Passavant hatte seine schriftstellerische Laufbahn mit Glück betreten, und er durfte daher auf seinem Wege auf wiederholten Beifall denken. Doch verlor er die Kunst nicht aus den Augen

Passavant hatte seine schriftstellerische Laufbahn mit Glück betreten, und er durfte daher auf seinem Wege auf wiederholten Beifall denken. Doch verlor er die Kunst nicht aus den Augen, und als er nach sieben Jahren wieder in seiner Vaterstadt angekommen war, führte er verschiedene Bilder für Privatpersonen aus, bis es ihm endlich zur Zeit der Anlage des neuen Gottesackers in den Sinn kam, Entwürfe zu Grab-Denkmälern herauszugeben, um auch in der monumentalen Architektur seine Kräfte zu versuchen. In der Folge sah man auch wieder hie und da ein historisches Gemälde von seiner Hand, in Frankfurt, so wie auf auswärtigen Kunstausstellungen, doch nicht immer wusste man die Kunstblüthen der neudeutschen Schule zu pflücken. In neuester Zeit fand er auch Gelegenheit, durch ein öffentliches Werk mit anderen Künstlern zu wetteifern. Die Stadt Frankfurt beschloss nämlich die Ausschmückung des Kaisersaales daselbst, und mehreren Künstlern wurden Kaiserbilder übertragen. Passavant malte Heinrich II., den heil. Erbauer des Domes in Bamberg .

Inzwischen hatte der Künstler auch in Zeitschriften verschiedene Aufsätze über Kunst veröffentlicht, und als Resultat einer Reise folgendes Werk herausgegeben: Kunstreise durch England und

Belgien . Mit 30 Abbildungen etc., Frankfurt a. M., 1833. Dieses

Reisewerk enthält schätzbare und gründliche Nachrichten über öffentliche und Privatsammlungen, sowie einige Andeutungen über

den gegenwärtigen Zustand der Künste in Brüssel ; Etwas später

bereiste auch Direktor Dr. Waagen in England in artistischer Hinsicht, und im Werke desselben sind noch reichere

Quellen aufgeschlossen, da Waagen auch über Kunst

und Künstler in Paris handelt. Beide Werke sind in Englische

übersetzt, erstere 1836 in 12, letzteres 1838 in 3 Bänden, 8.

Beide haben wir in diesem Lexicon vielfach dankbar benützt.

Nach dem Erscheinen der Kunstreise dachte Passe auf eine

historische kritische Darstellung des Lebens und der Werke Ra-

fael’s von Urbino, denn er hatte zu diesem Zwecke Reisen nach England, Paris und Italien unternommen. Die spanischen Schätze sah er

früher in Paris, auch in Deutschland betrachtete er die Rafael’schen

Bilder mit eigenen Augen, und da nun immer auch die sorgfältigsten historischen Forschungen mit der Anschauung Hand in Hand

gingen, so muss dieses Werk, wenn je menschliche Anschauung

überall untrüglich ist, den höchst wichtigen Gegenstand erschöpft

haben. Es hat den Titel: Rafael von Urbino und sein Vater Giovanni Santi (2 B., Lpz. 1859, mit 14 Abbildungen, 8°).

Passavant ist gegenwärtig Conservator des Institutes in Frankfurt

am Main.

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