Passarotti, Bartolomeo, Zeichner, Maler und Kupferstecher von Bologna , das Haupt einer Künstlerfamilie, ein Künstler, mit welchem Vasari zu schreiben und Malvasia zu schmähen aufhört. Er war Schüler des J. Vignola, und als Schüler des T. Zuccaro hatte Vasari noch von ihm Kunde. Borghini und Lomazzo rüh- men den Passarotti, andere Schriftsteller gedenken seiner mit Ehren; allein er gehört bereits zu den unerfreulichen Manieristen. Er war der erste, der in Bologna zuerst Kirchenbilder mit nack- ten Rümpfen ausstattete, um größere Mannigfaltigkeit zu erzielen. Unter den Bildern dieser Art war das vorzüglichste die Euthan- tung des P. Paulus in den Tre fontane zu Rom , und in S.
Giacomo zu Bologna die Madonna mit mehreren Heiligen, worin
er mit den Carracci wetteiferte, und von ihnen gelobt ward. Auch
ein Titius wurde gepriesen; allein der Fleiss war nicht immer seine
Sache, er nahm es sich nicht gerne streng, ist aber nach Lanzi’s
Urtheil doch noch schulgerechter, als Cesari. In Bildnissen zählte
ihn Guido unter die ersten nach Titian, und zog ihm selbst die
Carracci nicht vor, deren Namen seine Bildnisse in manchen Samm-
lungen führen. Vor allen werden die für die Familie Legnani ge-
fertigten Bildnisse gelobt, ganze Figuren, denen er einen histo-
rischen Charakter zu geben suchte. Dadurch empfahl er sich bei
Großen und Reichen, und liess die Carracci hinter sich, welche
er ihm aber an Kunst vorzuziehen sind. Dann rühmt man ihn auch
seiner Federzeichnungen wegen. Agost. Carracci besuchte dessen
Schule, was ihm später für die Stecherkunst zu statten
hatte. Lanzi sagt ferner, dass Passarotti auch ein Buch verfasst
habe, worin er von Symmetrie und Anatomie handelt. G. v. Quandt,
zum Lanzi II 47, glaubt, dass sich Lanzi hierin geirrt haben
könnte, und dass dem Aurelio Passarotti jenes Buch angehören
dürfte, da im Cataloge der Bücher des Grafen Cicognara von die-
sem ein Buch mit verschiedenen Zeichnungen erwähnt wird. Dann
bemerken wir noch, dass der Künstler auch Passerotti geschrieben
wird; weil er sich aber auf seinen Blättern selbst Passarotti nennt,
so folgten wir dieser Lesart. Im Jahre 1502 starb der Künstler,
man weiß aber nicht, wie alt er geworden. C. Gregori stach sein
in der Gallerie zu Florenz befindliches Bildnis. N. Dupuis und
N. Cochin haben ebenfalls sein Bildnis gestochen;
Bartsch P. gr. XVIII 2 ff. beschreibt die schnell und kühn be-
handelten Blätter dieses Künstlers, die im Ganzen selten geworden
sind. Sie haben fast das Ansehen von Holzschnitten. In früheren
Verzeichnissen sind sie oft mit jenen des B. Passari vermischt.
- Joseph von Putiphar’s Frau brünstig umfasst. Links unten
B. P. H. 6 Z., Br. 4 Z. 10 L.
- Der Besuch der heil. Jungfrau bei Elisabeth, grosse Compo-
sition, im Oratorio von S. Giovanni della Misericordia zu
Rom in Fresco gemalt, aber verderbt. Franc. Salviatus
pinxit, Passarotus imitavit. H. 11 Z. 6 L., Br. 16 Z. 7 L.
Bartsch sagt, dass man immer schwache, Abdrücke finde,
was irrig ist; denn R. Weigel fand einen Abdruck von er-
ster Schönheit. Diesen wertet er auf 5 Thlr. 12 gr.
- Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Schoosse, wel-
ches der kleine Johannes umarmt. Links unten B. P. H.
8 Z. 5 L., Br. 8 Z. 7 L.
- Die heil. Jungfrau mit dem Jesuskinde, wie sie die rechte
Hand auf den Nacken des kleinen Johannes legt. Links un-
ten B. P. H. 10 Z. 9 L., Br. 8 Z. 6 L.
- Die heil. Jungfrau mit dem Kinde auf dem Boden sitzend,
auf dem Giebel des Hauses zwei Engel. B. Pasarot. H. 11 Z.
5 L., Br. 1 Z. 1 L.
- Jesus Christus mit dem Siegeszeichen. Rechts unten: B. Pa-
sarot. H. 10 Z. 6 L., Br. 5 Z. 6 L.
Dieses Blatt und die fünf folgenden dürften zu einer grös-
seren Folge gehören.
- St. Peter mit Buch und Schlüssel. B. Pasarot. H. 10 Z. 6 L.,
Br. 5 Z. 6 L.
- St. Andreas mit dem Kreuze. B. Pasarot. H. 10 Z. 6 L.,
Br. 5 Z. 6 L.
Nagler’s Künstler - Lex. X. Bd. 36
St. Johann der Evangelist mit dem Kelche, B. Pasarotti. H.
10 Z. 7 L., Br. 5 Z. 4 L.Der heil. Bartolomäus mit Buch und Messer, B. Pasarotti.
H. 11 Z., Br. 5 Z. 3 L.St. Paulus mit dem Schwerte. H. 11 Z., Br. 5 Z. 6 L.
Die Religion, sitzende weibliche Gestalt mit dem Kreuze.
Rechts unten der Buchstabe B. H. 8 Z., Br. 6 Z. 6 L.Die Malerei, ein geflügeltes sitzendes Weib, wie es malt,
B. P. H. 10 Z. 2 L., Br. 6 Z. 7 L.Ein junges Weib auf dem Bette liegend, B. Passarotti, ver-
kehrt. H. 8 Z. 7 L.Das Opfer. Der Priester steht am Altare, ein Mann wirft
Rauchwerk in’s Feuer, und sechs andere Personen stehen
herum. B. P. H. 8 Z. 6 L., Br. 10 Z. 10 L.
An diese Blätter zieht Bartsch noch das zweifelhafte Blatt
einer heil. Familie, wo Maria das schlafende Kind auf dem
Schoß hält, und Joseph selbes betrachtet. Am Fenster
steht ein Monogramm, welches aber nicht unsern Künstler
bedeutet. Gori legt ihm ausserdem noch das Bild einer
Charitas mit dem säugenden Kinde bei, und Rost die Ver-
mählung des Isaak und der Rahel, nach P. Perugino. Bartsch
konnte keines dieser beiden letzten Blätter finden.
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