M. C. C. C. L. X. I. M. N.
Im Jahre 1830 hat auch Sidney Smirke aus der Beschaffenheit des Gebäudes nachgewiesen, dass die Anlage der Bogen und Ster zwar von Gio. Pisano herrühre, aber nicht von ihm vollendet worden sei, indem Antonio im Jahre 1464, der Inschrift nach, das ganze Werk durch Errichtung der 4 Bogen (nach Schorn’s Vorre wahrscheinlich Eingänge) und 28 Fenster beendigte, welche später errichtete Theile Smirke auch deutlich von den früher erbauten unterscheidet. Smirke fand auch in den älteren Fenstern den Über rest einer gelben Glasscheibe, zum Beweis, dass die Fenster im An fange mit farbigen Glastafeln geschlossen waren, welche später ohne Zweifel aus Rücksicht für die Malereien, hinweggenommen wurden. Über diese Malereien siehe Pitture di Campo santo a Pisa intagliate del C. Lasinio.
Nach Vollendung des Campo santo, im Jahre 1283, erbaute G. Pisano nach Vasari’s Behauptung in Neapel für König Karl Castell Nuovo, er konnte aber, wie Vasari angibt, die Fassade des Domes von Siena nicht gezeichnet haben. Vasari hatte hier neue Fassade des alten Domes im Sinne, welche erst im Jahr 1340 unternommen worden ist. An der neuesten Verschönerung hatte Johannes, der damals längst gestorben war, gewiss nicht das geringste Anteil, Hingegen möchte er in dem vorangegangenen neuen Bau einige der schönen Verzierungen an der Einfassung des grossen Fensters gezeichnet, andere vielleicht selbst gemalt haben (Rumahr’s italienische Forschungen II. 143).
Ein kunstreiches Werk des Giovanni Pisano ist aber der Hoch altar des Domes zu Arezzo, welcher 1286 begonnen wurde. In Mitte der Altartafel steht die heil. Jungfrau mit dem Kinde, rechts S. Donatus und links S. Gregorius unter dem Bildnis von Honor IV. Umher sind kleinere erhabene Bildwerke vom Leben und Tode der heil. Jungfrau und des heil. Donatus, vier kleine Staff bilder und reiche gotische Zierathen, alles aus Marmor, mit musi visch ausgelegt. 0
Die Kapelle der Albertini, welche Giovanni Pisano zu gleicher Zeit an dieser Kirche baute und schmückte, hat Vasari 1555 überkleidet, zum Unterbau der grossen Orgel. Die Kirche St. M ria de’ Servi, welche Giovanni baute, war schon vor Vasari 62#
Pisano, Giovanni. 377
zerstört. Bei diesen Arbeiten, namentlich am Altare, halfen ihm, wie am Dome zu Siena und Orvieto, die damals noch jungen Agostino und Agnolo von Siena.
Sein Hauptaltar im Dom von Arezzo ist noch immer vorhanden, und obgleich hier und da beschädigt, als eines der kostbarsten Denkmäler dieser Stadt in Ehren gehalten. Abgebildet ist er im Leben Gregor X., das in Rom 1711 erschien. Ein Relief von diesem Altare, den Tod der Maria vorstellend, siehe bei Cicognara d. sc. I. tav: 18. ;
Das ganze Werk hat viele Ähnlichkeit mit der Composition und Zeichnung des Giotto, was den Baldinucci veranlasst hat, den Giovanni Pisano zu einem Schüler Giotto’s zu machen, wogegen Lanzi I. S. 24 der deutschen Ausgabe mit Recht sich erklärt. Es ist wohl ganz naturgemäss, dass Giotto, der erst 10 Jahre alt war, als dieser Altar begonnen wurde, in Darstellung der Köpfe, Be- wegungen und Gewänder, die Fortschritte benutzte, welche die Bildnerei schon vor ihm durch den pisanischen Meister gemacht hatte. Die Bildnerei ging hier der Malerei voran, und Giotto war nicht so ganz ein Sohn der Natur, und nicht so selbstständiger Reformator der Malerei, wie Vasari ihn in seiner Lebensbeschreibung schildert. Diese Übereinstimmung zwischen Giovanni und Giotto ist aber auch deshalb um so bemerkenswerter, weil ersterer sich in demselben Grade von dem derben, antik-kräftigen Stil des Nicola entfernt, als er sich den gerundeten Linien des Giotto nähert (Anmerkung der deutschen Ausgabe des Vasari von Schorn T. 96).
