Piranesi, Giambattista Cav.

Piranesi, Giambattista Cav., Zeichner, Architekt und Kupfer- stecher, wurde 1707 zu Rom geboren, nicht zu Venedig , wie Gan- dellini und Milizzi angeben. In letzterer Stadt lernte er zeichnen und die Anfangsgründe der Baukunst , bis er zuletzt nach Rom sich begab, wo jetzt die Archäologie sein ganzes Wesen einnahm. Er zeichnete eine Menge von Gebäuden und Ruinen, und sein unermüdlicher Eifer im Aufsuchen, so wie sein heller Blick im Auffassen der antiken Reste kann nicht genug gelobt werden. Unter seinen zahlreichen Werken nennt man besonders sein grosses Pracht- werk, welches einen allgemeinen Plan des alten Roms und dessen Er- klärung, dann eine Menge einzelner Pläne und Aufrisse der vorzüglich- sten alten Denkmäler enthält. Dieses Werk ist noch immer unentbehr- lich, seiner Kostbarkeit wegen wäre es aber wünschenswerth, dass das Aechte und der Wissenschaft Bleibende ausgeschieden dastünde,

— Piranesi, Giambattista Cav.

Seine Meinungen sind meistentheils unbegründet, seine Beschreibungen von dem, was er als bestehend angibt, nur mit der größten Vorsicht zu gebrauchen, da er das, was er wirklich gesehen, von dem, was er nur vermutet, nicht unterscheidet. Als Zeichner und Radierer verdient er aber ausgezeichnetes Lob, und man kann sagen, dass die Ritter Piranesi viele der alten Herrlichkeiten Rom gleichsam aus dem Grabe hervorgezogen und in einer malerischen Weise dem Auge vorgelegt haben. Sein Sohn Franz ist sein würdiger Nachfolger. Er setzte die von seinem Vater begonnene Kunsthandlung fort, und vermehrte die Zahl der von demselben begonnenen Werke. Auch einzeln kommen diese Blätter vor. Cav. Francesco Piranesi starb zu Rom 1778. T. Bowles stach nach ihm Antichiteten merkwürdiger Denkmäler und Plätze von Rom, 12 Blätter, qu., fol.

Da man von den Werken der Piranesi die älteren Ausgaben vorzuziehen pflegt, so lassen wir hier diejenigen des Gio. Battista in jener Ordnung folgen, welche ihnen 1792 gegeben wurde. Die neue Ausgabe bat eine andere Eintheilung in der Bändezahl.

  1. Le Antichità Romane, 4 Voll. mit 218 Blättern in der alten Ausgabe, Roma 1756, gr. fol. Der erste Band enthält die Ruinen der alten Gebäude Roms und den Plan der alten Stadt. Der zweite und dritte Band gibt die Ruinen der zweiten Grabmäler Roms und der Campagna, und als Supplement das Grabmal der Scipionen, von Franz Piranesi gestochen. Dieses Werk wurde auch einzeln verkauft. In der neuen Ausgabe bildet es den fünften Band: Monumenti degli Scipioni 1785, 6 Blätter, gr. fol. Der vierte Band enthält die alten Brücken, Theater, Portici etc. Im Jahre 1786 veranstaltete Cav. F. Piranesi eine zweite Ausgabe von diesen Werken, die teilweise vermehrt wurden, so dass das Ganze 224 Blätter erhielt. Diese Ausgabe ist dem Könige von Schweden dedicirt. In späteren Drucken enthalten die vier Tafeln, in einigen Exemplaren die Dedication an My Lord Charlemont, allein Piranesi fand bald für gut, diese Dedication zu unterdrücken.

Dazu gehört, als fünfter, ein Supplementband, in welchen die Abhängnisse der besterhaltenen römischen Tempel enthalten sind. Im ersten Theile ist der Tempel der Sibylle und jener der Vesta in Tivoli, 14 Blätter, der Tempel des Homeros und der Virtus, 8 Blätter, mit Beschreibung von F. Piranesi 1780. Der zweite Theil enthält das Pantheon auf 24 Blätter, mit der Beschreibung von F. Piranesi. Die Abdrücke wurden auch einzeln verkauft, wie jene mit den Säulen und Kapitellen.

  1. De Romanorum magnificentia et architectura. Roma 1740, 40 Blätter in gr. fol., mit italienischem Texte. Dieses Werk bildet den fünften Band der neuen Ausgabe.

