Phidias fertigte in letzterer Zeit seines Lebens auch noch eine Statue seines Lieblings Pantarces (obscoena cupiditate diled), dessen Namen Phidias auf den Finger des Olympischen Jupiter schrieb

Phidias fertigte in letzterer Zeit seines Lebens auch noch eine Statue seines Lieblings Pantarces (obscoena cupiditate diled), dessen Namen Phidias auf den Finger des Olympischen Jupiter schrieb, vielleicht aus Freude über den Sieg, welchen Pantarces im Knabenkampfe Ol. 86. 11 davon trug. Dieses Jünglings und sein Sieges erwähnt Pausanias, Photius wusste ebenfalls von ihm, und Arnobius erzählt die Geschichte auf die Autorität des Clemens von Alexandrien hin. Gregorius Nazianzenus ist aber im Irrthum, wenn er sagt, Phidias habe seinen Namen auf den Finger der Minerva geschrieben. Phidias fertigte zweimal das Bildnis des jungen Siegers. Seine Statue wurde im geheiligten Haine gestellt, und selbst am Throne des Olympiers bildete er ihn.

Dann nennt Plinius als in Rom vorhanden einen Schlüsselträger (Cliduchus), sagt aber nicht, woher diese räthselhafte Statue gekommen ist. Ferner erwähnt Plinius zwei bekleidete Statuen, die Catulus im Tempel der Fortuna aufstellte, und

Nachte Colossalstatue, ohne Angabe, wer darunter vorgestellt war. Procepius nennt auch ein Werk des Phidias , auf dem Forum Pacis, mit einer Inschrift, welche den Urheber bezeichnet. Was es vorgestellt habe, ist nicht angegeben.

Eine andere Gattung von Werken sind die Sculpturen an atheni- schen Tempeln, von welchen wenigstens jene des Parthenon unter der unmittelbaren Aufsicht des Phidias gearbeitet, und als von seinem Geiste erfüllt zu betrachten sind... Doch auch die Sculpturen des The- seustempels und der Nike Apteros nähern sich im Style der Phidias’- schen Schule, wenn nicht eine frühere persönliche Einwirkung des Meisters anzunehmen ist, in Verbindung mit einigen Künstlern der älteren Schule; Von den Giebelstatuen des Theseron ist nichts erhalten, Vieles dagegen von den Reliefs der Friese. In den Me- topen sind Thaten des Hercules und des Theseus dargestellt, noch in alterthümlichem Charakter, während die Bildwerke der Friese über Pronaos und Posticum von höchst vollkommener Behandlung sind, Man sieht da die Darstellung eines Heldenkampfes in Ge- genwart von sechs sitzenden Gottheiten, so wie eines Kampfes von Centauren und Läpithen. Die Composition ist hier schon köchst geistreich bewegt, die Körperverhältnisse sind aber noch eine wenig kurz.

Die Reliefs des Frieses am Tempel der Nike Apteros sind leider sehr verletzt. Vier Platten sieht man davon im britischen Mu- seum zu London, die übrigen an dem wieder aufgerichteten Teil. An der Vorderscite ist wahrscheinlich der (unbekannte) Blick der ungeflügelten Siegesgöttin vorgestellt, an den übrigen den Kampfscenen zwischen Griechen und Persern. Auch diese Arbeiten sind bereits höchst geistreich und voller Leben, die Ver- hältnisse jedoch wiederum noch etwas gedrungen.

Die Sculpturen des Parthenon sind unter allen erhaltenen Wer- ken großartigsten. Die Giebel enthielten, in freien Colossal- größen dargestellt, auf der Ostseite die Geburt der Athene aus dem Haupte des Zeus, auf der Westseite den Streit der Athene mit Poseidon um die Schutzherrschaft der athenischen Stadt, oder wie man früher glaubte, um die Benennung derselben. Von beiden Giebeln ist nur eine Reihe mehr oder weniger fragmentirter Brüche, so wie von einzelnen kleineren Bruchstücken erhalten. Vor allen hat der östliche Giebel, der an Bildwerken bedeutungs- vollste, durch Morosini's und Königmark's Belagerung im Jahre 1637 gelitten. Jupiter und Pallas wurden durch die Bomben ganz zerstört. Die daneben stehende Iris, die in die Welt eilt, um eine frohe Botschaft dem Menschengeschlechte zu verkünden, ne- ben Theseus und der erwachte Tag; auf der andern Seite die Schmucksalzgöttinnen und die sinkende Nacht, sind sehr beschädigte und einer großartig entwickelten Meisterschaft. Die schönste aller erhaltenen Gestalten ist die des Theseus, welcher auch auf Elgin’schen Münzen vorkommt, einzeln abgebildet auf einer der Elgin marbles. Zu den lieblichsten Gestalten gehört die Iris, die freudig eilende Böttin der Götter, und an Schönheit und anatomischer Richtigkeit demn Theseus am nächsten steht der Fluss- gott Nilus. Vom Östlichen Giebel sind 9 Figuren im brittischen Museum, dann Eine vom westlichen und 5 bedeutende Bruch- stücke neben anderen Bildwerken von den Metopen und dem Tempel, Lord Elgin, ein Schotte, der seit 1700 Gesandter an der akademischen Pforte war, benutzte seinen Einfluss, um einen Plan in England gefassten Plan auszuführen, und von den Über-

