Petitot, Jean

Petitot, Jean, berühmter Emailmaler , geboren zu Genf 1607, ge- storben zu Vevay 1691. Sein Vater, ein Bildhauer , lehrte ihn zeichnen und modellieren, denn er hatte ihn zum Goldschmiede bestimmt, und damit der Sohn aus dieser Kunst jeglichen Vortheil zu ziehen vermöge, so musste er beim Uhrmacher Henry Toutin zu Blois auch die Schmelzmalerei erlernen. Da lernte er den Uhr- macher Bordier kennen, der gleiches Interesse an der Emailmalerei hatte, da sie aber in der Farbenbereitung die größte Schwie- rigkeit fanden, so fassten beide Freunde den Entschluss, nach Ita- lien und England zu reisen, um die berühmtesten chemischen La- boratorien zu besuchen. Zu London teilte ihnen der Leibarzt Carl, L. Theodor Mayer, zu diesem Behufe mehrere Geheimnisse und Kunsterfahrungen mit, was den Reichtum ihres Wissens so erweiterte, dass sie in kurzer Zeit viel lebhaftere Farben zu bereiten im Stande waren, wie zu Limoges, in Venedig u. s. w. man es zu tun im Stande war. Jetzt stellte Dr. Mayer den Petitot dem Könige vor, welchem er einen von ihm gemalten Kopie nach A. van Dyck vor- zeigte, die den Monarchen in solche Freude versetzte, dass er den Künstler in den Adelsstand erhob und zum Hofmaler ernannte. Von dieser Zeit an arbeitete Petitot mit unermüdetem Eifer, co- pirte besonders nach van Dyck, und lieferte erstaunungswürdige Werke, wie man deren nie gesehen. Vor allem bewundert und zum Höchsten erklärt, was die Schmelzmalerei je hervorgebracht hat, wurde 1682 die Kopie von van Dyck’s Bildnis der Gräfin von Southampton, welche 9} Z. hoch und 53 Z. breit war. Dieses Email erhielt der Herzog von Devonshire, welcher auch das Bildnis des Herzogs von Buckingham und das bewunderte Porträt eines jungen Kriegers von Petitot besaß. Die Herzogin von Portland kaufte die Bildnisse Karl I. und seiner Gemahlin, wie jenes der Lady Morton, der Hofmeisterin der königlichen Kinder. Walpole hatte das Brustbild dieses Königs in der Rüstung, und weil dieses Bildnis mit keinem von van Dyck übereinstimmte, so glaubte man, der König sei dem Künstler selbst gesessen. Dann malte Petitot in London auch das Bildnis des Königs Jakob I., des Herzogs von York; jenes der Henriette von Orleans, ein groß und prächtiges Bild; der Anna von Österreich, ein kleines reizendes Köpfchen; die Frau von Montespan, und einige andere Bild- nisse von hohen und renommierten Personen; endlich aber betrübten die gehäuften Unfälle des Königs den Künstler so tief, dass er nach Frankreich zurückkehrte, um 1612, nach Anderen 1610, mit dem tragischen Ende des Monarchen. Bordier blieb noch in Frankreich, und malte den Tod des Generals Fairfax und Cromwells aber den Prinzen Rupert 1645, endlich aber folgte auch dieser

Nesler’s Künstler - Lex. XI Bd. 12

seinem Freunde nach Paris, Petitot fand da fast noch grösseren Beifall, wie in England, und er führte auch noch zahlreiche Bil dner aus, besonders nach Ch. le Brun und Mignard; doch sind diese seine letzteren Werke nicht mehr so kräftig, wie seine frü heren, in London gemalten Bilder. Er malte jetzt in einem zit tlichen und weichen Stil, wie dies damals in der französisch Kunstwelt gewöhnlich war. Doch wurden auch jene Bilder zu j ner Zeit ausserordentlich geschätzt, und noch immer stehen die Seltenheiten in hohem Werthe. Im Jahre 1800 wurde das Porträt der Lavalliere um 0000 Liv. verkauft. Den König von Frankrei malte er zu wiederholten Malen mit vollkommenster Treue, da nicht bloss die besten vorhandenen Bildnisse kopirte, sondern na der Natur das Bild vollendete, dies mit einer Liebe und mit nem Fleisse, dass so ein von ihm gemaltes Portrait, durch d Luppe betrachtet, noch ein vollkommnes feines Gemälde ist. Dat behandelte er sich der blühendsten Farben, deren Frische in die Emailen unverwüstlich ist. Den grössten Schatz von Werken P titot’s sah man zur Zeit Napoleon’s im Nationalmuseum zu Par Da waren über 40 Bildnisse berühmter Personen aus der Zeit d Künstlers vereiniget. In Loretto soll sich von ihm ein Mado nenbild von hüchster Schönheit befinden.

Petitot hatte sich 1651 in Paris verheiratet, und lebte dort die 34 Jahre im Ansehen und ungetrübtem Wohlstande. Endli brachte ihn die Widerrufung des Ediktes von Nantes in Gefah Er wollte nach Genf zurückkehren; allein statt der Bewilligu! zur Abreise kam ein Verhaftsbefehl. Der König liess ihn, the weise auch zur Sicherheit des Künstlers, auf die Festung VEr que bringen, wo aber die Rekehrungsversuche des grossen ! schofs von Meaux an dem achtzigjährigen Anhänger Luther’s sch terten, so dass er endlich in Gnaden entlassen wurde. Jetzt 8! Petitot nach Genf, teilte da die erworbene Million redlich " seinem Freunde und Kunstgenossen Bordier, und zog sich, " ruhig arbeiten zu können, nach Vevay zurück. Der Tod ereil ihn über der Arbeit an dem Bildnisse seiner Frau.

Ficquet stach nach ihm das Bildnis des A. du Quesne; “ Gunst jenes von U. Chereau, und M. Martinozzi das der Pr zessin von Conty.

Vorsicht

Diese Seite wurde maschinell erstellt. Die Zuverlässigkeit der OCR ist durch die Qualität der Scans, der Software und des Workflows zwangsläufig beschränkt. Eine menschliche Korrektur und Redaktion fand nicht statt.

Das Ziel dieser Seite ist es, die gezeigten Resourcen einfach zugänglich zu machen. Für Zitate und eine direkte Nutzung sind sie nicht ausreichend. Hierfür ist notwendigerweise das originale Quellenmaterial hinzuzuziehen.

Der zugrundeliegende Scan ist hier zu finden https://archive.org/details/bub_gb_cvNRGQRp4uYC/