In Florenz verfertigte Giovanni Pisano für St. Maria del Fiore die Bildsäule der Madonna mit dem Kinde auf dem linken Arm und der Blume in der Rechten, ein Werk, worin er dem Vater gleichkam, und das Cicognara I. 10, 31 abgebildet hat. In S. Giovanni derselben Stadt machte er den „kleinen Taufstein, auf welchem er einige Geschichten aus dem Leben des Täufers in halberhobener Arbeit anbrachte. Zu Bologna verfertigte er für die Kapelle des heil. Dominicus einen Altar von Marmor, Abbildung bei Morrona Pisa illust. I. tav. 4, und 1208 an demselben Orte eine Marmortafel, in welcher die Madonna und noch acht Figuren ziemlich gut dargestellt sind. Für die Kirche St. Andrea zu Pistoja arbeitete er eine Kanzel in Marmor, ganz in derselben Art angeordnet, wie die beiden seines Vaters zu Pisa und Siena, aber geringer in der Arbeit. Sie ist sechseckig und stellt in fünf Feldern die Geburt Christi, die drei Könige, den Kindermord, die Kreuzigung und
das jüngste Gericht dar. Sieben Säulen aus rothem Marmor tragen das Gehäuse, wovon drei äußere auf einer Löwin mit Jungen, einem Löwen, der einen Hirsch unter sich hat, und einem bärtigen Mann ruhen, die mittlere auf einem Adler und Löwen. In den Zwickeln der Spitzbögen, welche von den Säulencapitälen getragen werden, sind ebenfalls Figuren, und am Rande der Platte über denselben läuft eine vergoldete weitläufige Inschrift herum:
Lauda Dei trini rem ceptam copulu fini Cure presentis sub primo mille trecentis etc. ,
wonach also 1301 dies Werk vollendet ist, aber mit minderer Kunst, als die Kanzeln des Vaters. Doch scheint Giovanni das Werk sehr hoch gehalten zu haben, denn man liest auch noch: Hoc opus sculpsit Joannes, qui res non egit inanes Nicolai natus ... . (Sensia supplirt Cicognara) meliora beatus Quem genuit Pisa, doctum super omnia visa.
Zur selben Zeit fertigte Pisano für S. Giuvanni daselbst auch einen Weihkessel in Marmor, von drei allegorischen Figuren getragen, nach Vasari ein Werk von seltener Schönheit. Ehe er von Pisto wegging, machte er noch das Modell zum Glockenthurm auf dem Platze von St. Jakob. An einer Seite dieses Turmes steht die Jahrzahl 1301. Bald nachher, zur Zeit des Todes des Papstes Benedikt IX., wie Vasari behauptet, was aber wahrscheinlich Benedikt XI. heißen muss, der 1303 Papst wurde, — erhielt Giovanni Pisano einen Ruf nach Perugia, um in der alten Kirche S. Domenico ein Denkmal jenes Papstes zu verfertigen, den er nach der Natur bildete, im päpstlichen Ornate auf dem Sarge ruhend, zur Seite zwei Engel, welche den Thronhimmel halten, und darüber, erhielt erben gearbeitet, eine Madonna zwischen zwei Heiligen. Siehe die Abbildung bei Cicognara, I. tav. 21. In der neuen Kirche der Di minikaner arbeitete er das Grabmal von Niccolò Guidalotti, Bischof von Recanati und Stifter der neuen Hochschule in Perugia. In dieser Kirche baute er auch das Mittelschiff, da der erste Ba meister wenig Einsicht verrieth.
