PESNE, Antoine , Maler, geboren zu Paris 1683, gestorben zu Berlin 1753. Sein Vater Thomas, ein Bildnismaler, ertheilte ihm den ersten Unterricht, denn der weit berühmtere Jean Pesne, der Bruder seines Vaters, schob den Pinsel zu früh zur Seite, als dass der Neffe noch einen Vortheil davon hätte ziehen können. Carl dela Fosse, der Oheim mütterlicher Seits, leitete ihn weiter auf seiner Reise, bis sich Anton endlich kräftig genug fühlte, Italien zu betreten. Er war vier und zwanzig Jahre alt, als er in Rom ankam, um die Werke der großen römischen Meister des 17. Jahrhunderts zu studiren ; allein er hatte es bald satt an ihnen, und ging nach Neapel . Von da aus trieb ihn die Begierde, Titian und Giorgione zu studiren, nach Venedig , und von hier aus fing sich endlich sein Ruf zu verbreiten an. Das von ihm 1707 in Venedig gemalte Bildnis des Baron von Kniephausen erregte am preussischen Hofe solches Wohlgefallen, dass der König ihn in seine Dienste berief, und der neue Hofmaler säumte auch nicht, einem neuen Wirkungskreise entgegen zu gehen. Er eilte nach Rom, um die Tochter des Blumenmalers G. H. du Buisson zu heiraten; weil er aber gerne Akademiker von Paris gewesen wäre, so malte er dort auch noch das Bildnis des Direktors der französischen Akademie N. Vleughel in Rom. Dieses fiel zu vollkommener Zufriedenheit des Direktors aus, und er schickte es zugleich nach Paris in die Akademie, die keinen Anstand nahm, den Urheber zu erwähnen. Gegenwärtig sieht man dieses Bildnis im Musée royal daselbst. Jetzt ging Pesne nach Berlin, wo sogleich Bilder über Bilder bestellt wurden, nicht nur von Seite des Hofes; son-
dern auch von den Hohen und Vornehmen des Reiches. Er hörte einmal zum Modeton, sich von einem französischen Maler malen zu lassen, und Pesne war so ganz der Mann dazu, Potsdam und Sanssouci waren ehedem eine Menge Bildnisse ihm, und in letzterem Schlosse musste er auch mehrere Plafo zieren. Im Concertsaale malte er fünf mythologische Darstellungen. Im grossen Salon stellte er an der Decke Apollo mit den Hörnern dar, im grossen Saale vor dem Eingange in die Gallerie ein Götterfest, und in einem anderen Saale die Iris. Im Marmorsaal und in der Bibliothek selbst bewanderte man ebenfalls seine Kupferstiche. Indessen hat Pesne als Bildnismaler immerhin das grössere Verdienst erlangt, dass er das Lob nicht ganz verdient, welches ihm Argensville, Examen critique p. 223, spendet. Dieser Kritiker sagt, Pesne besitze im Colorit grössere Wahrheit, als Gaud, er habe eine Stärke, die man oft bei Largillière vermisst, und das, was Rembrandt immer mangelte. Als Hauptwerk der Portraitfacherei erklärt man das lebensgrosse Familienbild des ersten Baron von Erlach. Auch die Bildnisse der beiden Friedrichs wurden gerühmt, so wie mehrere andere Porträts von hohen und berühmten Personen. Der berühmte Ch. Rauch in Berlin lässt neuester Zeit zu seinem Denkmal von Hermann Francke in Halle das trefflich gemalte Bildnis von Pesne zu Grunde. Und so haben viele Bildnisse dieses Meisters wirklich künstlerischen Werth. Friedrich II. fand sich einmal von seiner Kunst sogar zu einem Vergleich begeistert. Er sagt in einer Epistel:
„Ce spectacle étonnant vient de frapper mes yeux! Hé, Pesne, ton pinceau, égale au rang des dieux!“
was Voltaire in einem Briefe an Mme. Denis so kommentierte:
„Friedrich den Maler nie ansehe, wesswegen er für ihn unsicher sei, wie Gott. In England wollte man an seine Gottähnlichkeit wirklich nicht glauben. Er war um 1724 dort, seine Bildnisse kamen der Familie gefallen, aber durchaus nicht. Von historischen Werken, die er in Berlin malte, erwähnen wir noch seines akademischen Nachmittagsstückes, welches Samson und Dalila vorstellt, und sein lebensgrosses Bild versinnlichet den Raub der Helena, wozu er an 30 Zeichnungen und Skizzen gemacht hat. Pesne musste sich in letzter Zeit zusammennehmen, da er an F. W. Weidemann einen gelähmten Nebenbuhler fand. Dieser malte dem Könige seine Ölgemälde. Den Raub der Helena hatte B. Rode vollendet. Darauf zog Pesne auch manchmal die Landschaften seines Freundes C. Schmidt und die Jagdstücke von P. C. Leygebe mit Figuren. In den Gallerien zu Berlin, Dresden, Salzdahlen u. s. w. sah man ehedem Bilder von Pesne. Zwei seiner schönsten, ein Mal mit dem Strohhut und das Bildnis eines in Pelz gekleideten Mannes, sieht man in der k. Pinakothek zu München. Pesne war Maler des Königs von Preussen und Direktor der Akademie. Seine Schüler beliefen sich in die vierzig.
G. F. Schmidt stach das Bildnis des Künstlers. Es wurden mehrere seiner Werke gestochen. Von dem erwähnten Schmidt: das Bildnis des Prinzen Christian August v. Anhalt, Kaufmann Vogel, des Juwelier Dinglinger, so wie jene der Minister von Arnim und Borcke, des finnischen Baron Cocceius, des Dr. Eller. Auch J. G. Wolfgang stach 1722 Dinglinger’s Bildnis, wie er sein künstliches Dianenbad hält. J. Faber stach in London das Portrait der Baronin Antoinette Elisabeth de Bois, und des Kaufmanns Heinrich Vogel. P. Tanje begann den
des berühmten Familienbildes des Baron Erlach, welches aber D. Berger vollendete. J. Houbracken stach das Portrait Friedrich’s III. von Preussen, Houston denselben König gerüstet mit dem Com- mandostab, so wie dessen Büste mit dem Hute. Sehr selten ist Wille’s Bildnis des Churfürsten und Königs Friedrich Carl. N. Edelink stach die Büste Newton’s; Daulle: das Bildnis des be- rühmten Jean Mariette; L. Zucchi: jenes des Malers L. de Sil- vetre; E. Jeaurat: des Malers N. Vleughel etc.
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