Pfleger, Carl Nicolaus

Pfleger, Carl Nicolaus, Maler, einer der vorzüglicheren Künstler, welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in München arbeiteten. Was wir durch Westenrieder und Rittershaus von ihm wissen, ist sehr ungenügend, und somit fügen wir hier bei, was sich urkundlich über ihn findet, da dies zugleich auf einen Blick in das damalige Zunftwesen gewährt. Er war Sohn des Caspar Pfleger, churfürstlichen Raths und Salzmanns aus Reichenhall, und früher zu Kirchberg ansässig; da er aber diese seine Nahrung nicht fand, so verkaufte er 1653 sein Haus und bat in seiner Eingabe, dass ihm zu München der Titel eines Bildmalers schon darum verliehen werden möge, weil sein Vater „grössen schatz- und gnadenreichen Salzbrunnen im Jahre 1649 durch Erhebung eines Hölzchens oder Brets mit Gefahr Leibs und Lebens in einen gar nutzbaren Stand gerichtet.“ Er lügte auch bei, „dass Seine Churfürstliche Durchlaucht selbst und außerordentlicher Thals deren Kammerräthe noch gar gute Wissenschaft, insbesondere hervorragend, insonderheit wass nur die 22 Jahre hiero in Sudholz erspahret worde, weil man auf zwei Pfannen so viel Salz sieden kann, als man vor mit vier in sechs sieden konnte.“ Die vom Vater geleisteten Dienste nahm also der Sohn in Anspruch, und der churfürstliche Hofrath schloss daher dem Magistrat dies Anlangen zu, mit der Auftrage, die Maler zu vernehmen. Nach geschehenem Bericht wurde der Supplicant abgewiesen. Er schrieb desshalb an den Magistrat , dass er in München geboren sei, daselbst gelernt, drei Jahre in Italien gearbeitet, schöne Altarblätter und andere Werke gefertigt habe. Der Magistrat vernahm hierüber die Zunft, und diese sagte, Pfleger hätte keinen Lehrbrief aufzuweisen, seine Kunst sei nicht gross, und er sei nur 7 Vierteljahre in München gewesen. Der Stadtunterrichter schloss ihm daher zu: „Wenn der Maler allein in München genug, er auch schon zu Hof gewiesen worden, so solle er auch diessorts abgewiesen seyn.“

Jahre 1650 wurde aber Pfleger doch als Meister aufgenommen, nachdem er das Probestück vorgelegt, und bei der Zunft bittlich eingebogen war. Jetzt durfte er ungehindert arbeiten, und selbst Lehrlinge annehmen; so lehrte er 1662 den Johann Simpirger, der später in Landshut Geistlicher wurde. In der Capelle U. L. Frau Altenöttingen in der Metropolitankirche zu München sind von ihm die lebensgroßen Figuren, welche die Familie Jesu vorstellen. In der chemaligen Carmeliterkirche daselbst sah man von ihm ein Altarbild, welches die heil. Jungfrau zwischen Heiligen auf Wolken vorstellt. In der Pfarrkirche zu Wasserburg ist von ihm das juß

Das Gericht, 1660 gemalt, und als er 1677 in der Frauenklause zu Schleiseheim eine ähnliche Darstellung renovieren wollte, fiel er vom Gerüst, und beschädigte sich sehr, ohne jedoch arbeitsunfähig zu werden. Er wurde 1685 auch zum Hofmaler ernannt, als welcher er etliche Bildnisse malte, bis er endlich 1688 starb.

Johann Baptist Pflug, Genremaler, wurde 1785 zu Biberach ge- boren, und schon in seiner frühen Jugend kam er in das Benediktinerkloster Weingarten, wo er neben den Schulstudien bereits mit Vorliebe im Zeichnen und Malen sich übte. Pflug blieb bis zur Sekularisation im Kloster, jetzt aber begab er sich auf die Akademie der bildenden Künste nach München, und blieb von 1605 bis zum Ausbruche des Krieges von 1800 daselbst. Da be- suchte er neben seinen Studien auf der hohen Kunstschule auch die königl. Galerie, kopirte unter Leitung des Direktors Ch. von Mannlich mehrere Bilder nach Teniers, Brouwer, Mieris, Netscher u. a., und bildete sich so im Fache der Genremalerei aus. Er leistete auch schon frühe in eigener Composition Treffliches, und so wurden auf den Kunstausstellungen zu Stuttgart seine Bil- der immer mit besonderen Interesse gesehen. Pflug blieb aber in Biberach, da er daselbst die Stelle eines Zeichenmeisters an der Realschule und Gewerbeschule erhielt. Er hat auch schon mehrere tüch- tige Schüler gebildet, unter welchen bisher Eberhard Emminger und Karl sich besonders auszeichnen. Seine Werke sind zahlreich teils in den königlichen Schlössern Friedrichshafen und zu Stutt- gart, teils im Privatbesitze. Einige tragen den Namen des Künst- lers, die anderen sind: I. B. P. A BIBERACH bezeichnet. Es sind dieses vaterländische Volksscenen aller Art. Im Jahre 1830 sah Dän von ihm eine Reihe von Bildern auf der Kunstausstellung in Stuttgart, lauter Gegenstände, die dem Volkskreise entnommen sind, und ihrer charakteristischen Vortrefflichkeit wegen jederzeit die Aufmerksamkeit einer Menge von Beschauern auf sich zogen. Es zeigt sich darin eine Fülle von Anschauungen, die Pflug be- reits mit grosser Lebendigkeit im Gemälde zu vereinigen wusste, wobei zeigt sich in diesen seinen Werken auch schon grosse technische Meisterschaft, bei unverkennbarem Streben nach immer höherer Vollkommenheit. Diese Bilder, welche teils der König von Würtemberg, teils Privatpersonen erwarben, veranlassten im Kunstblatte von 1830 No. 81 und 82 eine eigene Erörterung über Genremalerei und über Pflug’s Gemälde, als Erzeugnisse eines wahr- haft originellen Talentes. Das erste jener Bilder ist dasjenige ei- ner alten Frau, die in ihrer getäfelten Stube mit Stricken beschäf- tigt ist, eine fromme, gutherzige Reichsstädterin in mannigfaltiger Umggebung. Durch die mit altmodischen Scheiben versehenen Fen- ster fällt das Sonnenlicht, und durch das ganze Colorit herrscht

Dilurgetreue Klarheit. In eine bewegtere Scene des häuslichen Lebens führte der Künstler durch seine Hauswäsche in der Wohn- stube des Erdgeschosses, wo alles in voller Thätigkeit ist, unter Aufsicht der stattlichen Haustyrannin, die unwillig das Wetter- glas betrachtet. Zum Zeugnis des nassen Elements, das in der stillen Wohnung allen Frieden zu untergraben beginnt, geht der Bürger mit dem Messner mit offenem Regenschirme vorüber. Der Kunstblattter im Kunstblatte I. c. sagt von diesem Gemälde: man kann kein lebendigeres, treueres Bild der täglichen Menschensor- ten finden, und wie das Herz von Wind und Wetter sich hin und her treiben lasse. Die einzelnen Figuren sind charakteristisch, und die beiden Eheleute erscheinen wie aus der Wirklich-

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_cvNRGQRp4uYC/