  2. Architetture diverse etc. Verschiedene griechische, römische und italienische Gebäude, 27 Blätter, die 1740 erschienen.

  3. Carcere d’invenzione nuova 1750, 16 Blätter, gr. fol.

  4. Architetture antiche, Tempi e Anfiteatri etc. 1741, 32 Blätter, qu., fol.

  5. Trofei d’Ottaviano Augusto etc., 15 Blätter 1753, von G. B. Piranesi herausgegeben, und 1780 von Franz vermehrt.

  6. Lapides capitulini, sive Fasti consulares triumphalesque Romanorum ab urbe condita, usque ad Tiberium Caesaris, Romae 1761, fol.

  7. Le Rovine dell’ acqua Giulia, 20 Blätter mit Beschreibung. Roma 1761 und 1765, gr. fol.

  8. Antichità di Cora, 1763, 13 Blätter, gr. fol.

Das Castel Aqua Giulia, die Lapides capit. und die Alter- tümer von Cora bilden den neunten Band der 'neuen Ausgabe.

  1. Campus Martius antiquae urbis. Romae 1761, 54 Blätter mit den kleinen Abbildungen, auch mit Text, gr. fol. In der ersten Ausgabe sind die Blätter 6 — 10 nicht zu finden. In der neuen Sammlung bildet dieses Werk den zehnten Band.

  2. Antichità d’Albano e di Castel-Gandolfo, mit Text, 1762; 55 Blätter mit den kleinen Abbildungen. Dies ist der elfte Band der neuen Ausgabe.

  3. Vasi, candelabri, cippi, sarcofagi, tripodi, lucerna ed orna- menti antichi, 2 Voll. mit 114 Blättern bis zum Jahre 1778. Damals gab G. B. Piranesi seine Werke heraus, die Blätter von 1770 u. s. w. sind Zuthat des Franz Piranesi. Die neuen Exemplare enthalten 127 Blätter, gr. fol. Diese Sammlung bildet den zwölften und dreizehnten Band der neuen Ausgabe.

  4. Colonna Trajana, mit dem Piedestal, den Figuren, Trophäen, Inschriften etc., 21 Blätter mit Text, Roma 1775.

  5. Die Säule des M. Aurelius, mit den Basreliefs, Trophäen und der Erklärung der Inschriften, 1776, 7 Blätter, gr. fol.

  6. Die Verklärungssäule des Antonius Pius; mit Medaillons, Trophäen etc. 1779, gr. fol.

Die drei oben genannten Säulen sind der Inhalt des vier- zehnten Bandes der neuen Auflage.

  1. Aussere und innere Ansichten der drei Tempel zu Paestum, 21 Blätter mit Text, 1778 erschienen, gr. fol; Diese Blätter bilden den fünfzehnten Band der Sammlung.

  2. Vedute di Roma, 2 Bände mit 137 numerirten Blättern, gr. fol. Auf dem Titelblatte des ersten Theiles steht die Jahr- zahl 1748. Dieser Band enthält Ansichten von neueren Kir- chen, Plätzen, Palästen, Fontainen, Brücken, Hafen, Tho- ren; der zweite Theil auch Tempel der classischen Zeit, Triumphbögen, Fora, Theater, Thermen, das Colosseum, Grabmäler, Ansichten von Tivoli. In der neuen Ausgabe bilden diese 2 Voll. Band XVI. und XVII.

  3. Eine Anzahl geistreich radirter malerischer Einfälle oder Capricen.

Francesco Cav., Zeichner und Kupferstecher, geboren zu Rom 1756, gestorben zu Paris 1810. Als Sohn und Schüler des berühmten Gio. Bat. Piranesi widmete er sich der Kunst desselben, denn er sollte vollenden, was jener begonnen, und den vom Vater begründeten Kunsthandel zur noch größeren Blüthe bringen. Sein Bruder Peter, so wie seine Schwester Laura standen ihm nützlich zur Seite, und so häuften sich nach und nach nicht nur Supplemente und Fortsetzungen zu dessen älteren Piranesi Wer- ken, sondern es entstanden auch neue Arbeiten, die ganz im Geiste der früheren vollendet sind. Die Piranesische Kunsthand- lung war berühmt, und die Unternehmer galten als Männer von ausgezeichneten Kenntnissen. Franz war zu Zeichnern auch Geschäfts- trager Gustav III. von Schweden; und Carl XI beehrte ihn nicht wider mit wichtigen Aufträgen. Endlich aber brach die Revolu- tion aus, und nun war es mit den Künsten des Friedens dahin. Der Handel stockte, kein artistisches Unternehmen brachte Beloh- nung ein, und so musste sich Piranesi um eine Stelle bei der französischen Regierung bewerben. Diese schickte ihn 1798 als Minister der Republica Romana nach Paris, da der Künstler schon früher

