PIAZZO, Callisto. Maler

PIAZZO, Callisto. Maler, der Sohn des Martino Piazza de' Ticiagni, gewöhnlich Callisto da Lodi genannt, woher er stammt, und

nicht von Brescia, wie Ridolfi angibt, ein Schriftsteller, der diesen Künstler nicht nach Verdienst gewürdigt hat, da er bloß

gutes Colorit in Wand- und Leim-Farben-Malerei lobt. Auch

rlandi, und nach ihm Lanzi, Jassen den Callisto aus Titian’s

Schule hervorgehen. Schorn bemerkt aber im Kunstblatte 1838

Nro. 1, dass er an Adel der Gestalten, und des Ausdruckes, die

Rafael näher trete. Nähere Auskunft, als Lanzi und andere italienische Schriftsteller, gibt Passavant, Kunstblatt 1838 Nro. 75,

dieser Schriftsteller erkannte, dass Callisto in jüngern Jahren der

und Weise seines Vaters gefolgt sei, was die Tafel zu beweisen

scheint, welche im Dome zu Lodi, auf dem Altare des heiligen

aufgestellt ist. Sie enthält zweimal drei Abteilungen, und

im unteren Mittelbild die Darstellung des Kindermordes, im oberen

die Madonna und Heilige zu den Seiten. Dass dieses Bild wirklich

von Callisto herrühre, ist indessen zweifelhaft; Passavant schien

vielmehr die Darstellungsweise des älteren Piazza zu verrathen.

Breiter in der Behandlung sind zwei Bilder von Callisto zu Brescia . Das eine in der Sakristei von S. Clemente: ist in Wasserfarben

auf Leinwand gemalt, und stellt die Geburt Christi dar, bezeichnet

Calixtus Laudensis feciebat 1524, woraus wir zugleich auf die früheste

Zeit des Künstlers schließen können.

Größter in der Anlage, aber unbedeutend in den Charakteren

ist das Ölgemälde der Heimsuchung auf dem Hauptaltare der

Kirche S. Maria di Calchera daselbst. Nach Passavant kann

zwar darin ein gewisses Streben nach Grandiosität nicht verkannt

allein dem Meister fehlte es an Tiefe des Gemüths, und an Gründlichkeit in seiner künstlerischen Ausbildung. Gleich dem vorhergehenden,

ist das Bild mit seinem Namen und der Jahreszahl

bezeichnet.

Diesem Mangel nachzuhelfen, und gegründeteren Ruhm zu

werben, scheint Callisto erst nach dieser Zeit nach Venedig gegangen zu sein. Passavant fand dieses nicht nur aus einigen

seiner späteren Werke, sondern auch durch eine Notiz des Albert

Piazza bestätigt, welche dieser in einen ihm gehörenden Band

der Gedichte des Petrarca geschrieben, und nach welcher er seinen

Neffen zur Förderung in dessen Kunst nach Venedig gesandt, und

gleich derselbe sich als Maler schon hervorgethan hatte. Das

gezeichnetste Werk des Callisto, in welchem der Einfluss der

Venediger, besonders des Giorgione, unverkennbar ist, findet

in der Parochialkirche zu Codogno. Das Altarbild stellt die Heilige

Fahrt Mariä dar, und zeigt im unteren Teil, neben den

in verschiedenen Gruppen verteilten Aposteln, links den

knieenden Donator, Ercole Trivulzi, von Johannes dem Täufer empfangen, und rechts seine Gemahlin mit der bei ihr stehenden