Nachdem Giovanni sich von den Arbeiten in Perugia losgemacht hatte, gedachte er nach Rom zu gehen, allein er ging von dem Vorhaben ab, da der Hof kurz vorher nach Avignon gegangen war, was 1305 geschah. Giovanni kehrte jetzt nach Pisa zurück und begann da im Dome den Bau der großen Kanzel, die sechs vielen (Fuß) Ellen hohen Figuren, als Trägern, geziert ist, sowie mit Säulen, die auf Löwen ruhen. An den Wänden stellte er einiges aus dem Leben Jesu dar. Vasari beklagt es, dass so viel Kosten, Mühe und Fleiß nicht eine gute Zeichnung zu Hilfe kam, dass weder Erfindung noch Anmut, noch eine irgendwelche Manier dies Werk zieren und ihm jene Vollkommenheit ge gibt, welche zu seiner Zeit bei weit geringerem Aufwand von Geld und Mühe jede Arbeit erreicht haben würde. Dessenungeachtet, il Vasari fort, musste dieses Werk den Menschen jener Zeit, wel ewohnt waren, nur grobe Arbeit zu sehen, als ein nicht gerinf under erscheinen.
Diese Kanzel wurde im Jahre 1627 aus dem Chore, wo sie originell stand, an eine Säule des Mittelschiffes versetzt und dur “cinen französischen Bildhauer zum Theil erneuert. Sie ruht auf zwei Säulen von Brocatello und Porphyr, unter welchen eine auf Hirschen stehen und außerdem auf fünf allegorischen Figuren, die schlecht erfunden und von magerer unbehülflicher Aus führung sind, obgleich man die Nachahmung antiker Motive dar wahrnimmt; siehe die Abbildung von zweien derselben bei Cicognara I. tav. 16. Die Reliefs an den Wänden, worin Giovanni ganz die Werke seines Vaters nachgeahmt hatte, wurden hin genommen und an der Gallerie über der Hauptthüre angebracht, welche die beiden Seitentribünen verbindet, wo man sie der H und Dunkelheit wegen kaum sehen kann. (Anmerkung in der deutschen Ausgabe des Vasari I. 103).
Über der Hauptthüre des Domes sieht man ferner, in Marmor gearbeitet, eine Mutter Gottes zwischen Johannes dem Täufer und einem anderen Heiligen, und die Gestalt, welche zu Füßen Madonna kniet, soll der Kirchenmeister Pictro Gambacorti sein. Auf dem Fussgestelle der Madonna liest man: Sub Petri cura hacc pia fuit sculpta figura; Nicoli nato, sculptore Joanne vocato. Eben so steht über der Seitenthüre, dem Glockenthurme gegenüber, eine Madonna von Giovanni; zur einen Seite eine wohl
Gestalt (Pisa) mit zwei Kindern, zur andern Kaiser Heinrich kniend. Auf dem Fussgestelle liest man: Ave gratia plena Domi- nus decum. Nobilis arte manus sculpsit Johannes Pisanus. Im Dome zu Pisa befinden sich auch noch zwei Weihwasserkessel, der eine oben durch eine Figur der Maria mit dem Kinde ge- schmückt, der andere von den vier Evangelisten getragen. Jener gilt für ein Werk des Giovanni, dieser für eine Arbeit des Nic- cola. L. Schorn erwähnt gleicher Weihkessel, Vasari kannte sie sicht. Letzterer macht es von jetzt an mit der Biographie Giovan- ni's kurz. Er sagt nur, dass der Künstler 1312 nach Prato beru- fen worden sei, um im Dome die Kapelle der Cingola zu bauen, als Aufbewahrungsort des Gürtels der heil. Jungfrau. Auch wurde nach seiner Angabe der Dom um vieles vergrössert, von aussen Kirche und Turm mit weissem und schwarzem Marmor verklei- det. Endlich, fährt Vasari fort, im Jahre 1320 starb Giovanni in hohem Alter, nachdem er ausser den schon genannten noch eine Menge Sculpturen und Bauwerke ausgeführt hatte. Er wurde im Campo santo neben seinem Vater begraben.
