Pausanias nennt ebenfalls einen Polycles, als Schüler des Staideus, eines Atheners, und schreibt ihm die Siegerstatue des Pantiasten Amyntas zu. Die marmorne Statue der Juno, von einem Polycles gefertigt, sah man innerhalb der Hallen der Octavia zu Rom, wie Plinius bemerkt. Ob diese in Rom selbst gefertigt wurde, und ob sie von dem jüngeren Künstler dieses Namens herrühre, ist nicht genau zu bestimmen. Der jüngere Polycles scheint wenigstens in Rom gewesen zu sein, zur Zeit, als Metellus den großen Porticus mit den Tempeln des Jupiter und der Juno von griechischen Architekten bauen ließ, wobei er auch zu den Sculpturwerken offenbar mehrere griechische Bildhauer berief, die Plinius teilweise übergeht, weil er sie in seinen aus griechischen Quellen stammenden chronologischen Listen nicht angeführt fand. Dahin gehören Polycles, Timarchides und dessen Söhne, wie auch Dionysios und Philiskos von Rhodus. Polycles hatte ebenfalls zwei Söhne, deren Namen aber Pausanias nicht angibt.
Vitruvius erwähnt dann auch noch eines Malers dieses Namens, der Geschicklichkeit besaß, aber vom Glücke nicht begünstigt war, oder aus andern Umständen nicht zu Ehren gelangen konnte.
Polykleitos (Olycletus), ein in der Geschichte der griechischen Kunst berühmter Name, dessen Träger aber den Archäologen grosse Schwierigkeiten bereitete, bis man endlich, zunächst durch die Be- eichnungen des Hofrathes Thiersch (Epochen der bildenden Kunst unter den Griechen; 2te Auflage. München 1820. S. 204, An- merk. ff.; Kunstblatt 1828) zwei Künstler dieses Namens annahm, einen Argiver und einen Sykionier Polykleitos, die zugleich als die
beiden älteren gelten, an welche sich ein jüngerer Argiver Polyclet, der Schüler des Naukides, und ein vierter, aus Thasos, schließt.
Der älteste von diesen Künstlern, ungefähr gleichzeitig mit den älteren Canachus, ist nach Thiersch der Sikyonier; welchen auch Plinius nennt, nur dass er ihm die Werke des jüngeren Polyclet zuschreibt, die höchst vollkommen in ihrer Art waren, während der Sikyonier nur das Verdienst hatte, die uralte Einförmigkeit ruhig und gerade aufgestellter Bildsäulen aufgehoben, und selbe auf einem Fuss ruhend dargestellt zu haben, wobei aber seine Figuren immer noch von einförmiger Breite, und fast noch alle wie nach einem Vorbilde gemacht waren, wie Varro bei Plinius bemerkt. Da heißt es nämlich: Proprium ejus est, ut uno crure insistere, signa, excogitasse, quadrata (nach Thiersch von einförmiger Breite) nach Hirt zu untersetzt) tamen ea esse tradit Varro, et primum unum exemplar. Dieser ältere Polyclet aus Sikyon steht am Anfang der zur Vollendung eilenden Kunst, vorangehend dem Myron und Pythagoras; der Argiver, aus der Schule des Agelades, hat Werke vollendeter Verhältnisse und schönster Mannigfaltigkeit geschaffen. Er überwand an Kunst und Schönheit die toreutischen Arbeiten des Phidias, denn Plinius sagt: hic consumasse scientiam judicatur, et toreuticen sic erudisse, ut Phidias aperum. Doch meint Plinius immer nur Einen Polyclet, und Andere für ihn nach, ohne zu bedenken, dass es nicht möglich sei, alle Stufen von der Einförmigkeit steifer Stellungen bis zu jener unerreichbaren Musterhaftigkeit zu durchlaufen, welche dem jüngeren Polyclet den Ruhm bereitete, die schönsten Verhältnisse und höchste Ebenmaß in seine Bildsäulen gebracht, und durch Lehre und Beispiel die vollendete Kunst auf ihrer Höhe befestigt zu haben. Polyclet’s, des Argivers, Lanzenträger wurde ein Canon der Proportionen des menschlichen Körpers, welchen die Künstler dienten. Idem, sagt Plinius, et Doryphorum fecit, quem canon artifices vocant, lineamenta artis ex eo petentes, velut a lege quidam. Auf der