Phidias.

resten altgriechischer Baukunst und Sculptur so viel wie möglich nicht nur ganz neue Zeichnungen, sondern Abgüsse von Gypt fertigen zusammen, und auf diesem Wege Alles, was den Verw stungen der Zeit und der Rohheit der Eroberer entgangen war, dem gänzlichen Untergange zu entreissen. Er brachte zu diese Zwecke sechs Künstler mit sich nach Constantinopel, aber erst nach manchen Schwierigkeiten erhielt er die Erlaubnis, die Ar beiten zu beginnen. So unermüdlich jene Künstler waren, gel gen doch drei Jahre hin, ehe alle Denkmale im Athen, zum Theil auch ausser seinem Gebiete, gemessen, gezeichnet und abgelor ten waren. Doch gerade die nähere Bekanntschaft mit dem Zustand worin man sie fand, überzeugte nun weit mehr, dass die Verw stungen der Türken, die Zertrümmerung ganzer Statuen und ihr Zermalmung zu Kalk und Mörtel bald keine Spur mehr von ihnen übrig lassen würden. Daher hat nun Elgin Alles auf, um retten, was noch zu retten war, und es gelang ihm, ein Ferman auszuwirken, welcher den Lord sogar zur Wegführer von beliebigen Werken berechtigte. So kam er denn mit einer seltenen Schatze von herrlichen Werken aus der Blütezeit der

griechischen Kunst nach London zurück, wo sie nach langen D

atten Staatseigenthum und in das britische Museum aufgenommen wurden. Mehreres s. hierüber A. Niemeyer’s Beobachtungen einer Reise nach England. Lord Byron beschuldigt den Lord Elgin eines unwürdigen Raubes, allein wenn auch jetzt das junge Kon thum den Verlust jener Kunstblüthen bedauert, so hat Lord Elgin auf der anderen Seite viele vor barbarischer Entweibung rettet. Lord Byron hätte sein Epigramm auf den schottischen Plü derer lieber unterdrücken sollen.

Abbildungen der Bilder aus den Giebelfeldern s. R. Lawrence Elgin Marbles from the Parthenon, at Athens etc., London 1823 fol., und getreue Umrisse darnach, Darmstadt 1828; Marbles in the Brit. Mus. VI. Stuart, Antiquities etc. IV. 1 — 5, gibt westlichen Giebel fast vollständig, aber nicht so genau, vom lichen 1 Figur (Nike) weniger, als im brit. Museum ist. Abb dungen athenischer Tempelsculpturen sind auch in C. O. Müller’s Denkmälern. Ueber die im britischen Museum befindlichen Scul turen dieser Periode vgl. Waagen Kunst und Kunstwerke in En gland I. 79 £.

Ueber die Bildwerke des Tempels der Nike Apteros, s. R. die Akropolis von Athen, Abth. 1, über die im britischen M seum Stuart Antiq. IN 12, 13, R. XV. No. 257 — 260. Denkmäler d. a. Kunst 26, 27. Abbildungen der Bildwerke des Theseion Stuart III. Ch. 1, Dodwell, Tour etc. I. 363; Alcuni bassirik V, Müller’s Denkmäler 20 — 22.

In den gegen 4 Fuss hohen Metopen sah man 02 Tafeln Hochreliefs: an der vorderen östlichen Seite Pallas als Gigante kämpferin und andere Götterkämpfe, an der südlichen in der Mit Scenen aus der älteren attischen Mythologie, gegen die beiden Ecken hin die Centauromachie; an der nördlichen unter * dern den Amazonenhampf, an der westlichen abwechselnd Käm pfen von Reitern und zu Fuss. Früher hatte man annnehmen zu dürf eglaubt, dass alle diese Metopen Centaurenkämpfe enthalten en, dass aber dieses nicht der Fall ist, zeigten die Untersuchu gen Leacke's (Topography etc.) und Bründsted’s (Reisen in Ur chenland). Letzterer gibt Nachrichten über diese Werke, $. %” Kunstblatt 1831 No. 22, 23. Auch in der deutschen Ausgabe “

Stuart's Alterth. Athen’s ist darüber zu Jesen. Im brit. Museum sind 15 Tafeln von der Südseite, Bruchstücke in Copenhagen, die Dr. Bröndsted fand; 1 Tafel ist im Louvre.