Andrea, Bildhauer und Baumeister, ein von Vasari (deut- sche Ausgabe von L. Schorn I. 210 ff.) gepriesener Meister, da er durch die Behauptung dieses Schriftstellers die «Bildhauerkunst in seinem Maasse vervollkommnete, ja durch Fleiss und Studium eine dahin brachte, dass er in seiner Kunst und ganz besonders im Erzgusse für den ersten Meister Toscana’s galt, dessen Werke ge- gen die plumpen Bilder seiner Vorgänger als ein Wunder erschie- nen. Als einen günstigen Umstand in Andrea’s Bildungsgeschichte bezeichnet Vasari, dass dieser Künstler in Pisa eine Menge alter Bildwerke vorfand, welche ihm viel mehr Belehrung und Aufklärung gewährten, als Giotto erlangen konnte, weil die antiken Malereien sich nicht so erhalten hatten, wie die plastischen Werke. Zu seiner Zeit, fährt Vasari fort, kannte man nur die Darstellung, welche die Gothen und die ungeschickten neuern Griechen nach Toscana gebracht hatten. Diese unglückliche Manier — wie unser Biograph sie nennt — war es, welche Andrea mit Einsicht verfeinerte, indem er die Zeichnung Giotto’s und die Altertümer sorgfältig beachtete.
Gegen diese Behauptung Vasari’s erhaben sich früher einige Ein- reden; namentlich hiess es, dass sich Andrea nach dem Studium der Antiken durch das Studium der Werke Giotto’s vielmehr ge- schadet hätte; allein Schorn gelangte bei der Beachtung der Ver- schiedenheit der Composition und des Gewandwurfes in den Wer- ken Niccola’s und Andrea’s von Pisa zu der Ueberzeugung, Vasari dürfe wenigstens in so weit Recht behalten, dass Andrea’s Zeich- nung größere Ähnlichkeit mit der des Giotto habe, als mit der des Niccola und der antiken Werke. Verz. die Note zur deut- schen Ausgabe des Vasari I. 213. Baldinucci lässt diesen Künstler ferne zu Giotto’s Schule besuchen, während Vasari nur sagt, er habe dessen neue Art der Zeichnung beachtet. Baldinucci hat keinen Beweis für sich; Andrea kam im Gegentheile schon als berühmter Bildhauer nach Florenz, wo Giotto seine Schule hatte. Dessen Malereien des Campo santo in Pisa konnte aber Andrea betrachtet haben.
Den Ruf nach Florenz bewirkten unserem Künstler seine Arbeiten in S. Maria a Ponte, wo er einige kleine Marmorfiguren verfertigte. Diese machten ihm einen grossen Namen, und er wurde nach Vasari’s Versicherung dringendst gebeten, nach Florenz zu kom-
men, um beim Baue von S. Maria del Fiore zu helfen, woselb man die Vorderwand mit den drei Thüren angefangen hatte, un an Meistern Mangel litt, welche die Bildhauerwerke ausführen konnten, die Giotto beim Beginne dieses Unternehmens gezeich net hatte. Das erste, was Andrea hier verfertigte, war die Statue des Papstes Bonifacius VIII., und von St. Peter und St. Paul, die der Vorderwand von S. Maria del Fiore aufgestellt wurden, sind aber jetzt im Garten Strozzi, ehegewals Riccardi zu Valfonda bef den. Die verstümmelte Figur des Papstes ist bei Cicognara | abgebildet, in Dom. Manni’s Stor. del Decamerone p. 2 c. 55 | dieselbe im Holzschnitt gegeben.
