Palma, Jacopo

Palma, Jacopo, genannt Palma Giovane, geboren zu Venedig 1544 (nach Ridolfi), oder 1541 (nach Zami), gestorben um . Sein Vater Antonio, ein ganz gewöhnlicher Maler, gab ihm den ersten Unterricht, größeren Nutzen zog er aber dadurch, dass er schon früh die Werke Titians und anderer guter Meister kopierte. Im fünfzehnten Jahre fand er den Herzog von Urbino einen Gönner, der ihn in seine Hauptstadt nahm, und dann acht Jahre in Rom unterhielt. Hier zeichnete Palma die alten Kunstwerke, kopierte Michel Angelos und Raphaels Werke, besonders genau aber die Monochrome des Polidoro da Caldara. Dieser war sein großes Muster, bis er sich noch lieber zu Tintoretto wandte, dessen Behändigkeit und Lebendigkeit ihm besonders ansprach. Doch sank er noch nicht zum Schnellmaler herab, es gehören im Gegenteil die Werke, welche er bald darauf ausführte, zu den besten des Meisters, da sich darin die guten Grundsätze der römischen und die besten der Venediger Schule aussprechen. Man hat daher ei- nige seiner früheren Werke dem gründlichen Giorgio Salviati beige- zogen; später ging er mit immer sich steigernder Leichtigkeit zu Werke, und sank immer mehr in der Achtung. Man erkannte sein Treiben, und zog ihm den Tintoretto und Paolo Veronese vor, bis er endlich durch Vittoria, der in Berninis Lage stand, als dritter eintrat. Jetzt wurden ihm ehrenvolle Aufträge zu Teil, allein so wie diese sich häuften, erlahmte Palma in seinem frühe- ren Fleiss, und versank zuletzt ganz in Handwerksmäßigkeit. Er zeigt aber immer noch viel Talent und schöne Einzelnheiten, vor- züglich in den Köpfen, und dass er seinen Zeitgenossen noch gefallen habe, beweist der Umstand, dass er nach dem Tode sei- ner Nebenbuhler, worunter auch Cortona gehört, ohne Mitbe- werber das Feld allein behauptet hatte. Jetzt malte er aber eiliger als zuvor, und wenn man noch ein gut ausgeführtes Bild von ihm haben wollte, so musste man ihm Zeit gönnen, und die Bestimmung des Preises überlasten, der dann nicht allzu bescheiden war. Die fleißigeren Bilder aus seiner letzteren Zeit sind indessen sehr selten, die meisten schnell hingeworfen, fast nur Entwürfe. In besseren Jahren hat er aber nicht wenig verdienstliche Gemälde geliefert, besonders zu Venedig, wo noch jetzt zahlreiche Bilder von ihm gefun- den werden. Schön nennt Lanzi den heil. Benedikt, welchen er aus Auftrag des Hauses Moro für die Kirche der Heiligen Cosmas und Damian malte. Im Dogenpalast sah man ehemals viele Ge- mälde von Palma jun. Berühmt ist die Seeschlacht des Francesco Bembo im Stadthause. Ein figurenreiches Gemälde, voll Schönheit, mannigfaltig und ausdrucksvoll, nennt Lanzi die Auffindung des Kreuzes in Urbino, und ein furchtbares Bild ist nach Lanzi die Schlangenstrafe in S. Bartolomeo. Andere schätzbare Bilder sind in Gallerien des In- und Auslandes, selten aber dürfte er dem älteren Palma gleichkommen. Er ist indessen oft nicht ohne Anmut, seine Tinten sind gewöhnlich frisch, durchsichtig, minder heiter, als jene Paolo’s, aber heiterer, als Tintoretto’s. In Belohnung der Figuren gränzt er an die beiden genannten Meister, min- destens in einigen ausgearbeiteten Bildern, wie Lanzi bemerkt.

In allem Übrigen, führt dieser Schriftsteller fort, habe Palma so viel als hinreichend gefallen, und es sei zu verwundern, wie ein Mann, der das schlechtere Jahrhundert in Venedig einleitete, wie

Vasari in Florenz, Zucchero in Rom, doch noch immer so viel
natürlich und künstlich Lockendes habe, das Auge des Beschauers
zu befriedigen, und sein Herz zu gewinnen. Sein Pinsels Kraft
fühlten wohl Guerino und Guido, als sie bei den in Bologna ein Bild von ihm sahen und ausriefen: Schade, dass der,
weicher so einen Pinsel führt, sterben musste! —

Proben seiner Kunst findet man in vielen Gallerien; zu den bes-
seren gehören die Bilder in München, Wien, Dresden, Braunschweig u. s. w. In der florentinischen Gallerie ist sein Bildnis
von Pazzi gestochen.

Mehrere Compositionen dieses Künstlers sind auch durch Kupfer-
stiche bekannt, von welchen folgende zu den besseren gehören
dürften, neben jenen des Brüsseler Galleriewerkes von D. Teniers
und Prenner. Letzterer, Vorsterman, Troyen, Lisebetius, Ein-
hoets, Boel und Kessel haben sie gestochen.

Brebiette, die Versammlung der Heiligen im Himmel; das
jüngste Gericht,

Dankerts, Maria mit dem Kinde auf dem Schoß,

Earlom, St. Hieronymus mit dem Crucifix.

Elias, Christus am Kreuze, unten die Freunde.

Ferdinand, L., die himmelstürmenden Riesen.

Galle, C., St. Sebastian.

Golzius, H., der heilige Hieronymus unter dem Baume in Be-
trachtung.

Guidi, R., St. Hieronymus in Betrachtung unter dem Baume.

Janet, J., Venus und Adonis; Venus von Mara überrascht,

Kilian, L. W., die Verkündigung der Maria; die Erwe-
ckung des Lazarus (‚Cabinet Reymst); der Satyr mit der
Nymphe auf dem Schoß.

Kirkall, die himmelstürmenden Riesen, Tuschmanier und
weiss gehöht.

Männlich, der Heiland vom Engel gestärkt (Wiener Gallerie).

Matham, die Anbetung der Könige; Christus am Ölberg
und die schlafenden Jünger.

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