Graf Nointel liess 1674 durch Carrey 32 Tafeln zeichnen, welche in Bründsted’s Voyage dans la Grece mitgetheilt sind, neben dem neueren Funde, Bas Stück im Pariser Museum s. Clarac pl. 147. Einige sind bei Stuart II. pl. 10 — 12, IV. 29 — 34, und im Mus. Worsleyanum II. ch. 5. Die neuere Ausgabe von Stuart's Werk ist reicher an Nachrichten, als die frühere.

Die Darstellungen des Frieses der Cella (3} F. hoch und 528 F. lang) sind in flachem Relief gehalten, sehr einfach, aber scharf und deutlich ausgearbeitet. Die Composition ist voller Geist und Leben, voll des frischesten, gesundesten Gefühles, voll der zar- testen und edelsten Auffassung. Kugler (Handbuch S. 213) erklärt diesen Fries unbedenklich für das vollendetste Werk des klassi- schen Alterthums, von dem wir eine Anschauung besitzen. Hier ist der grosse panathenaische Festzug dargestellt, der alle fünf Jahre bei dem grossen Feste der Pallas Athene stattfand. Auf der Rückseite sah man die Vorbereitungen für den Reiterzug, dann auf beiden Seiten (südlich und nördlich) die Reiter Athens gallo- pend, die Theilnehmer des Wagenkampfes, neben ihnen Kampf- göttinnen als Wagenlenkerinnen; weiter alsdann im Süden die Vieh- und Greisinnen der Stadt, nördlich Chöre nebst Auleten und Kitharisten etc., am meisten vorn auf beiden Seiten die Opfer- kühe nebst ihren Begleitern. Auf der Ostseite sitzen, von Jung- frauen, welche die Weihgeschenke bringen, und den ordnenden Priestern umgeben, 12 Götter, zwischen denen die Priesterin

der Pallas Polias mit zwei Ersephoren und der Priester des Posei- don Erechtheus, der den Peplos einem Knaben übergibt, die Mit- gruppe einnehmen. An den Gewändern und Haaren sind Spuren von Farben und Gold, die Zügel, Stäbe u. dgl. waren aus Me- tall, wie auch im Giebelfelde das Gorgoneion und die Schlangen an der Acanthus; der Pallas, u. s. w. Davon sind 55 Platten, ausser den Gypsabgüssen der ganzen Westseite, im brittischen Museum, im Louvre, 4 im Museum zu Athen, die erst 1833 ausgegraben warden, eine von der südlichen, drei von der nördlichen Seite,

Vieles geben die in Paris aufbewahrten, noch nicht edirten Car- reyschen Zeichnungen; Stuart II, pl. 13 — 30, IV. pl. 6 — 28, und das Mus. Worsleyan. Die Uebersicht im deutschen Stuart II. 667, Müller's Denkmäler Taf. 23 — 25.

Als Maler ist Phidias weniger bekannt, doch wissen wir aus Pli- nus, dass er im Tempel des olympischen Jupiters zu Athen Ge- mälde ansgeführt habe.

Irgendwann wurde ihm die Statue der Nemesis beigelegt, die ein Werk Agoracritus ist. Die Occasin und Metanoea, welche im 12.

Lyr. Fragment des Ausonius als Phidias Werk genannt werden, stellte

Phidias: In. Auch Athenäus ist im Irrthum, wenn er diesem

„sler ein Bild des Cupido beilegt. Zu Patara in Lytien waren e Statuen des Apollo und der Minerva, die von Phidias oder

„Jaxis herrühren. Was Clemens von Alexandrien, Tzetzes und enus von Phidias sagen, beachtet man wenig.

Die Nachrichten über die letzten Schicksale des grossen Phidias sind unklar und theilweise für ihn entehrend. Man beschul- digt ihn des Diebstahls und der Unterschlagung, und daher sagte

Phidias. — Philandrier.

Schlözer gerqde hinaus: „Phidias, der göttliche Künstler, beg zweimal groben Unterschleif, und ward als Dieb gehängt.“ I ses wurde von Neueren als grobe Unwahrheit erklärt, und

Ehre des Künstlers zu retten gesucht. Dass er von Mepho: Diebstahls angeklagt wurde, erzählen Philochorus, dessen Wc der Scholiast des Aristophanes anführt, Plutarch im Leben

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