Petter, Anton Dr. Historienmaler, geboren zu Wien 1783, zeichnete schon in früher Jugend mit dem jetzigen verdienten Cu- stos der Gallerie von Belvedere, Carl Russ, unermüdet nach Ku- plerstichen der berühmtesten Meister, copirte darauf mit eben so großem Eifer die Meisterwerke des Belvedere und der fürstl. Lich- tenstein’schen Gallerie, und war so eigentlich niemals Schüler ir- gend eines lebenden Malers. Dennoch gewann er an der Akademie scheinbar in verschiedenen Fächern 6 Preise, darunter durch sei- nen todien Aristides den zum erstenmal vertheilten großen Reichel’- schen Preis. Sein Aufnahmsstück als Mitglied der Akademie war 1814 der von seiner Mutter gemurmelte Melcager im Schoße seiner Gat- tin, und die Mutter, von den Rachegöttinnen ereilt, in Verzweif- lung. Im Jahre 1820 wurde der Künstler Professor an derselben Akademie, und seit bekleidet er die Stelle eines Direktors. Seine Werke, sowohl Zeichnungen als Gemälde, sind sehr zahl- reich und mannigfaltig, und die größere Anzahl derselben ist eben so schön geordnet, als weich und trefflich gemalt. Auch zeichnet er sich durch harmonische Färbung und durch effektvolle Beleuchtung aus.
Einige seiner vorzüglicheren und größeren Ölgemälde sind: Örest, der Muttermörder, von den Erynnien verfolgt, — Oedipus auf Colonos, — Phryne vor dem Gericht der Heliasten, — Theseus und Porthous um die geraubte Helena louosend, — der entseelte Aristides, von Kindern und Freunden beweint, — die Mutter,
der verhassten Nebenbuhlerin anmuthigeres Kind nächtlich er- morden will, aber im Dunkel ihr eigenes trifft, und darob ver- zweifelt, alle sechs im Besitze des Kaufmanns Malanotti. Eine einfache Madonna mit dem Kinde und Johannes ist im Besitze des Fabrikanten Nepalek. In Ungarn befinden sich: der sterbende Vare-Aurel, — Rudolph von Habsburg in Thränen an der Leiche
besiegten Ottokar, — die Grazien finden den Amor, — große Porträts mit ganzen Figuren, — eine lebensgrosse Mutter auf Kupfer, — ein heiliger Joseph mit dem Kinde und ei- ner Glorie von Engeln, lebensgross, — der Abschied der Apostel Peter und Paul, lebensgross. Auf der Kunstausstellung von 1820 bietet man die Madonna mit dem Kinde und Johannes, lebensgrosse Figuren, und eine Madonna mit dem Kinde, Johannes und Jo- seph, halb lebensgross, — Phädra, den Hippolyt bei seinem Vater terläumend, — Lais und Alcibiades, — der erzürnte Meleager wirft auf das Flehen seines reizenden Weibes die Waffen wider die Freunde.
Eines der Meisterstücke Petter’s ist das herrliche grosse (7 Schuh) Gemälde der Zusammenkunft des Kaisers Maximilian mit seiner Braut, welches der Erzherzog Johann dem Johanneum in Grätz zum Geschenke gab, wo es jetzt neben dem Abschiede Ru- dolph’s von Habsburg von seiner Familie zu sehen ist. Caroline
ler besang es als die Perle der Exposition von 1816. Der gold- gelockte Max, in verständig verschönerter Portraitähnlichkeit, in der von Fackeln erleuchteten Bogenhalle, drückt mit der Rech- te die Hand der geliebten Braut an seine Brust, sie mit der Lin- ken sanft umschließend zum Willkommkuss. Maria, gleichfalls ist von unaussprechlicher Schönheit und Anmuth, Schnellig- keit und Liebe; das hulde Errothen der Jungfrau und die edle
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