Pilgrim, Johann Ulrich

Pilgrim, Johann Ulrich, „Fornschneider“, auch „geimd“ Johann Ulrich, und von den Franzosen „le maître aux bourdoas croisés“, der Meister mit den Pilgerstäben genannt. So nannte ihn Heineck® zuerst mutmaßlich, von Murr aber, und dann auch von Bartsch, nahmen dies als ausgemacht an, und seit dieser Zeit nennt man den Meister Jo. V. mit zwei gekreuzten Pilgerstäben Joh. Ulrich Pilgrim, was freilich noch eines näheren Beweises bedürfte. Auch die Lebenszeit des Künstlers ist nicht genau bekannt, man schließt aber aus seiner gotisierenden Malerei, dass er gegen das Ende des 15. Jahrhunderts geblüht habe. Seine Blätter sind gut geschnitten und von kräftiger Wirkung, alle in Hell-Dunkel von zwei Platten gedruckt. Pilgrim ist älter als Hugo da Carpi, und somit haben ihn Einige als Erfinder der Manier in Hell-Dunkel erklärt, während Andere diese Erfindung dem Mich. Wohlgemuth, oder dem Mair von Landshut beilegen möchten.

Die Blätter dieses alten, höchst vorzüglichen Meisters sind sehr willkommen. Bartsch P.’gr. VII. p. 449 u. f. beschreibt 10 Blätter:

  1. Christus am Kreuze, unten zu beiden Seiten: Maria und Johannes, am Fusse des Kreuzes Magdalena; Links unten ist das Täfelchen mit dem Zeichen: ††. H. 7 Z. Br. 4 Z. 13 L.

Man findet diese Darstellung gewöhnlich in einer Einfassung von vier schmalen Streifen.

  1. Die hl. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Schoß, in einem Garten sitzend; Links unten das Täfelchen mit den Stäben. H. 7 Z. Br. 4 Z. 7 L.

  2. Die heil. Jungfrau mit dem Kinde in den Armen; Links oben ist das Zeichen. H. 7 Z. Br. 4 Z. 8 L. Dieses Blatt findet man gewöhnlich mit derselben Einfassung wie Nr. 4.

  3. St. Hieronymus in der Wüste mit dem Steine in der einen, und dem Buche in der andern Hand. Gegen die Mitte nach oben ist das Zeichen. H. 7 Z. Br. 4 Z. 8 L.

  4. St. Sebastian am Baume. Rechts unten das Zeichen. H. 7 Z. Br. 4 Z. 8 L. Man findet dieses Blatt in einer Einfassung von drei Streifen. Die untere Seite fand Bartsch ohne Einfassung; allein es gibt auch Abdrücke mit einer vollständigen Bordure; von vier Streifen.

  5. Ein Todtenkopf in einer Nische. Mundanae Tfoelitatis Gloria. Links unten ist das Täfelchen mit den Stäben, ohne Buchstaben Jo. V. H. 9 Z. 10 L. Br. 6 Z. 8 L.

  6. Thisbe findet den Leichnam des Pyramus. Am Baume hängt das Täfelchen mit den Worten: Quid Venus in venis possit etc. Links unten ist das Zeichen des Künstlers. H. 10 Z. 1 L. Br. 6 Z. 9 L.

  7. Orpheus vor den Thieren umringt. Auf dem Täfelchen oben steht: Orpheus vates. Links unten ist das Zeichen des Künstlers. H. 9 Z. 6 L. Br. 6 Z. 7 L.

  8. Alcon von Creta befreit seinen Sohn von einer monströsen Schlange, die ihn umschlingt. In der Mitte oben ist ein Täfelchen mit erklärender Schrift, und links unten das Zeichen des Künstlers. H. 10 Z. Br. 6 Z. 8 L.

  9. Ein geharnischter Ritter zu Pferd nach links reitend, von rechts folgt der Hellebardier. Unten links ist das Monogramm des Künstlers; ein höchst seltenes Hauptblatt, H. 10 Z. Br. 6 Z. 9 L.

Von Murr behauptet irrig, dass Dürer dieses Blatt copirt habe.

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