Piombo, Fra Sebastiano del, Maler von Venedig . heißt er seinem Geschlechtsnamen Luciani, kommt aber in der Kunstge schichte immer nur unter ersterem vor. In seiner früheren Jugen betrieb er mit Vorliebe Musik, bis er endlich bei Gio. Bellini noch grössere Leidenschaft für die Malerei fasste, in welcher er in de Folge auch wirklich excellirte. Nachdem er Gian Bellini verlasse nahm er Giorgione, und ahmte diesem Meister besser als Andere im Farbenton und im Duftigen nach, wie Lanzi bemerkt.
Rom schloss er sich anfangs an Rafael an, später liess er sich ab von Michel Angelo leiten, welcher damals mit der Schule Rafael in Opposition stand. Piombo kam aber schon als selbstständig Künstler nach Rom , der bereits in Venedig neben Giorgione Ehren genannt wurde. Sein Bild in St. Gio. Chrisostomo daselbst ward für ein Meisterstück gehalten, im Geiste Giorgione’s beha ldet. Es stellt diesen Heiligen auf dem Throne vor, von ande ren Heiligen umgeben. Da sich auf solche Weise sein Ruf schon ve breitet hatte, berief ihn Agostino Ghizi nach Rom, um zur Av schmückung seines Pallastes (Farnesina) beizutragen, neben Ra tini und B. Peruzzi. Del Piombo malte da mythologische Darstellu ngen, die in Hinsicht der Färbung das grösste Lob ernteten, zeichnung aber die Werke der genannten Meister nicht erreic ten. Besonders rühmte man das Bild des Polyphem . Sebastiano gab sich indessen die grösste Mühe, in der Zeichnung vollko mener zu werden; allein es gelang ihm nie in dem gewünscht Grade. Desswegen nahm sich Michel Angelo seiner an, der s dieses Künstlers, sowie des Marcello Venusti bediente, um Ral ein Gegengewicht hinzustellen, was er dadurch zu erreichen such te, dass er die eigene gediegene Zeichnung mit dem schönen Color der venetianischen Schule vereinigte. Piombo war nicht sonderl gedankenreich, und im Componiren mehrerer Figuren lang unentschlossen, fing schwer an und vollendete noch schwer Dieser Mangel war ihm sehr fühlbar, und so musste ihm die terstützung Buonarotti’s um so wünschenswerther seyn. Letzter b ihm mehrere Zeichnungen, die dann Piombo in Farben führte. Indessen hat auch Sebastiano treffliche Bilder compon die aber der peinlichen Mühe wegen, die er sich gab, nicht Härte frei sind. In St. Agostino zu Perugia ist eine Geburt: Maria von ihm gemalt, und die Geisslung bei den Osservanti Viterbo galt für das beste Bild der Stadt. Die Pieta bei den © ventualen daselbst malte er nach einer Zeichnung Buonarotti Michel Angelo’s Beihülfe förderte ihn besonders auch bei Ausführung der Malereien zu St. Pietro in Montorio in Rom, er in einem Zeitraume von sechs Jahren nach den Cartons selben einige Bilder malte. Das Gemälde der Verklärung Chi sollte zugleich die Frescomalerei in Schatten stellen; denn S stian malte es auf eigene Weise, welche sich aber nicht bewäh indem das Gemälde ganz unscheinlich geworden ist, sowie e andere Bilder daselbst. Ein Werk von grösserer Bedeutung, welchem Michel Angelo durch Fra Sebastiano mit Rafael in W eifer trat, ist aber die berühmte Auferweckung des Lazarus, | in der National-Gallerie zu London. Der Cardinal Giulio de Cesi, nächstmaliger Papst Clemens VII., wünschte als Erzbischof Narbonne zwei Bilder in die Cathedrale daselbst zu stiften, bestellte daher bei Rafael die Transfiguration, bei Sebastiano Piombo die Auferweckung des Lazarus, beide als Gegenst