anderen Seite behauptet Plinius aber wieder, Polyclet an Eurythmie, und am Numerus der Bildsäulen von Myron übertroffen worden sei. Primus hic (Myron) multiplicasse videri videtur, numerosior in arte quam Polycletus et in symmetria diligentior, sagt Plinius; es ist aber mit dem vorigen nicht zusammenzureimen, wenn wir mit Thiersch nicht annehmen, dass dies nur auf den älteren Polyclet passt, der von Myron übertroffen werden konnte. Alles dieses berichtet aber Plinius von einem einzigen Polyclet, und hat so offenbar in bunter Verwirrung einander gestellt, was er von den Polycleten geurteilt und gelobt fand. Wie wäre es möglich, dass der Eine und dieselbe im Zeitalter des Darius unter den Alten auftrete, im Zeitalter des peloponnesischen Krieges nach Phidias noch wirke; mit einer Vollkommenheit, dass seine im Canon dargestellten Verhältnisse den Späteren als Gesetz dienen? Und wie kann dieser, der die schönste aller Bildsäulen macht, von einem Anderen an Eurythmie und Symmetrie übertroffen werden? Kann ein Werk zugleich symmetrisch vollkommen und symmetrisch unvollkommen seyn? Um aus diesem Labyrinthe chronologischer und technischer Widersprüche zu gelangen, hat Thiersch, durch Plinius selbst berechtigt, indem dieser einen sikyonischen Polyclet unter die getrennten Namen der beiden älteren Polycleten verlegt, was nach Aussage der Urkunden über den gemeinsamen Namen von Varro, Strabo u. A. zwei Männern verschiedener Zeiten angehört.
Die Werke des Sikyoniers nachzuweisen, ist unmöglich, da über ihn die Alten nicht ins Einzelne eingehen. Der jüngere Polyclet aus Argos lieferte aber jene durch Jugendlichkeit und Schönheit der Verhältnisse bewunderungswürdigen Musterbilder des Diadu- menos, des Doryphoros, den Canon, der den Späteren zum Ge- setz wurde, und in den Knöchelspielern, nach dem Urtheil der Meisten, das vollkommenste Werk der ganzen Plastik. Man weiß nur von weiblichen und Jünglingsgestalten, die der Künstler bil- dete. Man behauptete sogar, er habe die Darstellung des ernsten Alters absichtlich vermieden, und sich nicht über die glatten Wan- gen hinausgewagt, was durch die Angabe der Gegenstände besitzt, die Polyclet bearbeitet hat. In ernsten, strengen, männlichen Götterbildern genügten Phidias und Alcamenes mehr als der Meister von Argos. Er scheint sich indessen hierin auch wenig versucht zu haben, da die alten Schriftsteller kein solches Werk nennen, Plinius nennt vor allen den Diadumenos, einen Jüngling von weichlichen Formen (fecit moliter juvenem), der sich die Binde um den Kopf legt, und dessen Werth man auf 100 Talente schätzte. Eine ähnliche Statue ist jene aus der Villa Farnese, Winckelmann’s Werke VI. Th. 2, Gerhard antike Bildw. 60. Noch berühmter machte er sich durch seinen Doryphoros, den Lanzen- träger, in dem der Knabe mit Männlichkeit gebildet war (viriliter genuum fecit), jenes Werk, in welchem er den Canon der schönen Verhältnisse des menschlichen Körpers aufstellte. Dieses Werk hatte auch wahrscheinlich die Veranlassung zu seiner Schrift über die Symmetrie. Über das Wesen eines solchen Canons s. Hirt in den Schriften der königl. Akademie der Wissenschaften zu Ber- lin 1818. Von zwei anderen berühmten Werken stellte das eine einen Jüngling vor, der sich in der Palästra mit dem Schabeisen reiniget (Apoxyomenos), das andere einen Nackten, der zum Wür- felspiel auffordert. Von Polyclet’s Knaben, die mit Würfel spielen, Astragalizontes genannt, die zu Plinius Zeit im Vorhofe des Kaisers Titus zu sehen waren, sagt eben dieser Schriftsteller, dass sie von vielen für das vollendetste Werk des Meisters gelten. Einige wollen diese Astragalen-Spieler in der Gruppe des britischen