Calarina von Alexandrien. Die allgemeine Haltung des Bildes ist

Raphaelitisch, die einzelnen Gruppen sind malerisch verteilt; die

Färbung ist sehr tief, in der Carnation lebhaft mit dunkelbraunen

Schatten; das tüchtige Machwerk, namentlich in den Porträtfiguren, erinnert sehr an die Art des Giorgione. Passavant heißt

kein schöneres Werk von Callisto. Es ist mit seinem Namen und mit der Jahrzahl 1533 bezeichnet. | ‘ D Dieselbe Behandlungsweise zeigt auch eine in Leimfarben auf blosse Leinwand gemalte Enthauptung Johannis, ein figurenreiches Bild, mit Calistus de Platea faciebat‚%‘[D)iX)il bezeichnet.. Es be- findet sich, nebst noch vier kleinen Darstellungen aus dem Leben des Täufers, in Öl gemalt, in der Kirche dell’ Incoronata zu Lodi, In dem Bilde des Festes der Herodias hat sich der Maler auch bei Tische sitzend dargestellt, Das warme Colorit dieser Bilder erinnert an die des Giorgione und Paris Bordone, indessen fand Passavant die Farben öfters zu grell, die Zeichnung meist fehlerhaft, so dass es scheint, Callisto habe die Hülfe seiner Brüder Cesari und Sci- ione dabei in Anspruch genommen. Derselbe Fall dürfte stattge- »den haben, mit dem auf ungrundierter Leinwand für dieselbe Kirche gemalten Temperabild des Leichnams Christi von den Frauen beweint, Es ist mit des Meisters Namen und der Jahrzahl 1558 bezeichnet , aber sehr schwach in der Ausführung.

Um diese Zeit dürfte Callisto Spanien besucht, und daselbst durch seine Werke Ruhm erlangt haben, Denn nicht nur erwähnen die Biblione des Escorials des Paters de Sauli und des Paters einer Frescomalerei, welche Castillo daselbst ausgeführt hat; sondern aus F. Villani's Lodi riedificata Canto XI, Stanza CVIIE geht auch hervor, dass Callisto in Lissabon mit Ehrenbezeugungen aufgeführt worden sei. Passavant erzählt eine neuere Geschichte, nach welcher in einer spanischen Klosterkirche ein Unteroffizier ein Altarblatt mit dem Namen seines Landsmannes gefunden hat, was den Mönchen Zeit zur Rettung gewährte. ‘

‚Im Speisesaale der Cisterzienser zu Mailand malte er die Hoch- zeit zu Cana, und schrieb die Jahrzahl 1545 unter das Werk. Es ist dies nach Lanzi ein Gemälde, welches durch Tüchtigkeit des Stils und Figurenmenge überrascht, wiewohl nicht alle gleich wertig, und unter vielen, die zu sprechen scheinen, einige ver- lassen sind. In einem Vorhofe des Hauses Sacco zu Mailand malte er den Musenreigen, und dazu die Bildnisse des Hausherrn und seiner Gemahlin, wovon Lomazzo schreibt, dass es nicht möglich sei, ein lieblicher und reizender colorirtes Bild zu liefern. Nicht so vorzüglich sind ihm aber die Bilder gelungen, welche er im Monasterio maggiore daselbst ausgeführt hat, Callisto malte im Speisesaale die Fusswaschung und die Vervielfältigung der Brode auf Leinwand, und im Inneren der Kirche die Ankunft der Magier, die Hochzeit zu Cana und die Taufe Christi, Diese Gemälde, welche mit 1556 bezeichnet seyn sollen, kommen den Oelbildern der Incoronata nicht gleich, nur die Anmuth in mehreren Köpfen, be- sonders der Braut in der Hochzeit zu Cana, erinnert an die Schön- heit der andern. Sie sind in sehr verderbtem Zustande.

In seinen vorgerückten Jahren wurde Callisto immer flüchtiger, und er verfiel zuletzt in’s Flache und Manierirte. Hiefür geben Nach Passavant viele Bilder Zeugniss, welche er in den Jahren 1545 — 1556 für die Kirchen in Lodi, Mailand, Alessandria, Breno und Cividate in Val Camonico ausgeführt hat.

Callisto da Lodi starb, zufolge einer Nachricht in den Memo- r. di alcuni uomini illustri della città di Lodi von Pater Melossi, in Lodi 1561. Sein Sohn Fulvio vollendete die Bilder in der Ro- da dell’ Incoronata zu Lodi.

Anderloni stach nach ihm einen Kreuz tragenden Christus.

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