Parrocel, Joseph, Maler und Radierer , wurde 1648 zu Brignoles geboren, und von seinem Vater Barthelemy in den Anfangs- stunden der Kunst unterrichtet; er war aber erst 12 Jahre alt, als dieser ihm durch den Tod entrissen wurde. Jetzt nahm sich der ältere Bruder Louis seiner an, unter dessen Leitung unser Künst- ler im historischen Fache glückliche Studien machte, und Parro- cel hatte auch schon mehrere Bildnisse und geschichtliche Scenen gemalt, als er in Rom durch Bourguignon auf einen andern Weg gebracht wurde. Er fühlte sich von den Werken jenes Meisters so angezogen, dass er fortan nur Schlachtbilder malte, und hierin Ruf erwarb, wenn er dem Meister auch nicht in allen Dingen zu vergleichen ist. Parrocel componierte mit Feuer, er wusste seine Helden in der gefährlichsten Lage charakteristisch darzustellen, nur ist er manchmal plump und zu steif, besonders in seinen Pfer- den. Es ist indessen auch Bourguignon nicht durchaus correct in der Zeichnung, und Parrocel hat dies mit ihm gemein. Sonst aber trifft man in seinen Bildern viele gute Partien. Seine Werke wurden daher zu seinen Lebzeiten ausserordentlich geschätzt, selbst in Italien und in England , wohin mehrere wanderten. In Venedig
Erregte er die Rivalität der Maler, und man gibt dieser sogar einen Angriff auf Parrocel’s Leben Schuld, er wurde nämlich zur Nachtzeit am Rialto von gedungenen Banditen überfallen, welchen aber der tapfere Schlachtenmaler Meister wurde. Jetzt kehrte er nach Frankreich zurück, und fand in Paris sein Glück; dies ohne Lebrun’s Gunst, da der Minister Louvois sein Gönner war. Durch ihn erhielt er den Auftrag, in einem der großen Säle des Invalidenhauses die Siege Ludwigs XIV. zu malen, was er mit solchem Beifall bewerkstelligte, dass ihm der König mehrere andere Aufträge ertheilte. Nach Louvois Tod wollte der Oberintendant Mansart des Künstlers entledigen; allein auch dieser konnte ihn nicht in die Bastille bringen, musste im Gegentheile sehen, wie Parrocel in der Gunst des Königs stieg. Parrocel hatte Ludwigs Uebergang über den Rhein so gut gemalt, dass ihm der König auftrug, im Saale zu Versailles andere königliche Gross thaten zu schildern. Von seinen historischen Bildern sieht man eines in der Cathedrale zu Paris, ein sogenanntes Maigemälde von 1694, welches die Predigt des Täufers Johannes darstellt. Im Jahre 1704 starb der Künstler.
J. L. Roullet stach nach ihm David mit Goliath’s Haupt; N. Tardieu: die Predigt des Johannes, Christus am Tabor; Beauvarlet: den Josua vor Jericho; Basan: Défaite des Ligueurs par Henri IV.; de Marcenay: ein Cavalleriegefecht; P. le Bas: die vier Tagezeiten.
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