Pellegrino, Pellegrino

Pellegrino, Pellegrino, Maler und Architekt , bekannter unter dem Namen Pellegrino Tibaldi, oder Pellegrino di Tibaldo de Pellegrini, auch Pellegrino da Bologna genannt, weil er da 1527 geboren wurde. Sein Vater Tibaldo war aus Valdelsa im Mailändischen, und liess sich als Maurermeister in Bologna nieder, der Sohn aber liebte die Kunst leidenschaftlich, und trachtete daher sehnlichst, sich über das Handwerk zu erheben. Man glaubt, dass ihm B. Ramenghi den ersten Unterricht ertheilt habe, weil seine früheren Bilder (im Speisesaal S. Michele in Bosco ) in der Weise jenes Meisters behandelt sind, gewiss ist aber, dass Pel- legrino 1547 nach Rom sich begab, um, wie Einige behaupten, die Schule des Piero del Vaga zu besuchen. Allein Meister Piero starb in demselben Jahre, und so konnte, gesetzt auch, dass er den del Vaga noch am Leben getroffen hat, der Unterricht nur sehr kurz sein. Er musste sich daher nach andern Vorbildern in der Malerei umsehen, die er zunächst in den Werken des Michel Angelo fand, aber er suchte Michel Angelos gewaltige Kraft durch Anmuth zu mildern. Auch er zeichnete und malte in einem küh- len Style, strebte nach Grossheit der Form, schuf aber Gestalten, die durch schlichte Anmuth und den Ausdruck eines innigen Ge- fühls das Gemüth einnehmen. Tibaldi war kaum dreiundzwanzig Jahre alt, als er zu Rom im Wetteifer mit S. da Sermoneta und J. del Conte in S. Lodovico de’ Francesi zu Rom mehrere Bilder malte, und den Sieg errang. Doch weit entfernt, Ver- trauen zu gewinnen, verlor er vielmehr den Muth und den Glau- ben, je in der Malerei etwas Vorzügliches leisten zu können, und fasste den jämmerlichen Entschluss, sich auszuhungern. In dieser seiner Verzweiflung riet ihm O. Mascherino, von solchen Possen abzulassen, und lieber die Architektur zu studiren, wozu Tibaldi ohnehin grosse Neigung hatte. Der Cardinal Gio. Poggi gab ihn nach einiger Zeit auch wieder der Malerei, indem er den Kunstler nach Bologna schickte, um in seinem Palaste, dem späteren Locale der Akademia Clementina, die Geschichte des Ulysses zu malen. Er schmückte daselbst aus Auftrag dieses Prälaten die Capelle des heil. Jakob, des Augustiners, die ebenfalls nach dem Entwurf des Malers erbaut ward, und diese Bilder, die Predigt

Pellegrini, Pellegrino

des Johannes und die Scheidung der Auserwählten von den V worfenen, wurden eine wahre Schule für die Carracci. Sie nan ten ihn den Michelangelo riformato. Hierauf schickte i der Cardinal d’Augusta nach Loretto, um eine Capelle mit Gem den und Stuccaturen zu zieren. In der Marc Ancona waren Vi Fresenbilder von seiner Hand gemalt, mehrere Episoden aus Geschichte Trajan’s, Scipio’s u. s. w. vorstellend. Im grossen sensaale zu Ancona malte er den die Ungeheuer zähmenden Hen kules, wo der Künstler gezeigt hat, wie man Buonarotti’s Schre

liches nachahmen müsse ; mit der Furcht nämlich, es zu ernu:hei

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wie Lanzi bemerkt, Inzwischen malte Tibaldi auch einige za und anmuthige Bilder in Oel, meistens figurenreich, sehr beg stert, lebhaft colorirt, mit Architektur verziert, Alles diess ml£j ner Feinheit und Ausführlichkeit, wie Miniaturbilder. Die Stı teleibilder des Künstlers sind aber jeizt selbst in Italien selten, ı Auslande ist:nur hier und da eines zu finden. Zu den schönsteß und anmuthigsten gehört die Vermählung der heil. Catharına !! der ‘Gallerie zu Bulogna, ehedzm in der Capella Scala ın d Kirche la Misericordia; das Bild der heil. Cäcilia mit zwei mosıcl® renden Engeln in der k. k. Gallerie zu Wien; die Anbetung der Hirten in 5er Gallerio Lichtenstein daselbst; Anna, welche die Ma- ria lesen lehrt, in der kaiserl. Ercmitage zu St. Petersburg, 19 eli was schadlhaften Stande. In Spanien waren ebenfalls Bilder von Tibaldi, denn er wurde dahin berufen, um den Plan zum Escu- rial zu fertigen.‘ In diesem Kloster sieht man von ihm Christur am Kreuze mit Engelbildern, die Kreuzigung, Kreuzabnehmung, Auferstehung , Grablegung, Erlösung der i‘.n.väter‚ St. Michael in Kawpfe mit Lucifer vorstellend.

Tibaldi als Architekt.

Im Jahre 1562 hericf ihn der heilige Cardinal Carlo Borromeo nach Pavia, um den Plan zum Pallaste della Sapienza zu entwer- fen, wozu 1564 der Grundstein gelegt wurde. In Mailand restau” rirte er den erzbischöflichen Pallast, und nachdem ihm der Dau der Kirche des heil. Fidelus daselbst von allen Seiten Lob un Ruhm bereitet hatte, wurde er 1570 erster Architekt des Domes !® Mailand. Als solcher fing er an, das Innere des Tempels zu m°- dernisiren, und auch an der Facade machte er einen Einbau IM neu italienischen Style, was dem chrwürdigen gouthischen Dome theilweise den Charakter des Alterthümlichen benahm. Er machte 1567 einen neuen Plan zur Facade, und unter zwölf Concurrenten wurde sein Entwurf zur Behkleidung des Giebels mit der Haup!- thüre vorgezogen. Man rühmte daran, dass der Künstler dep 2l tiken, d. h. neu italienischen Sty} sehr glücklich mit dem goth' schen vereiniget habe, was aber nur derjenige glaubt, der "'_°."; bemerkt, wie seltsam die sämmtlichen fünf Thüren und die für Fenster darüber unter den Spitzbugen und den übrigen golhli"‘°“ Formen des Ganzen hervorblicken. Zu seinen Lebzeiten wurden indessen nur die Portale und zwei Fenster darüber fertig- Spater erlitt der Plan durch Carlo Buzzi einige Abänderung, aber 'f°‚ dessen 1658 erfolgten Tod blieb der Bau bis 1805 eingestell. |‘»"1 während der Herrschaft Napoleons vollendete C. Amati nach Pe- legrini's Plan den Giebel und einige andere Theile. Diesen “°“'";‘ Ausbau zeigt ein grosser Holzschnitt, welchen L. Bougon 1812 V“ Jendote, Die kaiserlich österreichische Regierung beiahl bekannt lich die gänzliche Vollendung des Werkes,

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