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von gleicher Grösse. Vasari sagt, dass man beide Bilder ange- messen bewundert habe, und obgleich die Arbeiten Rafael’s wegen ihrer höchsten Grazie und Schönheit nicht ihres Gleichen hatten, so seien doch auch die Leistungen des Sebastiano allgemein und von Jedermann gelobt worden. Dieses wird nach Dr. Waagen, Kunst und Künstler etc. I. 186, noch heute ein jeder, der beide Bilder kennt, sehr natürlich finden, denn es war nicht Sebastiano allein, es war mit ihm der grosse Michel Angelo, welcher hier gegen Rafael in die Schranken trat. Vasari sagt nämlich, dass Piombo das Bild unter Leitung des Meisters und teilweise nach dessen Zeichnung ausgeführt habe. Dies beweist auch der Au- genschein; man sieht nach Dr. Waagen auf den ersten Blick, dass manche Teile, besonders die Figur des Lazarus, von keinem an- dern, als Michel Angelo gezeichnet seyn könne, so ganz in sei- nem Geiste sind die Motive, so grossartig und vom tiefsten Ver- ständnis die Formen. Waagen geht so weit, zu behaupten, dass die ganze Composition von Michel Angelo, wenn vielleicht auch nur in einer kleinen Zeichnung, angegeben worden sei, und dass Buonarotti für die Figur des Lazarus dem im Nachten schwachen Sebastiano mit einem Carton ausgeholfen habe. Wunderbar geistreich und zugleich der Schrift ganz getreu, ist in dem Lazarus der Über- gang vom Tode zum Leben ausgedrückt. Das Leichentuch, welches sein Gesicht dunkel beschattet, erregt lebhaft die Vorstellung der Grab- nacht, die ihn noch vor kurzem umgeben; das aus diesem Dunkel scharf auf Christus, seinen Erlöser, blickende Auge zeigt uns dagegen im schlagendsten Gegensatz das neue Leben in seinem gesschärfsten Organ. Dieser ist auch in dem Körper durchgeführt, der in lebhafter Anstrengung ist, sich völlig von den Binden, die ihn fest umwunden halten, zu befreien. „Mein Herr und mein Gott!“ sagt sein ganzer Ausdruck. Die Gebärden des in Gestalt und Ausdruck edlen Christus ist ebenfalls sehr sprechend. Mit der Linken deutet er auf Lazarus, mit der Rechten gen Himmel, ob er sagte: „Ich habe dich erweckt durch die Kraft dessen, der mich gesandt hat,“ was auch wieder ganz mit dem biblischen Text übereinstimmt. In den vielen andern Figuren ist Dank, Er- sinnen, gläubige Ueberzeugung, Zweifel in den verschiedensten Abstufungen ausgedrückt. Eine sehr poetische Landschaft beschließt den hochgenommenen Horizont. Man sieht, dass Sebastian hier in allen Stücken sein Äusserstes gethan hat, indem die Ausfüh- rung durchhin sehr gründlich und gediegen, die Farben von gros- ser Sattigung und Tiefe des Tons sind. Dennoch ist die Gesammt- wirkung des Bildes jetzt etwas bunt und fleckig, denn manche Stellen haben sehr nachgedunkelt, manche helle Farben treten zu schwer hervor; überdies ist die ganze Oberfläche ungleichmässig von einer starken Lage alter Firnisse und Schmutz bedeckt. Noch klagenswerther ist es, dass dieses Hauptwerk durch Würmer, wel- che von dem bei der Übertragung auf Leinwand gebrauchten Kleister angezogen werden, schon seit Jahren zernagt wird, ohne dass die Direktion diesem Uebelstande abzuhelfen gesucht hat. Die Zeit der Vollendung des Bildes ist 151909. Die Gebrüder Wood- man in London hatten noch 1837 einen sehr interessanten Brief, d. d. 29. Dezember 1510 des Sebastian del Piombo an seinen da- mals in Florenz befindlichen Gönner Michel Angelo, aus welchem hervorgeht, dass das Bild gegen diese Zeit fertig geworden ist. Der Cardinal schickte es nach Narbonne, und da blieb selbes, bis der Regent, Herzog von Orleans, für 24.000 Fr. erkaufte. Als es mit der Gallerie Orleans nach England kam, kaufte es der Ban- quier Angerstein für 3500 Guineen, welchem Hr. Beckford 20.000
Piombo, Fra Sebastiano del.
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