Museums erkennen, wo der eine der Knaben den Arm des anderen hält und voll Ärger in denselben beißt. Diese Gruppe würde im Pontifikate Urban VIII. in den Bädern des Titus gefunden. Hirt meint, es sei eine Gruppe von Amor und Ganymed gewesen, wovon es noch Nachbildungen gibt. Vgl. Levezow in der Amal- thea I. 275. Mit seiner Amazone überwand er in einem Künstler- wettstreit zu Ephesos den Ktesilaos, Phradmon, Phidias und Ky- don. Phidias’ an eine Lanze gestützte Amazone ist in der zum Sprunge sich bereitenden im Vatikan, Ktesilaos’ Verwundete in einer Capitolinischen Statue wieder erkannt worden, und die Polykletische müssen wir uns nach Müller darnach als das Höchste in der Darstellung dieser blühenden und kräftig ausgebildeten Frauen gestalten denken. Dann scheinen dem Argiver auch zwei Jungfrauen in Erz anzugehören, welche mit geöffneten Händen Körbe mit Heiligthümern auf dem Kopfe tragen, und Canephoren heißen, die besonders durch zierliche Kleidung und mädchenhafte Gebärde unter den schönsten Werken sich auszeichneten, wie Cicero versichert. S. Almathea III. 165. Polyclet war auch schon in Porträtstatuen ausgezeichnet. Man nennt besonders jene des Artemon eriphoretos, des Maschinenbauers des Perikles. Dann werden auch mehrere Statuen von olympischen Siegern einem Polyclet bei- gelegt, die aber dem jüngeren Argiver dieses Namens angehören dürften.
Ein Meisterwerk Polyclets, hochberühmt im Alterthume, die colossale Juno von Gold und Elfenbein zu Argos, w Strabo sogar über die Minerva des Phidias setzt, jenes
von welchem Plinius sagt, dass hierin die von Phidias ang eue Torikutik vollendet sei. Phidias lebte damals nicht a der Tempel Ol. 80. 2 abbrannte, und das Bild nicht vor gefertiget werden konnte. Die Göttin, wahrscheinlich im und mit zurückgeschlagenem Schleier, war auf dem Throne si vorgestellt mit der Krone auf dem Haupte, die mit den G und Horen geziert war. In der einen Hand hielt sie einen Napfel, und in der anderen das Scepter, worauf ein sass, wie alles dieses Pausanias benachrichtet. Diese argi Hera ward vermuthlich Vorbild für mehrere andere Statuen Göttin in Heiligthümern Griechenlands. Sie war das dem entisprechende weibliche Wesen, die Frau des Himmelsgot unvergänglicher Blüthe und Reife der Schönheit, ehrFur tend, mit gerundeten und offenen Augen, Hpn Bowxzs. D derselben ist auf späteren Münzen von Argos abgebildet. lingen Anc. Coins pl. 4. 10, Cadalvene Recueil pl. 3. 1, alexandrinischen Münzen von Nero mit der HPA APIEL1 heil D. N. IV. p. 55 Er ist mit demselben breiten Stephan rings herum gleich breite Krone) geschmückt, wie die in Styl dargestellte Hera Olympia auf den Münzen von Elis, kinische auf Münzen von Pandosia und Kroton, und die sche. In der Villa Ludovisi ist ein colossaler Kopf, dem Polykleitische Hera zu Grunde liegen dürfte. Abb. s. Wioc IV. Taf. 7, Meyer Taf. 20, Hirt 2. 5. Aehnlich ist die Versailles, Mus. Nap. I. pl. 5. Zwei schöne Büsten sind in pc],_ Mus. Borb. V. ? In strengerer Weise ist der Colo in Florenz. Winckelmann IV. 356. ;
Polyclet fertigte auch einen Merkur, der in Lysimachia hen war, und einen Hercules, der mit der Rechten zu den reift, zur Zeit des Plinius in Rom. Dann wagte er sich die Darstellung des Zeus, als Beschützer der Freundschaft ( der ganz den Charakter des Dionysos an sich trug, aber mit Adler auf dem Thyrsos. Dieser Cupiler Philius war zur { Pausanias in Magafopolh. Als Werke des älteren Polyclet Sillig auch noch die Marmorstatue des Jupiter Melichius, w wir nach Hirt im Artikel des jüngern nannten, dann die mi nen Bilder des Apollo, der Latona und der Diana, von ı das eine zu Argos, das andere in dessen Nähe sich befand.
