Pieneman, Jan Willem, Historien- und Schlachtenmaler, wurde 1792 zu Abkoude, einem Dorfe in der Provinz Utrecht, geboren, aber in zarter Jugend nach Amsterdam , wo sich seine Mutter, die Witwe geworden war, nieder gelassen hatte. Hier sollte er sich Kaufmannschaft widmen, um bei Zeiten sein Brot zu verdienen. Denn, und nur durch Entbehrung aller Art konnte er aus der Schreih- ube sich befreien. Er musste zu seinem Unterhalte, anfangs Zimmer malen, und durch Bildnisse in Crayon und Miniatur kärglichen Erwerb suchen. Auch Landschaften und andere Bilder malte er zu diesem Behufe, aber alles, ohne Anweisung, so wie denn überhaupt das eigene Genie sein alleiniger Lehrmeister war. Die sechs leuchtete aber schon in seinen ersten Versuchen hervor, welche desswegen immerhin ihre Liebhaber fanden, wodurch Pieneman in den Stand gesetzt wurde, die Akademie der erwähnten Stadt zu besuchen. Er zeichnete da fleissig nach Gypsabgüssen und nach dem lebenden Modell, und bald entwickelte sich sein Talent für die historische Composition immer mehr. Er gewann mehrere Preise, und zuletzt auch die grosse goldene Medaille der Akademie, so wie mehrere Ehrenpreise der Gesellschaft „Felix Meritis“, theils für Zeichnungen, theils für Gemälde, und im Jahr 1805 wurde er endlich auf Verwendung des Generals Voet an der Artillerieschule zu Amersfort als Zeichnungslehrer angestellt. König Wilhelm verlegte diese Schule nach dem Haag, von wo aus Pieneman mit derselben als Professor der Zeichenkunst nach Delft kam, und verblieb daselbst, bis er 1815 die Stelle eines Directors der könig- lichen Gemäldesammlung im Haag erhielt. Im Jahre 1820 wurde er endlich Direktor der königl. Akademie zu Amsterdam, wo er heute gegenwärtig lebt. Pieneman geniesst den Ruf eines ausgezeichneten Künstlers, dessen Werke in den ersten Kabinetten Niederlandes und auch des Auslandes zu finden sind. Mehrere seiner Gemälde verdienen hohe Beachtung, besonders die Schlachtbilder, welche seinem Talente mehr zuzusagen scheinen, als das Zarte und Mystische der religiösen Darstellung. Allgemeine Bewunderung erregte sein grosses Gemälde, welches den Prinzen von Oranien in der Schlacht von Quatre-Bras vorstellt, auf Befehl der Re-
Regierung gemalt; Dieses treffliche Gemälde wurde 1818 zuerst
Amsterdam ausgestellt, und dann wanderte es in andere Städte
des Reiches, wobei Pieneman immer neue Triumphe feierte. Der K
önig ernannte ihn zum Ritter des belgischen Löwenordens, das k
önigl. niederländische Institut erwählte ihn zum Mitgliede, und
die Akademien zu Gent, zu Antwerpen und zu Brüssel öffneten
die Maler der Schlacht von Quatre-Bras ihre Thore, Jacobus Sch
tema Fb die Beschreibung desselben heraus, Amsterdam 1818,
und de Bast hat es in den Annales du Salons de Gand p. 157
Umrisse gegeben. Das Urbild wurde zu Soestdijk aufgestellt.
Ein zweites interessantes und wohlgelungenes Bild stellt
die Schlacht von Waterloo vor, ebenfalls im Saale zu Spestdijk. Der
Künstler wählte den Moment, in welchem (7 Uhr Abends) der
noch zweifelhafte Sieg durch die Annäherung der preußischen
Truppen entschieden wurde. Das Gemälde ist 38 Fuss hoch und
20 Fuss breit, und eine der schönsten Schöpfungen der
modern niederländischen Schule. Der Maler hatte es sich
vorgesetzt, die Schlacht in der grösstmöglichsten Entwicklung
darzustellen, so weit es der Raum erlaubte, die ausgezeichneten
Züge des Tages darin aufzunehmen; Dennoch herrscht in der
Komposition die grösste Klarheit und Ordnung, und das Ganze ist
von wahrbarer Wirkung. Die vorzüglichsten Personen sind Porträts
selbst ihre Pferde, wie jenes von Wellington u. A. Pieneman
gab sich auch in London, um das Bildnis Wellington’s und der
unter ihm kommandirenden Generale und Offiziere zu malen. Soviel
dieses Gemälde schon dadurch grosses Interesse gewinnt, so
ist es denn auch im Allgemeinen meisterhaft durchgeführt, von
einer Wahrheit der Darstellung, und einer Meisterschaft des
Pinsel, wie sie nur in den Werken der vorzüglichsten alten
holländischen Meister zu finden ist. Der König bezahlte 40.000
Gulden dafür.
Überdies finden sich von Pieneman historische Darstellungen
und Bildnisse, Genrebilder und Landschaften. Trefflich ist jenes
Bild, welches die heldenmüthige Scene vorstellt, wo 1574 der
Admiral Jacob Simonsz de Ryck dem spanischen Landpfleger Don
de Requesens den Freiheitsbrief zurückgibt. Seine Composition
sind immer geistreich; seine Helden in Haltung und Ausdruck
und Bekleidung von hoher Wahrheit. Als Colorist verdient Pieneman
nicht geringeres Lob, und was Meisterschaft in der technischen
Behandlung anbelangt, steht er keinem Zeitgenossen nach.
R. van Eynden’s Geschiedenis etc. III. 227. ist das Bildnis
des Künstlers.
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