Pino, Marco di

Pino, Marco di, Maler von Venedig , wurde der Namensähnlichkeit wegen mit dem Luccheser Paolo Pini verwechselt, beide haben aber mit einander keine Gemeinschaft. In S. Francesco zu Padua malte er eine seelige Jungfrau mit vier Heiligen, nach Lanzi in einem halb neuern, halb Bellinischen Stil, und schrieb dabei: Paulus Pinus Ven, 1565. Im Schlosse Noale im Trevigischen malte er die Säulenhallen innen und aussen, Figuren, wie sie dem Orte ange- messen waren, wo Gerichte gehalten und Rechtsurteile entschieden werden. Dann haben wir von Pino auch einen Dialogo della pit- tura, der 1548 in Venedig gedruckt wurde.

Marco di Pino, Maler und Architekt von Siena , daher auch Marco da Siena genannt, wurde nach der Angabe Baglione’s und der Sieneser Chronikschreiber von Beccafumi erzogen; Baldinucci nimmt ihn aber auch Buonarotti’s Unterricht geniessen, und Pater della Valle stellt ihn, in Anschung seines feurigen Colorites, dem Tintoretto gleich. Lanzi bemerkt ferner, alle kämen darin überein, dass Pino seine größte Kunstkenntnis aus Rom habe, wo er zu- nächst nach Ricciarelli’s und Perino’s Cartons arbeitete, und, wie wir Lomazzo glauben wollen, auch von Michelangelo unter- richtet ward. Und M. di Pino ist auch wirklich einer der geist- reichsten Anhänger und Nachahmer Buonarotti’s, dessen Grund- züge er sich eigen gemacht hatte, ohne zu prunken. Sein Stil war frei und großartig; von Lomazzo wird er für die Form des Begschlichen Körpers, für die richtige Abstufung des Lichts nach den zurücktretenden Gegenständen als Muster angeführt, und hier- nächst L. da Vinci, Tintoretto und Baroccio gelobt. Auch neueren Schriftsteller lassen dem M. di Pino Gerechtigkeit wie- derfahren, ohne gerade Alles lobenswerth an ihm zu finden. So legt Kugler (Gesch. d. M. I. 327), dass man in Neapel, wo der Künstler thätig war, neben recht tüchtigen und geistvollen Bildern auch vieles Affectirtes und Unbedeutendes sehe. Nach Neapel scheint er 1560 gekommen zu sein. Er wurde wohl aufgenommen, und erhielt das Bürgerrecht; denn Pino war nicht nur ein sehr ach- tenswerther Mann, sondern stand auch im Rufe des ersten Malers Neapels. Desswegen wurde er bei allen bedeutenden Arbeiten der grösseren Stadtkirchen und einigen des Königreichs ge- sucht. Er wiederholte da in mehreren Bildern eine schon in Rom gemalte Kreuzabnehmung, aber mit neuen Veränderungen, und die in S. Giovanni de’ Fiorentini vom Jahre 1577 wurde sehr geschätzt. Eines seiner Hauptwerke ist auch die Beschneidung, ehemals in der Kirche S. Paolo, jetzt im königl. Museum zu Neapel. Auch eine Anbetung der Weisen und andere Bilder verdienen alles Lob; er blieb sich aber nicht gleich, wie man dies in S. Severino bemerkt, wo das eine seiner vier Bilder, die Geburt Christi, an Werth viel geringer ist, als die anderen.

Pino zog in Neapel auch mehrere Schüler, worunter G. A. Cris- wolo der bekannteste ist. Dieser und Pino legten den Grund zur Geschichte der Neapolitanischen Malerei, wozu aber Vasari Veranlas- sung gab, der in seiner neuen Ausgabe der Vite etc. von 1508 im Leben des Daniello da Volterra ganz kurz von Marco di Pino-

spricht. Vasari sagt nur, Pino habe von Daniello viel gelernt eineapel als seine Vaterstadt betrachtet und dort stets gewohnt und gearbeitet. War nun aber Marco mit diesem Lobe nicht zufrieden, oder verdross ihn Vasari’s Schweigen über viele seiner Künstler und fast alle Neapolitaner, — er nahm sich vor, gegen Vasari zu schreiben, und der oben erwähnte Notar Criscuolo sammelte ihm die historischen Belege, woraus Pino einen Discorso verfass, welchen aber erst Domenici 1742 teilweise bekannt machte, mit Criscuolo’s Nachweisungen, und einer Zugabe über die folgenden Künstler von M. Stanzioni und P. de’ Matteis. Domenici gab auch seine eigenen und des Matteo Egizio gesammelten Notizen hinzu, und so entstand ein weitschweifiges Werk, welchem Land in Bezug auf die älteren Tatsachen mehr kritische Sichtung, hin sichtlich einiger Neueren weniger Nachgiebigkeit wünscht.

M. di Pino schrieb auch ein Werk über die Baukunst, welches aber verloren gegangen zu sein scheint, was P. della Valle, der in den Lettere Senese III. 280 ff. weitläufig über ihn handelt, bedauert. Marco baute die Kirche und das Collegium del Gesù Vecchio, ein geräumiges Gebäude, welches später zur Universität eingerichtet wurde. Er restaurierte die Kirche della Trinità di Palazzo zu Neapel. Das Todesjahr des Künstlers ist nicht bekannt. Domenici lässt ihn um 1587 sterben.

Papillon zählt den M. di Siena auch unter die Formschneider, was vermutlich nicht viel Grund hat. Johann Gallus hat ihm mehrere Blätter in Helldunkel gefertigt, deren einige mit M S J bezeichnet sind, mit und ohne G. J. Ersteres bedeutet: ° Marco Senese invenit, Letzteres Gallus Incidit. — Corn., Cortes nach ihm den Gruss der Elisabeth, und die Anbetung der Hirte rechts ist ein solcher mit dem Dudelsack, im Vorgrunde andere, bald Figuren, 1568, gr. fol. Dieselbe Darstellung, von der Gegenseite gestochen, hat Caxelli’s und Orlandi’s Adresse 1602. Cherubini stach 1580 die Beschneidung Christi. Laurenty Vacary F. mis Romae 1580.

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