Perregueux, Architekt zu Lausanne , ein vorzüglicher jetzt lebender Kunstler, dessen Lebensverhältnisse uns aber unbekannt sind. Un- ter seiner Leitung ist der Spitzthurm der Cathedrale von Lausanne,
welcher 1825 vom Blitze beschädigt wurde, wieder ausgebessert worden. Im Jahre 1836 war die Arbeit vollendet.
— Perrier, François, Maler und Kupferstecher , wurde , also um 1500 zu Macon (Saône et Loire) geboren, und von der Natur mit einer solchen Portion Leichtsinn versehen, dass er Zeitleben daran genug hatte. Sein Vater war Goldschmied, bei welchem als Knabe die Zeichenkunst erlernte, aber kaum hatte er ein Verständnis von der Welt, so zog es ihn hinaus in dieselbe. Da keine Unterstützung fand, bekleidete er einen Blinden nach Rom , hier aber nahm sich ein Kunsthändler seiner an, der durch ihn gute Gemälde zeichnen ließ. Die jungen Maler gebrauchten ihn ebenfalls zur Ausbesserung der Zeichnung, bis endlich der glänzende Lanfranco von dem jungen Franzosen hörte, und ihm Unterricht in der Malerei gab. Perrier hatte großes Talent, aber sein Geist war ungeregelt, und so trifft man selten eine edle, wohlgeordnete Composition. Gault de St. Germain sagt, dass dieselben gewöhnlich ein Gemisch von großen und trivialen Ideen seien, und nur bisweilen fänden sich Werke, die von einer Stärke der Seele zeugen, welche der edelsten Gedanken empfänglich war, wie im Bilde der Giustinianischen Sammlung, welches den Tod des Cicero vorstellt. Auch in S. Pietro zu Perugia ist ein würdiges Gemälde, den Tod Samsons vorstellend, und angeblich von Perrier’s Hand. Gewöhnlich tragen aber die Werke dieses Künstlers das Gepräge seiner schlechten Erziehung. Sie sind leichtsinnig komponiert, nicht sehr richtig gezeichnet, das Colorit geht in das Schwarze, die Gestalten sind unedel, und die Köpfe ohne Anmut. Das erste Mal blieb Perrier nicht lange in Rom, er ging aber 1635 wieder dahin, und zeichnete und radirte jetzt mehrere antike Kunstwerke, die aber in Zeichnung und Ausdruck kein ganz treues Abbild geben, nur im Allgemeinen Stellung und Bewegung festhalten; es bieten aber seine Werke dennoch Interesse, wie man aus denselben erkennt, welchen Reichthum von antiken Kunstschätzen Rom damals noch besass. In Italien nannte sich Perrier häufig F. Paria. Was er in Rom gearbeitet hat, folgt unten im Verzeichnisse, und so fügen wir hier nur bei, dass seine vornehmsten Malereien in der Cathedrale von Lyon zu suchen sind. Auch zu Paris, wohin sich der Künstler von Lyon begab, sah man mehrere Werke von seiner Hand, da ihm S. Vouet Aufträge verschaffte. Besonders gerühmt wurde Acis und Galathea, welche der König besass. In letzterer Zeit seines Lebens erhielt Perrier die Stelle eines Professors der Akademie. Um 1660 oder 1665 erlöste ihn der Tod von seiner Armut.
Einige seiner Werke wurden gestochen, und dann haben von diesem Künstler selbst eine bedeutende Anzahl radirter Blätter, die mit kühner Nadel, aber etwas leichtfertig behandelt sind. Auch Holzschnitte lieferte er. Er war in Frankreich der erste, der nach Hugo da Carpi’s Manier in Hell-Dunkel arbeitete. Eine Probe dieser seiner Kunst bietet die No. 2. Im zweiten Drucke haben die in Italien gestochenen Blätter Le Blond’s Adresse. Marie-Veranstaltete ebenfalls von einigen einen zweiten Abdruck.
Das Bildnis des Simon Vouet, in ovaler Einfassung, auf einer Seite eine Fama, kl. fol. Schönes und kraftig.
Die Zeit, welche dem Amor die Flügel beschneidet: Omn.
Perrier, François. 123
vincit amor, vincit mox : tempus amorem. Hauptblatt in Helldunkel, fol.
Illoses wird im Nil gefunden. F. Perrier inv. et sculp., qu. el.. . , ; .
Der Tod des Abel, id. inv. et fec., fol. |
Die El;:ch! nach Aegypten, Franciscus Perrier pinxit et sculp., qu. fol.
St. Rachus bittet für die Pestkranken, ebenfalls nach eige- ner Erfindung, fol. ,
Christus am Kreuze: Et exercito Centurione etce,, nach ei- gener Erfindung, 16533 gestochen, gr.fol. Im ersten Drucke mit Le Blond’s Adresse.
Heilige Familie, Hic sedes Sophiae etc. F. Perrier pinxit et sculp., gr. qu. 4. '
Eine heil. E-‘amilie, halbe Figuren. F. Perrier pinxit et sculp. cum Priuilegio Regis, kl. fol. Im zweiten Drucke mit Mariette’s Adresse. G. B. del Sole hat dieses Bild eben- * falls radirt, Bartsch erklärt aber die Buchstaben F. P. In. irrig mit F. Parmegianino.
Die Communioon des heil. Hieronymus, nach Agostino Car- raccı's Bild in der Certosa zu Bologna, von F. Perrier ?G- s\o\chen ,‚ aber mit Le juge fec. et exc. bezeichnet, gr. fol
Selten.
Die Anbetung der Könige, fol.
Die Predigt äes Täufers Johannes, fol.
Die Enthauptung dieses Heiligen, fol;
Der Leichnam Christi, fol. I
Der heil. Sebastian entseelt von zwei Frauen gehalten, fol.
