Peruzzini, Domenico, Maler und Radierer , dessen Existenz von Einigen in Zweifel gezogen wird, und selbst Lanzi möchte Alles, was er von einem Domenico hört, lieber auf Rechnung des Cav. Gio. Peruzzini schreiben. Die Angabe in Ticozzi’s neuem Künstlerlexikon fällt als grundlos ganz weg, Domenico wird indessen
Peruzzini, Domenico.
ausdrücklich in einer auch in Italien bekannter Handschrift genannt
und zwar als Pesareser von Geburt und als Schüler von Pandolfo.
Auch die unten folgenden Blätter, besonders No. 5, geben Zeugnis
von einem Domenico, der zu Ancona arbeitete, so dass seine
Existenz erwiesen ist. Die Anconitaner, sagt Lanzi, wissen von
einem Peruzzini, in welchem wir demnach unseren Künstler
erkennen. So dürfte von ihm jenes Bild der heil. Theresia sein,
welches Lanzi bei den Carmelitern sah, und nicht ohne Nachahmung
des barockischen Stils ist. Sehr schön fand Lanzi die Erhöhung
des Johannes im Siechhause, die ihn als Anhänger der
Bologner Schule kund gibt. — Die Blütezeit des Künstlers fiel
um 1640 — 1661.
Die Blätter dieses Künstlers wurden gewöhnlich dem Don. Pio
— und anderen Künstlern zugeschrieben, Bartsch P. gr. XNI. 138
vindicirte sie aber dem rechten Meister. Dem Piola können sie
in keinem Falle angehören, denn dieser Künstler, der geboren
wurde, konnte 1640 mit dieser Vollkommenheit noch nicht
gearbeitet haben; dann ist in diesen Blättern die Zeichnung
der Piola’s ganz verschieden, und in der Arbeit nähern sie sich
jenen des S. Antoni da Pesaro, dessen Schüler Domenico gewesen
sein könnte. Bartsch schwankt zwar zwischen den Geburtsorten
Pesaro und Ancona, wir glauben aber, dass der Beisatz „Ancona“
auf einem Paar Blättern nur den Ort bedeute, wo Peruzzini
das Blatt radirt hat, indem er sich nie einen Anconitaner nennt.
Die heil. Jungfrau, halbe Figur, mit dem Kinde auf der
Schoße, rechts im Grunde Joseph. Links oben: D. P. 1661.
Ausserordentlich leicht und geistreich radirt, H. 32,5 L., Br. 2 Z. 3 L.Die heil. Jungfrau sitzend umschlingt das Kind auf der
Schoße mit dem linken Arme. St. Joseph rechts im Grunde
sucht Früchte vom Ast zu pflücken. Am Baumstamme steht
D. P. 1661. In gleichem Geschmacke radirt, wie das obige
H. 32,5 L., Br. 2 Z. 7 L.Christus vom Dämon versucht, letzterer unter der Gestalt
eines Alten, der auf einen Stein zeigt. Links unten: D. P. 1642.
H. 10 Z. 10 L., Br. 8 Z.Die Kreuztragung. Christus, nach links gerichtet, ist von
drei Henkern begleitet, halbe Figuren. Rechts oben stehen
die Buchstaben D. P. P. F. (D. Peruzzini Pesarese Fece)
Durchmesser 3 Z. 10 L.Die heil. Familie, links St. Anton von Padua, und inmitten
die andern Heiligen des Franziskanerordens, halbe Figuren.
Rechts oben steht: Dom. us Per. nus Ancona 1661.
H. 3 Z. 6 L., Br. 4 Z. 8 L. MHeinecke legt dieses
Blatt dem G. Dom. Cerrini Cav. Perugino bei.St. Anton von Padua vor dem Altare betend, über welchem
das Kind in einer Wolke herabsteigt, von Cherubim
begleitet. Rechts unten ist ein Engel mit der Lilie, und links
unten steht: Dom. P. F. H. 62 Z. 6 L., Br. 5 Z. 5 L.
Im Winkler’schen Catalog wird dieses Blatt irrig dem Don.
Cresti Passignano beigelegt.
- Eine Mordszene. Ein Mann wird auf einem Bette von
drei Soldaten getötet. Links steht ein Ungar mit dem kaiserlichen
Adler auf dem Schilde. Der eine dieser Soldaten durchbohrt
den Mann mit dem Spieß. (Wallensteins Tod?)
In der Mitte oben steht: D. P. 1640. H. und Breite 5 Z.
Eine Folge von vier Landschaften. H. 3 Z., Br. 4 Z. 30 L.
Landschaft mit zwei Hütten unter Bäumen im Grunde. Vorn nähert sich ein Mann mit Helm und Schild einem nackten Weibe. Im Grunde links läuft ein vierlüssiges Thier. In der Mitte unten steht: D. P. f. Anconae.
Landschaft mit zwei Liebenden im Vorgrunde. Der Jüng- ling schreibt den Namen auf die Rinde des Baumes. Links unten bei den Säulen: D. P. Vn . ‘3
Landschaft mit Gesträuchen, links vorn ein Faun bemüht sich, einen Baum auszureissen. Rechts unten die Buchstaben D. P.
Landschaft mit einem Flüsschen zur Rechten, im Vorgrunde zwei Jäger mit Flinten, der eine stehend, der andere auf dem Bauche liegend. In der Mitte unten D. P. .
Der büßende Hieronymus in der Wüste links vor dem Crü- sifixe am Felsen kniend, mit einem Steine in der Rechten, Der Löwe ist auf einem Felsen. H. 9 Z. 10 L., Br. 7 Z. 2 L.
Dieses herrliche Blatt ist ausserordentlich zart und geist-
reich radirt. An einigen schwachen Stellen ist auf das ver- sündigste nachgeholfen. Bartsch nimmt Anstand, es dem Peruzzini beizulegen, weil es viel trefflicher, als die an- deren Blätter, und überdies auch in merklich verschiede- nem Geschmacke behandelt ist.
Ein anderer Umstand, dass dieses Blatt von anderer Hand herrühre, ist dann auch der, dass rechts vorn D. P. J. steht. Bartsch sagt zwar, es heisse D. P. F.; allein der berühmte Verfasser des Peintre graveur sah hier nicht richtig. ..“
- Die heil. Magdalena stehend mit dem linken Arme auf einen
Felshock gestützt, mit der Rechten ein Buch haltend. Un-
ten in der linken Ecke steht 1647. H. 4 Z.; 2 L., Br. 2 Z. 11 L. Dieses schön radirte Blättchen kannte Bartsch nicht.
In Frenzel’s Catalog der Sternberg’schen Sammlung ist ein Abdruck angezeigt.
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