die diplomatische Laufbahn mit Glück betreten hatte. Nach der Veränderung dieser Regierungsform durch die Franzosen kehrte Piranesi nach Rom zurück, wo sich aber die Verhältnisse für seine Unternehmungen nicht günstiger gestaltet hatten, und entschloss er sich zur Auswanderung nach Frankreich. Er begab sich zunächst mit allen seinen Kunstschätzen nach Neapel; allein hier wurde er auf Befehl des Königs verhaftet. Der weltberühmte Conseil Napoleon erwirkte ihm aber die Freiheit, und dann begab sich Piranesi mit seiner Sammlung nach Paris, wo er bis an seinen Tod verblieb. Die Piranesi wurden von der französischen Regierung sehr begünstigt, und so schritten sie mit Mut zu neuen Unternehmungen. Sie suchten eine der ehemaligen römischen Chalk ographie ähnliche Anstalt zu gründen, aber obgleich sie bereit den Titel „Directeurs de l'Établissement, formé au ci-devant Cé lege de Navarre“ führten, so wollte die Sache doch keinen richtigen Aufschwung nehmen. Die Blätter, welche aus dieser Anstalt her- vorgingen, häuften sich nicht mehr zu Foliobänden an, wie früher in Rom, obgleich für jene schwankende Zeit noch immer viel schah. F. Piroli war damals ein rüstiger Mitarbeiter, dessen Bildungen der Villa Lante und der Sala Borgia den vierundzwanzigsten Band der Piranesischen Sammlung ausmachen, wie ersehen ist. Endlich dachten sie auch an eine neue Ausgabe der eigenen und der Werke ihres Vaters, die unter dem Schutz der Regierung zwar zu Stande kam, aber weniger Aufnahme fand als die frühere. Man sah bald, dass Piranesi’s architektonischen Abbildungen dem Studium der Architektur wenig fromme können, da sie in ihrer malerischen Behandlung nicht so streng bestimmt sind, wie diese Kunst es erfordert. Auch waren die Pa ten bereits abgenützt. Der Text fehlt, was gerade kein großer Verlust ist, nach dem, was wir im Artikel des älteren Piranesi merkt haben. Diese Ausgabe hat den Titel: Antiquités égyptiennes Étrusques et romaines, dessinées et gravées par les Chev. G. E. B. Piranesi. Ein anderes, aber nicht glückliches Unternehmen der Brüder Piranesi war die Einrichtung einer Manufaktur in Terracotta , in welcher Candelaber, Dreifüsse, Vasen etc. nach annähernd besonders etrusischen Vorbildern gefertigt werden sollten. Piranesi nahm an dieser neuen Fabrikation thätigen Antheil, konnte aber das Institut doch nicht zum Gedeihen bringen, und vielmehr den Schmerz, selbes aufgeben zu müssen. Die Verwaltung hatte es aber der Chalkographie du Musée einverleibt und so sah Piranesi diese von ihm gegründete Anstalt wenigstens einige Zeit vegetiren. In den Besitz des letztgenannten Instituts gingen auch seine Platten über.

Von Cav. Fr. Piranesi’s Antheil an den Werken seines Vaters haben wir im Artikel desselben gesprochen. Die unter dem Schutz der französischen Regierung von ihm veranstaltete Sammlung hält indessen nicht lauter eigenhändige Werke der Piranesi. sind darunter die Tabulae variae celeberrimorum pictorum, Blätter nach Guercino von Bartolozzi u. a. gestochen, als Tom. XXI. der Sammlung; Hamilton’s Schola italica, 40 Blätter. Rom. 1773, Tom. XXII.; Divers gravures, Tom. XXIII.; Les mqn triomphes de la Villa Lante, 16 Blätter nach G. Romano; die 54 der Rafael’s in der Sala Borgia, 12 Blätter, alle von Piroli gestochen, als Tom. XXIV.; Cabinet de Jules II. par Raphael, 14 Blätter; Les intures de la Farnesina, par Raphael, 18 Blätter, Tom. XXV.; intures de la Villa Altoviti, par G. Vasari, 13 Blätter, Tom. XXVI.

Theils einzeln, theils in ganzen Sammlungen haben wir von ih-

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