Penni, Gianfrancesco, genannt il Fattore, Maler, M it dem berühmten Künstlerverein, der sich um Rafael Sanz Lil det hatte. Er wurde um zu Florenz geboren, und der Unterricht, den er hier genoss, war nicht so ganz unbedeutend. Er später zu Rom in Rafael’s Schule schon in der Eigenschaft eines Gesellen erscheint. Allein dieses untergeordnete Verh ältnis löste sich bald in Freundschaft auf, die bis zum Tode des Meisters ungetrübt fortbestand. Penni besorgte dem großen Meister auch seine häuslichen Angelegenheiten, er war in gewissen Hinsicht sein Geschäftsführer , und desswegen noch allgemeiner dem Namen il Fattore bekannt. Er war aber auch als Zeichner tätig. Er führte die Zeichnungen des Meisters trefflich und half ihm mehr als jeder andere bei den Cartons zu den Teppi und colorierte auch Vieles. In der Sala di Constantino im Vat soll von ihm die Taufe des Constantin nach Rafael’s Entwurf gemalt sein; es ist aber dieses das mindest bedeutende Werk des Saales, in welchem auch Giulio Romano und Raffaele da] gemalt hatten. In den Logen (loggie), jenen offenen Hallen, wo der Hof des heil. Damasus umgeben, dem älteren Theil des Palatins, schreibt man ihm die Geschichten des Abraham Loth, so wie jene des Isaac zu, sämmtlich nach der Zeichnung des Meisters in Fresco gemalt. Nach dem Tode seines Frei und Lehrers malte er auch in der Villa des Papstes noch nach dessen Entwürfen.
Dann führte Penni auch Ölgemälde nach den Entwürfen Rafael’s aus, und darunter nennen wir vor allen das Bild der Ungeheuerlichkeit Mariä, welches bis zur französischen Invasion den Hock
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von Monte Luce zierte, und jetzt in der Gallerie des Vatikans auf- gestellt ist. Rafael hatte dessen Ausführung schon 1505 übernom- men, allein erst die Erben des Künstlers, Giulio Romano und Francesco Penni, kamen der Verpflichtung nach. Man erklärte die- ses Gemälde ehemals so ziemlich als Originalwerk Rafael’s, und späterhin, als ihm dieser Ruhm streitig gemacht wurde, suchte man ihm wenigstens die Zeichnung beizulegen. Jetzt ist man zu der Ansicht gelangt, dass höchstens zu dem oberen Theile, wo Christus und Maria auf Wolken thronen, eine Zeichnung Rafael’s benutzt worden sei. Diese bessere Hälfte des Bildes schreibt man dem G. Romano zu, die untere, ‚wo die Jünger um das offene Grab der Jungfrau versammelt sind, dem F. Penni, der, aber hier nicht zu loben wäre, da das Bild ebenso schwach in der Compo- sition, wie in der Ausführung ist. Dass indessen die genannten zwei Künstler die Assunta von Monte Luce 1525 vollendet haben, beweisen auch die Worte einer Handschrift des P. Timoteo Bottonio, welcher deutlich sagt, dass diese schöne Tafel von G. Romano und F. Penni, il Fattore, sei, ohne zu bemerken, nach welcher Zeichnung. S. hierüber Dr. Gaye im Kunstblatte 1836 No. 34, wobei aber zu bemerken ist, dass anderwärts der Antheil, welchen Penni an dem Bild hat, richtiger bestimmt wird.
Dann finden sich auch noch andere Bilder, welche Penni theils nach Zeichnungen, theils nach Gemälden Rafael’s in Öl aus- führte; im Ganzen sind aber seine Werke selten. So halten Einige die Madonna del passeggio, welche aus der Gallerie Orleans in die Stafford-Galerie zu London überging, für sein Werk. Frü- her hatte die Königin Christine von Schweden das Bild. Es ist dieses eine in mehreren Wiederholungen vorkommende liebliche Composition: Maria mit dem Kinde in einer Landschaft lustwan- delnd, mit dem kleinen Johannes, welcher im Begriffe ist, den Gespielen zu küssen. Graf von Pembroke hat die anziehende, öfter vorkommende Composition Rafael’s, in welcher Maria sich zu dem mit einem Lamme spielenden Kinde herabneigt, ein kleines, doch in alter Technik, und von Penni gemaltes Bild, wie Dr. Waagen II. 283 behauptet.
Dann kopierte F. Penni auch das von Rafael gemalte Bild der Grablegung Christi, welches in neuerer Zeit der Minister von Humboldt erwarb. Eine andere berühmte Kopie ist jene von Ra- fael’s Transfiguration, welche er mit seinem Schwager Perin del Vaga malte. Dieses Bild wurde später in S. Spirito degli Incura- bili zu Neapel aufgestellt, bis es der Vizekönig Don Pietro Anto- nio d’Aragonia gekauft und fortgeschafft hatte. Gegenwärtig be- findet sich dieses Werk in der Gallerie Sciarra Colonna zu Rom. Zu Neapel sieht man gegenwärtig im königl. Museum noch einige Bilder von Fattore, welche nach Dr. Kugler, Gesch. d. M. I. 273, einen schlichten, aber wenig tiefen Meister der römischen Schule erkennen lassen.
Im Auslande sind die Gemälde des Fattore noch seltener, als in Italien. Die berühmten Pinakotheken zu München und Berlin be- sitzen keines; in der königl. Gallerie zu Dresden werden ihm aber zwei zugeschrieben: der Erzengel Michel, wie er den Satan in den Flammenpfuhl stürzt, und St. Georg im Kampfe mit dem Dra- chen. Das erstere dieser Gemälde ist jedenfalls zweifelhaft.
Rafael Sanzio setzte bei seinem Tode seinen Fattore und den Giulio Romano zu Erben ein, so wie er denn allen seinen Schü- lern den gemeinsamen Erbtheil seiner Kunst überlassen hatte.
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