Hierauf arbeitete er für die mittlere Thüre jener Kirche in Nischen ein Paar Propheten in kleinerem Maßstabe und die Si tuen der vier Kirchenlehrer, ferner die Heiligen Stephanus und L rentius, in Marmor, lauter bewunderte Werke, die aber sämtli und mit allen andern Verzierungen, die man nach Giotto’s Zeich nungen begonnen hatte, hinweggenommen wurden. Die Sitz sind in der Kirche, am Eingange des Wegs nach Poggio Impen und anderwärts zerstreut. Cicognara a. a. O. nennt die Statue Papstes, zweier Propheten, zweier bärtiger Heiliger und zwei anderer Figuren als im Garten Strozzi zu Valfonda befindlich. Mit Unrecht wird ihm in der im Jahre 1816 erschienenen Beschrei bung der Peterskirche zu Rom die Statue Bonifacius VIII. in den vaticanischen Grotten beigelegt. Dann erklärt Vasari auch die bensgroße Madonna in der Misericordia zu Florenz irrig als A ndrea’s Werk; denn dieselbe ist die Arbeit des Alberto di Arnold. Siehe Cicognara und italienische Forschungen von Rumohr No. XII. Ein sehr gerühmtes Werk dieses Pisaners war aber halbe Figur der Madonna über der Seitenthüre der Misericordia auf der Wand der Cialdonai.
Da sich Andrea in seiner Jugend auch mit Werken der Baukunst beschäftigte, so trugen ihm die Florentiner auf, die Zeichnungen dem Palaste Scarperia zu entwerfen und die Mauer ihrer © zu erhöhen, was 1316 bewerkstelligt wurde, wie G. Villani hh c, 75 behauptet.
Um diese Zeit übte er sich ebenfalls im Erzgiessen und schickte durch seinen Freund Giotto, welcher damals am päpstlichen zu Avignon lebte, Seiner Heiligkeit ein schön gegossenes Dieses war Veranlassung, dass man ihm auftrug, eine Bronze- der Kirche St. Giovanni zu verfertigen, zu welcher Giotto die nung entworfen hatte. An dieser Bronzethüre, die damals 21 mein bewundert wurde, bis sie Ghiberti durch jene herrliche Piod verdunkelte, die Michel Angelo werth hielt, das Paradies zu 7 ren, sieht man in Basrelief Begebenheiten aus dem Leben Juhst nis des Täufers, von seiner Geburt an bis zum Tode.
Vasari sagt, dass Andrea mit seinem Sohne Nino das Werk Verlaufe von 22 Jahren 1330 vollendet habe; Baldinucci hing (Sec. 2 Dec. 3 S. 52) glaubt, dass die Arbeit im Jahre 1331 beg und wahrscheinlich in acht Jahren vollendet worden sei. Gio Villani (lib. 10 c. 176) berichtet, das Werk sei 1330 angefangen worden, und er sei selbst Vorsteher der Arbeit gewesen. Sie also 22 Jahre gedauert, wie Vasari versichert, so muss sie erst 1352, d. h. 7 Jahre nach Andrea’s Tod beendet worden sein. Dieses ist jedoch nicht möglich, da Villani nur bis 1348 lebte aber doch deutlich von der Vollendung des Werkes spricht. Wahrscheinlich ist die Modellierarbeit im Jahre 1330 beendet und G und Ciselierung in demselben Jahre begonnen worden. Auf de
Pisano, Andrea.
Anfang des Gusses scheint sich auch die Inschrift des Werkes zu beziehen, welche nach Bottari also lautet: „Andreas Vgolini Nini de Pisis me fecit anno Domini 1330“, welches auch bei Cicognara st. d. sc. II, 326. und in der (genauen) Abbildung bei Lasinio: Le tre parte del Battisterio di Firenze 1823, fol., sich bestätigt findet. Seltsam wäre es, wenn Andrea das Jahr des Anfangs der Modellierung mit dem Ausdrucke: „me fecit“ hätte bezeichnen wollen, (Vergl. die Anmerkungen in der deutschen Ausgabe des Vasari von Schorn I. 218).