Venus ınit Amor und den Grazien von Tritonen umgeben, fol.
Alle diese Blätter sind nach Perrier’s eigener Composition.
Die heil. Familie mit dem Vogel in einer Landschaft, nach S Vouet, dıesclbe Darstellung, weiche auch Vouet radirt hat. Schönes Blatt, 4.
St. Anton in den Himmel erhoben, nach S. Youet, 1632, unten zwei lat. Verse, fol. ;
Die Anbetung der Hirten, 1633, nach Simon Vouet, unten
zwei lat. Verse, Akl. fol.
Allelgorie nach demselben: Quisquis ad hoc sacrum concur- ris ımen honoris etc., 4, Ä L
Eine heil. Familie, rund 12, unten PF bezeichnet, mit Ma-
riette’s Adresse und 1608. Man nimmt dieses Blatt gewöhn-
lich für Palma’s Werk, es könnte aber dem F. Perrier an- ehören, so wie das folgende. , '
- Eine heil. Familie, Maria mit dem Kinde auf dem Schoosse,
Kniestück, links Joseph mit dem Stabe. Unten steht: F. P.
Mit Mariette’s Adresse und 1668. Rund, 12. In der Be-
handlung sind diese Blätter ganz gleich, und letztieres eher
Perrier als Parmegianino.
Johannes der Täufer, rund, 12. Eben so bezeichnet, wie die erstere der beiden vorhergehenden heil. Familien, viel- leicht eher Perrier als Palma jun. —.
Die Fabel. der Psyche, welche Rafael in der Farnesina ge- malt hat. Psyches Historia Raphaelis Urbinatis etc., 12 Blät- ter, nach _ der Angabe im Cataloge der Sammlung des Gra- fen von Fries, die aber selten zu seyn scheinen, denn wis fanden gewöhnlich nur folgende erwähnt:
Perrier, François.
Die Versammlung der Götter und die Klage der Psyche, nach Rafael’s Werk in der Farnesina, Franc, Paris incid., u. fol. Leicht radirt, selten.
Das Göttermahl, nach derselben Composition, François I. Perrier fec., schmal qu. fol., gut radirt.
Die Hochzeit der Psyche, Divum ad Nuptias Psyches vivium, nach Rafael’s Gemälde der Farnesina, mit F. P. bezeichnet, gr. qu. fol.
Die Bilder in den Ecken und den Dreiecken, womit Rafael die Farnesina zierte, 10 Blätter, fol.
Mehrere Reiter zu Pferd im Kampfe, in Mitte des Blattes hält sich einer derselben an dem Schweif eines Pferdes. Grunde rechts ist eine Stadt, gr. qu. fol. Dieses Blatt mit P. F. bezeichnet, was vielleicht unsern Künstler bezeichnet. Die Composition legt man dem Rafael bei.
Die Taugenden, Folge von 14 sitzenden Figuren, nach Rafael oder nach Primaticcio, wie Heinecke meint.
Statuae antiquae centum. Roma 1638. Eine neuere Ausgabe besorgte van Dalen. Amsterd. 1702, fol.
Von dieser Sammlung kommen auch einzelne Blätter vor, wie: Herkules, ohne und mit dem Telephos; Apollo, Mars, Venus (Medicea); Venus mit Amor, dieselbe das Gewand haltend, im Vatican; Merkur (Farnese), Pallas, Diana, der jugendliche Bacchus, Bacchus und Silen, berühmte Gruppe der Villa Mattei; der alte Silen mit dem Kinde Bacchus, aus der Villa Borghese; Hygiea mit der Schlange, aus der Villa Mattei; Flora, Ceres, aus der Villa Borghese, und jene der Villa des Papstes Julius III.; Ganymed (Casa Farnese), Meleager, mehrere Musen aus dem capitolinischen Museum; der junge Satyr mit der Flöte, Venus mit der Muschel (Palast Borghese); der Satyr an der Säule (Sammlung della Valle); Niobe mit der jüngsten Tochter, verschiedene Söhne und Töchter derselben, aus dem florentinischen Museum; der Nil, die Tiber mit der Wölfin und Romulus und Remus (Vatican); Marforius, der Centaur mit Amor (Sammlung Borghese); Julius Cäsar, Augustus, Marc Aurelius auf Pferd (Capitol); Seneca im Badgefäß, Cleopatra (Vatican); sitzende Consuln, Vestalinnen, stehender Krieger, der berühmte borghesische Fechter von vier Seiten, der sterbende Fechter (Mus. Capitol.) ; die berühmte Reitergruppe des florentinischen Museums; Priesterinnen, die schöne Zigeunerin (Sammlung Borghese); der Dornziccher, berühmte Bronzestatue im Capitol; der Messerschleifer, berühmte Statue des florentinischen Museums; Kaiser Commodus als Athlet mit dem Kinde auf der Schulter (Palast Farnese); Arria und Petrus (Villa Ludovisi); der angebliche Papirius von der Mutter umarmt (daselbst); Castor und Pollux, Zetus und Amphion, welche die Dritte an die Hörner des Stieres binden (Neapel); Gruppe des Laokoön (Vatican); die beiden der Isis opfernden Jünglinge, oder Castor und Pollux (Villa Ludovisi); Gruppe eines Helden mit einem Weibe, die ephesische Diana, mutmasslich Zusammenstellung der Gruppe der Niobe; der junge stehende Bacchus, berühmte Statue des florentinischen Museums, welche Michel Angelo gefertigt hat.
Icones et Segmenta illustrium & marmore tabularum, qua Romae adhuc extant. Romae 1645, fol. '
Figures antiques, dessinées à Rome par F. Perrier. Paris s. a. 20 Blätter, ;
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