Pichler, Johann Peter, Kupferstecher , geb. zu Botzen 1765, zu Wien , . Früh seiner Eltern beraubt, gab ihn sein Vormund dem geschickten Maler J. A. Cusset in die Lehre, und schickte er den Mündel nach Wien, um an der k. k. Akademie seine weitere Ausbildung zu verfolgen. Pichler hatte Anlage und Neigung zur Kunst; er zeichnete in Wien auch anfangs fleißig nach der Antike und dem Modelle , machte auch Versuche im Jen, gerieth aber zuletzt in schlechte Gesellschaft. Jetzt schrieb dem Vormunde beständig um Geldanweisung, da er sich aber über Fleiß und Fortgang ausweisen wollte, so rief ihn dieser Botzen zurück.
Dort angekommen, wurde er dem geschätztesten damaligen österreicherischen Maler, Karl Henrici, zur Prüfung übergeben, der ihm, er ein kleines Stück gemalt hatte, trocken erklärte: er würde Maler nie sein Glück machen, und immer mittelmäßig bleiben. Er riet ihm jedoch, sich auf die Kupferstecherkunst zu verlegen, einen Vorschlag, den Pichler freudig ergriff. Jetzt begab er sich nach Wien, und widmete sich unter Leitung des Professors Jakob und des Direktors Schmutzer mit großem Eifer der Kupferstecherkunst. Er legte Pinsel und Palette auf die Seite, zeichnete mehr, und es dauerte nicht lange, als seine Blätter jenen seines Lehrers schon wenig oder nichts mehr nachgaben, wodurch er auch die Gunst des bekannten Mäcenaten aller hervorragenden österreichischen Kunsttalente, des Freiherrn v. Spergs, Präses der Akademie, gewann, der ihm ein Stipendium verlieh. Damals herrschte frossene Vorliebe für geschabte Blätter, und so wurden auch Pichler’s Arbeiten nach und nach gesucht. Eine über die Wiener Kunst- ausstellung vom Jahre 1780 im Drucke erschienene Critik bereits keinen Anstand mehr, seine Werke jenen seines Lehrers vorzuziehen, und er erlangte bald den Ruf eines über alle in seinem Fache arbeitenden Deutschen hervorragenden Künstlers, seine Werke man den besten englischen an die Seite zu stellen kein Bedenken trug. Er wurde nun von allen Seiten mit Bei- tragen nach guten Gemälden überladen. In den ersten Jahren 1789–1790 erhielt er von dem Fürsten von Anhalt-Dessau den Auftrag für die zu Dessau neuerrichtete chalkographische Gesellschaft, bereite Platten nach berühmten Gemälden der Gallerien zu Berlin, Schweig, Dresden und Cassel zu verfertigen. Er folgte diesem und hielt sich längere Zeit zu Dessau auf. Von diesen dort fertigten Arbeiten rühmt man die Magdalena in der Einöde, und heil. Johann Baptist, beide nach Battoni von Seidelmann ge- stochen, so wie die Venus nach Titian, Myrrha nach Poussin, Phäle nach Dominichino etc. Nachdem er nach Wien zurückge-
men war, verweilte er sich mit einer Tochter seines Lehrers Jakobe und arbeitete viel. Nach Jakobe’s Tod versah er provi- sorisch dessen Professorstelle; die wirkliche Ernennung aber
er nicht. Er hinterliess seine Frau und einen jungen Sohn den dürftigsten Umständen, woran hauptsächlich sein unordent- liches Leben und sein Hang zum Trunke Schuld war. Pichler war Pensionär des k. k. Hofes, so wie des regierenden Fürsten von Lichtenstein, und verdiente durch seine Arbeiten viel;
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seine Familie darbte dennoch. Sein Sohn hat sich am Ende als Notenstecher kümmerlich durchgebracht.
Pichler hat eine bedeutende Anzahl von schönen Blättern ge- liefert, von denen einige selten geworden sind, wie Magdalena und der Johannes nach Battoni, die flüchtende Myrrha nach Poussin, Venus nach Titian u. a. Die Schönheit der Abdrücke bestimmt die Preise, die im Ganzen nicht sehr niedrig stehen.
Kaiser Leopold II., Kniestück, nach Lampi, gr. ‚fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.
Kaiser Leopold II., nach Zauner, fol.
Kaiser Joseph II., nach H. Füger, fol.
Kaiser Franz II., nach H. Füger, fol.
Kaiser Franz II., nach eigener Zeichnung, fol.
Marie Therese Charlotte de France, Duchesse d’Angoulême, nach eigener Zeichnung, fol.
Ludwig XVI., König von Frankreich, nach Calle, fol.
Ferdinand IV., König beider Sicilien, fol.
Louise, Kaiserin von Österreich, fol.
Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich, Infantin beider Sicilien, nach Pichler’s eigenem Gemälde, fol.
Elisabeth, Prinzessin von Würtemberg, nach Beyer, fol.
Stanislaus August, König von Polen, nach Lampi, fol.
Carl, Erzherzog von Österreich, fol.
Alexander Leopold, Erzherzog von Österreich, nach J. Hiel, fol.
Prinz Carl von Schwarzenberg, nach Oelenhainz, fol.
Prinz Johann von Lichtenstein, nach Pichler’s eigenem Ge- mälde, fol.
Prinz Charles de Ligne, nach J. Grassi, fol.
Prinz Anton von Esterhazy, fol.
Prinz Joseph Poniatowski, nach J. Grassi, fol.
Josias, Prinz von Sachsen-Coburg, nach Naumann, fol.
Victor Adam, Prinz von Anhalt-Bernburg, nach Tischbein, fol.
Prinz Wenzel von Kaunitz, nach Lampi, Kniestück, gr. fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.
Gideon Ernest Laudon, Feldmarschall, nach Füger, 1788, fol.
Derselbe als Eroberer von Belgrad, nach demselben, 1780, s. gr. fol.
Graf Franz von Saurau, nach H. Füger, Kniestück, gr. fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.
Die Gräfin von Merfeld, fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.
Baron Geramb, nach C. Hummel, gr. fol.
Graf Gregor Czernichew, Kniestück nach Grassi, fol.
Baron von Spergs, nach J. B. Lampi, fol.
Gräfin J. Mostowska, nach Grassi, fol. Indust. Compt.
Lange als Wulfing von Stabenberg, nach J. B. Ancker, fol.
Brockmann als Hamlet, nach Hickel, fol. Im ersten Drucke vor aller Schrift.
Brockmann als Montalban, von Pichler gemalt, fol. Im ersten Drucke vor aller Schrift.
Dr. Barth, berühmter Arzt, fol. Im ersten Drucke vor der Schrift.
Dr. Gall, berühmter Arzt, fol.
Melchior Birkenstock, Hofrath, nach eigener Zeichnung, fol. . Indust. Comptoir.
Charles Whirwoth, fol.
Maler Wutky, nach Tusch, fol. Indust. Compt.
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Pichler, Johann Peter.
Rafael Mengs, nach Mengs, gr. fol. Im ersten Drucke der Schrift.
J. von Weinbrenner, nach J. B. Lampi, fol. Chalk, Instit. ersten Drucke vor der Schrift.
Giuseppe de Viterbo, der Freund des R. Mengs, fol. Rembrandt von Ryn, nach Rembrandt, fol. Im ersten Druck vor der Schrift.
Die Söhne des Rubens, nach van Dyck, qu. fol. Indust, Coi Im ersten Drucke vor der Schrift.
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