Permoser, Balthasar, Bildhauer, geboren zu Kammer im Bayerischen Land, 1695, gestorben zu Dresden 1732. Sein erster bedeutender Meister war Weisskirchner in Salzburg , und nachdem er auch Knacker in Wien noch einige Zeit gearbeitet hatte, begab er sich zur höheren Ausbildung nach Italien , wo er vierzehn Jahre blieb und besonders für den florentinischen Hof vieles arbeitete, bis Friedrich I. nach Berlin berief; wo Balthasar — so hiess man ihn gewöhnlich — von 1709 — 1710 mehrere Werke ausführte, die teilweise in Charlottenburg und im Reußischen Garten, teilweise auch in anderen Gärten zu finden waren, im Verlaufe der Zeit aber entweder zerstört gingen, oder weichen mussten. In Charlottenburg wurde ein bogenschnitzender Amor und der Schlangenwürger Herkules aufgestellt, beide in Marmor, wie die Gruppe von Adam und Eva im Reußischen Garten. Im Jahre 1710 folgte er dem Auftrage des Churfürsten Johann Georg nach Dresden , wo der Künstler bis an seinen Tod verblieb. Da fertigte er für den großen Garten mehrere Statuen, die aber im siebenjährigen Kriege fast alle zerstört gingen, so wie mehrere andere Arbeiten, die er in Dresden für Kirchen, Paläste, Häuser und Gärten unternahm. Für die katholische Kirche ist ein schönes Ecce homo und die Statue des Täufers Johannes von ihm. Gerühmt wurde seine Statue des Prinz Eugen mit der Siegesfahne, aus einem 80 Zentner schweren Blöcke gehauen. Auf dem Friedrichstädter Goltzsacher errichtete er sein eigenes Monument, und zierte es mit der Kreuzabnahme.
Dann arbeitete Permoser auch sehr schön in Elfenbein. H. v. Hagedorn besass ein Basrelief, welches in diesem Stoffe die Falten
des Mercur und Argus vorstellt. Permoser arbeitete aber auch gleich trefflich in Stein und Holz, nur muss man seine Werke nach der Zeit betrachten, in welcher sie entstanden sind. Im Aus- drucke war er manchmal übertrieben, und auch sein anatomisches Wissen brug er gerne zur Schau.
Eines seiner schönsten Werke ist die Statue Eugen’s von Savo- yen, welche er von 1718–21 aus Maxner Marmor in Auftrag des österreichischen Hofes fertigte. Hierher gehört auch die Kan- zel in der katholischen Hofkirche zu Dresden, und das von ihm selbst gearbeitete Denkmal auf seinem Grabe.
Dieser Künstler war ein großer Sonderling. Er speiste z. B. bei Niemanden, trug nie einen Stock, ließ sich, wie er vorgab, der bedrängten Zeit wegen, den Bart nicht abnehmen (welche Bizarrerie er sogar in einer besondern kleinen Schrift vertheidigte), und fertigte sich bei gesunden Tagen schon den Leichenstein. Zu seinen größten artistischen Sonderbarkeiten aber gehörte die Art, wie er sich des vom Wiener Hofe erhaltenen Auftrages zur Fertig- stellung der Statue des Prinzen Eugen entledigte. Er stellte nämlich den Fürsten dar, auf dem Künstler stehend, dieser aber sich wie ein Wurm windend und nach dem Prinzen das Gesicht wendend, anzuzeigen, dass er gleichsam nur mit Fusstritten zu dieser Arbeit
habe gezwungen werden müssen. Warum er die Arbeit nicht gern that, ist unbekannt.
Die oben erwähnte Schrift hat den Titel: Der auf dem Throne der Ehren erhobene Bart. Frankf. 1714. Diese Schrift soll in- dessen Ulrich König dem Künstler zu Ehren geschrieben haben, wie Heinecke glaubt. Es ist ihr das Bildnis des Künstlers bei-
gegeben. S. Blesendorf stach das Grabmal des Medailleurs R. z, welches zu Grunde gegangen ist.
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