Einige Jahre konnte der Künstler allerdings mit der Arbeit zu- gebracht haben, denn er arbeitete nicht beständig an diesem Werke, sondern verfertigte nach Vasari’s Versicherung zu gleicher Zeit auch das Tabernackel des Hauptaltares von St. Giovanni und die mar- mornen Figuren, welche der Thüre des Glockenthurmes von S. Maria del Fiore zur Zierde dienen. Diese Zeit gehören auch die Ovalen um den Turm an, welche die sieben Planeten, die sieben Tugenden und die sieben Werke der Barmherzigkeit in halb er- hobenen kleinen Figuren darstellen. Der Hauptaltar wurde 1732 mit einem aus bunten Marmor von der Hand des Girolamo Ticciali ersetzt, und die Statuen des Andreas scheinen verloren gegangen zu sein. Siehe Cicognara III, 392, Guida di Firenze 1822.
Außer den eben genannten Arbeiten verfertigte Andrea Pisano auch viele andere Werke, darunter vornehmlich das Modell zur Kirche S. Giovanni in Pistoja, die 1337 gebaut wurde. Vasari schreibt ihm auch das schöne Grabmal Cino’s im Dome dieser Stadt zu, allein Ciampi, Memorie storiche di più uomini illustri Pisani II, 208, hat aus einer Urkunde bewiesen, dass das schöne Grabmal dieses Dichters Cino nicht von Andrea, sondern von einem Meister Cicello nach der Zeichnung eines Sienesischen Künstlers im Jahre 1337 gearbeitet sei. Siehe die Abbildung Cicognara, Stor. I, tav. 35. Ueber der Thüre des Domes zu Lucca ist ein Relief von Andrea, die Kreuzabnehmung.
Gualtieri, Herzog von Athen und Tyrann der Florentiner, be- nannte sich bei seinen Bauunternehmungen der Hülfe Andrea’s. ließ ihn den grossen Platz vergrössern, seinen Palast zur Fe- ierung einrichten, an den Mauern der Stadt viele Thürme auf- hängen und das Modell zu einer neuen Festung anfertigen, welches aber nicht zur Ausführung kam, da Gualtieri 1343 vertrieben wurde. Er baute Andrea auch das Thor S. Friano.
Durch diese vielen Arbeiten erwarb sich Andrea Pisano nicht nur Vermögen, sondern auch Ruhm. Dass er aber auch als Mensch geschätzt war, beweist der Umstand, dass ihm die Signoria von Florenz, anscheinlich nach der Vertreibung des Herzogs, das Bürgerrecht erteilte und ihm Dienste und Ämter übertrug. Im Jahre 1345 starb er, in einem Alter von 65 Jahren. Sein Sohn Nino setzte ihm in S. Maria del Fiore folgende Grabschrift:
Ingenti Andreas jacet hic Pisanus in urna, Marmore qui potuit spirantes ducere vultus, Et simulacra beum mediis impounere templis Ex aere, ex auro candenti et pulcro elephanto,
Nino vollendete einige Arbeiten des Vaters, wie eine Madonna in Marmor, die zu S. Maria Novella in Florenz neben der Capelle Minerbetti aufgestellt wurde. Andere seiner Werke haben wir unter „Nino“ aufgezählt. Es lebte auch ein Tommaso Pisano, den man für Andreas Sohn halten könnte.
Verschieden von unserm berühmten Bildhauer ist jener Andrea von Pisa, der 1345 Vorstand der Maler des Domes zu Orvieto war.
Siehe Storia del Duomo d’Orvieto p. 280.
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