Plinius zählt seinen Polycletus auch unter die Maler, es is! von seinen Gemälden nichts weiter bekannt.
Polykleitos war ferner auch Architekt. Er baute um Ol. ( Theater zu Epidaurus, an Schönheit und Ebenmaass das ersie ches Pausanias mit Bewunderung nennt. Dieses Theater ist beinahe ganz erhalten. Man findet an der Strasse von N nach Epidaures die Trümmer einer Stadt, wo die Burg auf pischen Mauern sich erhob, und das Heiligthum des Aescul: seinen weitläufigen Anlagen im Hintergrunde. Im Gebüsch sich das erwähnte Theater erhalten.
Der jüngere Polykleitos von Argos, der Schüler des Nau blühte um Ol. 95 — 101. Die entscheidende Stelle über zweiten Polyclet von Argos gibt Pausanias, wo er ihn als de fertiger der Statue des Agenor von Theben, der den Sieg in
en unter den Knaben davon trug, bezeichnet und beilagt, icse nicht von jenem Argiver Polyclet herrühre, der die
der Hera verfertigte, sondern von dem Polyclet aus Argos, der sich in Naucydes Schule gebildet hatte. Eine andere Statue, welche nach Hirt mit Sicherheit diesem Künstler zuzueignen ist, ist jene des Antipater von Milet, eines Zeitgenossen des Tyrannen Diony- sius. Dieser Antipater besiegte die Jünglinge im Faustkampfe. Dann werden auch noch mehrere Statuen von olympischen Siegern genannt, die teilweise vielleicht ebenfalls diesem Künstler ange- hören, wie jene des Cyniscus von Mantinea, des Mänaliers Xenocles, des Tersilochus und des Aristion. Unter den Götterbildern scheint ihm die marmorne Statue des Jupiter Melichius zu Argos zuzugehören; vielleicht auch die Hecate, die man nach Pausanias ebenfalls zu Argos sah, und die Statue des Alcibiades, welche Dio Chrysostomus in verstümmeltem Zustande noch sah. Pausanias nennt auch einen Dreifuss, welchen Polyclet für Lysander aus der Beute von Aegos Potamos als Weihgeschenk für Amyclae fertigte. Der Künstler zierte diesen Dreifuss mit der Statue der Amycläischen Venus. Einen zweiten Dreifuss fertigte Aristander von Paros.
Der vierte Künstler dieses Namens war aus Thasos, und lebte zur Zeit des makedonischen Königs Perses, und einen fünften finden wir bei Bracci tab. 06. unter den Edelsteinschneidern, welchen aber Stosch mit dem berühmten Bildhauer für eine Person hält. S. Levaow über den Raub des Palladium S. 31 ff. Der Stein, ein Sardonix, stellt den Raub des Palladium durch Diomedes vor. Im florentinischen Museum ist ein die Leyer spielender Amor. Gem- mae antiq. 1L 1.
Die Hauptquellen, aus welchen dieser Artikel geschöpft ist, sind die bereits genannten Werke von Thiersch und O. Müller, Hirt’s Geschichte der bildenden Künste bei den Alten, Schorn’s Studien der griechischen Künstler und Sillig’s Cat. Artif. Viele Notizen finden sich auch in Böttiger’s Andeutungen.
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