Pilon, Germain

Pilon, Germain, einer der größten französischen Bildhauer und Architekt der Renaissance , wurde — nach der gewöhnlicheren Ansicht — zu Loue geboren, wo sein Vater und dessen Familie lebte, während unser Künstler in Paris sein Glück gründete, da er der Lieblingsbildhauer der Königin, Katharina de Medicis, war. Zu Loue, in dem benachbarten Mans, in den Kirchen, der Umgebung, fand man vor der französischen Revolution viele Werke von den Pilon; damals aber gingen, meistens, zu Grunde; andere kamen in den Privatbesitz, wurden teilweise vergessen, und vernachlässigt. Germain’s Werke fanden in Paris bei Lenoir einen Beschützer; der bekanntlich mit Gefahr seines Lebens das Musée des petits-Augustins gründete, worin eine große Anzahl von französischen Kunstdenkmälern erhalten wurden. Lenoir errichtete daselbst dem Künstler auch ein Denkmal, eigener Art, welches mit mehreren Basreliefs von dessen Hand geziert war. Im Museum der Kunstdenkmäler sieht man jetzt das Meisterstück Pilon’s („Die schöne Gruppe der drei Grazien“, welche in der Kirche der Côtesiner zu Paris sich befand, und bestimmt war, eine Urne zu tragen, welche das Herz Heinrichs II. und der Katharina von Medicis einschloss. Watelet behauptet, dass diese Gruppe die theologischen Tugenden vorstelle; und sie sind auch wirklich so züchtig, dass man sie dafür halten könnte, wenn sie anders zusammengestellt und weniger leicht bekleidet wären. Ebenso hatten diese züchtigen Göttinnen ein Gefäß von Gold, jetzt aber ein solches von Bronze. Pilon’s Werk ist ferner das prächtige Monument der genannten königlichen Gatten in der Stiftskirche zu St. Denis. Sie sind in weißem Marmor, wie auf dem Paradebette liegend ab- gebildet. Dann hat man von ihm zwei Statuen dieses Königspaares in Bronze, vor einem Begräbnisaltar kniend, und dann beide noch einmal, jedesmal in Hoftracht. D’Argensville nennt von Pilon noch mehrere andere Werke, die teilweise noch an Ort und Stelle seyn werden: in der heil. Capelle eine Schmerzensmutter, zu St. Gervais ein Ecce homo, und ein ähnliches in Picpus, zu St. Genevieve eine Grablegung; und ein auferstandener Heiland in gebrannter Erde; zu St. Etienne-du-Mort eine Grablegung, eine Auferstehung und drei kleine Basreliefs mit St. Paul, Christus im Garten, und Aaron; am Hauptaltäre von St. Germain-l’Auxerrois vier Engel in Erz; bei den Cölestinen das kupferne Chorpult und eine Urne von Metall mit dem Herzen des Connetable von Montmorency; an der Kanzel in der Kirche der Grand Augustins zwei Basreliefs mit Johannes dem Täufer und Christus am Jacobs- brunnen, im Kloster daselbst ein heil. Franz auf den Knien, eine Gipsfigur von 1588; in St. Loux das Grabmal des Kanzlers de Bri- ague und seiner Gattin, letztere in Marmor liegend, und über der ehernen Bildsäule des Kanzlers ein Kreuzifix; die Statue der Maria und des Johannes und das Basrelief einer Grablegung am Hauptaltare ebendasselbst.

Germain Pilon ist nach Jean Goujon der größte Bildhauer Frank- reichs. In seinen Werken vereinigt sich Kraft und Stärke des Ausdrucks mit Grazie und Reinheit der Form; doch besitzt er weniger Grossartigkeit als Goujon. Er war der erste französische Bildhauer, dem es gelang, die Stoffe vollkommen auszudrücken, und Eleganz in die Bekleidung zu bringen. Doch ist die Dar- stellung manchmal etwas trocken, und besonders an den früheren Werken gotischirend. Das Todesjahr dieses Künstlers ist nicht absolut sicher zu bestimmen; einige nennen 1500; D’Argensville vermutet aber aus der von dem Grafen Mainard auf den Künstler selbst gelegten Grabschrift, dass sein Todesjahr um 1605 zu setzen sei.

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